Mehr angekündigt als gehalten – deshalb habe ich mich entschieden zu gehen
Gut am Arbeitgeber finde ich
Zum Einstieg gab es einen strukturierten Stundenplan, und ich hatte mit allen Kolleg*innen jeweils ein ausführliches Gespräch. Jede Person hat verständlich erklärt, welche Aufgaben sie übernimmt und wie die Abläufe funktionieren. Durch diese Gespräche konnte ich die Arbeit in der Verbandszentrale sehr gut nachvollziehen. Die Mitarbeitenden haben diesen Teil der Einarbeitung insgesamt sehr professionell und hilfreich gestaltet.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Einige im Vorstellungsgespräch zugesagte Rahmenbedingungen wurden später deutlich eingeschränkt oder nicht wie angekündigt umgesetzt. Rückmeldungen zu Vorfällen, bei denen ich mich unwohl gefühlt habe, wurden an die Leitung weitergegeben, jedoch häufig mit Aussagen wie „Der ist einfach so“ abgetan, ohne die Situation aufzuarbeiten oder Lösungen anzubieten.
Verbesserungsvorschläge
Aus meiner Sicht würde der Verbandszentrale ein echter Teamtag gut tun – einer, bei dem die Mitarbeitenden Zeit miteinander verbringen, gemeinsam etwas unternehmen und die Zusammenarbeit stärken können. Ein solcher Tag sollte über eine klassische Mitgliederversammlung hinausgehen und gezielt das Miteinander innerhalb der Verbandszentrale fördern. Die Kolleginnen und Kollegen dort leisten einen wichtigen Beitrag dafür, dass alles zusammenläuft, und ich finde, dass man ihnen das auch zeigen sollte. Mehr Raum für Austausch, Gemeinschaft und Wertschätzung könnte viel Positives bewirken und das Teamgefühl nachhaltig stärken.
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre habe ich als unstrukturiert und teilweise angespannt erlebt. Klare Zuständigkeiten fehlten oft, Einarbeitung und Feedback waren kaum organisiert, und Absprachen wurden nicht immer eingehalten. Dadurch entstand für mich kein wirklich transparentes oder vertrauensvolles Arbeitsumfeld.
Obwohl ich während der Probezeit vor Ort sein sollte, um das Team kennenzulernen, war ich die meiste Zeit allein im Gebäudeteil. Gleichzeitig war ich aber schon für Aufgaben wie das Abschließen und die Alarmanlage verantwortlich, sobald ich das Gebäude verließ – was zwar Vertrauen zeigt, aber nicht zu den fehlenden Einarbeitungsstrukturen passte.
Kommunikation
Die Kommunikation habe ich als oft widersprüchlich erlebt: Informationen kamen oft spät, änderten sich kurzfristig oder widersprachen sich je nach Ansprechpartner. Rückfragen blieben teilweise offen und Feedback fand kaum statt, obwohl ich es aktiv eingefordert habe.
Kollegenzusammenhalt
Mit den meisten Kolleginnen und Kollegen habe ich mich sehr gut verstanden – viele waren höflich, nett und offen. Mein Eindruck war jedoch, dass der Austausch untereinander insgesamt zu kurz kommt, weil es im Arbeitsalltag nur wenige Gelegenheiten für echte Zusammenarbeit oder Gespräche gibt. Dadurch entsteht weniger Teamgefühl, als es eigentlich möglich wäre. Ich würde mir für das Team wünschen, dass es mehr Raum bekommt, sich auszutauschen und miteinander zu arbeiten – das Potenzial ist definitiv da.
Work-Life-Balance
Die Work-Life-Balance habe ich als deutlich weniger flexibel erlebt, als im Vorstellungsgespräch vermittelt wurde. Dort wurden andere Arbeitszeiten und mehr Spielraum angekündigt, die sich im Alltag jedoch nicht bestätigt haben. Termine wie Arztbesuche waren nur schwer möglich und mussten oft nachgearbeitet oder über Urlaub geregelt werden.
Vorgesetztenverhalten
Die Führungskräfte, die ich persönlich kennengelernt habe, wirkten in meiner Erfahrung häufig mit etwas Abstand zum täglichen Arbeitsgeschehen. Entscheidungen wurden teilweise getroffen, ohne dass das Team im Vorfeld eingebunden wurde. Da im Unternehmen mit flachen Hierarchien geworben wird, hätte ich mir gewünscht, dass diese im Alltag stärker sichtbar und erlebbar sind.
