Toxisches Klima in Stückgut International – Fahrer als Feind statt als Team
Gut am Arbeitgeber finde ich
Positiv ist, dass das Unternehmen die Familientradition weiterführt und vielen Menschen – auch Ausländern – einen Arbeitsplatz bietet. Die Fahrzeuge sind größtenteils in gutem Zustand und die Infrastruktur ist sinnvoll aufgebaut und funktioniert.
Für die Fahrer gibt es sinnvolle Angebote vor Ort: zwei Duschen, Toiletten, Waschmaschine, Küche und einen sicheren Parkplatz auf dem Hof. Das ist alles wirklich gut gelöst.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Am schlechtesten finde ich, dass Fahrer überhört werden und auf ernsthafte Bedenken nicht eingegangen wird. Es wird nicht als Team gearbeitet – der Fahrer wird eher als Feind oder als uninteligent abgestempelt, anstatt ihn einbeziehen und gemeinsam zu schauen, wo etwas besser laufen könnte.
Weiterentwicklung und Wachstum einer Firma kommen nur mit engagierten und kreativen Mitarbeitern. Nur weil jemand LKW-Fahrer ist, heißt das nicht, dass er eine gescheiterte Existenz ist. Viele Fahrer haben einiges im Kopf und könnten das Unternehmen durchaus voranbringen.
Es ist schade, dass nicht miteinander, sondern gegeneinander gesprochen wird. Das könnte und sollte sich ändern.
Verbesserungsvorschläge
Die Abteilung Stückgut International sollte endlich ernsthaft überprüft werden. Vorschläge und Hilferufe der Mitarbeiter müssen gehört und auch umgesetzt werden.
Es wäre deutlich einfacher und dynamischer, wenn man wirklich als Team zusammenarbeiten würde. Viele Fahrer wären trotz des eher durchschnittlichen Gehalts deutlich motivierter, wenn Disponenten und Vorgesetzte freundlicher wären, ab und zu ein Dankeschön aussprechen, eigene Fehler eingestehen und allgemein an ihrem Umgang arbeiten würden.
Mit der aktuellen Besetzung war konstruktive Kommunikation leider kaum möglich. Die Abteilung müsste entweder geschlossen oder komplett neu besetzt werden.
Arbeitsatmosphäre
In der Abteilung Stückgut International herrscht eine sehr schlechte Arbeitsatmosphäre. Der Disponent war unfreundlich, beleidigend und mobbend gegenüber den Mitarbeitenden. Der Abteilungsleiter stellte sich immer auf seine Seite. Gespräche mit dem großen Chef und der Personalabteilung (auch mit Belegen) haben nichts bewirkt. Laut ehemaligen Kollegen hat sich bis heute nichts geändert.
Image
Die Firma hat kein gutes Image. Das habe ich schon vor dem Start gehört und es hat sich bestätigt – zumindest in der Abteilung Stückgut International. Andere Abteilungen scheinen besser zu laufen, aber Stückgut International ist absolut nicht empfehlenswert.
Work-Life-Balance
Im Fernverkehr ist eine gute Work-Life-Balance grundsätzlich schwierig. Positiv ist, dass es fünf Kompensationstage im Jahr gibt. Diese sind jedoch im Vergleich zur Belastung eher symbolisch und lassen sich nur eingeschränkt selbst einteilen. Insgesamt ist es ein klares Mittelmaß: weder richtig gut noch komplett schlecht.
Karriere/Weiterbildung
Weiterbildungen auf verschiedene Fahrzeugtypen sind möglich und werden angeboten. Das ändert allerdings nichts am Gehalt.
Man kann sich also weiterbilden, eine echte Karriereleiter gibt es aber nicht.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt ist für Schweizer Verhältnisse eher durchschnittlich bis unterdurchschnittlich – nicht katastrophal schlecht, aber auch nicht gut. Positiv sind die pauschalen Spesen, die auch im Urlaub weitergezahlt werden.
Gehaltserhöhungen gibt es praktisch nicht. Von Kollegen weiß ich, dass manche in 20 Jahren trotz Nachfrage keine einzige Erhöhung bekommen haben.
Das 13. Monatsgehalt (in der Schweiz eigentlich Standard) wird nicht allen gewährt. Weitere Benefits gibt es kaum – im besten Fall einen Händedruck.
