Gut am Arbeitgeber finde ich
Ein besonders positiver Aspekt, den ich hervorheben möchte, ist die faire Entlohnung während meiner Ausbildung. Auch wenn ich den Mindestlohn erhielt, empfand ich dies als akzeptabel für eine Lernende, da er über die gesamten drei Jahre hinweg konstant war und jährlich angepasst wurde. Diese faire Bezahlung gab mir Sicherheit und zeigte mir, dass meine Arbeit anerkannt wurde. Sie ist ein wichtiger Bestandteil der Motivation und lässt den Arbeitgeber als jemanden erscheinen, der die Leistung seiner Lernenden wertschätzt.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Ein Punkt, den ich als negativ empfunden habe, ist die mangelnde Wertschätzung, die einigen Lernenden entgegengebracht wurde. Oftmals fühlte es sich an, als wären Lernende nur als billige Arbeitskräfte betrachtet worden, ohne die notwendige Unterstützung oder Anerkennung für ihre Leistungen zu erhalten. Dies führte dazu, dass sich nicht alle Lernenden gleich behandelt fühlten, was das Arbeitsklima und die Motivation beeinträchtigte.
Ein weiterer kritischer Aspekt war die teilweise Nicht-Einhaltung der gesetzlichen Arbeitszeitregelungen für Lernende. In bestimmten Phasen habe ich deutlich längere Arbeitszeiten als erlaubt geleistet, ohne dass dies hinterfragt oder korrigiert wurde. Dies führte zu unnötigem Stress und einem Gefühl der Überforderung.
Verbesserungsvorschläge
Obwohl ich während meiner Zeit viele schwierige Erfahrungen gemacht habe, möchte ich dennoch ein paar Verbesserungsvorschläge anbringen. Mein Appell an euch als Arbeitgeber ist, mehr auf die Lernenden zu achten und sie nicht wie billige Arbeitskräfte zu behandeln. Lernende sind die Fachkräfte von morgen, und sie tragen entscheidend dazu bei, wie sich ein Unternehmen weiterentwickelt. Wenn ihr als Unternehmen langfristig erfolgreich sein wollt, ist es unerlässlich, die junge Generation zu fördern und respektvoll zu behandeln.
Mit der zunehmenden Zahl älterer Mitarbeiter wird es zunehmend schwieriger, sich auf lange Sicht nur auf die bestehenden Ressourcen zu verlassen. Die Lernenden bringen frische Ideen, Motivation und die Fähigkeit mit, sich schnell an Veränderungen anzupassen.
Abschliessend möchte ich mich bei den einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie Abteilungsleitern bedanken, die mich unterstützt haben und mir in meiner Ausbildung mit Respekt und Wertschätzung begegnet sind. Ich hoffe, dass die Führungsebene die Chance ergreift, diese positiven Beispiele weiter auszubauen und so eine Arbeitsatmosphäre zu schaffen, in der sich alle sowohl Lernende, als auch langjährige Mitarbeiter respektiert und wertgeschätzt fühlen.
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre war stark davon abhängig, mit wem man gerade zusammenarbeitete. Mit den richtigen Mitarbeitenden, damit meine ich vor allem meine Mitlernenden, war das Arbeitsklima sehr angenehm. Wir konnten offen kommunizieren, uns gegenseitig unterstützen und auch mal gemeinsam lachen. Das hat den Arbeitsalltag spürbar erleichtert und motivierender gemacht.
Natürlich gab es auch Ausnahmen. In meiner Abteilung gab es ein paar Einzelfälle, bei denen das Miteinander eher schwierig war. Teilweise lag das an der Kommunikation, teilweise auch an der Einstellung gegenüber
Karrierechancen
Wenn man Freude an seinem Beruf hat und die Arbeit einem liegt, stehen einem nach der Ausbildung viele Türen offen. Der Beruf bietet je nach Branche und Einsatzbereich gute Weiterentwicklungsmöglichkeiten.
Wer bei gewissen Personen besser ankam, hatte deutlich mehr Chancen, neue Aufgaben zu übernehmen oder an spannenden Projekten teilzunehmen. Das empfand ich als unfair und demotivierend.
Solche Erfahrungen haben mir gezeigt, wie wichtig ein objektives und gerechtes Ausbildungssystem ist. Jeder Lernende sollte die gleichen Chancen erhalten, sich weiterzuentwickeln. Denn nur so kann man seine Stärken wirklich entdecken und gezielt an seiner beruflichen Zukunft arbeiten.
Arbeitszeiten
Die regulären Arbeitszeiten lagen bei 7:15 bis 16:45 Uhr, mit einer einstündigen Mittagspause. Grundsätzlich waren diese Zeiten in Ordnung und gut planbar.
