Lange Arbeitstage mit hohen Anwesenheitszeiten, wenig Rücksicht auf das Privatleben. Burn-Out-Gefahr kann sehr hoch sein
Gut am Arbeitgeber finde ich
Dass ich dank der Anrufe aus der Leitstelle lerne, mein Smartphone zum persönlichen Alarm‑System zu machen, das mich jederzeit daran erinnert, dass ich nie wirklich „frei“ sondern ständig erreichbar bin. Und natürlich die modernste Fahrzeugflotte, wo das Bremsystem halt auch mal ausfallen darf weil das Fahrzeug "neu ist" und mich zu einer Gefahrenbremsung zwingt! Das unser neues Wunderwerk der Schweizer Technik immer wieder Probleme macht und unseren Fahrgäste wie auch dem Personal auf die Nerven geht. Dass das Management mir ein inspirierendes Vorbild liefert, wie man völlig losgelöst von den Bedürfnissen der Mitarbeitenden Entscheidungen trifft und so tut, als sei alles total in Ordnung.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Die extrem langen Arbeitszeiten. Man kann es schon fast als ÖV-Lifestyle bezeichnen ständig mit dem Sandwhich in der Hand, Augenringen und Kaffee durch die Gegend zu laufen. Ich habe teilweise kaum Erholungsphasen, Pausen sind sehr kurz. Immer wieder Anrufe ob man mehr schaffen könnte. Die „Du‑Kultur“ wirkt auf mich eher wie ein Besitzanspruch, bei dem persönliche Termine und die Gesundheit, Erholung, Bedürfnisse und Pflichten der Mitarbeitenden kaum berücksichtigt werden. Ich erlebe eine hohe Fluktuation, Mitarbeiter melden sich teilweise sogar beim Case Manegement weil die Arbeit sie psychisch und physisch einfach ausbrennt.
Verbesserungsvorschläge
Aufhören zu versuchen die Anliegen der Mitarbeiterinnen und der Gewerkschaft ständig kleinzumachen. Sich mehr um das Wohlbefinden des Personals kümmern und es nicht behandeln als wären es alle Roboter ohne Privatleben.
Arbeitsatmosphäre
Der tägliche Stress ist für mich kaum auszuhalten. Ich muss um 4 Uhr morgens aufstehen um rechtzeitig bei der Arbeit zu sein, habe dann teilweise bis zu 3h Pause und wenn dann noch Demonstrationen dazu kommen ist man manchmal erst um 20 Uhr zu Hause, oft mehrere Tage hintereinander, lassen kaum Zeit zum Durchatmen. Die Pausen sind zu kurz, viele Kolleginnen und Kollegen sind müde und gereizt, dann fliegt mal was durch die Gegend. Der ein oder andere Fahrgast bekommt es auch mal zu spüren. Das Management lebt in einer eigenen Welt und das Verständnis für die Belastung der Mitarbeitenden wird nicht wahrgenommen. Viele neue Bewerber haben nach kurzer Zeit den Arbeitgeber gewechselt, sind zur Bundesbahn oder zur Stadtbahn gewechselt und schwärmen nur so von den verbesserten Arbeitsbedingungen.
Image
Good Place to Work AG bietet ein kommerzielles Gütesiegel, das Unternehmen leicht für Eigenmarketing nutzen können. Da die Zertifizierung nicht von einer unabhängigen Behörde stammt ist das Label eher ein Werbemittel als ein objektiver Qualitätsnachweis. Am besten fragt man einfach die dutzenden Mitarbeiter die gestresst ihr Pausenbrot verdrücken. Da das Verfahren kostenpflichtig und nicht staatlich reguliert ist, dient das Label häufig mehr als Marketinginstrument denn als unabhängiger Qualitätsnachweis. Unternehmen nutzen das GPTW‑Siegel, um den eigenen Ruf aufzupolieren, ohne tiefgreifende strukturelle Veränderungen vornehmen zu müssen. Beispiele aus meiner Erfahrung bspw. "Pausenraum‑Plakate". Das "Internet-Zertifikat" prangt an der Wand, während gleichzeitig Überstunden en Masse geleistet werden und hohe Fluktuationsraten bestehen. Ich habe viele Mitarbeiter kennengelernt die das Unternehmen bereits nach kurzer Zeit wieder verlassen haben, da man innerhalb des Betriebes uneinsichtig ist und einfach seinen Kopf durchsetzen möchte. Auch das ständige Anrufen ist sehr nervig und ziemlich jedem Mitarbeiter bekannt.
