Platonischer Liebesbrief
Gut am Arbeitgeber finde ich
Positiv ist, dass das Unternehmen jung und kreativ bleibt. Die Mitarbeiterevents sind schön, das Sportangebot kann sich sehen lassen und der „Schlemmerfreitag“ ist ein fester Lichtblick in der Woche. Flexible Arbeitszeiten sorgen für etwas Luft im Kalender, es gibt netten Merch, und Fellfreunde dürfen mitgebracht werden – was die Bürostimmung spürbar verbessert #emotionalsupportanimal.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Schlecht finde ich vor allem das ewige und nervige Zeitenbuchen, das Lohnmodell mit der Mitarbeiterbewertung durch Andere und den Umgang in Krisen oder bei persönlichen Schicksalsschlägen. Dabei ist Revolte nur so gut wie seine Mitarbeiter – vielleicht sollte man wieder mehr Wert auf Eignung und Qualität statt auf reine Quantität setzen. Und als kleiner Denkanstoß: Mit mehr Wertschätzung – sei es in Worten oder auch finanziell – wären manche guten Mitarbeiter vermutlich noch da.
Verbesserungsvorschläge
Vielleicht motivierte, lernbereite Mitarbeiter noch gezielter fördern, anstatt ihnen zu oft unnötige Hürden in den Weg zu stellen. Mehr Vertrauen in eigenständiges Arbeiten könnte hier viel bewegen – und auch ein etwas unkomplizierterer Umgang mit der Zeiterfassung würde Freiraum schaffen. Für alternative Modelle gäbe es sicher kreative Lösungen. Ein Plus an Wertschätzung könnte ebenfalls viel bewirken. Und: Präsenz zeigen, auch wenn es um schwierigere Gespräche geht – dann aber mit einem wertschätzenden und wohlwollenden Ton.
Arbeitsatmosphäre
Die meiste Zeit herrscht eine lockere, freundliche Atmosphäre – fast so, wie es in den bunten Folien zu den Unternehmenswerten versprochen wird. „Real Talk“ und „Partner in Crime“ klingen dort wie aus einem Start-up-Motivationsbuch, sehen illustriert auch richtig schick aus, funktionieren in der Praxis aber eher wie ein Kunstprojekt: schön anzuschauen, wenig alltagstauglich. Hinter den Kulissen wird lieber geflüstert als „real“ geredet, Entscheidungen betreffen einen oft erst dann, wenn sie längst gefallen sind, und das „Partner in Crime“-Gefühl endet spätestens dort, wo es kompliziert wird – dann ist man plötzlich nur noch eine Zahl, die sich leicht aus den Akten streichen lässt.
Work-Life-Balance
Die Work-Life-Balance ist auf dem Papier durchaus attraktiv: 37,5 Stunden statt der üblichen 40 – ein kleiner Bonus an Freizeit, der sich sehen lassen kann.
Karriere/Weiterbildung
Wer wachsen, sich entwickeln und seine Motivation ausleben möchte, sollte sich lieber eine Firma suchen, in der Eigeninitiative nicht permanent gebremst oder mit zusätzlichen Steinen im Weg belohnt wird. Falls du allerdings lieber im Ruhemodus arbeitest, idealerweise aus einer völlig anderen Branche kommst und keinerlei Vorkenntnisse mitbringst, bist du hier goldrichtig – dann wirst du nämlich gern unterstützt.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt ist okay und man versucht den Ausgleich über verschiedene Events zu schaffen – die bisher wirklich schön waren, dank der tollen Kollegen, die es organisiert haben.
Kollegenzusammenhalt
Der Kollegenzusammenhalt hat in meiner Zeit dort eine interessante Entwicklung hingelegt – leider rückwärts. Anfangs war echter Teamgeist spürbar: Man hatte Spaß miteinander, konnte Probleme offen ansprechen, sie gemeinsam aus der Welt schaffen und sich danach sprichwörtlich wieder in den Armen liegen. Heute übt man sich stattdessen im feinsinnigen Konkurrenzdenken, in der Angst, sich Fehler einzugestehen, und in der Kunst, niemanden „zu persönlich“ zu kritisieren – stattdessen lieber bei Dritten schlechtreden. Trotzdem gilt: Wenn man konkret Hilfe braucht, findet sich fast immer jemand, der bereit ist, mit anzupacken.
Vorgesetztenverhalten
Prinzipiell sind es coole, oft auch humorvolle Menschen mit gutem Herz, die ohne Frage etwas erreicht haben. Leider scheinen sie sich dabei manchmal auf weniger hilfreiche Ratgeber zu verlassen und den Wert von Bildung und Fachlichkeit nicht immer im Blick zu haben. Wertschätzung und Förderung kommen dabei häufig zu kurz, und das Schubladendenken lässt gelegentlich selbst Offensichtliches unbeachtet. Und wenn es doch einmal zu unschönen Themen kommt, neigt man eher dazu, den Blick abzuwenden, anstatt die Dinge offen und konstruktiv anzugehen.
