Nach aussen schön, intern ein anderes Bild
Gut am Arbeitgeber finde ich
Grundsätzlich offen für internationale Mitarbeitende, viele Kolleginnen und Kollegen mit unterschiedlichem Hintergrund. Nach aussen professionelles, gepflegtes Auftreten gegenüber Kunden und in der Öffentlichkeitsarbeit. Es zeigt sich deutlich: Wo die Führung stimmt, funktioniert auch alles andere – in einzelnen Abteilungen (z.B. IT) herrscht ein spürbar anderes, positives Klima, weil dort Vorgesetzte sich wirklich für ihr Team einsetzen und Verantwortung übernehmen. Das beweist, dass es im Unternehmen möglich wäre, es besser zu machen.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Leider ist das die Ausnahme, nicht die Regel. In den meisten Abteilungen herrscht ein völlig anderes Bild: Mobbing durch direkte Vorgesetzte, insbesondere gegenüber ausländischen Mitarbeitenden – abwertende, teils aggressive verbale Angriffe gehören zum Alltag. Wer sich beschwert, riskiert die Kündigung. Langjährige Mitarbeitende wurden in der Vergangenheit ohne für mich nachvollziehbaren Grund entlassen. Öffentlich wird Bodenständigkeit und Standorttreue kommuniziert, nach meinem Eindruck werden entsprechende Stellen aber zunehmend ins Ausland verlagert. Diese Diskrepanz zwischen Aussendarstellung und interner Realität erlebe ich als sehr belastend. Positionen im mittleren Kader werden nach meiner Erfahrung eher nach Nähe zur Geschäftsleitung vergeben als nach Qualifikation – die genannte IT-Abteilung ist hier eine positive Ausnahme, zeigt aber gerade dadurch, wie sehr der Rest von der Person an der Spitze abhängt statt von einheitlichen Standards. Frauen werden nach aussen positiv dargestellt, sind in relevanten Führungspositionen aber praktisch nicht vertreten.Keine Arbeitszeiterfassung, obwohl gesetzlich vorgeschrieben. Weiterbildungsmöglichkeiten: praktisch keine. Viele erfahrene, gut qualifizierte Mitarbeitende haben das Unternehmen in den letzten Jahren verlassen – ein Umstand, der von der obersten Führungsebene meines Wissens nie ernsthaft hinterfragt wurde. Ich habe den Eindruck, dass wichtige Informationen auf dem Weg nach oben stark gefiltert werden.
Verbesserungsvorschläge
Führungspositionen nach Kompetenz statt Nähe zur Geschäftsleitung besetzen – die IT-Abteilung zeigt, dass gute Führung im Unternehmen grundsätzlich möglich ist, das sollte zum Standard werden statt Einzelfall zu bleiben. Gesetzlich vorgeschriebene Arbeitszeiterfassung einführen. Echte Massnahmen gegen Mobbing und Diskriminierung statt Lippenbekenntnisse. Weiterbildungsangebote schaffen. Frauen tatsächlich in Führungspositionen bringen – nicht nur in der Aussendarstellung.