Mangelnde Sozialkompetenz - Frustfaktor 1A

  • wurzel
  • Status: Legende
  • Beiträge: 1665
vor > 3 Jahre
Artikel in der Tagespresse vom 6.3.09

Manchmal entwickelt sich die Karriere rascher als die Persönlichkeit

Ausstrahlung, natürliche Autorität,Sozialkompetenz ? das ist die Summe
aus Fachwissen, Sozialkompetenz und innerer Stärke. All das kann man
sich aneignen. Voraussetzung ist der Wille, an sich zu arbeiten.
Irrtum Nummer eins: Dem Mitarbeiter von heute muss man einen partnerschaftlichen Führungsstil anbieten, alles andere akzeptiert er nicht.
Unsinn,sagt Buchautorin und Unternehmenscoach Marion Lemper-Pychlau. «Angestellte und Chefs mögen gut zusammenarbeiten,gleichberechtigt sind sie deshalb noch lange nicht.» Das Partnerschaftsmodell ist schon deshalb unbrauchbar,weil Angestellte schnell den Eindruck gewinnen, der Vorgesetzte biedere sich an. Und muss der Chef dann mal eine Entscheidung durchsetzen, die
den Mitarbeitern nicht passt, ist der Frust umso grösser. Rückgrat. Irrtum Nummer zwei: Eine Autorität ist automatisch autoritär ?
kein Wunder begegnet man ihr mit Ablehung und Unbehagen. Wer so denkt,
liegt falsch. Eine Autorität ist, wer Hervorragendes leistet, in jeder Situation Rückgrat beweist und lebt, was er sagt. Ein Chef oder eine Chefin mit Autorität hat es gar nicht nötig, autoritär zu sein,
nämlich totalitär, diktatorisch, blinden Gehorsam fordernd. Ein Mensch mit Autorität schafft, wovon viele Führungskräfte träumen: Mitarbeitende führen,ohne dass diese merken, geführt zu werden.
Ein Team zu haben, das mitzieht, weil es dem Chef folgen will - nicht weil es gehorchen muss. Mitarbeitende brauchen keine Glänzer, sondern sozialkompetente Chefs mit natürlicher Autorität. Ein Team, das überzeugt ist, mit seinem Vorgesetzten auf dem richtigen Weg zu sein. Das Ganze funktioniert als Tauschgeschäft: Angestellte geben ihr Bestes, wenn es sich für sie lohnt. Sie erwarten, dass die Führungskraft
ihre Bedürfnisse ausreichend befriedigt. Dazu gehören nicht nur ein
fairer Lohn und ein angenehmer Arbeitsplatz. Mitarbeiter wollen Anerkennung, Bestätigung. Sie wollen Erfolg haben, anständig behandelt werden. Sie möchten ihre Arbeit individuell gestalten,eigene Ideen einbringen, etwas lernen ? und Sinn finden in ihrer Arbeit.

Ein irreales Bild vom Idealchef? Keineswegs. «Natürliche Autorität lässt sich lernen und trainieren», ist Marion Lemper-Pychlau überzeugt. Fachwissen, Sozialkompetenz und innere Stärke seien die wesentlichen Faktoren, und die sind nicht «gottgegeben», sie lassen sich erarbeiten.
Das sei auch notwendig, denn noch immer stünden in der Arbeitswelt
die Sachaspekte im Vordergrund. Nach wie vor sei die fachliche Qualifikation das Hauptkriterium für eine Beförderung.

Die Folge: Manchmal entwickelt sich die Karriere rascher als die Persönlichkeit. Kluge Führungskräfte erkennen diese Defizite und lernen ? verwandeln so eine Schwäche in Stärke. Angenehmer
Nebeneffekt: Mitarbeitende verzeihen Fehler, wenn sie sehen, dass ihr Chef an sich arbeitet.

«Natürliche Autorität hat viel damit zu tun, stimmig zu sein», sagt Christophe Soutter von der ZfU International Business School. In der Rolle als Führungskraft nur authentisch zu wirken,reiche nicht aus. Ein guter Chef bemüht sich daher, dass stimmt, was er sagt, und dass es deckungsgleich ist mit dem, was er denkt. Und schliesslich tut er auch,
was er ausgesprochen hat. Es sei ein Trugschluss zu glauben, fehlende Autorität lasse sich überspielen, ist Soutter überzeugt. Ein bluffender Vorgesetzter wird schnell entlarvt und hat damit etwas Wesentliches schon verspielt: Den Respekt und das Vertrauen seiner Leute.

