Böttcher AG als Arbeitgeber

  • Jena, Deutschland
  • BrancheHandel
Böttcher AG

Modernisierung des Umgangs mit Angestellten bleibt bei schnellem Wachstum auf der Strecke.

2,5
Nicht empfohlen
Ex-Angestellte/r oder Arbeiter/inHat im Bereich IT gearbeitet.

Gut am Arbeitgeber finde ich

Pünktliche Bezahlung.
Finanzielle Extraleistungen.
Unbefristete Arbeitsverträge (abgeschwächt durch den gesetzlich minimal vorgeschriebenen einen Monat Kündigungsfrist beidseits).
Prinzipiell vorhandener Wille Arbeitnehmer:innen Situation zu verbessern. Vlt. sollte man hier die Beratung wechseln insofern vorhanden.

Schlecht am Arbeitgeber finde ich

Fehlendes Projektmanagement auch für bereichsübergreifende Projekte und Einsicht das die Zeit dann an anderer Stelle fehlt.
Fehlende Belastungsanalyse der Arbeitnehmer:innen.
Warnzeichen werden gar nicht oder viel zu spät ernstgenommen.
Ehrlich und objektiv vorgetragene Kritik und Verbesserungsvorschläge werden als Angriff und nicht als konstruktiver Beitrag wahrgenommen.
Mehr als 24 Tage Urlaub sind nicht im Arbeitsvertrag verankerbar.
Als Mann keine Teilzeit auf Dauer ohne erheblichen Arbeitskampf möglich.
Privathandy ist am Arbeitsplatz verboten aber in der Freizeit dürfen selbstverständlich dienstliche Nachrichten eintrudeln.
Hinweggehen über gesetzliche Arbeitnehmer:innenrechte mit der Begründung "das gilt für alle hier, da bekommen Sie keine Extrawurst".

Verbesserungsvorschläge

1. Betriebsrat
2. regelmäßige Schulung des Führungspersonals zur Mitarbeiter:innenführung und Arbeitsrecht
3. Entlasstung des Führungspersonals (weniger Bereiche und kompetenzzugeordnet pro Person. Lager ≠ IT)
3. Vertrauen und Wertschätzung gegenüber Angestellten entwickeln
4. einkalkulierte Zeit für Teamorganisierung und Abstimmung
5. Projektplanung und Berücksichtigung der benötigten Zeit in Abstimmung zum Alltagsgeschäft der beteiligten und benötigten Mitarbeitenden einführen
6. offene Feedback- und Fehlerkultur, denn nur diese schafft ein Klima in welcher sich Menschen und Abteilungen weiterentwickeln können. Da hilft aktuell auch keine FeelGoodmanagerin oder Personaler:innen welche im Zweifel von oben eingebremst werden.
7. Mehr Köpfe (mit Option Teilzeit) im Team und diese gezielt spezialisieren bzw. fehlende Spezialisierungen gezielt an Board holen. Das entlasstet die Abteilung und schafft automatisch Redundanzen, Zeit für Wissenstransfer sowie neue Inovationen.
8. Führungspersonen welche Mitarbeitern, ohne zu wissen was die Person eigentlich alles macht und welche Auswirkungen dies auf das Unternehmen/die Abteilung hat, die Kündigung anbieten, kritisch hinterfragen.
Abschließend möchte ich sagen das dies alles veränderbare Punkte sind und ich die einzeln handelnden Personen nicht dämonisieren möchte.
Hier ist aber definitiv noch Luft nach oben und wenn man flexible Mitarbeiter:innen haben möchte sollte man vlt. selbst auch flexibler werden und mit der Zeit gehen. Dies wird dem Unternehmen auf Dauer nicht schaden sondern ganz im Gegenteil.
Ich denke das hier ein Unternehmen zu schnell gewachsen ist um allem gerecht zu werden und Entwicklungsschritte übersprungen hat welche nun zum Vorschein kommen.
Gute Bezahlung macht nicht alles wett und deswegen habe ich zu einem anderen Arbeitgeber gewechselt.
Ich wünsche dem Unternehmen und Angestellten alles Gute und eine weiterhin positive Entwicklung (aber in allen Bereichen).

