Schrotteralm - nomen est omen
Gut am Arbeitgeber finde ich
Die Lage und das Konzept hätten definitiv Potenzial. Außerdem wurde von der Geschäftsführung selbst mit angepackt, wenn es gebrannt hat. Das muss man fairerweise anerkennen.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Eigentlich fasst die restliche Bewertung das bereits ganz gut zusammen. Wer bis hierhin gelesen hat und sich immer noch fragt, was schlecht war, dem kann ich vermutlich auch nicht mehr helfen.
Verbesserungsvorschläge
Wo anfangen? Vielleicht bei einem respektvollen Umgang mit Mitarbeitern, vernünftigen Arbeitsbedingungen und der Erkenntnis, dass Personal keine Verschleißware ist. Und manche langjährigen Mitarbeiter müssten vielleicht nicht nur fachlich, sondern auch menschlich einmal „nachgeschult“ werden.
Arbeitsatmosphäre
Eine Arbeitsatmosphäre der besonderen Art. Wertschätzung sucht man eher vergeblich, dafür gibt es Anschreien und einen Umgangston mit Kasernenhof-Charme gratis dazu. Wer unter Druck besonders gut funktioniert, findet hier vermutlich sein persönliches Trainingslager.
Für zusätzlichen „Unterhaltungswert“ sorgte ein sehr korpulenter Kellner, der nicht nur optisch kaum zu übersehen war. Auch sein überhebliches und respektloses Auftreten hinterließ Eindruck. Warum dieses Verhalten offenbar dauerhaft geduldet wird, gehört wohl zu den ungelösten Rätseln der „Schrott“-er-Alm.
Image
Sagen wir es so: „Schrotteralm – nomen est omen“ kam nicht ganz zufällig als Überschrift zustande. Nach meiner Erfahrung wundert mich jedenfalls nicht, dass sich auch andere Bewertungen ähnlich lesen. Potenzial wäre durchaus vorhanden – zwischen Potenzial haben und Potenzial nutzen liegen hier allerdings noch ein paar Höhenmeter.
Work-Life-Balance
Work-Life-Balance – ein ambitionierter Begriff für das, was hier geboten wurde. Natürlich handelt es sich um einen Saisonjob und da weiß man, dass es auch mal länger werden kann. Aber 12 bis 13 Stunden täglich bei einer 6-Tage-Woche sind dann doch eine eigene Liga. Wobei man sich mit sechs Tagen fast schon privilegiert fühlen durfte – manche arbeiteten schließlich auch 7 Tage.
Vernünftige Pausen oder einfach mal in Ruhe sitzen? Offenbar Luxus. Arbeiten, schlafen, wieder arbeiten – immerhin spart man sich so die lästige Freizeitplanung.
Karriere/Weiterbildung
Nun ja, man sieht, was aus denjenigen geworden ist, die schon länger dabei sind. Vielen Dank – auf diese Art von Karriere verzichte ich gerne. Weiterbildung scheint ebenfalls keinen besonders hohen Stellenwert zu haben. Ein Blick in Küche und Service hat mir als Anschauungsmaterial jedenfalls vollkommen gereicht.
Kollegenzusammenhalt
„Zusammenhalt“ ist vielleicht etwas großzügig formuliert. Über unseren bereits erwähnten korpulenten Möchtegern-Restaurantleiter wurde inzwischen wohl genug gesagt – das Kapitel können wir an dieser Stelle getrost schließen.
Einer der Söhne war zumindest sympathisch und angenehm im Umgang – man soll schließlich auch erwähnen, wenn etwas positiv auffällt. Beim Rest wurde es schon überschaubarer. Der Chef versprühte gerne seinen ganz eigenen Grantler-Charme und ein weiterer Sohn glänzte eher durch wenig zugängliches Auftreten.
Das eigentliche Highlight wartete allerdings in der Küche: Beim Küchenchef fragte ich mich gelegentlich, ob eine kleine Auffrischung der fachlichen Grundlagen nicht eine lohnende Investition wäre. Ein eingeschworenes Dream-Team sieht jedenfalls anders aus.
Vorgesetztenverhalten
Führung mit Kasernenhof-Charme: laut, ruppig und wenig wertschätzend. Der Chef war ein Grantler wie aus dem Bilderbuch. Mitarbeitermotivation? Sagen wir mal: Da ist noch ordentlich Luft nach oben.
Arbeitsbedingungen
Das inoffizielle Motto: „Gib dein Leben an der Garderobe ab und mach dich für uns kaputt.“ Dass Kellnern kein Wellnessurlaub ist, dürfte jedem in der Gastronomie bekannt sein. Hier schien die persönliche Belastungsgrenze allerdings Teil der Stellenbeschreibung zu sein. Und das Ganze für einen Lohn, der die Belastung meiner Meinung nach nicht annähernd widerspiegelte. Wer jetzt wenigstens auf fürstliches Trinkgeld als Schmerzensgeld hofft: süß. Das hielt sich ebenfalls sehr in Grenzen.
Kommunikation
Kommunikation war eher ein Abenteuer. Besonders wenn sich ein gewisser Kellner wieder einmal spontan zum Restaurantleiter beförderte. Anweisungen verteilen, herumplärren und den großen Chef markieren funktionierten jedenfalls tadellos. Zuhören, sachlich kommunizieren oder gar auf Augenhöhe sprechen schienen dagegen nicht zum persönlichen Kompetenzbereich zu gehören. Aber wozu Kommunikationsfähigkeit, wenn man auch einfach lauter werden kann?
Gleichberechtigung
Gleichbehandlung und Respekt waren für mich eher Fremdwörter. Neue oder rangniedrigere Mitarbeiter anzuschreien und von oben herab zu behandeln, gehört sich schlichtweg nicht. Gegenüber Frauen kam teilweise noch ein Verhalten hinzu, das ich als unangenehm und grenzüberschreitend empfand. Anstand und professioneller Umgang? Fehlanzeige.
Interessante Aufgaben
Interessant war vor allem die tägliche Frage, was einen heute wieder erwartet. Die Aufgaben selbst waren klassische Gastronomie – nichts Außergewöhnliches. Für Spannung sorgte eher das Drumherum.