Work-Life-Balance
Für mich gibt es keine Work-Life Balance! Es gibt Tage da würde ich mein Handy am liebsten mein Handy kaputtmachen weil man mich wieder aus dem Schlaf weckt. Wenn ich es schaffe einmal kurz Spazieren zu gehen oder ich auf dem WC sitze und schon wieder das Telefon klingelt ob ich einspringen könnte kriege ich beinahe Krampfanfälle! Ich musste viele Hobbys aufgeben und meine Familie sehe ich nur sporadisch. Die Dienstplanung ist ein Meisterwerk der menschlichen Inkompetenz, von früh bis spät, dann wieder früh. Die biologische Uhr kommt total aus dem Rhythmus, man wird zwangsläufig Müde und gereizt. Manche Leute haben Dienstpläne da fragt man sich bei wem man sich einschmeicheln muss, andere Leute wie ich bekommen Pläne die fühlen sich an wie der reine Sadismus.
Karriere/Weiterbildung
Pflichtkurse wie man sich mit Kunden benimmt. Kontrolleur, Fahrlehrer, Leitstelle-Büro. Das sind so ungefähr die "Karrieremöglichkeiten" die du hier bekommst. Alles aber ohne wirklichen Abschluss, wechselst du das Unternehmen kannst du wieder von vorne anfangen und dich mit deren Regeln auseinandersetzen.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt ist im Vergleich zur Konkurrenz relativ niedrig. Andere Unternehmen wie bspw. die Stadtbahn oder die Bundesbahn, Schienentransportunternehmen usw. zahlen etwa 1000 CHF bis 1500 CHF mehr pro Monat und achten viel stärker auf die Erholung und Fairness. Ein Chauffeur von der Konkurrenz lächelte mir ins Gesicht und sagte, das Unternehmen zahle ihm ein General-Abo. Wenn man bei der BLT arbeitet und von Liestal nach Basel will muss ich mir fast schon ein Ticket lösen, das ist als einfach nur lächerlich sorry.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Betrieb haben mehr Verbindlichkeit von der BLT gefordert, auch die Gewerkschaft reklamierte, dass die BLT sich immer den gesamten Freiraum offenhält, was das Arbeitsgesetz bietet. Im Jahr 2022 führte die Geschäftsleitung der BLT dann einseitige Änderungen am Gesamtarbeitsvertrag durch und löste massive Proteste bei der Gewerkschaft aus. Anbringen von Protestplakaten an Haltestellen aus. Ein echtes sozial-ehrliches Engagement ist für mich so nicht erkennbar. Das kann man alles im Internet nachlesen. Die Gewerkschaft SEV (Schweizer Eisenbahnverband) hat dazu ein Statement veröffentlicht. Wenn ich meine Dienstpläne und die von meinen Kollegen und Kolleginnen anschaue, da wird einfach oft bis ans gesetzliche Maximum gefahren. Teilweise braucht es nur eine Verspätung von 10min oder 15min und dann ist man eigentlich schon länger als 10h am arbeiten, was "eigentlich" gegen das Gesetz wäre aber die Gesetzestexte sind leider (bewusst?) etwas schwammig.
