Nach aussen hui, nach innen weiter ernüchternd: Lieber Imagepflege als Veränderung
Gut am Arbeitgeber finde ich
Der Lohn wird pünktlich bezahlt. Die technische Ausstattung ist modern. Es gibt einzelne Mitarbeitende und Führungskräfte, die menschlich korrekt sind und sich trotz allem bemühen. Auch die Aufgaben können fachlich interessant sein.
Leider reicht das nicht aus, wenn die Kultur dahinter nicht stimmt.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Die Unternehmenskultur. Die Intransparenz. Das Lästern. Die Grüppchenbildung. Die Bevorzugung einzelner Personen. Die fehlende Konsequenz. Die Diskrepanz zwischen Aussenwirkung und Realität.
Am schlimmsten ist aus meiner Sicht, dass viele Probleme bekannt sind und trotzdem kaum etwas passiert. Man redet, relativiert, beruhigt und präsentiert sich nach aussen weiter als moderner Arbeitgeber.
Aber innen bleibt vieles beim Alten.
Verbesserungsvorschläge
Der Arbeitgeber sollte deutlich weniger Energie in Imagepflege und Aussendarstellung stecken und stattdessen ehrlich an der internen Kultur arbeiten. Viele Probleme sind nicht neu und wurden mehrfach angesprochen. Entscheidend wäre deshalb nicht noch ein weiteres Meeting, sondern echte Konsequenz und die Bereitschaft, unbequeme Themen auch dann anzugehen, wenn sie Personen betreffen, die intern gut vernetzt sind.
Aus meiner Sicht müsste vor allem der Einfluss des Verwaltungsrats und der oberen Führungsebene kritisch hinterfragt werden. Solange dort alte Denkmuster, Kontrolle und persönliche Netzwerke stärker wirken als Vertrauen, Transparenz und moderne Führung, wird sich wenig verändern. Die Geschäftsleitung und die operativen Führungskräfte können nur begrenzt etwas bewegen, wenn grundlegende Entscheidungen weiterhin von oben blockiert oder verwässert werden.
Kritik sollte nicht als Angriff verstanden werden. Wer Missstände anspricht, sollte nicht zum Problem gemacht werden. Stattdessen bräuchte es eine Kultur, in der Feedback ernst genommen, sauber geprüft und sichtbar bearbeitet wird. Dazu gehört auch, toxisches Verhalten, Lästereien, Intrigen und Bevorzugung einzelner Personen konsequent zu stoppen.
Führungskräfte müssten präsenter, klarer und verbindlicher auftreten. Es reicht nicht, moderne Hardware, Homeoffice und einen Obstkorb anzubieten, wenn gleichzeitig Vertrauen, Klarheit und Respekt fehlen. Mitarbeitende brauchen keine Symbolpolitik, sondern verlässliche Führung, transparente Entscheidungen und das Gefühl, dass Leistung und Integrität mehr zählen als Nähe zu den richtigen Personen.
Arbeitsatmosphäre
Nach aussen wirkt vieles freundlich und kollegial, intern wird aber sehr viel hinter dem Rücken gesprochen. Statt Dinge direkt und sachlich zu klären, wird gelästert, interpretiert und taktiert. Das macht auf Dauer müde und sorgt dafür, dass man irgendwann sehr genau überlegt, wem man was sagt.
Von einer familiären Kultur habe ich wenig gespürt. Eher im Gegenteil: Wenn es darauf ankommt, ist sich jeder selbst am nächsten. Fehler werden selten gemeinsam gelöst, sondern eher einzelnen Personen zugerechnet. Vertrauen entsteht so kaum.
Dazu kommt, dass es innerhalb der Firma persönliche Näheverhältnisse gibt, die aus meiner Sicht zumindest fragwürdig wirken. Ob das offiziell niemanden interessiert oder einfach toleriert wird, kann ich nicht beurteilen. Professionell wirkt es jedenfalls nicht. Insgesamt entsteht dadurch ein Klima, in dem Beziehungen, Loyalitäten und Sympathien oft mehr zählen als Leistung oder sachliche Kritik.
