Porsche AG als Arbeitgeber

Porsche AG

"Strahlend hell" ist das Image - und unter dem Kerzenständer ist es dunkel

2,5
Nicht empfohlen
Angestellte/r oder Arbeiter/inHat zum Zeitpunkt der Bewertung im Bereich Forschung / Entwicklung bei Dr.-Ing.h.c. Porsche AG in Stuttgart gearbeitet.

Arbeitsatmosphäre

Ich kam mit hohen Erwartungen zu Porsche und hatte aufgrund des doch starken Image auch auf eine sehr professionelle Arbeitskultur gehofft. Aber mit der Zeit bekam das "Idealbild" leider immer mehr Risse. Natürlich ist die Schilderung subjektiv, denn ich werte nun aus meiner Sicht auf die Dinge.
Die Atmosphäre empfinde ich nicht als wirklich angenehm. Es fängt schon mit den Wegezeiten an, sie sind ziemlich weit. Vom Parkplatz zum Gebäude, zwischen den Gebäuden im Werk. Es gibt z.B. keine Werksräder, aber dafür nen Shuttlebus der stoisch rumkreist.
Leasingkräfte/ANÜs sowie alle studentischen Anstellungen (Praktikanten, ... , Abschlussarbeiter) dürfen in einem anderen Ort parken und müssen per Shuttlebus herfahren. Per ÖPNV ist das EZW leider mehr schlecht als recht angebunden.

Ich sitze in einem Großraumbüro, hoher Lärmpegel. Telefonkabinen werden nicht genutzt, man schallt den Raum zu, gerade wenn mehrere telefonieren. Kommunikation von oben nach unten klappt leider mehr schlecht als recht, viel Flurfunk und die GL duckst gerne um klare (tw. auch unbequeme) Worte... schade! Klare, verlässliche Worte schätze ich mehr als Euphemismen und diffuses Wischiwaschi.

Kommunikation

Es finden zwar, in sporadischen Turnus, Runden statt, vor Ort wie auch via Konferenz, doch da wird nicht gefiltert. Was betrifft die Abteilung, was das Team, was nur einige wenige? Egal, einfach alles mal durchrauschen und dadurch auch eine hohe Blablaquote. Das ist insofern schade, weil die interessanten Themen da nur kurz abgehandelt werden und Rückfragen nicht ausführlich beantwortet werden. Auch werden Themen in großen Runden andiskutiert, welche nur einzelne MA betreffen und damit ist die Vertraulichkeit ad absurdum geführt.
Regelmäßig finden Werbeveranstaltungen der Gewerkschaft statt - ach nee, das sind die Betriebsversammlungen. Allgemein ist die dort verdammt stark vertreten, aber so "demokratisch", dass es nur eine gibt. Der Rest... tja gibt es nicht, braucht es nicht.

Kollegenzusammenhalt

Ebenso ein schwieriger Punkt, denn dafür kann die Firma nicht so wirklich was. Es kommt hier sehr auf die Menschen an, manchmal hat man Glück und man trifft auf richtig nette, lustige und auch umgängliche Leute, denen es daran liegt dir etwas zu vermitteln. Andere dagegen sind stocksteif, distanziert und pflegen nur ihren Weg. So illuster sind nun mal die Menschen, so triffst du sie in jeder Firma an.

Immerhin ziehen sie alle an einem Strang, aber leider wird durch manche Individuen dafür gesorgt, dass keine besondere Vertrauensatmosphäre entstehen kann...

Work-Life-Balance

Ist doch recht gut, mobiles Arbeiten ist möglich, ebenso werden die vertraglich vereinbarten Stunden eingehalten und man hat verschiedenen Zeitkonten. Gleitzeit (6:30 - 20 Uhr) + keine Kernarbeitszeit. Sehr gut! Einige 35 h Verträge werden mit Zusatzvereinbarung "umschifft" zu 40er Verträgen.

Interessant: Leasingskräfte werden stets mit 40 h bestellt, keine Wahlmöglichkeit für jene.

Vorgesetztenverhalten

Schwieriger Punkt, weil die Firma den einzelnen Menschen schwer beeinflussen kann. Habe ich Pech?

Ich gehe mit einem Problem zu ihm und komme mit zwei wieder zurück. Sofern ich jenen überhaupt mal treffen kann, denn oft ist er nirgends zu sehen. Informationen werden nur "zusammengefasst" übertragen, gerne nur mündlich, dann können die Inhalte hinterher "angepasst" werden. Oft spürte und spüre ich das Gefühl nicht wichtig zu sein, die Probleme sind alleine zu lösen, denn die vielen Runden und die vielen Berichte, da ist für die Mitarbeiter keine Zeit.

Entscheidungen werden oftmals einfach kommuniziert und sind hinzunehmen. Mir fehlte es auch an regelmäßig stattfinden Teamrunden, wurden oftmals "wegen wichtigeren Runden" abgesagt.