Wochenendpauschalen werden zwar offiziell vorgesehen, aber oft nicht ausgezahlt. Wer am Wochenende arbeitet, sollte sich darauf einstellen, dass das Geld möglicherweise nicht kommt.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Positiv ist, dass das Unternehmen auf Elektro-LKWs setzt – das ist aus Umweltsicht gut.
Darüber hinaus ist mir in diesem Bereich nicht besonders viel aufgefallen.
Kollegenzusammenhalt
Der Kollegenzusammenhalt war absolut top – eine der besten Erfahrungen, die ich in einer Firma gemacht habe, unabhängig von der Abteilung. Die Kollegen waren hilfsbereit, man konnte mit allen reden und es wurden auch private Freundschaften geschlossen. Viele Kontakte bestehen bis heute. Egal ob deutschsprachig oder nicht – wenn man ein Problem hatte, hat immer jemand geholfen. Hier kann ich kein schlechtes Wort sagen.
Umgang mit älteren Kollegen
Ältere und jüngere Kollegen wurden gleich behandelt, es gab keine Unterschiede oder Erleichterungen für Ältere.
Vorgesetztenverhalten
Das Vorgesetztenverhalten ist unter aller Würde. Es fühlt sich an, als gäbe es ein „Wir da oben“ und „die da unten auf der Straße“. Die Fahrer untereinander sind teamorientiert und halten zusammen, der Disponent hingegen zeigt keinerlei Interesse, ein Teamplayer zu sein. Die Fahrer werden eher wie Untergebene behandelt als wie Partner für eine gute Zusammenarbeit. Ich habe das mehrmals angesprochen und gesagt, dass man als Firma doch als Team auftreten könnte – ohne Erfolg.
Arbeitsbedingungen
Die Arbeitsbedingungen sind grundsätzlich in Ordnung. Die LKWs sind technisch gut in Schuss und es gibt eine eigene Werkstatt, die die Fahrzeuge wartet.
Bei dringenden Problemen wird meist innerhalb einer Woche repariert. Bei weniger wichtigen Mängeln kann es allerdings auch mehrere Monate dauern, bis etwas behoben wird. Man muss teilweise richtig nachhaken bzw. fast betteln, damit gewisse Sachen repariert werden – das ist ein klarer Minuspunkt.
Auch beim Be- und Entladen ist es nicht immer ideal: Es steht nicht immer eine elektrische Ameise zur Verfügung, manchmal muss man mit dem normalen Hubwagen arbeiten.
Insgesamt solide und zum Arbeiten geeignet, aber nicht überragend.
Kommunikation
Die Kommunikation ist katastrophal. Viele Informationen, die man bekommt, stellen sich im Nachhinein als falsch heraus. Fehler einzugestehen ist in der Praxis das Schlechteste, was man tun kann – wer einen Fehler zugibt, wird härter bestraft, als wenn man ihn verschweigt. Macht der Disponent einen Fehler, wird die Schuld trotzdem automatisch dem Fahrer zugeschoben. Disponenten geben grundsätzlich keine Fehler zu.
Kommunikation findet nur während der Öffnungszeiten statt. Am Wochenende oder in der Mittagszeit bekommt man bei Problemen keine Antwort. Das ist ein echtes Trauerspiel.
Gleichberechtigung
Geschlechtlich gab es keine Unterschiede – Frauen und Männer machen dieselbe Arbeit.
Bei einem Kollegen afrikanischer Herkunft war es allerdings anders: Er musste über ein Jahr mit einer kleinen Nahverkehrs-Kabine fahren, obwohl alle anderen große Kabinen hatten. Trotz mehrfacher Nachfrage und obwohl große Kabinen frei wurden, bekam er keine. Das war klar ungerecht.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben sind leider wenig abwechslungsreich. Man fährt größtenteils immer die gleichen Kunden und die gleiche Ware. Gelegentlich (ein- bis zweimal im Monat) gibt es mal etwas „Besonderes“, aber das bleibt die Ausnahme.
Im internationalen Stückgut kommt man bei der Firma geografisch nicht weit. Hauptsächlich Schweiz und Deutschland, gelegentlich ein bisschen Frankreich (meist Marseille). In Deutschland geht es in der Regel maximal bis Mannheim oder Wuppertal, selten mal weiter nach Hamburg oder Leipzig. Echtes europaweites Fahren oder größere Abwechslung gibt es praktisch nicht – es bleibt bei denselben Strecken und denselben Kunden.