Image
Nach aussen wirkt DQ Solutions deutlich besser als von innen. Das Unternehmen verkauft sich modern, sympathisch und innovativ. Von innen habe ich es anders erlebt: Viel Fassade, viele alte Muster, viele ungelöste Probleme.
Rückblickend hätte ich besser nie dort angefangen. Nicht wegen der Aufgaben oder der Technik, sondern wegen der Kultur.
Auffällig sind manche sehr positiven Kununu-Bewertungen, die sehr allgemein bleiben und kaum konkrete Beispiele nennen. Aussagen wie "spannende Projekte" oder "flexibler Arbeitsalltag" können stimmen, wirken in dieser Form aber teilweise eher wie Imagepflege als wie echte, differenzierte Erfahrungsberichte.
Work-Life-Balance
Offiziell gibt es Homeoffice-Regelungen, in der Praxis hängt vieles stark davon ab, wen man als Vorgesetzten hat und wie genau hingeschaut wird. Teilweise wirkt es so, als interessiere sich kaum jemand dafür, wer wann wirklich arbeitet oder im Büro ist.
Das kann kurzfristig bequem sein, zeigt aber auch ein tieferes Problem: Es fehlt an klarer Führung, Verbindlichkeit und einer gemeinsamen Erwartungshaltung. Wenn Kontrolle fehlt und Vertrauen gleichzeitig nicht sauber gelebt wird, entsteht keine Freiheit, sondern Beliebigkeit.
Karriere/Weiterbildung
Weiterbildungen werden unterstützt, aber oft mit Verpflichtungen gegenüber dem Unternehmen verbunden. Das ist nicht unüblich, fühlt sich aber je nach Situation eher wie Kontrolle als wie echte Förderung an.
Karrierechancen hängen zudem stark davon ab, wie gut man intern vernetzt ist und ob man zu den richtigen Personen passt. Leistung allein reicht nicht immer.
Gehalt/Benefits
Es gibt Gehalt, und es wird pünktlich bezahlt. Das sollte selbstverständlich sein, ist aber einer der wenigen Punkte, die man klar positiv nennen kann.
Die Sozialleistungen sind aus meiner Sicht eher durchschnittlich. Nichts, was besonders heraussticht oder langfristig wirklich bindet.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Nach aussen wird gerne ein modernes, nachhaltiges und soziales Bild vermittelt. Intern wirkt vieles davon eher wie Imagepflege als wie echte Überzeugung. Sichtbare, konsequente Massnahmen habe ich kaum wahrgenommen.
Kollegenzusammenhalt
Echten Zusammenhalt habe ich nur punktuell erlebt. In einzelnen Teams oder zwischen einzelnen Personen kann es funktionieren, aber als Gesamtkultur war davon wenig zu spüren.
Oft geht es darum, selbst möglichst gut dazustehen. Fehler werden weitergereicht, Verantwortung anderen zugeschoben und unangenehme Themen lieber anderen überlassen. Nach vorne wird gelächelt, hinter dem Rücken sieht es anders aus. Das ist keine gesunde Teamkultur, sondern eine Atmosphäre, in der man ständig damit rechnen muss, dass Aussagen oder Situationen gegen einen verwendet werden.
Umgang mit älteren Kollegen
Gemischt. Es gibt langjährige Mitarbeitende, aber ich hatte nicht den Eindruck, dass Erfahrung immer wirklich geschätzt wird. Teilweise wurden auch ältere Personen entlassen oder freigestellt. Ob das jeweils gerechtfertigt war, kann ich nicht beurteilen. Eine besonders wertschätzende Kultur gegenüber langjähriger Erfahrung habe ich aber nicht wahrgenommen.
Vorgesetztenverhalten
Das Vorgesetztenverhalten ist stark abhängig von der Person. Es gibt einzelne Führungskräfte, die sich wirklich bemühen und menschlich korrekt handeln. Gleichzeitig habe ich auch erlebt, dass Führung kaum präsent ist oder sich zu stark auf einen kleinen Kreis bevorzugter Mitarbeitender konzentriert.
