Behäbig, willkürlich, altmodisch und realitätsfremd - immerhin, die Bezahlung ist nicht schlecht
Gut am Arbeitgeber finde ich
Bezahlung
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Unternehmenskultur, veraltete Hierarchien und sinnlose Regeln, behäbiges Vorgehen bei Änderungen, inkompetente und machtgeile Führungspersonen, viel viel Nepotismus und Postenschacherei, keiner ist für irgendwas zuständig, alles ist langsam und ineffizient, ...
Arbeitsatmosphäre
Es kümmert sich niemand um dich, um dir etwas beizubringen oder zu zeigen. Du bist die meiste Zeit auf dich allein gestellt. Von oben rührt sich nur mal wer, wenn du etwas falsch gemacht hast. Sonst bist gut beraten, entweder erfahrenere Kollegen zu nerven, die eh keine Zeit haben, dir etwas zu zeigen, oder du gatscht so lange weiter an deiner Aufgabe, bis entweder was dabei rauskommt oder jemand von oben auf dich einhaut (verbal).
Work-Life-Balance
Es gibt "Gleitzeit" aber mit Sternchen (Kernzeit ab 9:00 - bei Kommen um 9:05 gleich Kündigungsdrohung), Urlaube müssen vor dem Beantragen umständlich mit tausend Menschen besprochen werden und auch gefühlt zehn Jahre im Voraus bekanntgegeben werden (dabei werden natürlich die Cronies bevorzugt), in der Abwesenheit macht natürlich keine(r) deine Arbeit, die dann einfach liegen bleibt und mehr und mehr wird. Ob sich da ein Urlaub überhaupt auszahlt, wenn man nachher erst wieder Stress hat? Private Termine in einer Dienstunterbrechung ("auf eigene Zeit" genannt) zu machen ist nur manchen erlaubt - anderen nicht. Völlig willkürlich und sehr unterschiedlich zwischen den Abteilungen. Home Office ist, obwohl es beworben wird, eine ausdrückliche Ausnahme und kein Teil des "Dienstordnung" genannten Kollektivvertrages. Und wird auch nur als solches nach langwieriger Antragstellung und Argumentation genehmigt. Und auch nur befristet. Man erhält auch nur einen einzigen Tag, den man sich weder aussuchen kann, noch flexibel verschieben kann, wenn notwendig.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Es ein paar unterdimensionierte Sammel-Container für Wertstoffe, wie Glas und Metall. Das war es auch wieder. Immer noch extrem viel Papier- und Zettelwirtschaft. Dinge werden unnötig ausgedruckt, damit irgendwer ein Kraxl draufmalen kann und dann wieder eingescannt. Und dann wieder ausgedruckt, weil irgendein anderer seinen Stempel noch draufgeben muss. Und dann wieder eingescannt.
Karriere/Weiterbildung
Es gibt theoretisch von allen Sozialversicherungsträgern eine gemeinsame Fortbildungsplattform. Man darf sich dort aber nicht selbstständig anmelden und ist darauf angewiesen, dass die Obrigkeit das genehmigt. Generell werden diese Dienstprüfungen vorgeschrieben, die zwar inhaltlich ganz interessant sind, einen aber überhaupt nicht weiterbringt. An Karriere brauchst du in dem Haus gar nicht erst denken, außer du stellst dich mit irgendeinem wichtigen Menschen gut, bist Fußballer oder sonst ein Cronie. Auf Weiterbildung wird keinen Wert gelegt und wenn man privat eine Bildungs-Teilzeit haben möchte, wird einem das so schwer gemacht, wie es nur geht.
Kollegenzusammenhalt
Das gelebte Vibe hier ist "wir sitzen alle im gleichen Boot, das am untergehen ist" - man schaut schon, dass man zusammenhält. Aber es ist leider ein "wir gegen die". Und dann gibt es da die Cronies, die Lieblinge, der Obrigkeiten. Das sind zumeist Fußballer oder Fußball-affine Menschen. Die dürfen alles und müssen nichts.
