Dumping Gehälter bei Bildungsträgern

  • Level40
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vor > 2 Jahre
Hallo Leidsgenossen,
die letzten 5 Jahre habe ich immer für Bildungsträger, die z.B. Jugendliche in Arbeit vermitteln, umschulen, oder sogenannte Maßnahmen für arbeitslose anbieten, gearbeitet. Es waren immer verschiedene Projekte und die Jobs waren immer befristet. Mit jedem neuen Job hat sich mein Gehalt nach unten verschlechert. Mir hat man zuletzt einen Vollzeit Job angeboten, bei dem ich Umschüler zu Bürokaufleuten ausbilden sollte. Ich habe ein entsprechendes Studium und es ist nicht gerade einfach 40 Stunden die Woche mindestens 20-30 Leuten kaufmännische Kenntnisse zu vermitteln. Für diesen Job bot mir die Leiterin 1900,-- Brutto. Ich habe abgelehnt. Einen ähnlichen Job hatte mir zuvor ein anderer Bildungsträger angeboten, bei der ich eine Maßnahme mit schwierigen Jugendlichen leiten sollte. Hierfür wurde mir sogar 1800,-- Brutto für 40/stunden Woche angeboten. Gehts noch? Normalerweise wurde vor Jahren für diese stressigen Jobs um die 3000,-- Brutto gezahlt. Weil ich meine Familie zu ernähren habe, bin ich darauf angewiesen ein "normales Gehalt" zu beziehen. Mittlerweile sitzt mir der Frust tief im Nacken und ich weiß nicht mehr weiter. Habt ihr auch ähnliche Erfahrungen gemacht ?
  • mvuserin
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vor > 2 Jahre
hallo level40, ich kann deine angaben nur bestätigen. ich arbeite seit nun 9 jahren in einem ähnlichen feld wie du, auch mit jugendlichen arbeitslosen etc., im übergang schule-beruf. teils in der praxis als sozialarbeiterin, teils weil ich soziologin bin, auch mitbeteiligt oder selbständig an studien zum themenfeld.
ich muß nach 9 jahren tätigkeit sagen, daß ich diese arbeitsbedingungen nicht mehr mittragen kann. vor nun ca. 3,5 jahren habe ich mich von der praktischen tätigkeit als sozialarbeiterin verabschiedet. gegenwärtig stehe ich vor einem ähnlichen schritt mit der studienerarbeitung. ich habe die ganzen 9 jahre mehr oder weniger von der hand in den mund gelebt. bezahlung (trotz tarif) auf dem sozialhilfeniveau, wegen der geringen stundenanzahl, die bezahlt wurde. dabei jedoch erwartet, daß ich nicht 20, sondern 30 und mehr stunden arbeite. unentgeltlich versteht sich. die anforderungen durchaus jedesmal ambitioniert und hoch. tolle projekte. aber wenn man als sozialarbeiter nicht die bezahlung bekommt, die es einem ermöglicht, sich auch zu reproduzieren, dann ist man irgendwann unweigerlich ausgebrannt. dies ist im sozialbereich sowieso eine gefahr. und unter solchen bedingungen fast unmöglich zu vermeiden. sozialarbeiter zu sein, jugendliche im übrgang schule-beruf zu beraten und selbst parallel arbeitslos zu sein, weil lediglich als mae-kraft angestellt, das ist der gipfel und nahezu schizophren zu nennen.
in den letzten monaten habe ich nun an einem studienprojekt gearbeitet, von einem städtischen öffentlichen auftraggeber, und muß noch parallel hartz4 beziehen. um ehrlich zu sein, level40, frust und auch wut sitzen mir mittlerweile nicht nur im nacken, sondern tief im bauch und machen mir magenschmerzen und mich selbst langsam auch krank. eigene existenzsorgen parallel zur arbeit behindern die arbeit selbst enorm.
wie ich bereits sagte, momentan stehe ich an einem scheidepunkt, zu entscheiden, daß ich diese arbeit nicht mehr weiter mache. aber was soll ich dann tun? ich habe nichts anderes gelernt. und mittlerweile knapp über 40. was fange ich mit meinen berufserfahrungen an? soll ich als studierte putzkraft irgendwo arbeiten, weil ich für alle anderen qualifizierten tätigkeiten keine ausbildung habe, zusammen mit ungelernten, schulabbrechern etc., also zusammen mit meinen ehemaligen klienten (mit denen ich nach jedem beendeten projekt ohnehin gemeinsam wieder "auf der straße" saß)?
level40, auch bei mir hat sich mit jedem neuen projekt auch die konditionen über die jahre verschlechtert. angefangen hatte ich einmal mit einem arbeitsvertrag, befristet und mit einstiegsgehalt zwar. aber alles,w as danach kam, waren lediglich projekte: abm, mae, stipendien, honorare, praktika. nichts festes.
und wie soll man da lebensplanung betreiben? eine familie gründen etc.pp.?
Zuletzt editiert vor > 2 Jahre
  • Level40
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vor > 2 Jahre
Hallo mvuserin,
auf keinen Fall darfst  Du irgendwelche Jobs annehmen, bei denen für Vollzeit unter 2400,-- Brutto bezahlt wird. Wenn viele das machen, müssen sich die Träger etwas überlegen und mit den Gehältern höher gehen. Aber dieser Ratschlag hilft Dir wahrscheinlich im Moment nicht weiter, oder? Versuche bei der Caritas unterzukommen, die zahlen noch ein einigermaßen normales Gehalt ansonsten kann ich dir nur empfehlen in eine 100 prozentige städtische Einrichtung zu gehen, weil die nach TVÖD zahlen. Dein Ziel sollte es aber vordergründig sein einen unbefristeten Vertrag zu bekommen. Meine Schwester ist Sozialpädagogin und nach befristeten Jobs bei der Stadt hat man sie dann unbefristet eingestellt. Vielleicht schaffst du das ja auch. Ich werde es wohl nicht mehr schaffen weil ich schon 48 Jahre alt bin. Liebe Grüße
Level40
  • Aida
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vor > 2 Jahre
Hallo,
mir geht's momentan ähnlich. Suche zwar keine Stelle als Pädagogin o.ä, sondern "nur" einen Bürojob. Habe reichlich Erfahrung (bin auch schon über 40) und überraschenderweise auch laufend Vorstellungstermine. Gestern war dann das vorerst frustrierendste Gespräch: Vollzeitjob - öffentlicher Dienst - vorrangig hätte ich da mit verärgerten "Problemkunden" zu tun (wurde vorsorglich darauf hingewiesen, dass es psychisch eine sehr schwere Arbeit ist und man starke Nerven braucht. Trotzdem, die Stelle würde mich schon interessieren und reizen. Nur der Hammer, die Bezahlung liegt bei knapp 1900 Euro (brutto.....). Wahnsinn, Wahnsinn.... Ist denn Arbeit gar nichts mehr wert?
Ein ähnliches Gehalt wurde mir vor kurzem auch von einem privaten AG genannt, dort hätte man mich als kaufmännische Alleinkraft eingestellt ....
Bin zur Zeit sehr frustriert :?
  • WalterWachtel
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vor > 1 Jahr
1900 Euro brutto?
Davon träumen andere nur noch!
 
