Böttcher AG als Arbeitgeber

  • Jena, Deutschland
  • BrancheHandel
Böttcher AG

Fragwürdiger Umgang mit Menschen und veraltete Arbeitsmethoden

1,6
Nicht empfohlen
Ex-Angestellte/r oder Arbeiter/inHat bis 2020 im Bereich IT gearbeitet.

Gut am Arbeitgeber finde ich

Gehalt ist gut und wird pünktlich bezahlt.

Schlecht am Arbeitgeber finde ich

Den Umgang mit neuen Mitarbeitern. Gerade, wenn man diese offensiv von anderen Unternehmen abwirbt, muss man diese dann schlussfolgernd auch in die hoch-komplexen Abläufe (bei mir IT/Programmierung und Projektmanagement) einarbeiten! Zumal es dazu kaum Möglichkeiten für diesen Mitarbeiter selbst gibt, da es in weiten Teilen an Dokumentation und Wissensmanagement fehlt und etablierte Mitarbeiter kaum Zeit neben ihrer originären Aufgaben finden. Ein Mentoring- oder OnBoarding-Programm, wie ich es in anderen Firmen schon erleben durfte, gab es nicht.
Schlussendlich wurde ich, ohne Angabe von nachvollziehbaren Gründen und ohne jede Vorwarnung, zum letztmöglichen Termin in der Probezeit gekündigt. Da mir zu keiner Zeit nahe gebracht wurde, das ich die aufgetragenen Aufgaben nicht gut erfülle (diese wurden aber auch kaum beachtet oder überprüft), kann ich das weder verstehen noch nachvollziehen und über die Gründe höchstens spekulieren. Ich hatte und habe aber den Eindruck, das damit Fehler und Unzulänglichkeiten anderer kaschiert wurden. Bestimmte Aufgaben, für die ich eingestellt wurde (Modernisierung der Arbeitsplanung- und der -prozesse, Kommunikation, Wissensmanagement, Dokumentation im Verbund zu externem Dienstleister; Projektmanagement) waren kaum lösbar, da bei den Beteiligten großer Widerstand und Ablehnung gegenüber Neuerungen spürbar war, die ggf. zu mehr Transparenz geführt hätten.
Ich hatte vorher eine sichere Arbeitsstelle aufgegeben und bin hohe finanzielle Verpflichtungen und Risiken eingegangen, um für die Böttcher AG tätig zu sein - das war allen Verantwortlichen jederzeit bekannt, hatte aber keine Gewichtung!
Für mich ist das verantwortungsloses Handeln mir und vor allem meiner Familie gegenüber! Ich hab so ein unprofessionelles und kaltes Verhalten vorher noch nie erlebt und bin mehr als enttäuscht!
Aus beruflicher Sicht wundere ich mich darüber, wie man es sich leisten kann oder will, ausgewiesene Fachleute, die man für positive Veränderung anwirbt, zu entlassen, weil man wohl doch lieber alles so lässt, wie es ist. Oder weil man vielleicht denkt, das Unzulänglichkeiten, die über viele Jahre von vielen Mitarbeitern angehäuft wurden, von Einzelnen in wenigen Wochen oder Monaten verbessert oder beseitigt werden könnten - ohne eigene Mithilfe oder sogar gegen Widerstände von Beteiligten.

Verbesserungsvorschläge

- Einführung eines Betriebsrates.
- Mitarbeiter sollten auch als Menschen und nicht hauptsächlich als Kostenfaktor betrachtet werden.
- Mitarbeiter- bzw. Menschenführung sollte ausgebaut werden.
- Die Arbeitsmethoden im administrativen und IT-Bereich sollten modernisiert werden.
- Mehr Teamarbeit statt Einzelkämpfertum.
- Mehr Einbeziehung von Fachkräften in Entscheidungsfindungen.
- Einführung einer Fehler- und Kritik-Kultur. Dazu sollte man auch sachgerecht mit Kritik hier über das Kununu-Portal umgehen können. Es gibt Gründe, warum sich Mitarbeiter lieber hier als persönlich vor Ort äußern!
- Bestehende Strukturen sollten iterativ hinterfragt und verbessert werden.
- Flaschenhälse bzw. Inselwissen und die damit verbundenen Abhängigkeiten sollten abgeschafft bzw. abgemildert werden (betrifft auch und besonders Abhängigkeit zu bestimmtem externen Dienstleister).
- Mehr Urlaubstage.
- In Stellenausschreibungen angebotene Benefits sollten sich im Arbeitsvertrag wiederfinden.

