Fünf Sterne für die Show – einen für die Führung (CEO)
Gut am Arbeitgeber finde ich
Der neue CEO gibt sich gerne als grosser Menschenfreund, und genau diese Rolle inszeniert er beeindruckend gut.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Wenn man bei der AEW Energie AG arbeitet, lernt man schnell: Hier zählt nicht Leistung, sondern Nähe zum Verwaltungsratspräsidenten – idealerweise mit Tennisschläger in der Hand. Seit der neue CEO das Ruder übernommen hat, wirkt das Unternehmen weniger wie ein Energieversorger und mehr wie ein schlecht geschriebener Politthriller.
Der neue CEO startete mit einer „freiwilligen“ Mitarbeiterumfrage – freiwillig wie ein Zahnarztbesuch mit Kameraüberwachung. Das Ergebnis war blendend, weil die Stimmung damals tatsächlich gut war. Doch der neue CEO nutzte diese Momentaufnahme wie ein Influencer seinen besten Filter: Immer wieder wird auf die angeblich hohe Zufriedenheit verwiesen, obwohl die Realität inzwischen eher nach „Exit“ aussieht.
Kritik ist nicht willkommen. Wer Fragen stellt, steht schnell im Abseits. Langjährige Mitarbeitende verschwinden, und selbst das HR‑Team wurde bereits wieder komplett neu aufgestellt. Die Veränderungen wirken oft überstürzt und ohne Einbindung der Mitarbeitenden. Dazu kommen weitere Punkte, die im Alltag zunehmend negativ auffallen – von unklaren Prioritäten über hektische Richtungswechsel bis hin zu einem Führungsstil, der mehr Verwirrung als Orientierung schafft.
Besonders bitter ist der Vergleich zur Vergangenheit: Unter dem früheren CEO war diese Firma für mich eine der besten in der Schweiz. Wenn jemand schlecht über sie gesprochen hat, hat mir das regelrecht das Herz zerrissen – man hat sich zu 1000 % eingesetzt, weil man stolz war, Teil davon zu sein. Heute zerreisst es das Herz aus einem anderen Grund: wegen eines schlechten, chaotischen und wenig vertrauenswürdigen Führungsstils, der dem Unternehmen und seinen Menschen nicht guttut.
Verbesserungsvorschläge
Eine neue Mitarbeiterbefragung wäre sinnvoll, bei der nicht die direkten Vorgesetzten bewertet werden müssen, sondern die Geschäftsleitung. Sie sollte kurz, klar und vollständig anonym sein, damit sich Mitarbeitende wirklich trauen, offen zu antworten.
Das frühere Lohnsystem wirkte transparenter und nachvollziehbarer. Ich lasse mich jedoch gerne am Stichtag der Bonusauszahlung vom neuen System überzeugen, sofern es tatsächlich Vorteile bietet.
Zudem wäre es hilfreich, wenn sich das Unternehmen wieder auf seine Kerngeschäfte konzentriert und Prioritäten entsprechend setzt.
Arbeitsatmosphäre
Früher kollegial und stabil, heute geprägt von Unsicherheit und Fluktuation. Vertrauen ist Mangelware.
Image
Nach aussen gepflegt, intern bröckelnd. Auch Branchenkollegen fragen, was mit der Firma los ist.
Work-Life-Balance
Für Mitarbeitende noch tragbar, für Führungskräfte oft chaotisch. Prioritäten ändern sich schneller als die Kalenderansicht.
Karriere/Weiterbildung
Es gibt ein System, aber niemand versteht es wirklich. Die Abläufe wirken kompliziert, wenig transparent und für viele Mitarbeitende schwer nachvollziehbar. Wer sich weiterentwickeln will, braucht Geduld.
Gehalt/Benefits
Marktkonform, aber kein Ausgleich für die Unsicherheit. Das neue Lohnsystem ist noch nicht transparent.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Nach aussen stark betont, intern oft widersprüchlich. Nachhaltigkeit bleibt ein Schlagwort.
Kollegenzusammenhalt
Der Kollegenzusammenhalt ist das, was die AEW noch zusammenhält. Innerhalb der Teams unterstützen sich die Leute gegenseitig.
Umgang mit älteren Kollegen
Viele erfahrene Mitarbeitende sind gegangen oder wurden ersetzt. Wissen geht verloren.
Vorgesetztenverhalten
Entscheidungen kommen von oben, Rückfragen sind unerwünscht. Nähe zur Spitze zählt mehr als Kompetenz. Der direkte Chef vor Ort gibt sich oft Mühe und versucht das Beste aus der Situation zu machen, aber die Geschäftsleitung wirkt wie ein eigener Kosmos. Chef top, GL flop.
Arbeitsbedingungen
Technisch solide, organisatorisch schwierig. Grossraumbüros sind laut und eng.
Kommunikation
Innerhalb der Teams bemüht, aber durch ständige Wechsel oft brüchig. Zwischen Bereichen herrscht Misstrauen.
Gleichberechtigung
Karrierechancen hängen stark von Beziehungen ab. Leistung ist zweitrangig.
Interessante Aufgaben
Der Grundauftrag ist wichtig, aber viele Aufgaben haben mit dem ursprünglichen Berufsbild kaum noch etwas zu tun.


