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KPMG AG 
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
Bewertung

Sehr guter Einstiegs-AG mit Schwächen in der Gehaltsstruktur und der Bindung von Mitarbeitern ans Unternehmen

3,7
Empfohlen
Ex-Angestellte/r oder Arbeiter/inHat bei KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in Stuttgart gearbeitet.

Gut am Arbeitgeber finde ich

-immer noch gutes Image, sehr gutes Sprungbrett für einen Exit
-Ausstattung
-hilfsbereite Kollegen
-junges Team

Schlecht am Arbeitgeber finde ich

-unterdurchschnittliche Bezahlung
-teilweises "Hinhalten" von Mitarbeitern die in eine andere Abteilung wechseln wollen

Verbesserungsvorschläge

-Fokus darauf legen die Leute im Staff Bereich mit Erfahrung an das Unternehmen zu binden (höhere Boni, mehr Entlastung der sehr guten Mitarbeiter und nicht immer mehr Arbeit auf deren Schultern)
-Gehaltsstrukturen anpassen (Partner sollten mehr nach unten abgeben)

Arbeitsatmosphäre

Stark abhängig vom Vorgesetzten und den Kollegen auf den unterschiedlichen Mandaten. Gerade einzelne Vorgesetzte haben es manchen Mitarbeitern im Staff-Bereich nicht einfach gemacht und teilweise Druck ausgeübt. Dies empfand ich als sehr unkollegial und nicht fair. Andere loben durchaus und sind daran interessiert, dass man sich weiter entwickelt.

Kommunikation

Wiederum stark abhängig von Manager/Partnern. Auf Mandaten teilweise relativ späte, unkonkrete Kommunikation welche eine falsche Erwartungshaltung in Sachen Deadlines erweckte. In meiner Zeit bei der KPMG (3,5 Jahre in Summe) spürt man jedoch einen Drang dies verbessern zu wollen.

Kollegenzusammenhalt

Auf Staff-Ebene und mit einzelnen Vorgesetzten in jedem Fall gegeben. Man kann immer jemanden fragen bei Fragen/Themen die man selbst nicht beantworten kann. Auf größeren Mandanten herscht teilweise allerdings auch die Denkweise: "Ich mache meinen Bereich und der Rest interessiert mich nicht." Bei kleineren Mandaten hatte ich diesen Eindruck eher weniger.

Work-Life-Balance

In der Busy Season ist die Work-Life-Balance stark eingeschränkt. 60 Stunden die Woche sind hier der Normalzustand für etwa 6-7 Wochen im Jahr. Dem ist man sich im Normalfall aber schon bevor man in der Wirtschaftsprüfung beginnt bewusst. Danach wurde durch die Vorgesetzten darauf geachtet, dass man seine Zeiten wieder reduziert. Allerdings kommt dies auch stark auf den Workload an, der danach noch auf einen wartet.
Urlaub zu nehmen ist hauptsächlich nur im Sommer möglich. Hier hatte ich allerdings regelmäßig 6-7 Wochen am Stück frei. Juli/August sind meist Monate wo nicht viel läuft. Vorausgesetzt man hat kein Mandat mit Stichtag 30.09 o.ä.

Vorgesetztenverhalten

Stark abhängig vom direkten Vorgesetzten. Es gibt einen Vorgesetzten, welchen man teilweise nur einmal im Jahr zum Entwicklungsgespräch zu Gesicht bekommt, da man ansonsten auf anderen Mandaten unterwegs ist. Diese Logik hat sich mir nie genau erschlossen. Wie soll ein Manager eine Person lediglich anhand seiner Projektfeedbacks von anderen Managern richtig beurteilen?
Dies war bei mir im ersten Jahr der Fall, es hat sich durch einen Vorgesetztenwechsel nach dem ersten Jahr dann deutlich verbessert. Es wurde sich für einen eingesetzt (auch was die Bonus Verhandlungen anging) und besser kommuniziert.

Auf dem Mandat hat man dann jeweils einen fachlichen Vorgesetzten (Manager) die teilweise selbst extrem stark überlastet sind und unter Druck stehen. Es fehlt häufig die Zeit bei den Vorgesetzten Nachfragen des Staffs richtig zu erklären.

Interessante Aufgaben

Je nach Mandat und Grade bekommt man sehr schnell einen Überblick über verschiedene Unternehmen und Branchen. Auf individuelle Wünsche bezüglich der Mandate die man zu bearbeiten hat wird teilweise Rücksicht genommen (bei mir war dies der Fall, allerdings gibt es auch Fälle wo dies aus Kapazitätsgründen nicht ging).