Allerdings gab es Phasen während meiner Ausbildung, in denen das gesetzlich geregelte Arbeitszeitgesetz für Lernende nicht eingehalten wurde. In bestimmten Zeiten arbeitete ich teilweise von 6:15 Uhr bis 17:30 Uhr oder sogar bis 18:00 Uhr deutlich länger, als es für Lernende erlaubt ist. Besonders kritisch fand ich, dass das im Betrieb kaum thematisiert oder hinterfragt wurde. Es wurde einfach vorausgesetzt, dass man „halt mithilft“ auch wenn es über das gesetzlich Zulässige hinausging.
Die Ausbilder
Es lässt sich darüber streiten, ob sich alle Ausbildner gleich stark um ihre Lernenden kümmern. Meiner Meinung nach sollte ein guter Ausbildner präsent sein, aktiv mitarbeiten und Lernende im Alltag begleiten. In meinem Fall hatte ich jedoch oft das Gefühl, dass sich manche Ausbildner nur oberflächlich für bestimmte Lernende interessierten insbesondere, wenn man nicht zu den „Lieblingslernenden“ gehörte. Das sorgte für ein Ungleichgewicht im Teamgefühl und machte die Zusammenarbeit schwieriger.
Besonders negativ fiel mir auf, dass manche Ausbildner trotz ihrer Verantwortung über einzelne Lernende schlecht sprachen. Teilweise über Personen, mit denen sie kaum Kontakt hatten. Solche Kommentare wirken unprofessionell und verletzen das Prinzip der Gleichbehandlung, das eigentlich in jeder Ausbildung selbstverständlich sein sollte.
Spaßfaktor
Meine Erfahrungen während der Lehre – Lernenden-Team und Zusammenarbeit
Als ich meine Lehre begann, hatte ich das Glück, in eine gute Gruppe zu kommen. Die Anfangszeit war angenehm, und ich fühlte mich wohl im Team. Mit den anderen Lernenden verstand ich mich grundsätzlich immer gut, wir halfen einander und konnten auch gemeinsam lachen. Das hat den Einstieg ins Berufsleben deutlich erleichtert.
Der Spassfaktor bei der Arbeit war jedoch nicht immer gleich. Es gab viele schöne und motivierende Momente, in denen man sich unterstützt fühlte und gerne zur Arbeit kam. Doch mit der Zeit habe ich auch die andere Seite kennengelernt. Einige Mitarbeiter / Lernende sahen sich weniger als Teammitglieder, sondern eher als Konkurrenz. Das führte manchmal zu Spannungen und Missverständnissen.
Solche Erfahrungen haben mir gezeigt, wie wichtig ein respektvolles Miteinander ist, besonders in einer Ausbildung, in der man gemeinsam wachsen sollte. Konkurrenzdenken kann zwar kurzfristig motivieren, aber auf Dauer stört es das Lernklima und die Zusammenarbeit.
Aufgaben/Tätigkeiten
Als Lernende übernimmt man natürlich gewisse „Lehrlingsaufgaben“, das gehört zur Ausbildung dazu. Diese Aufgaben sollen dazu dienen, die Arbeitsabläufe kennenzulernen, Verantwortung zu übernehmen und die eigenen Fähigkeiten zu stärken. Es ist jedoch wichtig, dass Lernende als Teil des Teams gesehen und fair behandelt werden.
Leider habe ich auch andere Erfahrungen gemacht. Mehrmals wurde mir direkt ins Gesicht gesagt, dass ich ja „nur die billige Arbeitskraft“ sei. Solche Aussagen sind verletzend und zeigen ein mangelndes Verständnis für den eigentlichen Sinn einer Ausbildung. Lernende sollen nicht ausgenutzt, sondern begleitet und gefördert werden.
Trotz dieser negativen Erlebnisse habe ich versucht, aus jeder Aufgabe das Beste zu machen. Ich habe gelernt, mich abzugrenzen, professionell zu bleiben und meine Rechte als Lernende ernst zu nehmen. Eine Ausbildung ist nicht nur eine Zeit des Lernens, sondern auch des Wachsens persönlich wie beruflich.
Respekt
In einer Ausbildung wird von den Lernenden erwartet, dass sie Respekt gegenüber dem Berufsbildner zeigen und das ist auch richtig so. Höflichkeit, Zuverlässigkeit und ein respektvoller Umgang sind wichtige Grundlagen für eine gute Zusammenarbeit. Was ich jedoch oft vermisst habe, war der Respekt in die andere Richtung.
Es kam immer wieder vor, dass man als Lernende nicht ernst genommen wurde oder sich Aussagen anhören musste, die alles andere als wertschätzend waren. Besonders enttäuschend war es, wenn man Respekt zeigte, aber keinen zurückbekam. Ein gutes Arbeitsklima lebt davon, dass man sich auf Augenhöhe begegnet unabhängig davon, ob man Lernende oder Berufsbildner ist.