Vom Vorreiter zum Nachzügler
Verbesserungsvorschläge
Obere und mittlere Führungsebene radikal umbauen und mehr externe Personen, mit frischen Sichtweisen ins Unternehmen holen. Dafür die Benefits und das Vergütungssystem umstellen. Arbeitsprozesse hinterfragen und automatisieren, damit die Mitarbeiter:innen Kapazität für Aufgaben, welche Denken, Erfahrung und Kreativität, sprich das Menschliche, benötigen.
Arbeitsatmosphäre
Eine Schlangengrube ist ein Wellnessort im Vergleich zu der Firma. Lob ist selten und auch nichts Wert, weil es gleich wieder vergessen ist. Die Abteilungen werden gegeneinander ausgespielt und von oben wird dabei zugeschaut, weil geglaubt wird, so kommt geht etwas weiter.
Kommunikation
Variiert von Abteilung zu Abteilung, aber wenn die Mitarbeiter:innen nicht aktiv nach Informationen fragen, werden Sie meistens nicht weitergereicht. Der sogenannte Flurfunk ist effektiver und trägt zur schlechten Atmosphäre bei.
Kollegenzusammenhalt
Die letzten 10-15 Jahre ist der Zusammenhalt stark am abnehmen. Extern wird gerne das Bild eines zusammenhaltenden Familienbetriebs hochgehalten. Intern sind die meisten zerstritten. Die Lehrlinge und Jungangestellte glauben noch an den Zusammenhalt, werden dann aber im Alltag mit der Realität bekannt gemacht. Einzelne Kleingruppen gibt es noch, aber ein großer Zusammenhalt gibt es nur als Image.
Work-Life-Balance
Durch die Öffnungszeiten von Montag bis Freitag, welche sich an der 38,5 Stunden Woche orientieren, ist im Vertrieb ein pünktliches gehen leicht möglich.
Vorgesetztenverhalten
Wer gut im Vertrieb ist, muss auch eine gute Führungskraft sein. Nach diesem Motto wird vielfach besetzt. Das es jedoch zwei unterschiedliche Eigenschaften sind, hat sich bei den meisten noch nicht durchgesprochen. Die Bandbreite geht von hilflos überfordert bis empathielos. Entscheidungen werden nie einheitlich getroffen, sondern der Lage angepasst. Hält man sich an Vorgaben, ist es falsch. Biegt man die Vorgaben, zb. im Sinne des Kunden, ist es auch falsch. Es wird meistens der einfache Weg gegangen. Bei internen Problemen greift auch gerne das Vogel-Strauss-Prinzip.
Interessante Aufgaben
Die Arbeitsbelastung ist stark einseitig verteilt und auf einzelne Personen verteilt. Meistens sind das jene, welchen aufgrund vom Alter ein Weggehen schwer fällt. Auch hat das Ungleichgewicht leider auch sehr mit dem nicht vorhandenen Anreizsystem zu tun. Wer viel arbeitet hat keinen Vorteil gegenüber jemanden der wenig arbeitet. Und das nutzen einige aus um nur das notwendigste zu tun. Das Aufgabengebiet sollte eigentlich abgesteckt sein, aber wie oben erwähnt, werden unliebsame Aufgaben zwischen den Abteilungen hin und her geschoben. Vor allem welche, wo die Arbeitsweise nicht eindeutig intern aufgearbeitet ist. Weiters gibt es viele Monotone Arbeiten, welche eigentlich automatisiert werden könnten. Da dazu aber meistens Adaptionen notwendig sind, welche Kosten und Aufwand verursachen, werden diese weiterhin manuell von den Mitarbeiter:innen erledigt.
Gleichberechtigung
Weibliche Führungskräfte sind die Ausnahme. Bei den letzten Besetzungen hat sich aber eine leichte Besserung erkennbar gemacht.
Umgang mit älteren Kollegen
Hier muss unterschieden werden zwischen Personen, welche schon lange im Unternehmen sind, und von außerhalb, welche "älter" in die Firma gekommen sind. Die ersteren haben meistens ein Kontaktnetzwerk, ohne den es schwierig wird im Unternehmen (siehe Informationsweitergabe). Letztere werden ins kalte Wasser geworfen. Wie gut die erhaltene Hilfe von den Kolleg:innen ist, hängt stark von der Sympathie ab.
Arbeitsbedingungen
Großraumbüros, größtenteils ohne Kühlungsmöglichkeit. Bürotemperaturen über 30 Grad im Sommer sind nicht die Ausnahme sondern die Regel. Ebenso ist die Lautstärke teilweise grenzwertig. Modernisierungen werden eher nach der Optik durchgeführt, anstatt nach praktischen nutzen. Wenn jemand herumgeführt wird, soll es gut aussehen. Ob darin auch gut gearbeitet werden kann, ist nebensächlich.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Der Müll wird getrennt. Es wird auch langsam in Richtung PV investiert. Beim Fuhrpark sind keine Anzeichen zu sehen, dass es irgendwann in Richtung Alternative Antriebe geht.
Gehalt/Benefits
Die Bezahlung orientiert sich am HandelsKV und ist daher niedrig angesetzt. Das Prämiensystem ist ohne Anreiz, daher alle bekommen gleich und dass auf niedrigen Niveau. Während der Mitbewerb den Zugang zur sechsten Urlaubswoche erleichtert, gibt es hier einen einzelnen Geburtstagsurlaubstag. Getränke und Obst im Büro sind nicht zu finden, ausser die Mitarbeiter:innen kaufen sie sich.
Image
Wie bei Kollegenzusammenhalt beschrieben, wird nach außen gerne das Bild eines glücklichen Familienbetriebs als Werbung benutzt. Intern sieht es wie bei den meisten Familien aus. Zerstritten, viel schmutzige Wäsche und das ein oder andere Messer im Rücken. Am Markt versucht sich die Firma noch als Vordenker und innovativ zu vermarkten, aber bei den meisten Neuerungen wird einfach nur nachgezogen oder abgespeckte Varianten hochgepriesen.
Karriere/Weiterbildung
Stellen werden meistens intern besetzt. Es werden jährlich mehrere Seminare angeboten. Teils in der Freizeit, Teils während der Arbeitszeit. Zwar steht überall freiwillig, aber es wird Druck aufgebaut diese zu besuchen. Ob schon 3-4 ähnliche Seminare besucht wurden, ist jedoch egal. Die Seminare haben meistens keinen Einfluss auf den Arbeitsalltag. Auch bei Beförderungen werden Sie nicht als Qualifikation oder Einsatz berücksichtigt.