Arbeitsatmosphäre

Im IT-Team je nach Arbeitsbelastung untereinander gut. Allerdings ist es eher die Regel das Arbeit ohne Strukturierung oder Projektplanung "über der Abteilung ausgeschüttet" wird und sich dann das bestmögliche Ergebnis erhofft werden. Dies führt zu Stress und einem dauerhaften Zustand von Überlastung, da es auch keine Erhebung und Einordnung über die benötigte Zeit für die tagtäglich anfallenden Aufgaben oder schon parallel laufende "Projekte" gibt. Man ist dann zwischenzeitlich für 5 Projekte, das IT-Servicetelefon und Vor-Ort-Support zuständig welches einen aus Arbeitsprozessen rausreißt.
Zudem hat selbstverständlich alles höchste Priorität und muss schnellstmöglich erledigt werden.
Lob gibt man sich wenn dann untereinander. Von höherer Stelle sollte man dies nicht erwarten.

Kommunikation

Teamkommunikation untereinander ist schwer herzustellen da es an Zeit fehlt. Dies ist nicht die Schuld der Angestellten sondern eine Frage der Strukturierung. Die Personen welche dafür zuständig wären sind selbst überlastet mit Aufgaben und haben es dadurch nicht geschafft dieser Strukturierung Zeit einzuräumen geschweige denn die Möglichkeit der Weiterbildung in diesem Bereich.
In 3 Jahren hat sich als einzigste Möglichkeit, das die ganze Abteilung regelmäßig miteinander kommuniziert, die Raucherpause herauskristalisiert. Welche natürlich minutengenau von der Arbeitszeit abgezogen wird.
Zudem herrscht zum Teil die Auffassung im Unternehmen lieber den Kopf einzuziehen als einen Fehler oder Unwissenheit zuzugeben. Bedeutet natürlich das man mehr Arbeitszeit aufbringen muss um den Fehler dann selbst zu finden und ihn zu beseitigen. Offene Feedbackkultur wäre hier ein Lösungsansatz bei der keiner direkt eins auf den Deckel kriegt. Würde Arbeitszeit sparen.

Kollegenzusammenhalt

Da wo Druck ist entstehen natürlich Spannungen und Gereiztheit und hier möchte ich die Einzelpersonen des IT-Teams hervorheben die diesem Druck seit Jahren standhalten und ihren Weg damit gefunden haben ohne sich gegenseitig ein Auge auszukratzen und in auftretenden Konflikten miteinander zu reden und die Missverständnisse versuchen glatt zu ziehen. Dazu gehört einiges an Größe ist aber leider nur ein Umgang mit Symptomen.
Zusammenarbeit gleichbedeutend mit Teamarbeit ist quasi nicht möglich da die Projektstrukturierungen und Kapazitäten fehlen um dies zu koordinieren.
Ein aktiver Wissenstransfer und -Dokumentation könnte hier Abhife schaffen.
Wie ein ehemaliger Kollege hier unemotional und vollkommen zutreffend beschrieben hat:
Mehr Teamarbeit weniger Einzelkämpfertum!

