Senior eingestellt, Junior eingesetzt – monatelang kein Feedback und überraschende Kündigung
Gut am Arbeitgeber finde ich
Die Kolleginnen und Kollegen waren überwiegend engagiert und bemüht, gemeinsam gute Ergebnisse zu erzielen. Das Unternehmen hat grundsätzlich interessante Produkte und eine starke Marke aufgebaut.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Die größte Enttäuschung war die Differenz zwischen den Erwartungen aus dem Bewerbungsprozess und der tatsächlichen Tätigkeit. Trotz einer Einstellung auf Senior-Level wurden überwiegend Junior-Aufgaben vergeben. Mehrfach angefragte Gespräche über Entwicklungsmöglichkeiten fanden nicht statt.
Besonders problematisch empfand ich die Art der Kündigung. Eine Woche bevor ich gekündigt wurde, wurde meine Position auf LinkedIn veröffentlicht. Auf Nachfrage wurde mir erklärt, das Team werde erweitert. Ich wurde sogar dazu ermutigt, die Ausschreibung selbst zu teilen und Kandidaten zu empfehlen. Wenige Tage später wurde ich überraschend gekündigt.
Auch die Kommunikation rund um die Freistellung und den Umgang mit meinem Resturlaub war aus meiner Sicht mangelhaft. Erst nach rechtlicher Beratung durch die Arbeiterkammer Wien wurden meine offenen Urlaubsansprüche vollständig und korrekt ausbezahlt.
Insgesamt blieb bei mir der Eindruck zurück, dass Feedback, Mitarbeiterentwicklung und transparente Kommunikation deutlich weniger Priorität hatten als nach außen vermittelt wurde.
Verbesserungsvorschläge
- Recruitingversprechen und tatsächliche Aufgaben stärker aufeinander abstimmen.
- Verbindliche und regelmäßige 1:1 Gespräche etablieren.
- Führungskräfte stärker an ihrer Führungsleistung messen.
- Mehr Transparenz bei organisatorischen Veränderungen und Personalentscheidungen schaffen.
- Klare Prozesse und Verantwortlichkeiten definieren.
- Mitarbeitenden mehr Mitsprache bei Verbesserungen ermöglichen.
- Vertragsklauseln überdenken. Dass explizit verboten wird, über Gehaltspackages zu sprechen ist höchst fragwürdig und sehr unüblich
- Nachhaltigkeitsversprechen glaubwürdig und nachvollziehbar gestalten.
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre war für mich von Unsicherheit und interner Politik geprägt. Entscheidungen wirkten oft wenig transparent und ich hatte nicht das Gefühl, dass offene Meinungen oder konstruktive Kritik wirklich erwünscht waren. Statt Zusammenarbeit stand häufig das reine Abarbeiten von Aufgaben im Vordergrund.
Kommunikation
Kommunikation war einer der größten Schwachpunkte. Mehrfach gewünschte 1:1 Gespräche wurden über Monate verschoben oder fanden gar nicht statt. Wichtige Themen wie Rollenentwicklung, Erwartungen oder Feedback wurden kaum besprochen. Besonders enttäuschend war, dass meine Position vor meiner geplanten Kündigung von HR bereits öffentlich ausgeschrieben wurde.
Kollegenzusammenhalt
Die direkten Kolleginnen und Kollegen waren überwiegend freundlich und hilfsbereit. Viele Mitarbeitende haben versucht, trotz hoher Belastung das Beste aus der Situation zu machen. Allerdings führte die Organisationsstruktur dazu, dass Teams oft eher nebeneinander als miteinander gearbeitet haben.
Work-Life-Balance
Der Workload war dauerhaft hoch. Es blieb wenig Zeit, Aufgaben wirklich sorgfältig auszuarbeiten, da ständig neue To-dos hinzukamen. Ich habe sogar an Feiertagen und rund um Weihnachten gearbeitet, um das Team zu unterstützen. Die Belastung stand für mich nicht im Verhältnis zu den tatsächlichen Entwicklungsmöglichkeiten.
Vorgesetztenverhalten
Ich habe meinen direkten Vorgesetzten mehrfach darauf hingewiesen, dass die tatsächlichen Aufgaben nicht zu der Senior-Rolle passen, für die ich eingestellt wurde. Meine Rolle und die damit verbundenen Aufgaben und Erwartungen wurden nie klar kommuniziert. Die versprochenen Gespräche dazu fanden nie statt. Auch bei der Kündigung gab es keine vorherigen Feedbackgespräche oder Hinweise auf Probleme. Stattdessen wurde ich überraschend vor vollendete Tatsachen gestellt.
Interessante Aufgaben
Im Bewerbungsgespräch wurden spannende Entwicklungsmöglichkeiten und abwechslungsreiche Aufgaben in Aussicht gestellt. Tatsächlich habe ich jedoch überwiegend operative Tätigkeiten auf Junior-Niveau übernommen. Die versprochenen Möglichkeiten, beispielsweise bei Foto- oder Videoproduktionen mitzuwirken, wurden nie umgesetzt.
Gleichberechtigung
Persönliche Benachteiligung habe ich nicht erlebt. Allerdings hatte ich den Eindruck, dass persönliche Beziehungen und bestehende Netzwerke innerhalb der Führungsebene eine wichtige Rolle spielen. Dadurch entstand zumindest der Eindruck, dass nicht ausschließlich Leistung und Qualifikation über Entwicklungsmöglichkeiten entscheiden.
Umgang mit älteren Kollegen
Dazu kann ich nur eingeschränkt etwas sagen. Mir sind keine offensichtlichen negativen Vorfälle aufgefallen. Gleichzeitig habe ich keine besonderen Maßnahmen wahrgenommen, die Erfahrung oder langjährige Expertise gezielt fördern würden.
Arbeitsbedingungen
Die technische Ausstattung war grundsätzlich in Ordnung. Problematisch war für mich vor allem die organisatorische Seite: unklare Zuständigkeiten, fehlende Strukturen und ständig wechselnde Prioritäten erschwerten produktives Arbeiten erheblich. Selbst die Rückgabe meines Equipments musste ich nach der Kündigung eigenständig organisieren.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Nach außen wird das Thema Nachhaltigkeit stark kommuniziert. Gleichzeitig basiert ein erheblicher Teil des Vertriebs auf Plattformen wie Amazon. Dadurch entstand bei mir eine Diskrepanz zwischen dem vermittelten Image und der tatsächlichen Geschäftspraxis.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt war marktüblich. Kritisch sehe ich allerdings eine Vertragsklausel, die Mitarbeitende davon abhalten soll, untereinander über Gehälter zu sprechen. Eine solche Regelung kann Misstrauen fördern und steht aus meiner Sicht nicht für eine moderne und transparente Unternehmenskultur.
Image
Das Unternehmen präsentiert sich nach außen als modernes, dynamisches und innovatives Arbeitsumfeld. Meine persönliche Erfahrung wich davon jedoch deutlich ab. Zwischen den Versprechen im Recruiting und der Realität im Arbeitsalltag bestand für mich eine erhebliche Diskrepanz.
Karriere/Weiterbildung
Für mich gab es praktisch keine Entwicklungsperspektive. Trotz mehrfacher Hinweise auf die Diskrepanz zwischen meiner Senior-Position und den tatsächlichen Aufgaben gab es keine erkennbare Veränderung. Feedback, Förderung oder konkrete Weiterentwicklung wurden weder aktiv angeboten noch ernsthaft verfolgt.

