Schütze AG als Arbeitgeber

Schütze AG

Würde Schütze halten, was sie versprechen, wäre es ein top Arbeitgeber. Leider komplette Überlastung.

3,5
Nicht empfohlen
Angestellte/r oder Arbeiter/inHat zum Zeitpunkt der Bewertung bei Schütze AG in Berlin gearbeitet.

Gut am Arbeitgeber finde ich

+ faire Bezahlung/tolle Sozialleistungen
+ tolle Kollegen/Vorgesetzte
+ Projekte mit sozialem Nutzen
+ Homeoffice
+ es wird einem viel Vertrauen entgegengebracht

Schlecht am Arbeitgeber finde ich

- viel zu hohe Arbeitsbelastung
- schlechte Einarbeitung
- fehlende Prozesse/Strukturen
- neue Mitarbeiter werden direkt zum Kunden geschickt
- keine klaren Verantwortlichkeiten
Ich habe versucht, eine faire/ehrliche Bewertung abzugeben. Diese klingt jedoch viel positiver, als meine Gefühlslage ist. Durch die Gespräche mit anderen Kollegen habe ich erfahren, dass es sehr viele Gleichgesinnte gibt, die ebenfalls schon mehrmals durch die hohe Arbeitsbelastung kurz vorm Zusammenbruch standen. Ich habe mehrfach das Gespräch zu meiner/meinem Vorgesetzten gesucht, welche/r sich auch immer die Zeit genommen hat, mir zuzuhören und versucht hat, Maßnahmen zu ergreifen, jedoch waren diese sehr begrenzt, weshalb es für mich leider immer schlimmer wurde.
Die sehr guten Bewertungen hier wundern mich. Ich habe aufgrund dieser Bewertungen meinen langjährigen AG gewechselt, bei dem mir eine hohe Abfindung bevorgestanden hätte (natürlich wusste ich das zu dem Zeitpunkt noch nicht). Im Nachhinein habe ich das sehr bereut, da durch die hohe Fluktuation bei Schütze ständig neue MA gesucht werden. Daher hoffe ich, dass meine Bewertung potenziellen Bewerbern hilft, eine gute Entscheidung zu treffen.

Verbesserungsvorschläge

- geplante strukturierte Einarbeitung (über das Onboarding hinaus), damit neue Mitarbeiter die Zeit haben, in Ruhe anzukommen und sich wohl zu fühlen
- weniger Aufträge annehmen, wenn das benötigte Personal nicht zur Verfügung steht
- trotz Agilität klare Strukturen und Prozesse schaffen
- klare Verantwortlichkeiten definieren

Arbeitsatmosphäre

+ Transparenz
+ wertschätzende/r Vorgesetzte/r
+ tolle Kollegen
- leider völlige Überlastung und Überforderung, was die positiven Faktoren für mich leider nicht ausgleichen

Kommunikation

Kommunikation vom Vorstand top. Man wird immer auf dem Laufenden gehalten und wöchentlich über aktuelle Themen informiert (z. B. Auftragslage, Umgang/Maßnahmen zum COVID-19-Virus).
Kommunikation vom Management/Teamleitung lässt - vermutlich aufgrund der zu hohen Arbeitsbelastung - zu wünschen übrig.

Kollegenzusammenhalt

Tolle Kollegen. Es wird stark drauf geachtet, dass die Kollegen zum Unternehmen und zum Team passen.
Allerdings ist man auch häufig Einzelkämpfer, arbeitet nicht im Team und muss sich vieles selbst beibringen.

Work-Life-Balance

Leider hält hier der AG nicht, was er verspricht. Im Prinzip gibt es Gleitzeit und Homeoffice. Durch die sehr hohe Arbeitsbelastung häufen sich allerdings sehr viele Überstunden an. Privatleben gibt es zu manchen Phasen so gut wie gar nicht mehr. Es ist zwar möglich, jederzeit einen Gleitzeittag zu nehmen, aber dann darf man am nächsten Tag doppelt so lange arbeiten, um seine Arbeit zu schaffen.
Zu loben ist aber definitiv, wie das Unternehmen mit dem COVID-19-Virus umgegangen ist. Allen Mitarbeitern wird/wurde ermöglicht, von zu Hause zu arbeiten. Das entsprechende Equipment (Bildschirme, Stühle) wurde nach Hause gebracht. Zudem wurde man regelmäßig über Maßnahmen informiert.

Vorgesetztenverhalten

Sehr wertschätzende/r Vorgesetzte/r. Leider auch komplett überlastet und daher begrenzte Möglichkeiten.

Interessante Aufgaben

Die Aufgaben sind interessant und abwechslungsreich. Wer Routine mag, ist hier falsch. Man bekommt die Möglichkeit, viel zu lernen/sich neues Wissen anzueignen, jedoch immer mit dem bitteren Beigeschmack der absoluten Überlastung.
Man wird zudem sehr gefordert, was gut ist, aber leider mündet dies oft in Überforderung.
Neue Kollegen werden in den ersten Tagen zum Kunden geschickt, was ich als sehr unprofessionell empfinde. Es werden Kollegen eingeplant, die sich noch im Bewerbungsprozess befinden. Endet dieser negativ, lastet noch mehr Arbeit auf den Schultern der vorhandenen Kollegen.

Gleichberechtigung

Es wird nach Leistung bewertet. Sicherlich haben die Vorgesetzten auch ihre Lieblinge, aber sowohl Männer als auch Frauen besetzen Führungspositionen.