Arbeitsatmosphäre

Lob oder Kritik habe ich nicht erhalten. Es gab keine dedizierte Auseinandersetzung mit meiner Arbeitsleistung (z.B. Mitarbeitergespräch). Eine vertrauliche Atmosphäre kann ich nicht bestätigen. In meiner Wahrnehmung wurde nicht immer offen mit Anderen agiert, sowohl im Hinblick auf Kritik an den Arbeitsmethoden als auch bei betrieblichen Entscheidungen. Diese Entscheidungen werden meist "von oben" und von einzelnen Entscheidern getroffen. Teamarbeit habe ich kaum erlebt, aber oft vermisst und auch eingefordert. Einzelne Mitarbeiter erlebte ich überlastet. Ich habe die Arbeitsatmosphäre eher als unangenehm empfunden.

Kommunikation

Die Kommunikation lief, in meinen Augen, unzeitgemäß und nicht vollständig transparent, dabei gingen Informationen verloren. Existierende Systeme wie Jira und Confluence wurden nicht in ausreichendem Maße und sachgerecht verwendet. Aufgaben mussten oft ad hoc erledigt werden, es wurde vieles nicht geplant und ausgearbeitet. Eine Dokumentation, speziell im IT-Bereich, war unzureichend. Viel Detailwissen konzentrierte sich in den Köpfen einzelner Mitarbeiter und besonders bestimmter, externer Dienstleister, welche sich wohl dadurch quasi unkündbar bzw. unabdingbar machen. Für die Firma Böttcher, meiner Meinung und Erfahrung nach, eine gefährliche Konstellation. Ich habe auf diese Unzulänglichkeiten mehrfach hingewiesen, konnte jedoch keine Veränderung erwirken.

Kollegenzusammenhalt

Einen Kollegenzusammenhalt ich kaum erlebt. Kaum jemand hat sich mir gegenüber zuständig gefühlt, mich einzuarbeiten, niemand hat zwischendurch mal nachgefragt, ob und wie ich zurechtkomme. Ich hatte oft das Gefühl, das viele sehr darauf achten, keine "auf den Deckel" zu bekommen.
Meine Vorschläge für Verbesserungen wurden oft skeptisch betrachtet. Ich hatte auch den Eindruck, das es für manch einen Mitarbeiter einfacher ist, mich als neuen Kollegen, der offenkundig etwas besser weiß, hinter meinem Rücken zu diskreditieren, als die eigenen Ansichten und Fähigkeiten infrage zu stellen oder von mir zu lernen. Eventuell spielte auch bei manchem die Angst mit, das die eigenen Unzulänglichkeiten offenkundig werden könnten, jedenfalls hatte ich diesen Eindruck.
Eine wirkliche Teamarbeit habe ich oft eingefordert, aber stets vermisst. Für mich eine anonyme, unpersönliche Atmosphäre.

Work-Life-Balance

Der Urlaubsanspruch betrug 24 Tage und konnte optional um 3 Tage anteilig im Tausch gegen die (optionale) Gewinnbeteiligung erweitert werden.
Die angebotene Gewinnbeteiligung würde anteilig abgezogen werden, wenn man krank bzw. arbeitsunfähig ist. Ich habe erlebt, das Mitarbeiter offenkundig krank (mit Erkältung) am Arbeitsplatz saßen, ich vermute, dass das im Verlust der Gewinnbeteiligung begründet sein könnte. Für mich keine gute Option, wenn ich mich dabei selbst anstecken könnte.
Überstunden sind keine angefallen, wären aber erfasst und abgegolten worden.

