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Artikel in der Tagespresse vom 8.5.09
Bewerbungsgespräche in Unternehmen sind halb so wild ? sofern man einige grundsätzliche Regeln einhält
Vera Sohmer
Gespräche mit Personalverantwortlichen und potenziellen künftigen
Chefs sollte man gut vorbereiten. Dies beinhaltet, sich über die Firma
zu erkundigen ? aber auch, sich selbst realistisch einzuschätzen.
«Warum bewerben Sie sich bei uns?», «Was qualifiziert Sie für diese
Stelle?», «Was bringt es unserem Unternehmen,wenn wir Sie einstellen?»,
«Was sind Ihre Stärken, was Ihre Schwächen?
» Mit solchen Fragen wollen Personalverantwortliche herausfinden, ob
Motivation und Qualifikation von Bewerbern stimmen, ob sie sich mit dem
Unternehmen auseinandergesetzt haben,ob sie ins Team passen.
Kurzum: Personalverantwortliche wollen wissen, mit wem sie es zu tun haben ? als Fachperson und als Mensch. Doch das ist kein Grund, nervös zu werden:
Das Kennenlernen beruht auf Gegenseitigkeit.Es ist also wichtig als Bewerber,selbst zu fragen ? bloss nicht das, was man auf der Firmen-Homepage hätte nachlesen können. Deshalb: Hausaufgaben machen und sich auf das Gespräch vorbereiten. Dazu gehört, Informationen über das Unternehmen zu sammeln. Empfehlenswert ist auch, sich bei Berufs- oder Branchenverbänden über die üblichen Einstiegssaläre zu informieren, denn mit der Frage nach Gehaltsvorstellungen ist zu rechnen.
Klug ist, sich mit den möglichen Fragen auseinanderzusetzen. Nicht etwa,
um sich passende Sprüche parat zu legen. Man sollte vielmehr in sich gehen und ehrlich mit sich selbst zu sein. Eine gute Vorbereitung kann matchentscheidend sein.
«Wichtig ist, seine Fähigkeiten realistisch einzuschätzen », sagt Laufbahnberaterin Claire Barmettler.
Selbstbewusstsein. Marketing in eigener Sache und ein gesundes Selbstbewusstsein sind gefragt: Ungünstig wirkt sich aus, wenn Bewerber nur schwammig rüberbringen, was sie können. Seine Stärken zu betonen, ist also erlaubt.
Dabei sollte man aber auf dem Teppich bleiben. Ein hervorragend abgeschlossenes Studium qualifiziert nicht automatisch für einen lukrativen Job, und das Diplom allein überzeugt keinen Personalchef.
Dass einem Studienabgänger die Berufserfahrung fehlt, ist klar. Aber
Vereinsarbeit, Ferienjobs, Praktika oder Auslandssemester sollten Bewerber unbedingt erwähnen. Denn hier haben sie sich wichtige Zusatzqualifikationen erworben.
Die obligatorische Frage nach Schwächen: Sollten Bewerber zugeben,
was sie nicht gut können? Ja, sagt Barmettler. «Jeder hat Schwächen. Gut ist,wenn ich sie kenne und weiss, wie ich damit umgehen kann.» Wenn es für den Job wichtig ist, Projekte zu präsentieren,einen das Lampenfieber aber schier umhaut, soll man das ruhig zugeben.
Und sagen: «Ich habe das Defizit erkannt und arbeite daran.»
Stressfragen. Je nach Branche und Position ist es üblich, Kandidaten mit
Stressfragen auf den Zahn zu fühlen.
Beispiele: Warum sollten wir ausgerechnet Sie einstellen? Wären Sie in einer kleineren Firma nicht besser aufgehoben als in einem internationalen Konzern?
Darauf sachlich und ruhig antworten ? und sich nicht provozieren
lassen. «Mit solchen Fragen will man die Stressresistenz testen», sagt Joanna Rusin- Rohrig vom Karriereberater Hobsons.
Eine beliebte Stressfrage: Warum haben Sie noch immer keine Stelle gefunden?
Mögliche Antwort: «Ich habe mich umgeschaut, war mir aber noch
nicht sicher, was ich wirklich will. In der Zwischenzeit habe ich ein Praktikum gemacht und bin überzeugt, die richtige Sparte gefunden zu haben.»
Es gibt auch Fragen, die Sie nicht beantworten müssen. So sind beispielsweise
Fragen zur Gesundheit tabu, sofern diese nicht im direkten Zusammenhang
mit dem Arbeitsplatz oder der Aufgabe stehen. Ebenfalls nicht erlaubt sind Fragen nach Kinder- und Familienwunsch,nach einer Schwangerschaft,
zur Sexualität oder zur religiösen Einstellung.
Und was, wenn ein Bewerber merkt, dass ihm die Stelle gar nicht zusagt?
«Das Gespräch engagiert zu Ende bringen. Und einen Tag später absagen»,
empfiehlt Barmettler.
Wichtige Karriereregel:Immer korrekt bleiben. Die Geschäftswelt
ist klein. Man muss damit rechnen, sich wieder zu begegnen.
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