Grosse Enttäuschung
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Auch die Versuche zur Modernisierung durch strukturelle Veränderungen wirkten auf mich widersprüchlich. Statt den sozialen Auftrag stärker zu betonen und gute Arbeitsbedingungen zu schaffen, verlagerte sich der Fokus spürbar auf betriebswirtschaftliche Kennzahlen. Der soziale Kernauftrag,!Menschlichkeit, Nähe und Teilhabe geriet dabei meines Erachtens zunehmend aus dem Blick.
Ich wünsche der Stiftung für die Zukunft, dass sie nicht nur strukturelle Prozesse modernisiert, sondern auch die Führungskultur weiterentwickelt. Transparenz, Beteiligung, Klarheit und echte Wertschätzung sind aus meiner Sicht zentrale Voraussetzungen, um Vertrauen und Motivation nachhaltig zu fördern, sowohl bei Mitarbeitenden als auch im Kontakt mit den Menschen, die wir begleiten. Nur so kann verhindert werden, dass Belastungen zunehmen und sich in z. B. Krankheitsausfällen oder innerer Kündigung niederschlagen.
Es sind die Mitarbeitenden, die den Wandel tagtäglich tragen. Sie brauchen nicht nur Steuerung, sondern vor allem Einbindung, Anerkennung und eine Kultur, die Menschlichkeit nicht als Gegensatz zur Effizienz, sondern als Grundlage für nachhaltige Qualität versteht.
Verbesserungsvorschläge
Ich respektiere die anthroposophische Grundhaltung der Stiftung als Teil ihrer Geschichte und Identität. Gleichzeitig habe ich erlebt, dass diese Haltung in gewissen Bereichen zu starr oder ausschliessend war. Fachliche Argumente oder gesellschaftlich vielfältige Perspektiven hatten aus meiner Sicht nicht immer denselben Stellenwert wie weltanschauliche Überzeugungen. Rituale und Feste haben sicherlich ihren Platz, können aber gerade bei sensiblen Klient*innen auch zur Reizüberflutung führen und sollten daher differenziert betrachtet werden.
Arbeitsatmosphäre
Weniger positiv habe ich die allgemeine Arbeitsatmosphäre empfunden. Aus meiner Sicht herrschten eine gewisse Unsicherheit, eine ausgeprägte Hierarchie und ein geringes Mass an Transparenz. Entscheidungen wurden häufig kurzfristig getroffen und kommuniziert, ohne dass Raum für Beteiligung oder Verständnisfragen gegeben war. Das wirkte sich auf die Intrinsische Motivation und Identifikation im Arbeitsalltag spürbar aus.
Ich hatte zunehmend den Eindruck, dass wirtschaftliche Aspekte in den Vordergrund rückten, während der Mensch, sei es als Mitarbeitender oder Klientin weniger im Fokus stand. Das erschwerte es, sich mit den Zielen und Entwicklungen des Trägers zu identifizieren.
Image
Ich persönlich kann und werde die Stiftung weder als Arbeitgeberin noch als Einrichtung für Menschen, die ein neues Zuhause suchen, weiterempfehlen. Bereits im Vorfeld wurde ich von meinem Umfeld darauf hingewiesen, dass es kritische Stimmen zur Stiftung gibt. Damals habe ich mich dennoch bewusst für eine Mitarbeit entschieden. Nach meinen eigenen Erfahrungen kann ich diese Einschätzungen nun leider nachvollziehen.
Work-Life-Balance
Im Bereich Arbeit empfand ich die Balance als gut geregelt. Im Bereich Wohnen hingegen war sie für mich sehr problematisch. Arbeitstage von bis zu 12 Stunden waren dort die Regel. Zwar waren auf dem Dienstplan Pausenzeiten vorgesehen, in der Praxis liessen sie sich jedoch kaum offiziell umsetzen. Der Arbeitsalltag war so dicht, dass es oft nicht möglich war, sich zurückzuziehen und eine echte Pause einzuhalten ohne wirklich kurz die Verantwortung abzugeben. Dadurch hatte ich den Eindruck, praktisch durchgehend im Einsatz zu sein.
Kollegenzusammenhalt
Während meiner Zeit in der Stiftung habe ich sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Besonders hervorheben möchte ich die positive Zusammenarbeit im direkten Kolleg*innenkreis im Arbeitsbereich : Der Umgang war offen, wertschätzend, unterstützend und empathisch. Ich habe das als grosse Stärke erlebt und als einen tragenden Pfeiler für die tägliche Arbeit empfunden.
Im Bereich Wohnen war es teilweise zwischenmenschlich Herausfordernd
Umgang mit älteren Kollegen
War bei den meisten ganz akzeptabel.
Vorgesetztenverhalten
Einen Stern finde ich, bei der oberen Führungsebene sogar zu grosszügig. Diese oben beschrieben Situationen ist ein Versäumnis auf Führungsebene. Dies empfinde ich als sehr schwerwiegend und für mich persönlich auch als enttäuschend. Es vermittelt mir den Eindruck eines wenig professionellen Vorgehens, was mein Vertrauen in die Organisation stark beeinträchtigt hat.
Im Bereich Wohnen war der Gruppenleiter sehr zuvorkommend, wohlwollend, emphatisch und transparent. Für ihn 4 Sterne
Arbeitsbedingungen
Grundsätzlich fairer Umgang, allerdings empfand ich die Einstufung als Quereinsteigerin trotz Berufserfahrung als nicht gerechtfertigt.
Kommunikation
Als ich bei der Stiftung anfing, hatte ich mich sehr auf die Aufgabe gefreut. Ich habe meinen Arbeitsvertrag bereits im Februar unterschrieben und mein Arbeitsverhältnis dann im Juni angetreten. Umso überraschender und belastender war es für mich, dass mir nach zweieinhalb Wochen bereits wieder gekündigt wurde, mit der Begründung, dass die Ateliers aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr so wie anfänglich finanziert werden könnten und dadurch auch die entsprechenden Arbeitsplätze wegfallen.
In der Folge wurde mir ein neuer Vertrag im Wohnbereich angeboten, allerdings mit einer erheblichen Lohnkürzung. Zudem wurde ich darin nicht mehr mit meiner bisherigen Qualifikation, sondern als Quereinsteigerin im Sozialwesen eingestuft. Für mich stellte sich sofort die Frage, warum diese finanzielle Lage nicht bereits zu Beginn des Jahres kommuniziert wurde, als ich den ursprünglichen Vertrag unterschrieben habe. Meiner Einschätzung nach hätte man die Situation damals schon erkennen können und mir so Transparenz und Klarheit ermöglicht.
Gleichberechtigung
Grundsätzlich fairer Umgang, allerdings empfand ich die Einstufung als Quereinsteigerin trotz Berufserfahrung als nicht gerechtfertigt.
Interessante Aufgaben
Es gab spannende Ansätze, allerdings war durch die kurzfristigen Veränderungen kaum Kontinuität möglich.