Work-Life-Balance

Teilzeit 30h ist ein rotes Tuch, zumindest wenn man männlich ist.
Gleitzeit wird immer hervorgehoben ist aber nicht abbildbar wenn 2 Personen Schichten von 7 bis 20 Uhr abdecken sollen. Teamarbeit ist somit auch nur eingeschränkt möglich.
Pausen außerhalb der Mittagspause sind auf eine vor und eine nach der Mittagspause festgesetzt. Völlig egal ob man mal einen 12h Arbeitstag hat (und da gern mal 1,2 Pausen mehr machen würde) oder seine Soll-8h. Hier geht es allerdings wohl ums Prinzip da die Pausen eh nachgearbeitet werden müssen, da sie erfasst werden.
Gleitzeit und selbstbestimmte, vertrauensvolle Zusammenarbeite sieht aus meiner Sicht anders aus.
Es werden auch bei Bürojobs jeden Tag 10min "Rüstzeit" vom Arbeitsbeginn abgezogen. Wenn man Raucher ist 12min.
HomeOffice erst zwangsweise durch Corona an den Stellen eingeführt wo es gar nicht anders ging.
Projektvorschläge wie man IT-Prozesse HomeOffice-kompatibler gestalten könnte wurden abgelehnt da das Kredo von höherer Stelle lautet: Bis hierher liefs doch "gut" warum was verbessern/verändern?
Ich sehe hier eher die Angst das man einen Kontrollverlust fürchtet und kein Vertrauen in die Mitarbeitenden hat.

Vorgesetztenverhalten

Ich kann hier nur über meine Abteilung schreiben.
1. Musik am Arbeitsplatz ist verboten. Selbst im eigenen Büro in welchem man alleine arbeitet und somit niemanden stört. Auf die Begündung man könne sich mit Musik besser konzentrieren und vom Baustellenlärm abschotten wurde wie folgt geantwortet:
"Die Regeln gelten für alle. Dann arbeiten Sie halt weniger effizient." - Abmahnung
2. Erste Anfrage ob man zusammen kommen könnte um einen Weg auszuarbeiten, unter Berücksichtigung der Unternehmensabläufe, Teilzeit beim Arbeitnehmer einzuführen wurde mit Gespräch auf höherer Ebene beantwortet, in welchem es grundlegend darum ging dem Arbeitnehmer Faulheit und das im Stichlassen der Kollegen vorzuwerfen. Zudem wurde man erinnert wie leicht man zu ersetzen wäre.
3. Nach Durchsetzung der Teilzeit durch den Arbeitnehmer für 1 Jahr der als "Testzeitraum" deklariert war, wurde (ohne eine versprochene Auswertung) vor Ablauf wie folgt kommuniziert: "Sie gehen wieder auf 40h hoch, keine Diskussion oder wir gehen getrennte Wege."
4. Verbesserungvorschläge zur Abteilungsstrukturierung/Projektorganisierung wurden übergangen ohne Faktenprüfung mit dem Verweis man sei ja nur ITler.

Interessante Aufgaben

Interessant sind die Aufgaben alle mal. Man ist ja auch für fast alle verantwortlich.
Aufgrund der Fülle an abzudeckenden Arbeitsgebieten inkl. Telefons und Vor-Ort-Support ist eine Spezialisierung nur schwer möglich da die Zeit fehlt sich konzentriert und ohne Unterbrechung mit einem Thema auseinander zu setzen.
Durch die geringe Anzahl an Mitarbeitern für meinem Bereich Systemintegration, Servicedesk, Softwareverwaltung, Infrastrukturverwaltung, Skripting etc.pp konzentriert sich das Wissen und die Verantwortung auf zu wenig Köpfe für zu viele Bereiche was zwangsweise zu Stress führt.
Gestaltungsfreiräume hat man prinzipiell in den Aufgabengebieten.

Gleichberechtigung

Reines Männerteam. Inwiefern auf Elternzeitnahme durch Männer eingegangen bzw. diese Strukturell vorgesehen ist kann ich abschließend nicht beurteilen. Beim ausloten der Option hatte ich allerdings das Gefühl das davon ausgegangen wird das dies selbstverständlich die Frau übernimmt und der Mann arbeiten geht.
In der aktuellen Abteilungsstruktur wäre dies anders aus meiner Sicht auch nicht abfangbar.
Außerhalb meiner Abteilung gibt es gewertschätzte Frauen in höheren Positionen und der Wiedereinstieg nach Schwangerschaft wird ermöglicht, auch auf Teilzeitbasis.