Für Marion Lemper ist klar: «Es gibt keine Alternative zu natürlicher Autorität.» Sie könne weder durch brillante Fachkompetenz ersetzt werden, noch durch das Aneignen verschiedener Führungstechniken.
Diese seien nur dann eine gute Sache, wenn sie Hand in Hand gehen mit der inneren Haltung und der Persönlichkeit. Es gehe um Charakterethik,
die Technik sei zweitrangig.

Kindererziehung. Was hat Mitarbeiterführung mit Kindererziehung zu tun?
Jede Menge, sind sich Fachleute einig. Wer meine, in der Arbeitswelt sei alles sachbestimmt, der irre sich. «Man ignoriert die Tatsache, dass Gefühle unser Handeln weit mehr bestimmen als rationale
Überlegungen», sagt Marion Lemper-Pychlau. Ein Mitarbeiter, der sich
schlecht geführt fühlt, kann äusserst unvernünftig handeln. Er kann beleidigt,trotzig oder wütend reagieren. Erwachsene sind manchmal genauso emotional wie Kinder ? sie müssen ebenso sorgsam,einfühlsam und bewusst geführt werden.

Dazu Reinhard Sprenger, Autor zahlreicher Managementbücher:
«Nichts demotiviert so gründlich wie die soziale Inkompetenz des Vorgesetzten.
  • bodrum56
  • Status: Weiser
  • Beiträge: 408
vor > 3 Jahre
@ all
@ Wurzel

Es ist wirklich so, nach meinen persönlichen Erfahrungen steht oder fällt das Betriebsklima mit der Sozialkompetenz des Vorgesetzten.

bodrum
  • Sternenhimmel
  • Status: Legende
  • Beiträge: 2028
vor > 3 Jahre
@ Wurzel,

Ich werde mich nicht wiederholen, schon oft haben wir hier gelesen, wie der Chef so die Abteilung.

Wird der Chef selbst von Angst beherrscht, ist kompetenzschwach, hat dann auch mangelnde Führungskompetenzen...
denn " Nichts demotiviert so gründlich wie die soziale Inkompetenz des Vorgesetzten."

Ein interessanter Artikel und besonders diese Aussage :
«Man ignoriert die Tatsache, dass Gefühle unser Handeln weit mehr bestimmen als rationale Überlegungen, sagt Marion Lemper-Pychlau.
Erwachsene sind manchmal genauso emotional wie Kinder ? sie müssen ebenso sorgsam, einfühlsam und bewusst geführt werden."

Danke Wurzel.

L.Gr. Sternenhimmel
  • Schneeschaufler
  • Status: Erfahren
  • Beiträge: 161
vor > 3 Jahre
"Natürliche Autorität lässt sich lernen und trainieren», ist Marion Lemper-Pychlau überzeugt."

Nun, ich denke da anders.

Das Wort "natürlich" drückt es aus.
Es liegt in der Natur einer Person,... oder eben nicht.
  • Profile
  • Status: Legende
  • Beiträge: 581
vor > 3 Jahre
hallo schneeschaufler,

ich gebe Marion Lemper-Pychlau absolut Recht!

Man kann zum Beispiel "reden, wie einem der Schnabel gewachsen ist" oder man kann viel lesen und bewußt an Sprache, Ausdruck und Rhetorik arbeiten und dann "viel besser und überzeugender reden".
Wäre ersteres dann natürlich?
Und zweiteres gekünstelt?
Der Mensch kann nur das, was er wiederholt tut.Das gilt positiven wie im negativen.
Mir wäre im übrigen ein im Umgang mit Menschen geschulter (unnatürlicher)Vorgesetzter wesentlich lieber als ein "natürlich" gebliebenes Arschloch (sorry).

Viele Grüße, Jürgen
  • Schneeschaufler
  • Status: Erfahren
  • Beiträge: 161
vor > 3 Jahre
was Du beschreibst, kann man lernen, ja.

Jetzt redest Du aber von Formen.
Die helfen im Umgang, so wie gute Manieren ja auch hilfreich sind. Man kann und soll an den Formen durchaus feilen, aber das ist ja völlig unbestritten.

Ich bezog mich auf die natürliche Autorität.

"Für Marion Lemper ist klar: «Es gibt keine Alternative zu natürlicher Autorität.» Sie könne weder durch brillante Fachkompetenz ersetzt werden, noch durch das Aneignen verschiedener Führungstechniken."

