Öffentlicher Dienst - die Vorurteile stimmen leider
Gut am Arbeitgeber finde ich
Es gibt viele gute Rahmenbedingungen, der Arbeitgeber ist sehr Familienfreundlich (auch bei Väterkarenz), die Löhne sind transparent und gleich für alle. In der öffentlichen Verwaltung gestaltet man das Land und die Zukunft des Landes mit, was eine sehr spannende Aufgabe ist.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Fehlverhalten hat keine negativen Konsequenzen, dadurch gibt es viele Problemfälle, die die Arbeit allen anderen schwer machen. Leistung wird nicht belohnt, was viele dazu motiviert keine Leistung zu erbringen. Es gibt sehr wenig Struktur, was vor allem die Übergabe von Aufgaben schwierig macht. Die Strukturen, die es gibt sind oft eher schädlich als hilfreich.
Verbesserungsvorschläge
Der Arbeitgeber sollte den Mut aufbringen, Personen, die keine gute Arbeit leisten und das Betriebsklima schädigen, zu kündigen. Mehr Wertschätzung von Kompetenz und weniger Wertschätzung des Parteibuches wäre auch sehr gut für Staat und Demokratie.
Arbeitsatmosphäre
Mein Vorgesetzter agiert sehr willkürlich und hat eine starke Paranoia gegenüber anderen Abteilungen.
Mir gegenüber wurde oft ein sehr Abschätziger Tonfall benutzt, Kolleg:innen haben ähnliche Erfahrungen geschildert.
Image
Das Image der Verwaltung und des öffentlichen Dienstes stimmt gut mit meinen Erfahrungen überein.
Work-Life-Balance
Auf Familie wird stark Rücksicht genommen, was sehr positiv ist. Die Urlaubsplanung ist eher mühsam, Überstunden werden erwartet, aber nicht ausbezahlt und es wird erwartet, dass man immer telefonisch erreichbar ist (ohne Bezahlung).
Karriere/Weiterbildung
Es gibt einen breiten Weiterbildungskatalog über die VAB (Verwaltungsakademie des Bundes), allerdings wird persönliche Entwicklung und Weiterbildung überhaupt nicht geschätzt oder gefördert. Berufliche Aufstiegsmöglichkeiten gibt es so gut wie keine, es gibt Referent:innen, Abteilungsleiter:innen und Sektionsleiterinnen, eventuell noch Gruppenleiter:innen. Lateral sind die Karrieremöglichkeiten beim Bund dafür sehr breit gefächert und es ist auch nicht unüblich zu anderen Ministerien oder auf EU Posten zu wechseln.
Gehalt/Benefits
Die Anrechnung der Vordienstzeiten, die notwendig ist zur Einstufung des Gehalts, wird erst 6 Monate nach Arbeitsbeginn begonnen und benötigt dann mehrere Monate. Das heißt es kann leicht ein Jahr dauern bis man sein volles Gehalt erhält und bis man weiß, wie viel Gehalt man tatsächlich bekommt. Ansonsten entspricht das Gehalt den Gehaltstabellen (GÖD gibt eine gute Aufstellung und Übersicht, falls man nicht das Vertragsbedienstetengestz aufmachen möchte). Gut ist, dass das Gehalt sehr fair und transparent ist - die Gehaltseinstufung ist von allen Kolleg:innen bekannt, auch von Vorgesetzten. Die einzige Ausnahme sind Kolleg:innen, die über Arbeitsleihverträge angestellt sind und Sonderzahlungen und Überstunden sind auch nicht bekannt.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Es gibt unterschiedliche Mistkübel zur Mülltrennung, sie sind aber schwer auffindbar und teilweise weit weg. Es gibt das Konzept von green events, das teilweise bei Veranstaltungen angewendet wird. Es gibt zu wenig Fahrradabstellplätze, weil die meisten abgesperrt sind aufgrund der Renovierungsbedürftigkeit des Gebäudes. Klimaticket ist gratis (Stand 2026).
Kollegenzusammenhalt
Ich habe mit fast allen Kolleg:innen ein sehr gutes Arbeitsverhältnis. Die Kolleg:innen unterstützen, wo sie können und arbeiten konstruktiv zusammen.
Umgang mit älteren Kollegen
Gefördert wird generell niemand, auch langdienende Kolleg:innen nicht. Es werden aber unabhängig vom Alter alle gleich behandelt.
Vorgesetztenverhalten
Mein Vorgesetzter setzt keine oder sehr unklare Ziele, Entscheidungen werden nicht begründet, Mitarbeiter werden in Entscheidungen nur einbezogen, um Verantwortung auszulagern. In Konfliktfällen tut der Vorgesetzte gar nichts oder befeuert den Konflikt.
Arbeitsbedingungen
Es gibt Stehtische und die Büroausstattung ist gut. Die Lüftung ist recht laut und die Wände sehr dünn, so dass man viel durch hört. Das Ambiente vom Gebäude ist eher bedrückend. Computer und Geräte (Headset, Webcam, ...) sind ok. Es wird ausschließlich Microsoft und Microsoft Office verwendet (dadurch werden sehr viele Dinge in excel Tabellen gepresst, die nicht in excel Tabellen sein sollten).
Kommunikation
Ich habe nicht alle Informationen erhalten, die ich für meine Arbeit gebraucht habe. Mein Eindruck war, dass das Teilen von Informationen generell unerwünscht ist.
Gleichberechtigung
Ich habe keine Diskriminierung erlebt und viele Kolleg:innen gehen in Elternkarenz und kommen danach wieder ohne benachteiligt zu werden.
Interessante Aufgaben
Die Arbeitsbelastung ist sehr ungleichmäßig aufgeteilt. Es wurde mir gesagt, dass ich Einfluss auf die Ausgestaltung meines Aufgabengebiets habe. Das gilt aber nur wenn ich es exakt so ausgestalten möchte, wie der Vorgesetzte es sich vorgestellt hat (ich soll aber erraten, was der Vorgesetzte sich vorgestellt hat).
Die Aufgaben sind teilweise sehr interessant und teilweise sehr mühsam, weil sehr bürokratisch und im ELAK (dem elektronischen Aktensystem) zu erledigen, das sehr benutzerunfreundlich ist.