Starke Hierarchie, wenig Wertschätzung und Menschlichkeit
Verbesserungsvorschläge
Um die Arbeitszufriedenheit und Pflegequalität nachhaltig zu verbessern, sollte die Wertschätzung der Mitarbeitenden gestärkt werden, z. B. durch regelmäßiges Feedback und Anerkennung. Die Kommunikation sollte offener und bidirektional gestaltet werden, sodass Vorschläge und Anliegen der Mitarbeitenden ernst genommen werden und die Führungsebene auf den Wohnbereichen sichtbar ist. Personalmangel und hoher Arbeitsdruck erfordern realistische Zielsetzungen, geregelte freie Tage und Massnahmen zur Entlastung, wie Supervision nach Krisensituationen. Langjährig gewachsene Teams sollten respektiert und in Umstrukturierungen einbezogen werden. Arbeitsbedingungen, insbesondere Raumtemperaturen, müssen gesundheitlich unbedenklich gestaltet werden. Fort- und Weiterbildungen sollten regelmässig angeboten und Karriereperspektiven klar kommuniziert werden. Schließlich sollte die Chefetage Präsenz zeigen, Versprechen einhalten und die direkte Führungsebene unterstützen, um Mitarbeitende zu entlasten und die Motivation zu stärken
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre ist stark durch Personalmangel und hohen Druck geprägt. Trotz des kontinuierlichen Engagements der Mitarbeitenden wird auf die erbrachte Leistung kaum eingegangen, während kleine Fehler sofort thematisiert werden. Von der Führungsebene kommen regelmäßig zusätzliche Anforderungen, ohne die bestehenden Belastungen zu berücksichtigen. Dadurch entsteht ein Klima von Dauerstress, in dem Wertschätzung und Anerkennung deutlich zu kurz kommen.
Image
Nach dem Umzug in den Neubau hat sich das Image des Unternehmens deutlich verschlechtert. Mitarbeitende sind zunehmend unzufrieden, fühlen sich von der Chefetage nur wenig unterstützt und arbeiten häufig bis an ihre Belastungsgrenzen. Die fehlende Präsenz und Wertschätzung und der immer steigende Druck seitens der Leitung verstärkt die Frustration, sodass viele nur noch in einer Kündigung eine Lösung sehen.
Work-Life-Balance
Eine ausgewogene Work-Life-Balance ist kaum möglich. Freie Tage sind selten wirklich frei, da regelmäßig Anrufe zum Einspringen kommen. Erholung gestaltet sich dadurch schwierig. Hinzu kommt der ständige Druck im Arbeitsalltag mit häufigen Überstunden. Statt Verständnis für den hohen Arbeitsaufwand zu zeigen, wird von der Führungsebene oft unterstellt, fehlende Effizienz sei die Ursache. Dies führt dazu, dass man erschöpft nach Hause kommt und kaum noch Energie für Freizeit oder soziale Kontakte hat.
Karriere/Weiterbildung
Seit der Coronapandemie wurden viele dringend benötigte Weiterbildungen weitgehend gestrichen. Zuvor angebotene Fortbildungen waren gut strukturiert und hilfreich, um fachlich auf dem neuesten Stand zu bleiben und die Qualität der Pflege zu sichern.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt und die Sozialleistungen bewegen sich meines Erachtens im branchenüblichen Durchschnitt. Besondere Vorteile oder Zusatzleistungen, die über den Standard hinausgehen, sind mir nicht aufgefallen.
Kollegenzusammenhalt
Innerhalb der einzelnen Teams ist der Kollegenzusammenhalt zum Teil sehr stark. Die Mitarbeitenden arbeiten engagiert zusammen mit Bewohner*innen, Angehörigen und interdisziplinären Partnern, um eine hohe Pflegequalität zu gewährleisten. Leider scheint dieser Zusammenhalt von der Führungsebene eher als Hindernis denn als Stärke gesehen zu werden. Langjährig gewachsene Teams werden ohne Mitspracherecht aufgelöst oder umstrukturiert, was die Motivation schwächt und das Vertrauen in die Leitung belastet.
Vorgesetztenverhalten
Beim Vorgesetztenverhalten muss klar zwischen den direkten Vorgesetzten und der Chefetage unterschieden werden. Über viele Jahre hatte ich das Glück, unter einer hervorragenden Vorgesetzten zu arbeiten, die die individuellen Stärken im Team erkannte und uns wie ein Puzzle zu einem starken, harmonischen Team zusammenführte. Sie schirmte uns vor unnötigem Druck von oben ab und ermöglichte es, mit Freude eine sehr hohe Pflegequalität zu gewährleisten – wovon auch Bewohner*innen und Angehörige spürbar profitierten. Von der Chefetage hingegen kommen häufig leere Versprechungen. Präsenz und Nähe zu Mitarbeitenden wie auch zu Bewohner*innen fehlen weitgehend; viele Bewohner*innen kennen die Leitung nicht einmal persönlich.
Arbeitsbedingungen
Trotz des Umzugs in einen Neubau wurden die Bedürfnisse von Bewohner*innen und Mitarbeitenden nur unzureichend berücksichtigt. Besonders problematisch sind die hohen Temperaturen, die im Sommer selbst nachts teils nicht unter 36° sinken und damit ein Gesundheitsrisiko darstellen. Während die Chefetage versichert, an einer Lösung zu arbeiten, bleibt seit über einem Jahr keine sichtbare Verbesserung erkennbar. Stattdessen werden Mitarbeitende mit Erklärungen und kleinen ‚Trostpflastern‘ wie Kühlhandtüchern abgespeist. Auffällig ist, dass lediglich der Medikamentenraum klimatisiert ist, da hier behördliche Auflagen bestehen. Für die Wohnbereiche fehlt hingegen jede nachhaltige Lösung, was die Arbeitsbedingungen erheblich erschwert.
Kommunikation
Die Kommunikation ist stark hierarchisch geprägt und wirkt weniger wie ein Austausch, sondern vielmehr wie ein ‚so ist es, und so wird es gemacht‘. Eigene Meinungen oder Verbesserungsvorschläge der Mitarbeitenden finden kaum Gehör und werden oft direkt abgeblockt. Wer sich der Meinung der Führungsebene beugt, hat es leichter, während kritische Stimmen schnell als störend abgestempelt werden. Probleme werden nicht offen angesprochen, sondern eher unter den Teppich gekehrt. Konstruktive Vorschläge zur Teamarbeit – etwa der Wunsch nach Supervision nach Krisensituationen – werden mit der Begründung von Zeitmangel abgelehnt.
Interessante Aufgaben
Die Pflege ist für mich nach wie vor ein Traumberuf und die damit verbundenen Aufgaben sind abwechslungsreich und erfüllend. Leider lässt der ständige Zeitdruck kaum Raum, diese Aufgaben so auszuführen, wie es für die Bewohner*innen und für das eigene Berufsempfinden wünschenswert wäre. Dadurch geht häufig das gute Gefühl verloren, die Arbeit wirklich zufriedenstellend erledigt zu haben.“