Umgang mit älteren Kollegen

Die meisten Kollegen sind relativ jung. Jede/r wird gleich behandelt.

Arbeitsbedingungen

Tolle Räume, Einrichtung. Klimaanlage, kostenloses (Sprudel-) Wasser, Tee, Kaffee, Bio Milch, Milch-Alternativen, Obstkorb, höhenverstellbare Tische, teilweise große Monitore und bequeme Stühle. Super Verkehrsanbindung.
ABER dies alles nur, wenn man denn wirklich im Büro arbeitet und nicht beim Kunden arbeitet. Dort können ganz andere (wesentlich schlechtere) Bedingungen herrschen. Schütze wirbt damit, dass MA nicht öfter als zwei Tage die Woche zum Kunden "müssen". Manche MA sind täglich dort.

Umwelt-/Sozialbewusstsein

Hier hat der AG einige Maßnahmen ergriffen, wie Bio Milch, Seife ohne Palmöl, kein Fleisch zu Firmenevents. Top!

Gehalt/Sozialleistungen

+ Zahlungen kommen immer pünktlich.
+ Schütze legt viel Wert auf Transparenz, somit sind alle Gehälter für alle einsehbar.
+ Es gibt weitere Sozialleistungen wie Job Ticket (verhandelbar), Mitgliedschaft im Fitnessstudio (Fitness first oder USC), Zuzahlung/Umwandlung Jobrad.
+ Mitarbeiter-Beteiligung einmal jährlich
+ Ich kann mich über mein Gehalt eigentlich nicht beklagen,
- ALLERDINGS gibt es leider keine Job-Beschreibung, weshalb sich Aufgaben mit anderen Rollen überlappen und ich oft das Gefühl habe, Aufgaben zu erledigen, die nicht meiner Rolle/meinem Gehalt entsprechen.
- Was Gehaltsverhandlungen angeht, gibt es jährlich Gespräche. Durch eine Kollegin habe ich erfahren, dass es innerhalb des ersten Jahres keine Erhöhungen gibt. Wenn man also ganz ungünstig anfängt und die Gespräche gerade gelaufen sind (im Sommer), erhält man zwei Jahre keine Erhöhung.

Image

Meiner Meinung nach stimmt das Image mit der Realität leider nicht überein.

Karriere/Weiterbildung

Man kann wohl einmal jährlich eine Weiterbildung machen. Aufgrund der viel zu hohen Arbeitsbelastung (ich weiß, ich wiederhole mich), ist daran allerdings nicht zu denken.
Hier wird der Fokus eher darauf gelegt, welche Zertifikate für potenzielle Kunden benötigt werden, als dass der MA sich weiterentwickelt.

Arbeitgeber-Kommentar

Martin Rebs, Mitglied des Vorstandes
Martin RebsMitglied des Vorstandes

Liebe Kollegin, lieber Kollege,

danke für Deine ausführliche und differenzierte Bewertung. Zuerst möchte ich Dir und Deinen Kolleginnen und Kollegen sehr danken, ich sehe wie sehr Ihr Euch einsetzt und was Ihr unter den gegebenen Umständen leistet. Wie Du weißt, begleiten wir unsere Kunden bei herausfordernden Projekten, sei es in der Softwareentwicklung oder in der Beratung (zeit)kritischer Projekte, die häufig im politischen Raum unter besonderer Beobachtung stehen. Die Mitwirkung von Dir sollte aber nicht zur Überforderung führen.

Deshalb habe ich zwei Bitten an Dich:
Erstens: bitte geh erneut auf deine Teamleitung zu und sprich ohne Angst zu haben aus, dass Du Dich überfordert fühlst. Schildere es am besten anhand von konkreten Beispielen. Arbeitet dann gemeinsam heraus, was Dir konkret hilft, diese Situation zu überwinden. Den Onboarding-Prozess haben wir auf Basis des Feedbacks bestehender und neuer Kolleginnen und Kollegen bereits letztes Jahr weiter professionalisiert, dies zeigen auch die regelmäßigen Ergebnisse der monatlichen Befragungen, die durchweg gut und bis sehr gut ausfallen. Vielleicht hilft Dir persönlich auch eine weitere vertiefende fachliche Einarbeitung, um Projektsituationen besser bewältigen zu können? Dies könnte bspw. ein fachliches Sparring mit einer erfahrenen Kollegin oder eines Kollegen sein.

Die zweite Bitte an Dich: ich würde gern mit Dir direkt sprechen, da ich besser verstehen möchte, welche Versprechen wir bei Dir noch nicht halten. Verabrede Dich doch zu einem gemeinsamen Kaffee mit mir.
Mir ist wichtig, dass sich Deine Situation innerhalb von drei Monaten für Dich merklich ändert und Du dann die Chance hast, anders über uns zu denken.

Bei dieser Gelegenheit würde ich Dir in unseren IT-Systemen gern selbst einmal zeigen, dass unsere Fluktuationsrate mit 8,4% weit unter Branchendurchschnitt liegt. Durch die Transparenz könnte der Eindruck bei Dir entstanden sein, dass es relativ viele Personen bei knapp 180 Mitarbeitenden sind. Um keinen falschen Eindruck bei Dir entstehen zu lassen: mir und uns ist wichtig, dass jede und jeder gern bei uns arbeitet und dass wir lange zusammenarbeiten, denn dann haben beide Seiten viel davon. Gerade deshalb würde ich mich freuen, wenn wir ins Gespräch kommen.

Viele Grüße
Martin