Vielleicht sollten wir klären, was wir je unter "Autorität" verstehen?
Das Wort Autorität kommt vom lateinischen Verb augere vermehren, fördern bereichern, wachsen.
Wirkliche Autorität ist kein Verhältnis der Machtausübung, sondern der Wertevermittlung, ist nicht Gewalt, sondern Vertrauen. Die Lateiner unterscheiden zwischen auctoritas, die Gewalt ausschließt und potestas (Macht). Die auctoritas bedarf der freien Anerkennung um Autorität zu sein. Gewalt kann sich einseitig durchsetzen und ihr Objekt zerkleinern oder vernichten. Autorität hingegen hat Gewalt nicht nötig und verliert sich gerade in dem Maße, in dem sie durch Gewalt ersetzt wird. Autorität hebt andere, nicht sich selbst.
  • Profile
  • Status: Legende
  • Beiträge: 581
vor > 3 Jahre
hallo schneeschaufler,

völlig richtig, was Du schreibst!
Ich hatte den Eindruck, du meinst, das man natürliche Authorität von Natur aus hat oder nicht. Das mag auch auf manche Menschen zutreffen in den meisten Fällen geht aber das voraus, was die alten Griechen schon als die schwerste Arbeit bezeichen: die Arbeit an sich selbst und die Erkenntnis: Wer bin ich?
Ansonsten kann ich alles was du schreibst unterschreiben.

Viele Grüße, Jürgen
  • Schneeschaufler
  • Status: Erfahren
  • Beiträge: 161
vor > 3 Jahre
exakt.
«Natürliche Autorität hat viel damit zu tun, stimmig zu sein», sagt Christophe Soutter

Nun sind wir aber weit über Managementseminare hinaus, will sagen, der Hund liegt viel weiter unten begraben.
Bei der Mensch-Werdung. Erst mal der Mensch werden, der man ist. Stimmig werden mit sich selber. Bevor man sich auf andere loslässt.
Schritt eins. Den tun viele nicht.
Sie tun gleich Schritt 4, oder 11. Man kann ja schon alles.
Das führt dann oftmals dazu, dass über andere Macht ausgeübt wird, übertüncht von andressierten Formen, die innerlich oft nie vollzogen wurden.
Um in deinem Wortbild zu bleiben: wir haben dann Arschlöcher, die angenehm formulieren.
8) :lol:
  • Profile
  • Status: Legende
  • Beiträge: 581
vor > 3 Jahre
hallo schneeschaufler,

das ist eben der dramatische Unterschied zwischen "verliehener Macht" die als Titel wie Abteilungsleiter, Teamleiter, Manager etc. daherkommt und einer echten Persönlichkeit, was natürlich nicht ausschließt, dass ein Abteilungsleiter etc. auch eine Persönlichkeit sein kann. Nur, eine Persönlichkeit überzeugt allein schon durch Vorbild und Persönlickeit und erzeugt in der Regel als Vorgesetzter einen Sog. Mit diesem Menschen will man zusammenarbeiten und bestmögliche Ergebnisse erreichen. Der andere muß die Hierarchie benutzen und seine ihm verliehen Macht einsetzen und nur diese, denn andere Mittel hat er nicht.
Es gibt ein Sprichwort: Jedes "muß" ist ein Teufelsfressen. Die Ergebnisse sind danach.

Viele Grüße, Jürgen

P.S wir wollen die Arbeitnehmer nicht vergessen. Ein wenig Arbeit an der eigenen Persönlichkeit scha.det auch hier nicht
  • Aida
  • Status: Neuling
  • Beiträge: 19
vor > 3 Jahre
Ich hatte letzte Woche ein Vorstellungsgespräch. Der Chef teilte mir anfangs sofort mit, daß er ein knallharter Mensch ist und auch gut austeilen kann. Er kann keine Assistentin brauchen, die ihm nach einer Kritik beleidigt ist und mit ihm stundenlang nicht mehr spricht.... Ich glaube, dieser Chef müsste einige Führungskräfte-Seminare besuchen....
  • Schneeschaufler
  • Status: Erfahren
  • Beiträge: 161
vor > 3 Jahre
"Er kann keine Assistentin brauchen, die ihm nach einer Kritik beleidigt ist und mit ihm stundenlang nicht mehr spricht.... Ich glaube, dieser Chef müsste einige Führungskräfte-Seminare besuchen...."

Lass mich raten, die letzte Assistentin lief ihm davon?

Ich würde mal ganz locker eine Absage schreiben.
An die Etage über ihm. Sag denen, Du lehnst die Position nach dem Gespräch mit Herrn X ab, weil Du Dich nicht als Sandsack zum Abreagieren beworben hast.
Das mag ihm ein Seminar einbringen.
:lol: :twisted:
  • Aida
  • Status: Neuling
  • Beiträge: 19
vor > 3 Jahre
Hallo Schneeschaufler,
seine bisherige Assistentin ist seine Frau, deren Vertrag nun Ende März abläuft und von der Chefetage nicht mehr verlängert wird....
Antworten

Unsere Job-Foren








© kununu GmbH 2012. Alle Rechte vorbehalten. Kontakt | Impressum | AGB | Disclaimer