Insgesamt hatte ich den Eindruck, dass der Austausch zwischen Führung und Team noch ausgebaut werden könnte, um Bedürfnisse, Herausforderungen und Vorschläge aus dem Arbeitsalltag besser wahrzunehmen. Ein strukturierterer, transparenterer und offener Kommunikationsrahmen könnte hier Sicherheit geben und die Zusammenarbeit stärken.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben waren vielfältig und boten grundsätzlich die Möglichkeit, sich kreativ und fachlich einzubringen. Einige Themen und Projekte hatten echtes Potenzial und hätten spannende Entwicklungen ermöglicht. Ein großer Teil meines zukünftigen Aufgabenbereichs sollte sich auf die Entwicklung einer neuen Marke bzw. eines neuen Unternehmenskonzepts beziehen. Kurz nach meinem Start stellte sich jedoch heraus, dass dieses Projekt nicht weitergeführt wird. Dadurch entfiel ein wesentlicher Bestandteil des ursprünglich beschriebenen Arbeitsprofils, was die Aufgaben deutlich anders ausfallen ließ, als im Vorstellungsgespräch angekündigt.
Gleichberechtigung
Grundsätzlich habe ich keinen offenen oder direkten Unterschied in der Behandlung einzelner Personen erlebt. Allerdings hatte ich den Eindruck, dass Mitarbeitende in der Teamleitung mehr Aufmerksamkeit und Förderung erhielten als andere im Team. Dadurch wirkte die Verteilung von Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten teilweise unausgewogen. Mehr Transparenz und einheitliche Förderung könnten hier aus meiner Sicht zu einem faireren Gesamtbild beitragen.
Umgang mit älteren Kollegen
Im Umgang mit älteren Kolleginnen und Kollegen habe ich keine direkte Benachteiligung wahrgenommen. Der generelle Umgang im Team war höflich und respektvoll. Allerdings hatte ich den Eindruck, dass ältere Mitarbeitende teilweise weniger in neue Entwicklungen oder Entscheidungen einbezogen wurden. Eine aktivere Einbindung und klarere Kommunikation könnte hier dazu beitragen, dass sich alle Altersgruppen gleichermaßen mitgenommen fühlen.
Arbeitsbedingungen
Trotz zugesagter Gleitzeit ist die Flexibilität eingeschränkt. Arzttermine gelten nicht als Arbeitszeit und müssen nachgearbeitet oder mit Urlaub ausgeglichen werden. Zusätzlich wurde ein Formular vorgelegt, in dem der Arzt die medizinische Notwendigkeit eines Termins bestätigen sollte – eine Abfrage, die aus Sicht des Datenschutzes nicht erforderlich ist.
Homeoffice wurde zunächst positiv dargestellt, später jedoch daran geknüpft, dass alle Teammitglieder gleichzeitig im Büro sein müssen. Dadurch ist es nur begrenzt nutzbar.
Zusatzleistungen wie betriebliche Altersvorsorge, Krankenversicherung oder Bike-Leasing erst nach langer Wartezeit verfügbar. Angebote wie Obstkörbe oder eine Müsli-Bar bestehen zwar, sind aber oft nicht nutzbar, da leer.
Regelmäßige Teamevents finden nicht statt. Es gibt lediglich ein Event pro Jahr, das jedoch primär für die Händler ausgerichtet ist. Mitarbeitende der Verbandszentrale arbeiten währenddessen und nehmen daher nicht als Teilnehmende, sondern als Unterstützung teil.
Ein geplantes Feedbackgespräch wurde trotz meiner Anfrage nicht durchgeführt.
Teilweise entstehen künstlich erzeugte Drucksituationen.
Gehalt/Benefits
War für mich in Ordnung
Image
Nach außen wird ein modernes, attraktives Unternehmensbild vermittelt. Intern unterscheiden sich jedoch einige Arbeitsabläufe und Rahmenbedingungen von dem dargestellten Eindruck, was zu einer gewissen Diskrepanz zwischen Außendarstellung und tatsächlichem Arbeitsalltag führt.
Karriere/Weiterbildung
Konkrete Karriere- oder Entwicklungsmöglichkeiten wurden nicht aufgezeigt und es gab keine Angebote zur fachlichen oder persönlichen Weiterentwicklung.