Ein Umfeld, das problematisches Verhalten schützt statt Grenzen zu setzen
Gut am Arbeitgeber finde ich
Der Verlag hat eine grosse kulturelle Bedeutung und arbeitet mit spannenden Autorinnen und Autoren. Für literaturinteressierte Menschen ist das Umfeld inhaltlich grundsätzlich inspirierend.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Schlecht finde ich, dass problematisches Verhalten im Unternehmen nicht klar begrenzt, sondern strukturell relativiert und geschützt wird. Statt Verantwortung zu übernehmen oder verbindliche Grenzen zu setzen, passt sich das Umfeld erkennbar an bekannte Muster an und trägt diese mit. Besonders deutlich zeigt sich das daran, dass diese Dynamiken wiederholt Mitarbeitende in derselben stark hierarchischen Assistenzrolle betreffen und die Funktion entsprechend regelmässig neu besetzt wird. Kritisches oder grenzüberschreitendes Verhalten wird nicht konsequent adressiert, sondern als impliziter Bestandteil der Rolle hingenommen. So entsteht ein System, in dem Belastung individualisiert wird, während sich an den zugrunde liegenden Ursachen nichts ändert und Betroffene letztlich nur die Optionen haben, sich anzupassen, auszuhalten oder zu gehen.
Verbesserungsvorschläge
Mehr Ehrlichkeit und Transparenz im Bewerbungsprozess sind aus meiner Sicht zwingend notwendig. Bewerberinnen sollten realistisch und vollständig über die tatsächlichen Anforderungen und die erhebliche Belastung dieser Position informiert werden, um eine fundierte Entscheidung treffen zu können. Ebenso fehlen klare Einarbeitung, verbindliche Strukturen und eine HR Rolle, die in belastenden Situationen nicht relativiert, sondern aktiv schützt und moderiert.
Das Buch "Die Assistentin" von Caroline Wahl ist öffentlich zugänglich und beschreibt Erfahrungen aus einer vergleichbaren Funktion. Für mich persönlich war diese Perspektive im Nachhinein sehr aufschlussreich. Ich hätte mir gewünscht, vor Stellenantritt über die besondere strukturelle Belastung dieser Rolle, die bekannten wiederkehrenden Konfliktdynamiken sowie den fehlenden Schutz für Mitarbeitende in dieser Position informiert gewesen zu sein.
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre habe ich als angespannt und unsicher erlebt. Erwartungen änderten sich kurzfristig und es herrschte wenig emotionale Sicherheit. Fehler oder Unsicherheiten wurden nicht als Teil des Lernprozesses gesehen, sondern persönlich gewertet. Das erzeugte bei mir dauerhaft Stress.
Image
Nach aussen hat das Unternehmen ein starkes kulturelles Image. Intern habe ich jedoch eine deutliche Diskrepanz zwischen Aussenwahrnehmung und gelebter Realität erlebt, insbesondere im Umgang mit Mitarbeitenden in anspruchsvollen Rollen.
Work-Life-Balance
Für mich persönlich nicht gegeben. Die Rolle ging deutlich über ein realistisches Pensum hinaus, sowohl zeitlich als auch mental. Durch spontane Anforderungen und fehlende Planbarkeit fiel es mir schwer, zur Ruhe zu kommen oder abzuschalten.
Karriere/Weiterbildung
Für diese Position habe ich keine klare Perspektive für Entwicklung oder Weiterbildung gesehen. Der Fokus lag stark auf kurzfristigem Funktionieren statt auf nachhaltiger Förderung oder Aufbau von Kompetenzen.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt empfand ich in Anbetracht der Verantwortung und Belastung der Rolle als eher tief. Sozialleistungen wirkten korrekt, aber nicht aussergewöhnlich oder besonders unterstützend.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Das Umwelt- und Sozialbewusstsein habe ich im Arbeitsalltag nicht als aktiv gelebt wahrgenommen. Das Thema schien keine besondere Rolle zu spielen und wurde weder sichtbar kommuniziert noch in Entscheidungen integriert.
Kollegenzusammenhalt
Einzelne Kolleginnen habe ich als hilfsbereit und empathisch erlebt. Gleichzeitig hatte ich den Eindruck, dass viele gelernt haben, schwierige Situationen auszuhalten, statt sie offen anzusprechen. Der Zusammenhalt war eher individuell als strukturell getragen.
Umgang mit älteren Kollegen
Der Umgang mit älteren Arbeitskolleginnen war korrekt. Gleichzeitig fehlte eine Führungsstruktur, die Orientierung, Schutz oder begleitende Unterstützung ermöglicht hätte. Stattdessen wurde vorausgesetzt, dass neue Mitarbeitende sich schnell an bestehende Dynamiken anpassen. Das verstärkte Hierarchien und machte einen sicheren Einstieg kaum möglich.
Vorgesetztenverhalten
Das Verhalten habe ich als stark stimmungsabhängig und wenig berechenbar wahrgenommen. Rückmeldungen erfolgten aus meiner Sicht emotional und nicht sachlich. Erwartungen wurden teils sehr kurzfristig verändert oder widersprüchlich kommuniziert. Dadurch fiel es mir schwer, Sicherheit und Vertrauen in meine Arbeit zu entwickeln und zuverlässig zu priorisieren.
Arbeitsbedingungen
Die formalen Bedingungen wirkten auf dem Papier korrekt. In der Realität fehlten jedoch grundlegende Schutzmechanismen. Für belastende oder eskalierende Situationen gab es keine klaren Prozesse, keine Intervention und keinen verlässlichen Rückhalt. Mitarbeitende blieben mit den Konsequenzen allein.
Kommunikation
Kommunikation verlief häufig einseitig und situativ. Rückmeldungen waren aus meiner Sicht wenig konstruktiv und teilweise widersprüchlich. Diese Art der Rückmeldung empfand ich als abwertend und wenig hilfreich. Trotz meiner Rückmeldungen dazu hatte ich nicht den Eindruck, dass seitens HR schützend oder klärend eingegriffen wurde. Klare Prioritäten oder verlässliche Absprachen fehlten, was die Arbeit zusätzlich erschwert hat.
Gleichberechtigung
Ich habe Gleichberechtigung nicht im Sinne von Arbeit auf Augenhöhe erlebt. Erwartungen waren stark hierarchisch geprägt und liessen wenig Raum für unterschiedliche Arbeitsweisen oder persönliche Grenzen. Das wirkte sich auf mein Sicherheitsgefühl im Arbeitsalltag aus.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben an sich sind inhaltlich vielseitig und interessant. Allerdings wurden sie durch fehlende Struktur, unklare Prozesse und hohe emotionale Belastung stark überschattet.