Wer dazugehört, hat es deutlich einfacher. Wer nicht dazugehört, muss mehr erklären, mehr leisten und bekommt weniger Rückhalt. Dadurch entsteht der Eindruck, dass nicht immer Leistung oder Verhalten entscheidend sind, sondern Nähe, Sympathie und interne Positionierung.
Unangenehme Themen werden häufig nicht konsequent angegangen. Man redet darüber, aber echte Konsequenzen bleiben aus.
Arbeitsbedingungen
Die Arbeitsbedingungen sind grundsätzlich ordentlich, besonders am Standort Wallisellen. Die technische Ausstattung ist modern. MacBooks, iPhones und iPads sind in der Regel aktuell und gut.
Das eigentliche Problem liegt nicht bei der Hardware, sondern bei den Strukturen dahinter. Moderne Geräte machen noch kein modernes Unternehmen. Wenn Entscheidungswege, Kommunikation und Kultur altgedacht bleiben, hilft auch das beste MacBook wenig.
Auch kleine Dinge zeigen viel über Prioritäten. Die Kaffeemaschine funktioniert zwar, wäre aber längst modernisierungswürdig. Kaffee ist nicht gratis und muss selbst bezahlt werden. Dafür gibt es montags einen Obstkorb. Das ist nett gemeint, wirkt aber eher symbolisch als wirklich wertschätzend.
Kommunikation
Besonders bezeichnend war für mich der Umgang mit kritischen Rückmeldungen, etwa auf Plattformen wie Kununu. Statt die angesprochenen Probleme ernsthaft zu prüfen und konkrete Massnahmen abzuleiten, entstand eher der Eindruck, dass intern mehr darüber diskutiert wurde, wer eine kritische Bewertung geschrieben haben könnte. Damit wurde aus meiner Sicht mehr Energie in die Suche nach dem Absender gesteckt als in die Lösung der eigentlichen Probleme.
Gleichzeitig wirkte es so, als würden positive Bewertungen intern zumindest stark begrüsst oder gefördert, um das öffentliche Bild wieder auszugleichen. Auch das passt für mich ins Gesamtbild: Nach aussen korrigieren, statt nach innen verbessern.
Kritik wird selten als hilfreicher Hinweis verstanden. Wer etwas anspricht, läuft eher Gefahr, als schwierig wahrgenommen zu werden. Statt sich mit dem eigentlichen Problem zu beschäftigen, wird diskutiert, wie man es formuliert hat, ob der Ton passend war oder ob man damit jemanden verletzt hat. So löst man keine Probleme, man verschiebt sie nur.
Transparenz wird gerne erwähnt, aber im Alltag kaum gelebt. Informationen scheinen oft dort zu bleiben, wo sie Macht bedeuten.
Gleichberechtigung
Vielfalt ist grundsätzlich vorhanden und wird im Alltag auch sichtbar. Gerade durch das Apple- und Modern-Workplace-Umfeld zieht das Unternehmen unterschiedliche Menschen an. Das ist einer der wenigen Punkte, die ich grundsätzlich positiv sehe.
Gleichzeitig gilt auch hier: Gleichbehandlung endet dort, wo persönliche Sympathien, interne Netzwerke oder besondere Nähe zu Entscheidungsträgern ins Spiel kommen.
Interessante Aufgaben
Es gibt durchaus interessante Aufgaben, spannende Kunden und technisch gute Themen. Das Potenzial wäre da.
Leider wird dieses Potenzial oft durch interne Politik, unklare Prioritäten und fehlende Konsequenz geschwächt. Gleichzeitig ist es problemlos möglich, während der Arbeitszeit längere private Dinge zu erledigen oder einfach im Internet zu surfen, ohne dass das gross auffällt. Auch das sagt viel über Führung, Kontrolle und Arbeitskultur aus.