Arbeitsbedingungen

Höhenverstellbare Tische, auf Wunsch ergonomische Mäuse etc., Klimaanlagen vorhanden.
Küchen, Kühlschränke und Obstversorgung wird gestellt.

Gehalt/Sozialleistungen

Gehalt wird pünktlich bezahlt und ist angemessen. Die Behauptung diese wäre überdurchschnittlich im Bereich IT kann ich aktuell nicht nachvollziehen da ich aktuell in ähnlicher Höhe verdiene.
In anderen Arbeitsbereichen mag dies durchaus zutreffen.
Es fehlen aus meiner Sicht Motivationsprämien für Abschlüsse von großen Projekten oder (Prozess-)Automatisierungen und Optimierungen welche dem Unternehmen dauerhaft Geld einsparen.
Es werden Zusatzzahlungen für Schwangere übernommen, sowie monatlich Gutscheine für Geschäfte der eigenen Wahl ausgegeben. Alle Zusatzleistungen finden sich auf der Homepage oder hier in den Kommentaren.
Wenn man diese mal vergleicht kann man auch orakeln welche Bewertungen hier echt sind.

Image

Ich möchte nicht verschweigen dass das Unternehmen viel tut für seine Angestellten und auch in sozialen Bereichen etc.pp spendet.
Allerdings haben diese Vorteile und Entspannungsmöglichkeiten meist auch einen Haken:
Brainstormen am Kicker ist z.Bsp. keine Arbeitszeit. Mit Laptop auf der Terasse arbeiten keine Option.
Die betriebliche Altersvorsorge hat jeder, der einen Taschenrechner bedienen kann, durchschaut.
Die minutengenaue Abrechnung der geleisteten Stunden umfasst keine Arbeit von zu Hause.
Die ausgelobte hohe Gewinnbeteiligung orientiert sich an den Kranktagen des Arbeitnehmers. Ist also genaugenommen keine Gewinnbeteiligung sondern eine Anwesenheitsprämie welche sich am Unternehmensgewinn orientiert. Pro Kranktag werden 1/30 abgezogen. Es geht hier also nicht um Arbeitsleistung sondern wohl eher darum "Blaumachern" einen Anreiz zu bieten dieses Verhalten im Rahmen zu halten. Der negative Effekt ist das Mitarbeiter:innen zum Teil krank auf Arbeit kommen.
Tatsächliche Gleitzeit wird nicht gewährt.
Zudem kann man auch hier auf der Seite nachlesen wie wichtig und mit welchen Mitteln am Image gearbeitet wird, wie ich unter Gehalt/Sozialleistungen bereits angedeutet habe.

Karriere/Weiterbildung

Da kein Überblick und Interesse bei höheren Ebenen vorhanden ist, was man eigentlich alles macht, findet hier auch keine Förderung oder Weiterbildung geschweige denn Anerkennung statt. Es wird eher die eierlegende Wollmilchsau gesucht, als Menschen in Bereichen zu spezialisieren und zu fördern. Zudem muss man natürlich in einem 2er Systemintegratorenteam auch alles abdecken was der andere abdeckt für den Fall das einer ausfällt oder im Urlaub ist.
Aufstiegschancen waren keine vorhanden.

Arbeitgeber-Kommentar

Nancy PetermannPersonalreferentin

Liebe ehemalige Mitarbeiterin, lieber ehemaliger Mitarbeiter,
wir bedanken uns an dieser Stelle für die geleistete Arbeit und wünschen für die Zukunft alles Gute! Den Kritikpunkten werden wir uns annehmen und in die Weiterentwicklung einfließen lassen. Schade, dass Du bereits implementierte Funktionen bzw. Optionen zur Verbesserung der Arbeitsorganisation, wie bspw. unser Projekt-Management-Team, nicht wahrgenommen hast.

Liebe Grüße