KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Logo

KPMG AG 
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
Bewertung

Für Berufseinsteiger mit solidem Profil eine Option, für Berufserfahrene und High Potentials nicht zu empfehlen.

2,5
Nicht empfohlen
Angestellte/r oder Arbeiter/inHat zum Zeitpunkt der Bewertung im Bereich Finanzen / Controlling bei KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in Frankfurt gearbeitet.

Gut am Arbeitgeber finde ich

KPMG als Arbeitgeber im Lebenslauf zu haben, ist weiterhin ein Asset.
Steile Lernkurve, gute Weiterbildungsmöglichkeiten.
Fairer Umgang im Team und mit Vorgesetzten.

Schlecht am Arbeitgeber finde ich

Finanziell wird der Einsatz natürlich nicht wertgeschätzt, das Gehalt ist nicht marktadäquat, kein Jobticket, keine Homeoffice-Zulage, "Beförderungen" auf Staff-Ebene wirken sich monetär kaum aus.
Work-Life-Balance ist gerade an den großen Standorten nicht gegeben.
Hohe Fluktuation führt dazu, dass die verbliebenen Mitarbeiter die Projekte schultern müssen, es fehlt in den Teams an wirklichen klugen Köpfen, an Berufserfahrung und an Zeit, um adäquate Ergebnisse zu liefern.
Die Zustände innerhalb der Entity als Unternehmensführung zu kennen und sich gleichzeitig nach außen in den Medien mit dem führenden Qualitätsanspruch von KPMG zu brüsten, ist moralisch natürlich fragwürdig

Verbesserungsvorschläge

Eine generelle Gehaltsanpassung wird im Zuge des Inflations- und Wettbewerbsdrucks perspektivisch kommen müssen.
Jobticket, Homeoffice-Zulage
Konsequenter Fokus auf Qualität und Einstellung qualifizierter Mitarbeiter, die den ihnen übertragenen Aufgaben auch gewachsen sind.

Arbeitsatmosphäre

Die weichen Arbeitsfaktoren bei KPMG passen durchaus, die Teams sind durchweg jung besetzt (Staff i.d.R. zwischen 20-29 Jahre) und motiviert.
Geringe monetäre Wertschätzung, zu hohe Arbeitsbelastung und die vielen offenen Stellen, schlagen jedoch seit 2018 auch zunehmend auf die Atmosphäre in den Teams durch, wodurch diese in den letzten Jahren deutlich gelitten hat.

Kommunikation

Hier ist ganz klar zu differenzieren:
Die direkten Vorgesetzten und auch die operativen Partner geben sich alle Mühe, um im Rahmen ihrer Entscheidungskompetenz angemessen zu kommunizieren. Die wirklich entscheidenden Faktoren können jedoch auch sie nicht beeinflussen

Die Kommunikation von der Unternehmensspitze und von HR aus, ist dagegen teilweise desaströs. Man möchte sich als modernes, umweltbewusstes Unternehmen präsentieren, scheitert jedoch bereits bei der Einführung eines Jobtickets. Dem eigenen Qualitätsanspruch kann man mit einer zusammengewürfelten Truppe von Berufseinsteigern ohne Stammbelegschaft in keiner Form gerecht werden.
Die Umsetzung leerer Floskeln in konkrete Maßnahmen findet nicht statt.

Seit 10 Jahren werden in global people surveys dieselben Probleme adressiert, ohne dass sich etwas ändert, aber "natürlich nehmen wir Euer Feedback sehr ernst und bemühen uns das zukünftig umzusetzen".

Kollegenzusammenhalt

Ich vermag nichts negatives zu berichten, auch wenn die Themenstellungen aufgrund der fehlenden Berufserfahrung oftmals auf Einzelne überfordernd wirken, hält man zusammen und versucht sich gegenseitig zu helfen, keine Ellenbogenmentalität.

Work-Life-Balance

Der KPMG-Teufelskreis der letzten Jahre ist ungebrochen. Junge Berufsanfänger werden ins kalte Wasser geworfen, da die Teams unterbesetzt sind. Wer damit nicht klar kommt kündigt, wer sich 2-3 Jahre durchbeißt und ggfs. ein Berufsexamen ablegt, steigert seinen Marktwert und wird für Industrieunternehmen interessant. Da das KPMG-Gehalt in den kosmetischen Gehaltsrunden mit dieser Entwicklung nicht schritthält, wechseln die Mitarbeiter und die Lücken werden mit neuen Berufsanfängern geschlossen. Dadurch herrscht natürlich Dauerdruck auf den Projekten und es kann sich nie ein routiniertes Team zusammenfinden.
Das Geschäftsmodell mag für KPMG aufgehen, ggfs. sogar so gewünscht sein und Mitarbeiter in ihren 20ern können die Überstunden auch vergleichsweise gut schultern, von "Work-Life-Balance" kann aber natürlich keine Rede sein.

Vorgesetztenverhalten

Habe in meiner Zeit zwei Vorgesetzte erlebt, kann in beiden Fällen nur positives berichten, man versucht die Mitarbeiter zu schützen, ist verständnisvoll und gibt den eigenen Projektdruck nicht 1:1 nach unten weiter.

Interessante Aufgaben

Auch hier möchte ich differenzieren:
(1) Audit Attestation (3 Jahre bis zu meinem Steuerberaterexamen)
Im ersten Jahr klischeegemäß natürlich viele Abstimmarbeiten, die wenig kognitive Denkansätze erfordern, teilweise aber auch Würdigung von speziellen Bilanzierungsproblemen, je nach Background.
Durch das Online-Prüfungstool ist die Arbeit natürlich sehr generisch, oftmals stumpfsinnige Dokumentationstätigkeiten, starke Orientierung an den Vorjahren, als Motto gilt "je generischer und standardisierter, desto besser, denn umso weniger der Mitarbeiter aktiv nachdenkt, umso weniger kann schiefgehen. Individuelle Arbeitspapiere würden eher zu Rückfragen führen und werden gemieden."