Kollegenzusammenhalt
Also ganz ehrlich, wenn die Leute vom Büro an der Fasnacht gleich ganze Käsewaien dem Fahrdienst vom Pausenraum ins Büro mitnehmen ist das einfach nur unterste Schublade! Da ist man an der Fasnacht im Stress und bekommt als Dank noch ein paar leere Teller zu sehen. Ein paar wenige Leute gibt es die cool sind aber die Zahl ist ziemlich gering und wird leider immer weniger weil sie den Job oder das Unternehmen wechseln.
Umgang mit älteren Kollegen
"Senioren" erhalten Zuschläge von bis zu 30 Prozent bei Nachtfahrten. Ein wirtschaftlicher - unternehmerischer Anreiz besteht deshalb die Nachtschichten der Jungen Generation reinzudrücken.
Vorgesetztenverhalten
Ich erlebe das so. Respekt und Wertschätzung fehlen völlig. Anweisungen werden als Befehle erteilt, Kritik wird persönlich genommen und sofort zurückgewiesen. Die „Du‑Kultur“ wirkt eher wie Besitzanspruch („Du bist unser Eigentum“) und viele Telefonanrufe teilweise auch Abends, in der Freizeit oder Nachts sind einfach nur unverschämt und nervig. Wie soll man sich da mal von der Arbeit ausruhen können?!
Arbeitsbedingungen
Während der Schicht verbringen die Fahrkräfte oft bis zu 5 Stunden am Stück am Steuer, wobei die vorgesehenen Pausen von mindestens 30 Minuten nicht immer eingehalten werden. Häufig bekommt man eine "bezahlte Arbeitsunterbrechung". Da heisst, man hat bspw. effektiv 18min "eine Art von Pause", aber weil man sich bereithalten muss um den Dienst vor Ort anzutreten bekommt man sie bezahlt. Das ist überhaupt nicht lustig wenn man Hunger hat und aufs WC muss. Ich bin schon oft aufs WC gerannt und habe dort gleichzeitig ein Sandwhich gegessen, wenn das WC besetzt ist nun. Das wirds echt unangenehm.
Kommunikation
Informationen sind teilweise widersprüchlich. Manchmal braucht man 30min um die Formulierungen zu verstehen und muss dann Rückfragen was genau gemeint ist, da Informationslücken in den Anweisungen vorhanden sind. Eine sehr aktive Gerüchteküche sowohl im Fahrdienst wie auch auf der Leitstelle und in den Büros habe ich ebenfalls erlebt. Per Funkspruch geht man teilweise mit den Leuten um als trinke man morgens eine Tasse "Weisheits-Tee". Wenn jemand mit dem Deutsch etwas Probleme hat und nachfragt sind die Antworten teilweise unter der Gürtellinie. Man sollte bei so viel Multi Kulti im Unternehmen darauf achten weiterhin als Schweizer Unternehmen eine "Schweizer Kultur" zu leben. Es geht einfach nicht, dass sich manche Personen hier aufbauschen als seien sie ein Ultra-Highperformer Obermaker mit Goldketteli, Sonnenbrille und einen Umgangston als wäre man der persönliche Dienstbote.
Gleichberechtigung
"Senioren" erhalten Zuschläge von bis zu 30 Prozent bei Nachtfahrten?
Interessante Aufgaben
Eine sehr monotone und auslaugende Arbeit. Als Fahrbegleiter hast du die Möglichkeit je nach Fahrschüler ein paar lustige Gespräche während der Arbeit zu führen. Das ist das einzige was Abwechslung bringt, darum wollen viele Leute auch so eine Zusatzfunktion denke ich. Man bekommt als Fahrlehrer einen kleinen Bonus und muss nicht mal das Fahrzeug selber lenken, die Arbeit macht ja dann der Fahrschüler. Das ist dann ein richtiger Schoggijob. Aber ansonsten kann man sich die Stunden um die Ohren bügeln. Manchmal auch ohne Wochenende, auch das habe ich erlebt.