  • Schneeschaufler
  • Status: Erfahren
  • Beiträge: 161
vor > 1 Jahr


auf keinen Fall darfst  Du irgendwelche Jobs annehmen, bei denen für Vollzeit unter 2400,-- Brutto bezahlt wird. 
 
warum nicht?
Die Wahl hat sie ja evtl. gar nicht. Man kann in Schönheit sterben, oder weiter unten einfach mal anfangen.
Nimm an, und bewirb Dich rastlos weiter. Aus einem Job heraus ergeben sich immer noch besere Chancen.
Sehe die Position als Sprungbrett! Viel Erfolg!!
PS: übrigens würde mich privat sehr interessieren, wo diese Mickymausgehälter angeboten werden. Magst Du die Firma nennen, oder wenigstens den Ort?
Zuletzt editiert vor > 1 Jahr
  • Level40
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vor > 1 Jahr
FAA und andere kleinere Bildungsträger. Der erstere hat hauptsächlich Niederlassungen in NRW.
  • Level40
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vor > 1 Jahr
Übrigens es hat sich gelohnt nicht für so ein Dumpinggehalt anzufangen. Ich habe jetzt einen AG bei dem ich das Gehalt, welches man mir in Vollzeit angeboten hatte, mit einer 50 % Stelle verdiene. Leider ist dieser Job auch befristet aber ich hoffe dort bleiben zu können, auch weil dieser AG gut mit seinen Angestellen umgeht.
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