Umgang mit älteren Kollegen
Grundsätzlich werden ältere Menschen eingestellt. Scheinbar sogar bevorzugt. Junge Menschen werden von vornhinein bereits als faul betrachtet und oft wird auch unter der Hand gesagt, dass junge Frauen eh in Karenz gehen. Als ob alle Frauen Kinder wollen würden... ältere Kollegen, obwohl die meisten lieb, können sich oft alles erlauben und reden sich auf den Kündigungsschutz aus, den sie haben. Wissenstransfer ist in dieser Firma fremd.
Vorgesetztenverhalten
Willkür, Machtgeilheit, Ahnungslosigkeit von Führung, Ahnungslosigkeit von den Mitarbeitern, zu viele Ebenen, meistens nach Seniorität oder nach Parteizugehörigkeit besetzt, oder man ist Fußballer. Tatsächliches Können - irrelevant.
Arbeitsbedingungen
Es gibt keine höhenverstellbaren Tische (bzw. wenn man sie höhenverstellen muss, muss man unter dem Tisch hineinkriechen und dort mit einer Kurbel herumkurbeln). Um einen höhenverstellbaren Tisch zu bekommen, muss man bereits Rückenprobleme haben und ein ärztliches Attest bringen. Dann ist es aber schon zu spät! Durch Desk Sharing brauchst du dir deinen Arbeitsplatz auch gar nicht erst ergonomisch einrichten, der ist sowieso beim nächsten Mal wieder komplett verstellt, weil sich dort wer anderes hingesetzt hat, bevor du da bist. Die "Ausweichquartiere" in Wien sind ein schlechter Witz. Bruchbuden, düster, extrem verdreckt (das Putzpersonal ist nicht Schuld dran - die sind wirklich immer sehr bemüht!), zu wenig Toiletten, im Winter eiskalt und im Sommer extrem heiß und die paar Ventilatoren, die man hier aufgestellt hat, sind wenig effizient. Chefetage agiert zumeist als eine Art Monarch und spricht nicht mit dem gemeinen Volk. Der Lärm ist auch beträchtlich - Kopfhörer tragen verboten (und auf Dauer eh unangenehm).
Kommunikation
Kommunikationsstil wie aus dem vorigen Jahrhundert. Nur Führungskräfte werden informiert, die dann ihre Cronies informieren - der Rest muss sich auf den Flurfunk verlassen oder weiß einfach nix. Rundschreiben sind, wenn es sie gibt, in Behördendeutsch geschrieben und umständlich als PDF in einer gesonderten Plattform abgelegt. Warum nicht gleich ins Mail schreiben, das man bekommt? Mit anderen Abteilungen zu Kommunizieren ist nicht erlaubt - "Dienstweg einhalten!" und dadurch dauert einfach alles ewig lang.
Gehalt/Sozialleistungen
Das Gehalt ist nicht allzu schlecht. Das ist der einzige Grund, warum ich überhaupt noch da bin. Was Sozialleistungen betrifft gibt es eine Betriebspensionskasse, in die man einzahlen muss. Nein, nicht darf, muss. Sonst gibt es in Wien einen monatlichen Zuschuss für das Essen im Haus. Das zahlen sich die Mitarbeiter aber ohnehin über die Betriebratsumlage selbst. Ansonsten... gibt es im Gegensatz zu anderen Firmen nicht mal gratis Kaffee oder Obst, und auch sonst keine anderen Benefits. Gehälter kommen in der Regel pünktlich aber in der Hälfte der Zeit ist irgendwas nicht ganz, weshalb sehr oft auf der Abrechnung irgendeine Korrektur für den Vormonat oder Vor-Vormonat enthalten ist.
Gleichberechtigung
Es gibt ein Mentoring-Programm. Aber nur für Frauen. Wenn du als Mann weiterkommen willst, musst du Fußballer sein. Allerdings gut: alle verdienen nach Gehaltsschema. Schlecht: Wer in welcher Klasse im Schema eingereiht wird und wer hochrückt ist völlig intransparent. Interne "Ausschreibungen" werden auch nur gemacht, weil sie verpflichtend sind. Bewerben brauchst nicht gar nicht - die haben sowieso schon ihren Wunschkandidaten. Sparst dir die Mühe, die Enttäuschung und Lebensenergie.
Interessante Aufgaben
Das Potenzial wäre da - die Themen und Gebiete sind ja schon speziell und nicht überall zu finden. Wenn sie jemand einem auch beibringen würden...
