Täuschung verhindern, aber wie

  • kanunu4Me
  • Status: Weiser
  • Beiträge: 430
vor > 2 Jahre
Liebe kununus
.
Seit einem Jahr beobachte ich ein Unternehmen in NRW, dass immer wieder Mitarbeiter einstellt und kurz vor dem Auslaufen der Probezeit entlässt.
Auf den Internetseiten wird besonders der stetige wirtschaftliche Wachstumskurs des Unternehmens hervorgehoben, der in einem völligen Gegensatz zu den jeweiligen Entlassungsgründen steht. Die Mitarbeiter sind, wenn überhaupt, nur sehr kurzfristig produktiv im Einsatz und erwirtschaften kaum die eigenen Personalkosten. Meines Wissens hatte das Unternehmen 2009 Kurzarbeit angemeldet.
.
Die zahlreichen Kündigungen in der Probezeit, erfordern seitens des Arbeitgebers zwar keine schriftliche Angabe von Gründen, im Kündigungsgespräch erfahren die Mitarbeiter jedoch, dass die wirtschaftliche Situation eine weitere Beschäftigung unmöglich macht.
.
Mir hat das Unternehmen ebenfalls aus wirtschaftlichen Gründen gekündigt. Ich konnte aber bewirken, dass die betriebsbedingten Entlassungsgründe im Arbeitszeugnis fixiert wurden, sodaß mir weder eine direkte noch indirekte Mitschuld an der wirtschaftlichen Situation unterstellt werden konnte. (Mein Umsatz in der Probezeit deckte in etwa die jährlichen Personalkosten eines MA.)
.
Meines Erachtens handelt es sich um eine andauernde arglistige Täuschung seitens des Arbeitgebers, wenn diese Praxis weiterhin so aufrecht erhalten wird. Es geht auch nicht um Einzelfälle, die Angelegenheit der AG wären, sondern um ein klar erkennbares Prinzip der Unternehmensführung.
.
Wer kann mir einen Rat geben, was man in einem solchen Fall unternehmen kann?
Ich möchte erstens Bewerbern von diesem Unternehmen abraten und zweitens interessiert mich ob jemand etwas zur juristischen Seite sagen kann. Erfüllt die Täuschung seitens des Arbeitgebers überhaupt einen juristischen Tatbestand?
Ich bin aktuell nicht direkt betroffen, da ich inzwischen ein neues Arbeitsverhältnis eingegangen bin, aber würde aktiv werden, um diese zumindest fragwürdige Praxis zu behindern.
.
Vielen Dank für euren Rat
Zuletzt editiert vor > 2 Jahre
  • wurzel
  • Status: Legende
  • Beiträge: 1665
vor > 2 Jahre
@kanunu4Me:
 
Hallo kanunu4Me
 
Es freut mich, dass du wieder ab und zu hier rein schaust und ich hoffe, dass es dir in deinem neuen Job gut geht!
 
Leider kann ich dir keinen Rat geben, denn ich kenne lediglich das CH-Recht. Bei uns könnte man sich an den Gewerbeverband oder den Kaufmännischen Verein oder gar das Arbeitsamt wenden. Diese Stellen gehen solchen Machenschaften nach. Vielleicht habt ihr auch irgend so eine Anlaufstelle.
 
