vor > 2 Jahre
@all
Hallo!
Vor längerer Zeit hatte ich hier die Frage gestellt: Kann man Stellenanzeigen erkennen, die nur mit dem Ziel geschaltet werden Marketing für Unternehmen zu machen?
Einige von Euch haben ihre Erfahrungen hier berichtet und konnten meinen ?Verdacht? bestätigen, dass tatsächlich eine ganze Menge von Anzeigen im Umlauf sind, hinter denen sich keine echten Stellen verbergen.
Nach meinen Erfahrungen und aus euren Beiträgen habe ich einige Kriterien zusammengestellt, die ich anwende, um mir einen ersten Eindruck zu verschaffen. Vielleicht hilft es dem einen oder der anderen die Stellenanzeigen schneller auszusortieren, bei denen eine Bewerbung erst gar nicht lohnt.
Die folgende Checkliste ist das Ergebnis eigener Recherchen und Erfahrung. Ein 100%iges Ausschlussverfahren kenne ich natürlich auch nicht, aber mir hilft?s:
1. Transparenz
Es sollte immer leicht erkennbar sein wer der Urheber der Anzeige ist.
2. Transparenz in der Personalvermittlung
Wurde die Stellenanzeige durch eine Personalvermittlung geschaltet werden, sollte dies auf den ersten Blick klar sein.
3. Transparenz in der Personalvermittlung
Ob es sich um Arbeitnehmerüberlassung oder eine Personalvermittlung an Mandanten des Vermittlers handelt, sollte aus der Anzeige hervorgehen.
(In Deutschland ist die Überlassung von Arbeitnehmern an Entleiher durch das AÜG (Arbeitnehmerüberlassungsgesetzt) gesetzlich geregelt.)
4. Transparenz in der Personalvermittlung
Bei allen Hoffnungen, die Bewerber in Personalvermittler setzen, sollten ein paar harte Fakten geklärt werden können. Dazu zählt z.B. um welche Branche es sich handelt, wo sich das Unternehmen befindet, wieviel Arbeitnehmer dort arbeiten, usw.
5. Transparenz
Kontaktdaten und Ansprechpartner werden genannt. Bei Fragen des Interessenten ist eine telefonische Nachfrage möglich und es sollten Ansprechpartner genannt werden.
6. Seriosität
Unternehmen die über einen längeren Zeitraum immer wieder die gleichen Anzeigen schalten, tun dies vermutlich zu Werbezwecken. Stellenanzeigen in Internet-Jobbörsen eigenen sich eher dafür, sie sind günstiger als die klassischen Medien (Tages-,Wochenzeitungen).
7. Seriosität
Sachkenntnis in der Formulierung von Anzeigen erkennt man häufig schon am formalen Aufbau der Anzeige.
Die Struktur eines gut aufgebauten Inserats sieht dann so aus:
+ Wir sind ...
(eine Handelskette, ein Baumarkt, ein Dienstleistungsunternehmen, etc.)
+ Wir haben ...
(unseren Vertrieb weiter ausgebaut und ...)
+ Wir suchen ...
(einen Key Account Manager mit folgender Qualifikation für folgende Aufgaben ...)
+ Wir bieten ...
(Arbeitszeiten, Vergütung, betriebliche Altersversorge, etc.)
+ Wir bitten ...
(um vollständige Bewerbungsunterlagen, Nachweis von Referenzen, etc.)
Fehlt dieser Aufbau in Teilen, oder sogar vollständig, ist Skepsis angebracht.
8. Formale Korrektheit
Bei Email-Bewerbungen sollte eine Eingangsbestätigung erfolgen. Idealerweise geht aus der Antwort hervor, bis wann eine Entscheidung zu erwarten ist.
9. Seriosität
Einige Stellenanzeigen quellen über von Werbung für das Unternehmen.
Formulierungen wie "ein dynamisches Unternehmen auf stetigem Wachstumskurs" lassen eher darauf schließen, dass genau das Gegenteil der Fall ist. Gesunde Unternehmen missbrauchen ihre Anzeigen nicht um Werbung für ein Produkt oder überzogene Eigenwerbung zu betreiben.
10. Spezifische Aufgaben
Je spezifischer die Stelle beschrieben ist, um so wahrscheinlicher wird es, dass das Unternehmen qualifiziertes Personal einstellen möchte.
Schwammige Beschreibungen, überzogen Bezeichnungen der Position sprechen eher für Reklame, als für vakante Stellen.
11. Widerspruchsfreiheit
Wer noch nicht sicher ist, ob es sich um eine seriöse Anzeige handelt, sollte Aufgaben und Anforderungen ganz genau lesen. Bestimmte Berufe erfordern bestimmte Kandidaten mit bestimmten Vorraussetzungen. Stehen diese in keinem vernünftigen Verhältnis, so ist Zweifel angebracht. Beispielsweise werden selten IT-Techniker gesucht, die über nachweisbare Referenzen in der Akquise von Neukunden benötigen. (Ausnahmen bestätigen natürlich auch hier die Regel.)
12. Fachlich-sachliche Korrektheit
Stellen, die Anforderungen formulieren, die inhaltliche Widersprüche oder sogar sachliche Fehler aufweisen lassen eher auf eine schlechte Organisation des Personalbereichs, als auf einen tatsächlichen Bedarf schließen.
Die Beispiele sind natürlich so vielfältig wie die Branchen.
Werden z.B. im IT-Bereich Spezialisten mit Kenntnissen der Projektmanagementmethode COBIT gesucht, wurde die Anzeige ohne Sachkenntnis formuliert. (COBIT ist keine Projektmanagementmethode.)
13. Gesetzliche Bestimmungen
Nicht zuletzt zeigt sich die Qualität einer Anzeige an der Beachtung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes, auch Antidiskriminierungsgesetzt (http://de.wikipedia.org/wiki/Allgemeines_Gleichbehandlungsgesetz) genannt.
Unternehmen kennen die daraus erwachsenden Ansprüche und werden sich in der Regel daran halten. Zweifelhafte Formulierung, die oft nur zwischen den Zeilen zu lesen sind, lassen aber auch hier Zweifel aufkommen, ob das Unternehmen es damit so genau nimmt.
Häufig findet man noch Formulierungen wie "unser junges Team sucht Verstärkung". Fragt sich dann, bis zu welcher Altersgrenze Bewerber dort noch eine Chance auf ein Vorstellungsgespräch bekommen. Auch jungen Bewerber werden keine Freude an einem Unternehmen habe, dass sich an Diskriminierung beteiligt. Zudem ist es in Deutschland nicht erlaubt.
14. Widerspruchsfreiheit
Ein Unternehmen mit einer Personalstärke von 20 Mitarbeitern wird in der aktuell angespannten Wirtschaftslage wahrscheinlich nicht 10 neue Mitarbeiter einstellen. Hier ist Skepsis angebracht, wenn zu viele Anzeigen mit diversen Positionen geschaltet werden.
Vielleicht helfen euch die Tipps dabei die "Guten von den Schlechten" einfacher zu unterscheiden.
Beste Grüße,
C