Arbeitslosigkeit und Vereinsamung

  • wurzel
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vor > 3 Jahre
@all

Ich eröffne dieses Thema für Muellina :!:

Vielleicht kann uns ein Gedankenaustausch - vor allem auch mit den Berufstätigen - weiter bringen. Vielleicht können uns die Berufstätigen auch ihre Sicht gegenüber einem Kollegen, der keinen Job mehr hat, näher bringen.

Auf jeden Fall bedanke ich mich im voraus für eine rege Teilnahme und wünsche euch allen alles Gute.

Wurzel
  • Diva
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  • Beiträge: 2822
vor > 3 Jahre
@ Wurzel

Thema Arbeitslosigkeit ist immer sehr unschön.
Vereinsamung - kann ich so nicht bestätigen.
Auch ich kenne Fälle ( ehemalige Kollegen ) die von Arbeitslosigkeit betroffen sind. Das dies nicht einfach ist keine Frage. Auch Zeiten der Niedergeschlagenheit & Mutlosigkeit sind des öfteren der Fall. Aber in Vereinsamung abdriften - nein !!!! Die meisten sind so mit Arbeitssuche & Bewerbungen beschäftigt , das sie sich freuen in den Reststunden ihre sozialen Kontakte zu pflegen oder/und sich auszutauschen.
Ich denke , man muß in so einem Fall die vollständigen sozialen Hintergründe kennen.
a) hatte der Betroffene auch vorher schon wenig soziale Kontakte
b) wie ist es um seinen Freundeskreis bestellt
c) lebt er in , mit , seiner Familie
d) wann hat der Rückzug der sozialen Kontakte begonnen
e) leidet der /die Betroffene an eine Depression
f) nimmt der/ die Betroffene die Angebote der Arbeitsagentur z.b. Sozialdienst in Anspruch.
Das sind alles Punkte die man berücksichtigen muß.
Letztendlich ist aber auch kein Mensch wie der andere.Die einen werden mit so einer Lebensphase fertig / die anderen nicht.
Bei denen die schon so weit abgedriftet sind , das es in Depression & Vereinsamung ausartet hilft meines Erachtens nur eine Selbsthilfegruppe oder noch professionellere Hilfe.


L.Gr. DIVA
  • bodrum56
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vor > 3 Jahre
@ all
@ Wurzel

Ich kann den Ausführungen von Diva weitgehend zustimmen.

Meine persönliche Erfahrung:

Die Arbeitssuche nimmt eine gewisse Zeit in Anspruch. Da ich Single bin, bin ich viele Stunden am Tag alleine,
aber ich unternehme jeden Tag etwas, was ich gerne mache. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man auch in Zeiten der Arbeitslosigkeit einmal neue Leute kennenlernt, z.B. bei Fortbildungen. Wenn dort nicht gleich neue Freundschaften entstehen, so ist es aber so, dass man mit Menschen zusammenkommt, die ähnliche Interessen haben, was im letzten Jahr an meinem Arbeitsplatz nicht der Fall war. Für mich war es viel schlimmer, den ganzen Tag aushalten zu müssen und mit niemandem normal sprechen zu können. Allerdings kann ich auch die Probleme von Muellina verstehen.

Im Moment habe ich keinen Kontakt zu früheren Kollegen/Kolleginnen. Ich habe mich bewusst etwas zurückgezogen, weil ich nicht immer hören möchte, dass gewisse Kollegen, die erheblich kürzere Zeiten in diesem Unternehmen waren und die Situation auch sonst vergleichbar war, die Garantie auf einen Arbeitsplatz bekommen haben. Es handelt sich hierbei um sog. "Extrawürste", für die ich mit allen Mitteln "herausgetrieben" wurde, damit diese nachrücken konnten. Es herrschte in diesem Hause viel sog. "Vetternwirtschaft".

Auch ist es so, dass ich manchmal nicht ans Telefon gehen möchte, wenn ich auf dem Display erkenne, wer mich anruft und mir die Fragerei, z.B.: "Naaaaa, Arbeit gefunden???" auf die Nerven geht.

Liebe Grüsse
  • wurzel
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vor > 3 Jahre
@DIVA

Deine Worte sind hart. Ganz zustimmen kann ich dir nicht in allen Punkten. Sie sind mir zu knapp und zu theoretisch beschrieben.