Viele liebe Grüsse
Wurzel
  • kanunu4Me
  • Status: Weiser
  • Beiträge: 430
vor > 2 Jahre
Hallo Wurzel,
danke für deinen Rat ... und ja mir geht es gut :)
Die Unterschiede zwischen CH- und D-Recht kann ich leider nicht beurteilen. Hier gibt es eine IHK (Industrie- u. Handelskammer), die wahrscheinlich ähnlich organisiert ist.
Problematisch ist natürlich die Beweisbarkeit meiner Beobachtung. Über wasserdichte Zahlen und Fakten verfüge ich ja nicht. Ob arglistige Täuschung tatsächlich ein Umstand ist, vor dem Arbeitnehmer hier geschützt werden, oder sich schützen können?
Was kann man tun? Die Reputation des Unternehmens (bis zu 100 MA) ist jetzt schon arg beschädigt. Ob sogar eine Insolvenz droht, kann ich nicht beurteilen, halte es aber für möglich.
Jede Aktion schadet auf der anderen Seite den (Noch-)Angestellten. Das ist schwer zu trennen und sicher auch nicht von mir gewollt.
Bis bald und beste Grüße,
C
  • kanunu4Me
  • Status: Weiser
  • Beiträge: 430
vor > 2 Jahre
ergänzend ...
Kündigungsschutzklagen sind meines Wissens auch kein zielführendes Mittel.
Nochmals Grüße
  • Schneeschaufler
  • Status: Erfahren
  • Beiträge: 161
vor > 2 Jahre
ich sehe keine rechtliche Möglichkeit.
Innerhalb der ersten 6 Monate der Beschäftigung besteht in D kein Kündigungsschutz (unabhängig davon, ob die Probezeit kürzer ist). Man kann also kündigen, ohne Angabe von Gründen, einfach so.
Ich nehme an, dass das Unternehmen dadurch einfach den Kündigungsschutz unterlaufen will, reichlich unprofessionell allerdings. Strafbar jedoch - soweit ich sehe - nicht.
Die Kammern kannst vergessen, die haben noch nie was bewegt. Man könnte das zuständige Arbeitsamt informieren, insbesondere, wenn man über die A-Agentur die Stelle vermittelt bekam.
Die könnten dann ggf. davon absehen, weitere Bewerber dorthin zu vermitteln.
  • kanunu4Me
  • Status: Weiser
  • Beiträge: 430
vor > 2 Jahre
@Schneeschaufler
Hallo, Danke für Deine Einschätzung.
Das habe ich leider befürchtet, dass in dem Fall kaum was zu machen ist.
.
Über die A-Agenturen werden frische Bewerber nicht angelockt. Schon eher über die eigene Webseite, Kontakte, monster u.ä. Portale.
.
Dass die betriebsbedingten Gründe in meinem Zeugnis festgehalten wurden, hat sich nicht von selbst ergeben. Ich hatte die letzte Karte bis zum Schluss in der Hand behalten und dafür gesorgt, dass wichtige Unterlagen in meinem Besitz auch dort blieben. Die unmittelbare Freistellung machte es möglich, mich aus dem Zugriff des Unternehmens zu entfernen. Ohne anständiges Zeugnis, wäre die Angelegenheit eskaliert.
.
Beste Grüße
C
Zuletzt editiert vor > 2 Jahre
  • Karita
  • Status: Neuling
  • Beiträge: 4
vor > 2 Jahre
Hallo,
das Unternehmen möchte durch die steten Stellenanzeigen nach außen hin demonstrieren, daß es prosperiert und einstellen kann. Niemand aus dem Kundenkreis sieht nachher was passiert. Eventuell möchte man sich auch Know-How holen, das durch neue Mitarbeiter kommt.     
Manchmal kann aber auch schon einen Einstellung von 6 Monaten für einen Arbeitslosen ein Sprungbrett sein, deshalb würde ich es nicht nur negativ sehen.
  • kanunu4Me
  • Status: Weiser
  • Beiträge: 430
vor > 2 Jahre
Hallo Karita,
vielen Dank für diese Einschätzung.
In dem Fall empfiehlt sich das Unternehmen nicht als Sprungbrett, denn dafür ist es schlicht zu unbedeutend auf dem Markt.  Eine Karriereschmiede sieht anders aus.
.
Die Kunden des Unternehmens bekommen auch mit, wenn Ihre bevorzugten Ansprechpartner, einer nach dem anderen verschwinden. Dieser Kundenkreis sieht und hört alles.
.
Ein fairer Umgang ist für jedes Unternehmen realisierbar und sei es durch befristete Verträge. Daran können sich beide Seiten orientieren und niemand fühlt sich hinterher betrogen.
.
Ich bin mir nicht sicher Karita, ob Du auf die Art und Weise vor die Tür gesetzt werden möchtest. Das kann den einen oder anderen schon traumatisieren. Die Leute kommen ja idR. nicht aus der Arbeitslosigkeit. Viele geben aufgrund falscher Versprechen eine sichere Beschäftigung auf und erleben dann einen rasantern Absturz.
Diese Leute sind nicht nur ein wenig enttäuscht, sondern fühlen sich betrogen. Die mir bekannten Kunden sind darüber bestens informiert und hinterfragen natürlich, ob ihr Vertrauen in Zukunft noch gerechtfertigt ist.
.
Beste Grüße
Zuletzt editiert vor > 2 Jahre
Antworten

Unsere Job-Foren








© kununu GmbH 2012. Alle Rechte vorbehalten. Kontakt | Impressum | AGB | Disclaimer