Wir sind alle «Familie»
Arbeitsatmosphäre
Als Mitarbeiter wird von einem verlangt, Kunden gänzlich eigenständig zu betreuen und beraten sowie deren Projekte nahezu alleine zu entwickeln und umzusetzen. Da für die Firma lediglich Zahlen und Fakten zählen und dass Deadlines eingehalten werden, gehören Überstunden bis spät abends zur Tagesordnung. Selbstverständlich wird dieser Einsatz von der Geschäftsleitung nicht ansatzweise wertgeschätzt oder entsprechend anerkannt.
Stattdessen setzt man langjährigen und engagierten Mitarbeitern lieber einen neuen direkten Vorgesetzen vor die Nase, welcher eigentlich zur Unterstützung des Teams eingestellt worden ist. Dieser entschied sich dann jedoch, lediglich seine eigenen Arbeiten zu verfolgen bzw. den Lernenden abzudelegieren, um jeweils pünktlich Feierabend zu machen, während der Rest des Teams wieder bis 19.00 oder 20.00 Uhr im Büro die Stellung halten durfte, damit Termine eingehalten werden konnte.
Ebenso sprach sich besagter Vorgesetzter zunächst darüber aus, wie wichtig ihm direkte und ehrliche Kommunikation sei, sich dann aber jedoch hintenrum bei der Geschäftsleitung über die anderen Mitarbeiter beschwerte, sodass diese letztendlich gekündigt wurde.
Kommunikation
Die offene und direkte Kommunikation innerhalb des Betriebs liess leider stark zu wünschen übrig. Wichtige News, Informationen oder interne Pläne wurde lediglich für ausgewähltes Personal im kleinen Kreis kommuniziert. Den normalen Fussvolk-Mitarbeiter wurden dieselben Infos erst Tage oder Wochen später zufällig über sieben Ecken zugetragen.
Ebenso ist es nicht empfehlenswert eine eigene Meinung zu haben geschweige denn diese offen kundzutun. Sollte man es dennoch in Erwägung ziehen, Dinge an- oder auszusprechen, so funktionierte die interne Kommunikation plötzlich einwandfrei, da man daraufhin entweder ins Büro des Geschäftsführers zitiert wurde, wo man den gottlosesten Anschiss seines Lebens in Empfang nehmen durfte, oder schliesslich einfach direkt und ohne jeglichen triftigen Grund die Kündigung auf dem Tisch hatte.
Kollegenzusammenhalt
Der Zusammenhalt innerhalb der Firma war grösstenteils nur Fassade und lediglich unter einigen einzelnen Mitarbeitern sowie den Lernenden wirklich vertreten. Es wurde zwar immer wieder gepredigt, wir wären alle zusammen eine grosse Familie, was jedoch ebenfalls nur aufgesetzt war. Die Realität jedoch sah so aus, dass lediglich vereinzelte interne Personen privilegiert wurden. Diese wurden von der Geschäftsleitung dementsprechend auch automatisch besser behandelt und wertgeschätzt.
Wie jedes Luxusgut hat aber auch diese privilegierte Stellung seinen Preis: Verabschiede dich von deiner Meinungsfreiheit und bereite dich darauf vor, der Geschäftsleitung in regelmässigen Abständen ungeschmiert und bis zum Anschlag…ihr versteht schon.
Work-Life-Balance
Trotz flexiblen Arbeitszeiten, war die Work-Life-Balance im Betrieb nicht wirklich ausgewogen. Klar, man durfte beschränkt im Homeoffice arbeiten, dennoch liessen die hohe Arbeitsbelastung und täglichen Überstunden nicht viel Raum für Freizeit.
Wenn man mal krankheitsbedingt ausfiel und zufälligerweise den Laptop zu Hause hatte, wurde man sogar gefragt, ob man sich nicht von zu Hause aus um anstehende Arbeiten kümmern könne - als wäre dies eine Selbstverständlichkeit.
Vorgesetztenverhalten
Das Verhalten der Vorgesetzen war schlichtweg unprofessionell und zeugte insgesamt nicht wirklich von Kompetenz. Anstelle für seine Mitarbeiter einzustehen und ihnen den Rücken zu stärken, wurden diese oft hinter- und übergangen und Entscheidungen wurden ohne deren Mitsprache recht gefällt. Cholerisches Verhalten seitens des Geschäftsführers, welcher die emotionale Belastbarkeit eines Kleinkindes hat, war ebenfalls häufig ein Grund für die unentspannte Arbeitsatmosphäre.
Interessante Aufgaben
Die Arbeiten waren wenig abwechslungsreich und auch überhaupt nicht innovativ. Grösstenteils bestanden die Aufgaben aus wiederkehrenden Aufträgen und Periodika, welche keine echten Herausforderungen darstellten.
Die Möglichkeit, sich auch auf kleinere Jobs oder Laufkundschaft und somit auch auf kreative Kleinarbeiten zu konzentrieren, wurde noch nicht einmal in Erwägung gezogen, da diese für die Firma anscheinend nicht spannend genug seien und finanziell nicht genügend ertragsreich wären.
Arbeitsbedingungen
Die Büros waren relativ klein, was im Sommer bzw. sobald die Sonne etwas stärker schien, zu unerträglicher Hitze innerhalb der Räume führte.
Die Temperatur überschritt teilweise sogar die vom Arbeitsschutzgesetz vorgeschriebenen Höchstwerte, was das Arbeiten in dieser Zeit äusserts unangenehm und belastend machte.
Während die Büros der Geschäftsleitung seit Anbeginn klimatisiert waren, wurde uns mehrmals versprochen, dass auch in den anderen Räumlichkeiten Klimaanlagen eingebaut werden sollen, was jedoch nie umgesetzt wurde.
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann schwitzen sie noch heute.