Gleichberechtigung

Kein Unterschied feststellbar.

Umgang mit älteren Kollegen

Ältere Kollegen eher die Ausnahme, dann aber gute Einbindung ins Team.

Arbeitsbedingungen

Sehr modern ausgestattete Büro-Räume. Das Equipment ist auf einem aktuellen Stand. IT-Hotline ist immer hilfsbereit und löst Probleme.

Umwelt-/Sozialbewusstsein

Aktuell stark im Fokus. Man versucht hier an Stellschrauben zu drehen um den Arbeitgeber "grüner" zu gestalten.

Gehalt/Sozialleistungen

Gehälter werden immer pünktlich gezahlt. Allerdings steht die Höhe in keinem Verhältnis zur Arbeitsbelastung und der teilweisen Verantwortung die man trägt.

Die Einstiegsgehälter wurden meinem Wissen nach in diesem Jahr nochmals etwas angepasst, nachdem man gemerkt hat, dass die anderen BIG 4 und auch die "kleinere" Konkurrenten besser zahlen. Zusätzlich zum Monatsgehalt gibt es einen fixen Bonus auf das Jahresgehalt (ca. 4% des Jahresgehaltes) und bei "guten Leistungen" einen zusätzlichen flexiblen Bonus, welchen der jeweilige Vorgesetzte für einen aushandeln kann. Dieser Flexbonus bemisst sich häufig allerdings nicht an der direkten Leistung sondern an Zusatzaufgaben wie Praktikantenbetreuung, Organisation von internen Veranstaltungen, etc. In den ersten beiden Jahren wurde mir dieser Flexbonus gestrichen, da ich keine zusätzlichen Aufgaben übernommen hätte. Im dritten Jahr gab es dafür einen. Die Vergabe dieses Flexbonuses sollte m.E. nach deutlich transparenter gestaltet und an klar definierte Kriterien gekoppelt werden.

In jedem Jahr gibt es eine Erhöhung des Gehaltes. Meine bewegten sich immer um die 4-5%.

Image

War nach meinem persönlichen Eindruck schon deutlich besser. Natürlich zieht der Bonus eines BIG 4 Unternehmens weiterhin (sehr gutes Sprungbrett für einen Exit), allerdings hat die Konkurrenz stark aufgeholt und lockt, neben der deutlich besser zahlenden Industrie, die guten Kollegen immer mehr weg. Ich denke eine der größten Herausforderungen wird es für die KPMG im Bereich Audit sein, Mitarbeiter überhaupt noch für eine Zeit von 3-5 Jahren binden zu können. Die Personalrotation ist momentan schon sehr stark und wird sich durch den Fachkräftemangel noch verstärken.

Karriere/Weiterbildung

Hier wird viel unternommen um den Mitarbeitern verschiedene Möglichkeiten zu bieten sich weiter zu entwickeln. Bspw. Audit Experience in den Bereich APP (Accounting Beratung u.a. bei IFRS Conversions oder IPOs) oder Governance (u.a. ESG Beratung). Allerdings ist hier die Zustimmung der Vorgesetzten von Nöten, die teilweise versuchen lieber ihre Kapazitäten zusammen zu halten anstatt einen Mitarbeiter für ein halbes Jahr (oder dann für immer) zu verlieren.
Daneben gibt es jedes Jahr Schulungen zu Themen wie HGB, IFRS, Projektmanagement etc. Das ganze Schulungskonzept ist wirklich top.

Im Audit ist das Wirtschaftsprüfer Examen allerdings von entscheidender Bedeutung. Ohne dieses wird man nicht zu Manager befördert. Das Examen wird großzügig vom AG gefördert.

Was es noch zu erwähnen gilt. Wer bei der KPMG wirklich etwas erreichen will und bereit ist für die Arbeit sehr viel zu opfern, der kann sich in vergleichsweise kurzer Zeit stark weiter entwickeln und auch verdienen.

Arbeitgeber-Kommentar

Ulrike Jenssen, Abteilungsleiterin, Human Relations
Ulrike JenssenAbteilungsleiterin, Human Relations

Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für eine so ausführliche Bewertung genommen hast und der Community und uns dadurch einen gelungenen Einblick in Deinen Arbeitsalltag gibst. Wir freuen uns über die positive Rückmeldung und wünschen Dir viel Erfolg auf Deinem weiteren beruflichen Werdegang!

Viele Grüße nach Stuttgart
Ulrike