Ein neuer Mitarbeiter kommt, z.B. wegen eines internen Wechsels? Erfährt man spät und dann wird jener nicht vorgestellt und mal vor versammelter Mannschaft begrüßt. Ist einfach da, er kann sich selbst darum kümmern.

Interessante Aufgaben

Wer hier herkommt und meint "Jetzt machen wir mal Entwicklung, jetzt sind wir Ingenieur!" der ... wird bald verstehen warum es heißt "Dann geh zum Lieferanten oder einem Dienstleister." Viiiiiel telefonieren, viel abstimmen, Ergebnisse einkopieren und für andere Talkrunden aufbereiten, schöne und viele Excellisten pflegen die in zig Ordner verstreut sind. Herumspaßen mit zig Systemen, z.T. uralte PAG-Haussoftware nebst welcher von VAG, hier ne Teams/Skyperunde, da wieder ne Exceltabelle ausfertigen und hier noch ne Powerpoint oder nen Lastenheft in Word (Nein kein Scherz), Doors oder einem VW-Tool. Vielleicht noch in Excel auskopieren, damit man das 108. Unterverzeichnis noch mit Dateien füllen kann. Oft kannst die Aufgaben auch mit "Hängen in der IT-Warteschleife" füllen und beschreiben, denn die krankt bei PAG regelmäßig. Da stürzt etwas ständig ab, da wartest auf nen Antrag, hier kannst wieder Tickets eröffnen, da macht deine Datenbank mal wieder nichts, da lässt sich den ganzen Vormittag das CAD-Programm nicht starten - und niemand weiß weswegen ... herrlich! Dann machste halt parallel wieder an nem Excelsheet weiter. Von denen existieren so viele, es ist einfach der Wahnsinn.

Gleichberechtigung

Also intern werden schon mal Frauen bevorzugt, denn es ist ja Quote und wenn die halt Himmel & Hölle springen können, dann ist das vergleichbar mit Masterabschluss im technischen Bereich beim Mann.... Quooooote! Die Kollegen mit den uralt Verträgen und ebenso asbachuralter "Mitgliedschaft" können sich herausnehmen was sie wollen, daneben sitzt die Leasingkraft, der man ständig die Karotte "Übernahme" vor die Nase hängt, damit die Rädchen schön weiter gedreht werden... sonst kippt die Abteilung um und man muss wieder arbeiten, statt über den Urlaub zu reden. Das empfinde ich als wirklich dreist!

Arbeitsbedingungen

Äh... wenn die IT wenigstens funktionieren würde. Aber sie ist nur langsam, unzuverlässig und so funktioniert auch der Support. Stellst nen Antrag dann kann der (selten) schnell durch sein oder (die Regel) nach zwei Wochen mal endlich bearbeitet werden. Das Büro selbst ist gut, zwar älter, aber man kümmerte sich darum. Selbst im Sommer, trotz fehlender Klima, angenehmes Arbeiten möglich.

Blöd sind die Wegezeiten, aber dass man Roller, Fahrräder etc. anschafft um die so zu verkürzen?

Lärmpegel dank Großraumbüro und viel Telefonitis ist hoch. Dafür gibt es zwar Zellen und Minibesprechungsräume, aber die nutzt kaum jemand.

Umwelt-/Sozialbewusstsein

Nun ja, das Produktportfolio lässt sich sehr schlecht damit in Einklang bringen. Ist ja wohl auch klar, ein Porsche soll kein kleiner Hybrid sein... der soll einfach Power haben. OK, ist eben so. Aber wozu dann noch ein Dieselgate von Nöten war? Spricht natürlich für Umweltbewusstsein außerhalb das genannten Aspekts zu den Produkten...

Aber dafür gurkt man lieber mit einem alten Dieselbus den ganzen Tag kreisend durchs Werk, statt eben Alternativen wie Fahrräder anzubieten. Zwar sorgt man für eine Entlastung des Individualverkehrs zum Werk mit Pendlerparkplätzen weiter weg - aber die sind freiwillig. Es sei denn, du bist Student in unterschiedlicher Funktion oder du wirst "geleast", dann haste dort zu parken. Faktisch ein Zweiklassensystem...

Beim ÖPNV muss Porsche endlich mehr Druck auf die Verkehrsbetrieb in der Region machen, das EZW ist wirklich suboptimal angebunden.

Fairtradeprodukte werden offeriert und immer wieder mit einbezogen.

Gehalt/Sozialleistungen

Durch sowas wie die Prämie schon hoch, aber dieser Geldregen trifft nicht alle und man sorgt auch dafür, dass das so bleibt. Denn sonst werden die Stücke für die anderen kleiner! Aber das normale Gehalt findest so auch bei anderen Firmen in der Umgebung, muss nicht mal Automobilindustrie sein. All das Geld täuscht aber nicht wirklich über die Mittelmäßigkeit in den anderen Bereichen weg - leider!

Image

Na dafür werden alle Hebel in Bewegung gesetzt und auch Unsummen an Geld ausgegeben. Denn das Image verkauft diese Autos, das Image macht diesen fiktiven Vorsprung aus.