IT-Trainee Programm ist überhaupt nicht zu empfehlen.
Gut am Arbeitgeber finde ich
Jeder Trainee erhält einen Laptop und ein Generalabonnement, so sind wenigstens die Fahrtkosten gedeckt.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Die Freestar ist eine Personalvermittlungsfirma und kein IT-Unternehmen mit Fachleuten. Nach meiner Einschätzung geht es der Firma nicht darum, IT-Fachkräfte auszubilden sondern so viel Geld wie möglich mit dem Einsatz von Praktikanten zu verdienen.
Als ich das Traineeprogramm begann, war ich voller Tatendrang und wollte unbedingt neues lernen. Anfangs verlief das auch ganz gut, ausgenommen ist die damalige Projektleiterin, diese liess bereits in den ersten Tagen durch ihr aufbrausendes, unangemessenes und unprofessionelles Verhalten bereits erste Zweifel aufkommen. Die ersten Wochen verliefen dann aber weitgehend positiv, es wurde auch tatsächlich am Anfang ein gewisser Grundsatz an Wissen vermittelt, der nützlich und auch Interessant war.
Doch nach dem "Bootcamp" (so wird die allgemeine Einführung in das Praktikum genannt) war damit Schluss. Einige Trainees hatten das Glück direkt einen Projektplatz bei einem Kunden zu bekommen und hatten dadurch direkt die Möglichkeit Erfahrungen zu sammeln. Bei 3/4 jedoch war das nicht der Fall. Wir wurden auf Abruf zuhause gelassen und blieben teilweise Wochenlang ohne Informationen wie es denn jetzt mit Projektplätzen aussieht und wie es weitergehen soll.
Dann ging es los mit der "Schulischen Ausbildung" welche samstags stattfand. Nur leider hatte dieses gemeinsame "Zeit absitzen" nichts mit Unterricht zu tun. Es wurden lediglich Prüfungsfragen für die Zertifikatsprüfungen auswendig gelernt aber kein Wissen vermittelt. Hierbei erwähnenswert: Die Kosten für die Plattform Cert2Brain, welche benutzt wurde um Prüfungsfragen zu lernen, mussten von den Trainees übernommen werden, hier zeigt sich meiner Meinung nach erneut: Freestar liegt nicht die Ausbildung der Trainees am Herzen, sondern der möglich Profit, der sich dahinter verbirgt.
Hier würden sich vielleicht einige die Frage stellen: Warum denn nicht einfach vorzeitig abbrechen und sich etwas anderes suchen? Nun Freestar hat Ausbildungskosten vertraglich festgehalten, welche zurückgezahlt werden müssen, sollte der Praktikant das Verhältnis vorzeitig verlassen. Diese Kosten sind willkürlich und in der Höhe absolut unverhältnismässig zu dem "Mehrwert" den diese "Ausbildungen" bieten.
Dann haben schliesslich, nach Monaten des Wartens, einige von uns einen Platz in einem Projekt erhalten. Oft bot dies jedoch nur mässigen Mehrwert, da man schlicht als billige Arbeitskraft benutzt wurde und das lernen von neuen Tätigkeiten nie im Vordergrund stand. Es ging sogar so weit, dass ein paar meiner Staffel Tätigkeiten ausübten, welche mit der Welt der IT eigentlich überhaupt nichts zu tun hatten. Hier könnte man wieder das Gefühl bekommen, dass es Freestar nicht um die Ausbildung der Trainees geht, sondern der Profit an erster Stelle steht.
Ich finde es sehr Schade, dass junge und motivierte Menschen, welche einen neuen Schritt in ihrem Leben gehen wollen, teilweise so dreist ausgenutzt werden. Vermutlich gehört auch ein kleines Bisschen Naivität seitens der Trainees dazu, aber das kann keine Entschuldigung sein.
Falls das jetzt Jemand liest, der in Betracht zieht, das Traineeprogramm beginnen zu wollen: Ich rate dir noch einmal gut darüber nachzudenken und dich zu fragen: ist das wirklich das was ich möchte? Oder wäre ich vielleicht besser dran direkt bei einer Firma nach einem Praktikum zu fragen oder eventuell eine Zweitausbildung zu beginnen?
Verbesserungsvorschläge
Das komplette Traineeprogramm überarbeiten.
1. Wäre es vermutlich besser nur einmal, statt zweimal jährlich neue Praktikanten einzustellen oder wenigstens die Anzahl derer verringern. Die meisten Trainees in unserer Staffel hatten Monate nach Beginn des Praktikums noch immer keine Möglichkeit bekommen eben die praktische Erfahrung in IT Projekten zu sammeln, welche in der Ausschreibung angepriesen wird. Meiner Meinung nach sieht man hier sehr gut, dass das primäre Ziel der Firma nicht ist "junge Menschen beim Berufeinstieg in die Informatik zu begleiten", sondern so viele Praktikanten wie möglich an Kundenprojekte zu vermitteln und so den Gewinn zu maximieren. Denn die Freestar ist eine reine Personalvermittlung.
2. Die erwähnte "Schulische Ausbildung" sollte komplett überarbeitet werden. Die Zertifikate bringen wenig, da kein Fach- und Hintergrundwissen vermittelt wird. Es wird lediglich für die Prüfung gelernt indem man Fragen repetiert. Für den genannten "Frontalunterricht" existiert kein Lehrplan, es gibt keine Unterlagen welche benutzt werden können um Wissen anzueignen und die "Lehrperson" konnte mir oft meine Fragen gar nicht erst beantworten.
Arbeitsatmosphäre
Man wird als Praktikant oft auf seine Position hingewiesen
Work-Life-Balance
Bereits am ersten Tag wurde von uns erwartet, dass wir gefälligst unser Privatleben und persönlichen Angelegenheiten verschieben oder aussetzen, wenn die Firma will. In einem Gespräch über eben dieses Thema meinte die damalige Projektleiterin der Praktikumsausbildung, ich zitiere: "Es ist mir doch egal, ob ihr noch was vorhabt"
Kollegenzusammenhalt
Zusammenhalt unter den Trainees war Okay. Umgang in der Firma kann ich nicht beurteilen.
Vorgesetztenverhalten
Ich persönlich habe mit Personen aus der Führungsebene keine guten Erfahrungen gemacht. Ich wurde teilweise von oben herab behandelt und darauf aufmerksam gemacht, dass ich nur ein Praktikant bin.
Arbeitsbedingungen
Wie bereits erwähnt wurde stets erwartet, die Arbeit über alles zu stellen. Trotz teilweise 50 Einsatzstunden pro Woche (Zum Praktikantenlohn wohlgemerkt) wurden "obligatorische" Termine welche die Arbeit betreffen nicht selten Ausserhalb der normalen Arbeitszeiten über alle Köpfe hinweg und für den selben Tag festgesetzt. Persönliche Termine wurden dabei nicht respektiert.
Kommunikation
Wichtige Informationen werden teilweise spät oder gar nicht mitgeteilt. Manchmal werden Trainees wochenlang nicht kontaktiert und einfach so im Dunkeln gelassen.
Gehalt/Sozialleistungen
Über Lohn der Praktikanten muss man gar nicht erst reden. Schlicht nicht der Rede wert.