Klar ist alles immer eine Frage der eigenen Struktur, d.h. Freundeskreis, Familie, Partner etc. Trotz allem ist es in vielen Fällen so, dass der Rückzug nach einiger Zeit (ich spreche hier von mehr als einem Jahr) von alleine kommt. Sicher spielt hier das Alter ebenfalls mit.
Ich habe in der Sozialhilfe so viele vereinsamte Menschen kennengelernt, weil sie nach 2 Jahren ohne Job immer depressiver wurden und sich automatisch zurückgezogen haben. Das Thema ist extrem komplex!

Du schreibst auch, dass die Arbeitslosen so viel rumrennen müssen wegen der Arbeitsagenturen. Schau, in der CH ist es schlichtweg nicht so. Ich zum Beispiel hatte im Oktober einen Termin dort und mein nächster ist Anfangs Januar. Hier hast du weder Unterstützung noch Hilfe. Kurse kann ich auch keine belegen, denn es sind keine Plätze frei im Moment. Ich würde auf Januar vertröstet. Eventuell hat es dann einen Platz in "Standortbestimmung 50 +" - steht aber noch nicht fest.
Wenn ich nicht so engagiert wäre im Sozialbereich würde ich glatt eingehen. Zum Glück macht mir sonst auch viel Freude. Ich gehe ins Fitnesszenter, gehe viel spazieren, tausche mich mit guten Kolleginnen aus, bastle, leiste Sozialarbeit und probiere auf Teufel komm raus neue Kochrezepte aus. Die Küche ist mein Lieblingsreich und ich könnte mich Stunden dort aufhalten :wink:

Versteh mich nicht falsch. Soll keine Kritik an deinen Worten sein, aber Vieles tönt einfacher, wie es wirklich ist.

Liebe Grüsse
Wurzel
  • wurzel
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  • Beiträge: 1665
vor > 3 Jahre
@Bodrum

Danke für dein Statement. Hat mich schon zum Nachdenken gebracht, dass du sagst, dass die jetzige Zeit nicht schlechter ist, als beim alten Arbeitgeber. Wenn ich zurückdenke, dann muss ich heute auch viel zufriedener sein, wie während meiner Krankheit und danach im Mobbingcenter. Danke, dass du mir dies in Erinnerung gerufen hast.

Auch ich habe keine Lust mehr auf die sogenannten, alten Geschäftskollegen. Die Gespräche sind mir zu oberflächlich und bringen mich persönlich keinen Schritt mehr weiter.

Grinsen musste ich bezüglich der Schilderung mit dem Telefon. Genau so mache ich es nämlich auch und habe dabei immer ein schlechtes Gewissen, ich Depp. Auf der anderen Seite bin ich kein Sklave von meinem Telefon und diese Frage kann ich auch nicht mehr hören.

Machs gut, Bodrum, und einen schönen Tag.

Wurzel
  • Diva
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vor > 3 Jahre
@ Wurzel

Liebe Wurzel, ich bin mit meiner Meinung nicht alleine . Leider.
Bodrum hat sich dem weitgehend angeschlossen.
Was ich geschrieben habe , ist leider die Realität - & die ist meistens hart . ( Sorry ) Ich kann auch nur dafür sprechen wie es hier in Deutschland ist.
Ich selbst war 2003 ein Jahr arbeitslos , weil mein Gutsherr mich nicht mehr bezahlen konnte.
Das Arbeitsamt hat mich so auf Trab gehalten , das ich nicht mehr Luft holen konnte.
Ein anderer Gutasherr wollte mich dann unbedingt haben , sonst wäre ich vermutlich heute noch arbeitslos.
Ich weiß also sehr wohl , was es bedeutet !
Nur ist es in der BRD so , dass das Arbeitsamt ein sehr gutes soziales Netz anbietet.
Es liegt an jedem selbst , ob er Gebrauch davon macht !
Niemand , wirklich niemand , muß den sozialen Rückzug antreten , wenn er es selbst nicht will !
Glaube mir , der soziale Rückzug hat oft andere Gründe.
Aber dafür , um darüber urteilen zu können muß man auch die sozialen Hintergründe des Betreffenden kennen.
Ich sage es noch einmal : wenn auch noch eine Depression im Spiel ist , dann ist professionelle Hilfe erforderlich.
Ps. Es ist auch nicht falsch , mal nicht einer Meinung zu sein :roll: :roll: :!:
Natürlich sind meine Gedanken bei Muellina ! Und ich wünsche ihr nichts mehr als das sie es schafft :!: :!: :!:
L. Gr. DIVA
  • Muellina
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vor > 3 Jahre
@ Wurzel

Liebe Wurzel,

erst mal vielen Dank, daß Du dieses Thema für mich eröffnet hast. Und für Dein Verständnis sowieso :!: :!: :!: Aber und @ Diva:

Liebe Diva,

Dein erster Kommentar ist sehr sachlich und sachlich hast Du vollkommen Recht! Allerdings nicht - jedenfalls jetzt, hier und heute - in Bezug auf die Bemühungen der Arbeitsagentur, denn diese bietet mir keinerlei soziale Netze. Sie fördert nicht, sie fordert ausschließlich und außerordentlich unsinnig noch dazu. Vermutlich hattest Du einfach das Glück, innerhalb eines noch halbwegs intakten sozialen Systems arbeitslos gewesen zu sein. Heute und hier ist es leider nicht mehr so, wie es Dir ergangen ist. Jedenfalls und wie auch immer - danke, daß Du so nett an mich denkst und ich hoffe nicht nur, sondern weiß, daß ich es schaffen werde!

Übrigens, auch wenn das nicht so aussieht, ich verfolge sehr gespannt Deine "Tatort Möbelhandel"-Geschichte und bin der Meinung, daß diese Sache wirklich jeden interessieren sollte. Schreib bitte weiter und kläre die Welt weiterhin darüber auf, wie es in Deinem Geschäft zugeht! Auf alle Fälle hast Du meine vollständige Bewunderung dafür, was Du dort alles durchhältst. Ich wünsche Dir alles Liebe und Gute für den Job und noch mehr für's Privatleben!

Und nicht zuletzt @ Sternenhimmel:

siehe Gedankenwühlkiste!
  • wurzel
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  • Beiträge: 1665
vor > 3 Jahre
@DIVA

Liebe Diva

Ich finde es gut, dass wir nicht immer einer Meinung sind :!: Das Leben wäre dann wirklich langweilig. Ich habe also damit keinerlei Probleme, im Gegenteil!
Eines muss ich trotzdem noch loswerden, denn die Wirtschaftslage hat sich doch noch um einiges verschlechtert seit dem Jahre 2003 und du warst damals sicher nicht im Alter von Muellina, Bodrum und mir. Diesen nicht unwichtigen Faktor darfst du nicht vergessen.

Wie ich ja geschrieben habe, ist mir der Umgang des Amts in Deutschland gänzlich fremd, d.h. ich kann nur von der Schweiz sprechen. Sogar hier wird es in den Gemeinden nicht so gehandhabt wie in den grossen Städten. Basel hat viele Arbeitslose und Sozialhilfebezüger und viel zu wenig Mitarbeiter auf den Ämtern. Wie du siehst, scheint eine 51-jährige Kauffrau mit Zusatzausbildung im sozialen Sektor so unwichtig zu sein, dass es vollkommen genügt, wenn man sie alle 3 Monate sieht. Zuweisungen für einen Job habe ich bis heute auch keine bekommen (bin ohne Job seit 1.9. :!:).
Meine Vorgaben sind einfach vorhanden, d.h. ich muss XXXX Bewerbungen schreiben im Monat, die Dinger auflisten und Ende Monat mit allen Unterlagen ans Amt schicken. Ist mein Sachbearbeiter mit meinem Vorgehen soweit zufrieden (was auch immer das heissen soll), erhalte ich mein Geld. Ist so auch nicht das Gelbe vom Ei, aber so geht es hier zu.
Weiterbildung ist auch so ein Thema beim Amt. Eigentlich steht einem diese zu, aber die Kurse sind oft durch unsere vielen Ausländer besetzt, die es ja viel notwendiger haben, wie ich...... :!: Also, somit stehe ich auch hier zurück. Ist doch super, oder :evil: :evil:

So, freu mich auf nächste Diskussion mit dir und wünsche dir einen schönen Abend.

Alles Liebe
Wurzel
  • Diva
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  • Beiträge: 2822
vor > 3 Jahre
@ Wurzel
@ Muellina

Ihr habt natürlich Recht . 2003 hatten wir eine andere Wirtschaftslage & ich habe das 1 Jahr Arbeitslosigkeit auch sehr stressig empfunden.
Damals wurden nochHilfen ( Sozialdienste ) & Gespräche angeboten.
Ich wußte nicht , das man dies nicht mehr anbietet. Da siht man wieder , es wird an der falschen Ecke gespart :roll:
Bei der Schweiz kann ich nicht mitreden , jedoch hört es sich für mich besser an wie in der BRD.
Ein Kollege von mir , den man entlassen hat 62 Jahre schickt das Arbeitsamt von hü nach hott. Schulungen Seminare, Fortbildung etc....
Da kann man sich nur noch an den Kopf fassen :roll: :roll:

L. Gr. DIVA
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