vor > 2 Jahre
hallo level40, ich kann deine angaben nur bestätigen. ich arbeite seit nun 9 jahren in einem ähnlichen feld wie du, auch mit jugendlichen arbeitslosen etc., im übergang schule-beruf. teils in der praxis als sozialarbeiterin, teils weil ich soziologin bin, auch mitbeteiligt oder selbständig an studien zum themenfeld.
ich muß nach 9 jahren tätigkeit sagen, daß ich diese arbeitsbedingungen nicht mehr mittragen kann. vor nun ca. 3,5 jahren habe ich mich von der praktischen tätigkeit als sozialarbeiterin verabschiedet. gegenwärtig stehe ich vor einem ähnlichen schritt mit der studienerarbeitung. ich habe die ganzen 9 jahre mehr oder weniger von der hand in den mund gelebt. bezahlung (trotz tarif) auf dem sozialhilfeniveau, wegen der geringen stundenanzahl, die bezahlt wurde. dabei jedoch erwartet, daß ich nicht 20, sondern 30 und mehr stunden arbeite. unentgeltlich versteht sich. die anforderungen durchaus jedesmal ambitioniert und hoch. tolle projekte. aber wenn man als sozialarbeiter nicht die bezahlung bekommt, die es einem ermöglicht, sich auch zu reproduzieren, dann ist man irgendwann unweigerlich ausgebrannt. dies ist im sozialbereich sowieso eine gefahr. und unter solchen bedingungen fast unmöglich zu vermeiden. sozialarbeiter zu sein, jugendliche im übrgang schule-beruf zu beraten und selbst parallel arbeitslos zu sein, weil lediglich als mae-kraft angestellt, das ist der gipfel und nahezu schizophren zu nennen.
in den letzten monaten habe ich nun an einem studienprojekt gearbeitet, von einem städtischen öffentlichen auftraggeber, und muß noch parallel hartz4 beziehen. um ehrlich zu sein, level40, frust und auch wut sitzen mir mittlerweile nicht nur im nacken, sondern tief im bauch und machen mir magenschmerzen und mich selbst langsam auch krank. eigene existenzsorgen parallel zur arbeit behindern die arbeit selbst enorm.
wie ich bereits sagte, momentan stehe ich an einem scheidepunkt, zu entscheiden, daß ich diese arbeit nicht mehr weiter mache. aber was soll ich dann tun? ich habe nichts anderes gelernt. und mittlerweile knapp über 40. was fange ich mit meinen berufserfahrungen an? soll ich als studierte putzkraft irgendwo arbeiten, weil ich für alle anderen qualifizierten tätigkeiten keine ausbildung habe, zusammen mit ungelernten, schulabbrechern etc., also zusammen mit meinen ehemaligen klienten (mit denen ich nach jedem beendeten projekt ohnehin gemeinsam wieder "auf der straße" saß)?
level40, auch bei mir hat sich mit jedem neuen projekt auch die konditionen über die jahre verschlechtert. angefangen hatte ich einmal mit einem arbeitsvertrag, befristet und mit einstiegsgehalt zwar. aber alles,w as danach kam, waren lediglich projekte: abm, mae, stipendien, honorare, praktika. nichts festes.
und wie soll man da lebensplanung betreiben? eine familie gründen etc.pp.?
Zuletzt editiert vor > 2 Jahre