Im Wandel viel von der alten Stärke verloren
Verbesserungsvorschläge
Die wichtigsten Verbesserungsfelder sehe ich vor allem in zwei Bereichen: Kultur und interne Weiterentwicklung. Das Unternehmen sollte wieder stärker an einer offenen, wertschätzenden und vertrauensvollen Kultur arbeiten. Zufriedene Mitarbeitende sind ein wesentlicher Erfolgsfaktor und bringen deutlich mehr Ideen, Engagement und Verbesserungspotenzial ein. Gleichzeitig sollten interne Strukturen, Prozesse und Verantwortlichkeiten stärker priorisiert und mit einer klaren strategischen Ausrichtung weiterentwickelt werden. Das würde aus meiner Sicht dazu beitragen, das Unternehmen langfristig stabiler und zukunftsfähiger aufzustellen.
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre hat in jüngerer Zeit stark gelitten. Viele Mitarbeitende wirken verunsichert, und es entsteht der Eindruck, dass Kritik nicht mehr wirklich erwünscht ist. Eine offene und vertrauensvolle Kultur ist aus meiner Sicht kaum noch vorhanden. Dass zum Abschied mehrfach Sätze wie „Herzlichen Glückwunsch“ oder „Du Glücklicher“ fielen, spricht für sich.
Kommunikation
Die Kommunikation im Unternehmen war schon lange verbesserungswürdig und hat sich in letzter Zeit weiter verschlechtert. Informationen stehen nicht selten im Widerspruch zu dem, was später tatsächlich umgesetzt wird. Gleichzeitig erfolgt die Kommunikation häufig nicht auf Augenhöhe, sondern eher hierarchisch und distanziert. Das fördert ein Klima der Angst statt Offenheit und Vertrauen.
Kollegenzusammenhalt
Der Kollegenzusammenhalt ist einer der wenigen klar positiven Punkte. Trotz des deutlichen Kulturwandels ist er erhalten geblieben und hat sich in manchen Bereichen sogar noch verstärkt. Bedauerlich ist allerdings, dass sich dieser Schulterschluss inzwischen weniger auf Projekte, Zusammenarbeit und Problemlösung richtet, sondern immer häufiger auf den gegenseitigen Austausch über die schwierige Situation im Unternehmen.
Work-Life-Balance
Die Work-Life-Balance war für mich insgesamt in Ordnung. Durch überschaubare Kernzeiten und eine ansonsten flexible Arbeitszeitgestaltung war eine gute Vereinbarkeit grundsätzlich möglich. Negativ aufgefallen ist allerdings der ständige Wechsel bei den Homeoffice-Regelungen. Dass diese Möglichkeit nach und nach immer weiter eingeschränkt wurde, hat viele Mitarbeitende deutlich verärgert.
Vorgesetztenverhalten
Das Vorgesetztenverhalten lässt sich nicht pauschal bewerten, da es stark von den jeweiligen Personen und Funktionen abhängt. Auf vielen Ebenen habe ich Führung durchaus positiv erlebt. Gleichzeitig entsteht in Teilen des Unternehmens der Eindruck, dass politische Aspekte an Bedeutung gewinnen und dadurch Werte wie Authentizität und Empathie weniger spürbar sind.
Interessante Aufgaben
An interessanten Aufgaben mangelt es grundsätzlich nicht. Es gibt viele spannende Themen rund um neue Produkte und interne Verbesserungsprojekte. Problematisch ist jedoch, dass das Unternehmen an der Vielzahl an Projekten regelrecht zu ersticken scheint. Während es zumindest eine erkennbare, wenn auch aus meiner Sicht nicht besonders erfolgreiche Produktstrategie gibt, fehlen für interne Verbesserungen klare Prioritäten und ein überzeugender Plan. Statt gezielt zu steuern, wird häufig nach dem Giesskannenprinzip entschieden. Der Konflikt zwischen neuen Produkten und interner Verbesserung besteht seit Jahren — und fast immer gewinnt das Produktgeschäft.
Gleichberechtigung
Aus meiner Sicht gibt es beim Thema Gleichberechtigung keine auffälligen grundsätzlichen Probleme. Gleichzeitig wäre eine stärkere Präsenz von Frauen in höheren und leitenden Positionen aus meiner Sicht ein positives Signal.
Umgang mit älteren Kollegen
Altersbedingte Benachteiligung habe ich nicht beobachtet. Kritischer ist aus meiner Sicht der Umgang mit langjährigen Mitarbeitenden. Deren Erfahrung und Wissen wurden früher stärker geschätzt und aktiv genutzt. Mit den vielen Veränderungen im Management ist diese Wertschätzung jedoch spürbar zurückgegangen. Statt als wichtige Stützen des Unternehmens gesehen zu werden, fühlen sich manche inzwischen eher wie „Dinosaurier“, die an den Rand gedrängt werden.
Arbeitsbedingungen
Die Arbeitsbedingungen im Unternehmen sind sehr uneinheitlich. Es gibt moderne Großraumbüros mit Shared- und Clean-Desk-Philosophie, gleichzeitig aber auch ältere kleinere Büros und gefühlt dauerhafte Provisorien. Auffällig ist, dass der Umbau hin zu Grossraumbüros sehr konsequent verfolgt wird. Deren Vor- und Nachteile werden dabei aus meiner Sicht nicht immer ausgewogen berücksichtigt.
Gehalt/Sozialleistungen
Das Gehalt ist für kantonale Verhältnisse insgesamt gut. Weniger überzeugend ist jedoch die Transparenz bei der individuellen Lohnentwicklung. Für Mitarbeitende ist oft nur schwer nachvollziehbar, in welchem Zusammenhang Gehaltsanpassungen tatsächlich mit Leistung und Beitrag zum Unternehmen stehen.
Image
Das Image des Unternehmens hat aus meiner Sicht in den letzten Jahren deutlich gelitten. Selbst Mitarbeitende, die dem Unternehmen über viele Jahre sehr loyal gegenüberstanden, äussern sich inzwischen deutlich kritischer. Ein wesentlicher Grund dafür ist der spürbare Kulturwandel. Entscheidungen des Managements — etwa die Erhöhung der Kaffeepreise, die Verschärfung der Homeoffice-Regelungen oder aus Mitarbeitersicht nur unzureichend nachvollziehbare Kündigungen, auch von Leistungsträgern — wurden intern häufig als wenig sensibel, schlecht begründet oder nicht zwingend notwendig wahrgenommen. Solche Massnahmen haben das Vertrauen vieler Mitarbeitender geschwächt und wirken sich entsprechend auch auf das Bild des Unternehmens nach innen und aussen aus.
Karriere/Weiterbildung
Im Bereich Karriereentwicklung wird es aus meiner Sicht zunehmend schwieriger, klare Perspektiven zu erkennen. Durch den Wunsch des Managements nach flacheren Hierarchien und grösseren Führungsspannen mit deutlich mehr Direct Reports sind Beförderungen schwerer erreichbar geworden. Weiterbildung wurde in der Vergangenheit spürbar gefördert und auch finanziell gut unterstützt. In letzter Zeit entsteht jedoch der Eindruck, dass auch hier stärker eingeschränkt wird und Budgets zurückhaltender freigegeben werden.

