Zum Glück gilt die Probezeit für beide Seiten
Gut am Arbeitgeber finde ich
Der bereitgestellte Obstkorb wurde regelmäßig aufgefüllt und enthielt bis einschließlich Donnerstag auch frische Bananen.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Der Ausbildungsbetrieb zeichnet sich durch fehlende Professionalität und unfaire Arbeitsbedingungen aus. Azubis übernehmen frühzeitig verantwortungsvolle Aufgaben ohne ausreichende Einarbeitung und Unterstützung durch qualifizierte Fachkräfte. Die Arbeitszeiten sind unflexibel, und es fehlt an Verständnis für grundlegende arbeitsrechtliche Standards, wie die korrekte Gestaltung von Ausbildungsverträgen. Zudem herrscht eine Atmosphäre von Misstrauen und Kontrolle, die den Arbeitsalltag belastet. Organisatorische Mängel, wie die Abhängigkeit der Buchhaltung von einem einzelnen Azubi, verdeutlichen die strukturellen Probleme des Unternehmens.
Im Abschlussgespräch nach der Kündigung wird man vom Chef persönlich darauf hingewiesen, wie enttäuscht er von einem sei. Es wird einem ein schlechter Charakter vorgeworfen, da man so kurz vor Ende der Probezeit die Entscheidung getroffen habe, das Unternehmen zu verlassen. Zudem wird subtil Druck ausgeübt, indem angedeutet wird, dass man in der Stadt nun einen schlechten Ruf habe und sich die Geschäftsführer untereinander kennen würden.
Verbesserungsvorschläge
Es wäre wünschenswert, dass Ausbildungsverträge im Einklang mit dem Berufsbildungsgesetz gestaltet werden. Beispielsweise sollte sichergestellt sein, dass die maximale Probezeit von vier Monaten eingehalten wird – anstatt Azubis unwissentlich sechs Monate Probezeit aufzubürden. In der Berufsschule erfahren sie dann, dass diese Regelung gar nicht zulässig ist. Interessanterweise wird der IHK dennoch eine Probezeit von vier Monaten gemeldet, während dem Azubi gegenüber die sechs Monate "offiziell" durchgesetzt werden. Zudem scheint es ein Missverständnis darüber zu geben, dass Azubis während der Probezeit keine Kündigungsfrist einhalten müssen. Stattdessen wird erwartet, dass sie eine Frist von zwei Wochen beachten, was zu Verwirrung führt, wenn ein Azubi fristlos kündigen möchte.
Aufgaben/Tätigkeiten
In den ersten drei Monaten übernehmen Azubis Aufgaben, die eigentlich ausgebildeten Fachkräften vorbehalten sein sollten. So erfolgt die Einarbeitung in die Buchhaltungssoftware DATEV durch einen anderen Azubi, einschließlich der Erstellung und Weiterleitung von Zahlungsaufträgen im fünfstelligen Bereich. Der Chef beschränkt sich darauf, diese mit einem Klick zu bestätigen, ohne die Vorgänge selbst zu prüfen. Wenn ein Azubi dann einmal krank ist, führt das schnell zu Problemen: Es flattern Mahnungen ins Haus, da die gesamte Buchhaltung des Unternehmens ausschließlich in den Händen eines Azubis liegt.
Karrierechancen
Die Perspektive, dort langfristig Karriere zu machen, erschien mir schlichtweg unerträglich. Rückblickend bin ich äußerst erleichtert, dass ich während der Probezeit die Entscheidung getroffen habe, mich anderweitig zu orientieren.
Arbeitsatmosphäre
Im Großraumbüro herrscht bedrückende Stille. Jede Minute, die nicht direkt der Arbeit dient, steht unter Verdacht, als Zeitverschwendung angesehen zu werden. Unter Kollegen spricht man kaum – zu groß ist die Sorge, dass harmlose Bemerkungen falsch ausgelegt und später gegen einen verwendet werden könnten. Das Gefühl permanenter Überwachung ist allgegenwärtig: Jede Bewegung scheint registriert zu werden. Bereits bei der Einarbeitung wird subtil darauf hingewiesen, dass selbst kurze Toilettenpausen besser erfasst werden sollten, um Missverständnisse zu vermeiden.
Ausbildungsvergütung
Während der Bewerbungsphase wurde die Ausbildungsvergütung als deutlich über Tarif angepriesen. In der Realität stellte sie sich jedoch als allenfalls durchschnittlich heraus – gemessen an Tarifen, die vor fünf Jahren aktuell waren. Als ich schließlich anfing, entsprach das Gehalt nur noch dem Standard, ohne jeglichen besonderen Vorteil.
Arbeitszeiten
Die Arbeitszeiten waren extrem unflexibel. Wenn der Bus morgens verspätet war, war es nahezu unmöglich, die verlorene Zeit nachzuholen, da die meisten Mitarbeitenden das Büro pünktlich um 16:30 verließen. Der Arbeitstag begann offiziell um 7:30, doch es wurde erwartet, dass der PC zu diesem Zeitpunkt bereits hochgefahren und einsatzbereit war. Der Begriff "Rüstzeit" war dort scheinbar völlig unbekannt.