Vorgesetztenverhalten

Anfangs aufgeschlossen und freundlich, als es darum ging, mich als neuen Mitarbeiter zu gewinnen. Danach erlebte ich nur noch wenige Führung und Betreuung. Ich habe offene und verdeckte Grabenkämpfe um Kompetenzen erlebt. Ich wurde nicht sachgerecht eingearbeitet, meine Leistungen wurden, meiner Meinung nach, nicht ausreichend beachtet und beurteilt. Manche der getroffenen Entscheidungen waren für mich nicht transparent und nachvollziehbar. In Entscheidungsfindungen wurde ich wenig einbezogen, Entscheidungen werden von wenigen getroffen und waren in meiner Wahrnehmung oft nicht diskutabel.
Ich habe einen recht autoritären Führungsstil erlebt. Es gibt in meinen Augen Defizite in der Einbeziehung von Mitarbeitern.
Bei der Auflösung meines Vertrages am letzten möglichen Tag der Probezeit ohne Angabe von nachvollziehbaren Gründen und ohne jegliche Vorankündigung habe ich eine starke Empathielosigkeit wahrgenommen. Für mich wurde an der Stelle die soziale Verantwortung des Arbeitgebers mir als Arbeitnehmer und meiner Familie gegenüber schlecht wahrgenommen!

Interessante Aufgaben

Theoretisch ist großes Potential für Veränderung und Modernisierung vorhanden. Es könnte tolle Entwicklungen geben, es gibt auch Mitarbeiter mit guten Ideen. Entscheidungen werden aber oft nur auf oberer Ebene getroffen und vieles "von unten" wurde abgeblockt. Es wurden, in meiner Wahrnehmung, über viele Jahre oder nun schon Jahrzehnte technische Schulden angehäuft. Allein das aufzuarbeiten verspricht Arbeit und Abwechslung für Jahre, so wurde mir das auch von Mitarbeitern kommuniziert. Leider, wie so oft, wird das aber weiter vor sich her geschoben, weil es gefühlt zu aufwändig wäre und keinen direkten Nutzen (sprich Umsatz als größten Erfolgsindikator) bringt. Es ginge vieles definitiv moderner, besser und einfacher. Stattdessen werden, wie in meinem Fall, Wissensträger moderner Methoden entlassen und ein "weiter so wie bisher" gelebt. Das könnte mittel- bis langfristige Folgen haben. Nicht jede Verbesserung ist in wenigen Wochen zu bewältigen, nicht jeder Erfolg ist in Geld auszudrücken. Ich hätte mir da mehr Weitsicht, Risikobereitschaft und Ausdauer gewünscht.

Gleichberechtigung

Eine Gleichbehandlung gibt es offenbar. Mir gegenüber wurden keine Aufstiegsmöglichkeiten propagiert und ich habe keine wahrgenommen. Daher weiß ich auch nicht, ob diese für Frauen möglich sind.

Umgang mit älteren Kollegen

Ich habe wenige ältere Kollegen (für mich sind das welche im Alter 50+) wahrgenommen. Insofern kann ich weder beurteilen, ob diese gleich behandelt noch ob sie besonders gefördert würden. Ich habe mir jedoch schon Gedanken darüber gemacht, warum es so wenig ältere Kollegen gab.

Arbeitsbedingungen

Ich habe in einem Großraumbüro mit geschätzt 80 Arbeitsplätzen gearbeitet. Viele der Mitarbeiter hatten telefonische Tätigkeiten, entsprechen hoch war die Geräuschkulisse.
Ich wurde von einem anderen Arbeitgeber abgeworben , es gab eine mehrwöchige Vorlaufzeit. Trotzdem hatte ich beim Eintreffen keinen eigenen Arbeitsplatz (beim Einsatz bei externem Dienstleister). Intern habe ich beispielsweise einen eigenen E-Mailaccount erst nach Intervention des Vorstands erhalten. Ein On-Boarding habe ich vermisst. In meinen Augen gab es da organisatorische Defizite. Willkommen habe ich mich so nicht gefühlt.

Umwelt-/Sozialbewusstsein

Ein Sozialbewusstsein konnte ich in meinem konkreten Fall (siehe Punkt "Vorgesetztenverhalten") schwer wahrnehmen. Über das Umweltbewusstsein kann ich keine Aussage treffen.