(2) Accounting und Process Advisory (1 Jahr)
Tätigkeit deutlich abwechslungsreicher, fordernder. Ständig neue Sachverhalte, die oftmals ohne Blaupause gelöst werden müssen. Wer an Bilanzierung (HGB, IFRS) Spaß hat, ist hier richtig. Von Accounting-Stellungnahmen, Schulungen von Mandanten und Präsentationen auf deutsch und englisch, ist alles dabei.
Externe Unternehmen schätzen ehemalige Mitarbeiter dieser Abteilungen besonders, Audit Attestation ist eher Massenware.

Gleichberechtigung

Ich kann nichts negatives berichten, allerdings sind die ständigen Gleichberechtigungsinitiativen und die Kommunikation hierzu irgendwann nur noch anstrengend (Änderung des Branding von der "Männerfarbe" blau zu violett-blau). Wer auf diese Art und Weise Gleichberechtigung herstellen möchte, hat den Kern des Problems nicht verstanden und scheint den Fokus eher auf die Außendarstellung zu legen, als das Problem nach innen hinein anzugehen.

Umgang mit älteren Kollegen

Ich kenne nach vierjähriger Tätigkeit maximal eine Handvoll älterer Kollegen auf Staff-Ebene und für jeden war man als Einsteiger unfassbar dankbar, da diese Souveränität sowie Erfahrung ausgestrahlt haben und sich viel Zeit nahmen, um "Neulinge" einzuarbeiten. Leider dennoch eine aussterbende Art, da KPMG erfahrene D-Grades nicht mehr wertschätzt.

Arbeitsbedingungen

Im Square (Frankfurt) fehlt es häufiger mal an zweiten Bildschirmen oder ähnlichem. Keine Pflanzen im Büro, Klimaanlage funktioniert nicht. In kleinen Niederlassungen ist das Bürokonzept deutlich besser umgesetzt und man fühlt sich wirklich wohl.

Umwelt-/Sozialbewusstsein

Beiträge und Angebote zur betrieblichen Altersvorsorge bewegen sich auf dem absoluten Minimalniveau, kein Jobticket, obwohl seit Jahren gefordert und bei Niederlassungen in unmittelbarer City-Lage absolut sinnvoll.
Auch bei Lease-a-Bike-Modellen im Gegensatz zur Konkurrenz lediglich Rückzug auf die steuerliche Förderung, ohne Bezuschussung oder ähnliches.

Gehalt/Sozialleistungen

Als Berufseinsteiger mit Masterabschluss ohne Berufserfahrung sind 3.700€ (brutto) pro Monat in Städten wie Mannheim und Frankfurt in Zeiten des Fachkräftemangels im Gesamtmarkt kaum mehr konkurrenzfähig.
Allein auf die Benchmark "Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung" bezogen, ist das Gehalt "marktüblich", einfach weil kleine und mittlere Prüfungsgesellschaften ebenfalls nicht mehr zahlen.
Als Berufseinsteiger wirklich nur zu empfehlen, wenn man auch die Berufsexamina abschließen möchte.

In den Folgejahren meist Gehaltsrunden von 6-10% (Ausnahmen 2020: Gehaltsrunde wegen Covid19 fast vollständig ausgefallen und in Folgejahren nicht nachgeholt), sodass sich gehaltsmäßig wenig tut.

Spätestens nach 2-3 Jahren sind bei Wechsel in die Industrie Gehaltssteigerungen von 50-80% bei mehr Urlaub und weniger Wochenarbeitszeit realistisch. Hier heißt es Beförderung zum Manager annehmen, oder kündigen. Erfahrene Staff-Mitarbeiter sind im Geschäftsmodell der Big Four nicht gewünscht.

Image

Spätestens nach Wirecard ist der Blick der Öffentlichkeit auf die Branche der Wirtschaftsprüfer sehr kritisch. Industrieunternehmen suchen jedoch weiterhin aktiv ehemalige Big Four Mitarbeiter und schätzen diese.

Aus Beratungsperspektive haben exklusivere Beratungsboutiquen natürlich die Nase vorn, KPMG bietet hier eher solides Mittelmaß.

Karriere/Weiterbildung

Die Examensbudgets sind vom Volumen her in Ordnung, unterscheiden sich jedoch je nach Service Line. Ein Highlight sind sicherlich externe Accounting Schulungen, die von renommierteren Professoren und Praxisanwendern gehalten werden.
Wirkliche Business Englisch Kurse fehlen, ebenso SAP-Kurse sowie Excel-Schulungen auf hohem Niveau (2 Tage SAP-Anwenderschulung für Neueinsteiger blende ich jetzt einmal aus).

Arbeitgeber-Kommentar

Ulrike Jenssen, Abteilungsleiterin, Human Relations
Ulrike JenssenAbteilungsleiterin, Human Relations

Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast, Deine Erfahrungen so ausführlich mit uns und der Community zu teilen. Es tut uns leid, dass Du in einzelnen Punkten nicht zufrieden bist und wir würden gerne eine Lösung für Deinen Unmut finden. Wir möchten Dich daher ermutigen, Deine konstruktive Kritik auch einmal in den regelmäßigen Feedbackgespräche mit Deiner Führungskraft zu thematisieren. Wir leben eine offene Feedbackkultur und häufig findet sich zusammen eine gute Lösung. Wir freuen uns, dass Du im Team bist.

Viele Grüße nach Frankfurt
Ulrike