Gehalt/Sozialleistungen

Das Gehalt war überdurchschnittlich und wurde immer pünktlich bezahlt.
Weiterhin gab es noch optionale Gutscheine (nach 6 Monaten) und eine optionale Gewinnbeteiligung (nach 12 Monaten). Davon ist allerdings nichts im Arbeitsvertrag verankert und somit jederzeit eine Kann-Bestimmung. Seltsam in meinen Augen, wenn man damit offensiv offene Stellen bewirbt.
Mein Tipp an künftige Mitarbeiter: Vertrag aufmerksam lesen und sich genau überlegen, ob das für einen selbst passt.

Image

Ich denke, viele Mitarbeiter sind sicher durch das gute Gehalt vordergründig positiv gestimmt. Intern erlebte ich aber viel Unzufriedenheit mit der Art und Weise der Arbeit bzw. Arbeitsorganisation und der chaotischen und stellenweise nicht vorhandenen Führung. Eine Wertschätzung der Mitarbeiter hab ich selbst nicht erlebt. In meinem Bekanntenkreis überwiegt ein schlechtes Ansehen der Firma.
Mein Rat an die Firma: Geld allein ist nicht alles!
Ich erlebe derzeit fortwährend, das meine Kritik hier im Kununu-Portal "vom Arbeitgeber" mittels dem Markieren angeblich unwahrer Behauptungen deaktiviert wird. Ich wünschte mir, das man sich besser sachlich mit der Kritik auseinandersetzt, als sich so intensiv darum zu bemühen, die eigene Außenwirkung bzw. sein Image im eigenen Sinne zu "korrigieren" - auch und gerade im Zusammenhang mit anderen, für mich auffällig positiven Bewertungen hier (manche davon relativ zeitgleich erschienen), die sich wenig mit meinen Erlebnissen decken. Für mich stellt das einen Mangel an Professionalität und Souveränität dar.
In diesem Sinne stimmen für mich Image und Realität nicht überein!

Karriere/Weiterbildung

Weiterbildung habe ich weder angeboten bekommen, nicht erhalten noch als existent wahrgenommen. Ob man Karriere im Sinne von Aufstieg machen kann, wage ich nicht zu beurteilen, ich vermute aber, das die Möglichkeiten begrenzt sind.
Ich persönlich habe mehrfach angeboten, Kollegen im Umgang mit verwendeten Software (Jira, Confluence) oder der Nutzung und dem Nutzen agiler Arbeitsmethoden zu schulen, doch wurde dieses Angebot von Vorgesetzten nicht angenommen. Meiner Erfahrung nach ist es äußerst schwierig, effizient mit Software zu arbeiten, wenn man die Funktionalitäten und zugrundeliegenden Methodiken nicht oder nur unvollständig kennt und versteht!
Essentiell wichtig wäre es in meinen Augen, (neue) Mitarbeiter in die Abläufe der Firma nach einem ausgearbeiteten und qualifizierten Plan einzuarbeiten und sie zu schulen, da diese Vorgänge in der Firma keinem Standard folgen und sehr komplex sind. Dort wurde viel Potential verschenkt, ein einheitlicher Wissensstand konnte so nicht entstehen!
Möglichkeiten zur Persönlichkeitsentwicklung habe ich wenige erlebt, da Entscheidungen in weiten Teilen vorgegeben wurden und ich wenige Raum zur Mitgestaltung hatte.

Arbeitgeber-Kommentar

Nancy PetermannPersonalreferentin

Wir bedauern es wirklich sehr, dass wir nicht, wie gedacht, zusammengepasst haben. Die Auflösung eines Arbeitsverhältnisses belastet zumeist beide Parteien emotional. Jedoch lässt sich dies, trotz intensiven Auswahl- sowie Onboarding-Prozess, nie komplett verhindern und die Probezeit dient dafür, für beide Parteien Sicherheit und Klarheit zu bekommen. Wir bedanken uns an dieser Stelle ausdrücklich für die geleistete Arbeit und wünschen sowohl privat als auch beruflich alles Gute! Die oben vorgenommene Bewertung sowie die inhaltlichen Ausführungen sind voraussichtlich in einer emotional besonderen Situation entstanden, entsprechen jedoch in weiten Teilen nicht dem, was hunderte Mitarbeiter an der Böttcher AG als Arbeitgeber schätzen.