Nach aussen Markenversprechen, nach innen Stellenabbau und Schweigen
Gut am Arbeitgeber finde ich
Hybrides Arbeiten grundsätzlich möglich
Moderne, klimatisierte Büros mit guter Infrastruktur
Aktuelle Tools
Weiterbildungen werden teilweise mitfinanziert
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Über rund 1,5 Jahre wurde wiederholt kommuniziert, der Einfluss aus dem Ausland werde nichts an den bestehenden Verträgen ändern. Faktisch mussten in dieser Zeit zahlreiche langjährige Mitarbeitende gehen — darunter auch Personen mit klar erkennbarem Potenzial.
Taktisches Vorgehen beim Personalumbau: Neue Mitarbeitende wurden gezielt so eingearbeitet, dass sie die Arbeit von zwei Personen übernehmen konnten — danach wurden die ursprünglichen Stellen abgebaut, ohne dass dies vorher offen kommuniziert wurde.
Strategie und Entscheide kommen aus dem Ausland. Der Schweizer Standort wirkt zunehmend wie eine reine Ausführungseinheit, eine Strategie wird an die Belegschaft kaum kommuniziert.
Hohe Fluktuation, mit allen bekannten Folgen: ständige Wiedervorstellungsrunden, immer wieder Einarbeitung neuer Personen, Wissensverlust.
Kommunikation rund um Restrukturierungen war intransparent und teilweise im direkten Widerspruch zu vorher kommunizierten Plänen.
Mentalität „sounds like a YOU problem": Statt konkreter Hilfe wird man von Person zu Person weitergereicht, bis man einmal durch die ganze Firma rotiert ist.
Verbesserungsvorschläge
Wenn abgebaut werden muss, dann ehrlich, frühzeitig und mit Respekt vor den Betroffenen. Personen, die jahrelang loyal waren, verdienen mehr als eine Standardfloskel.
Verantwortung für Fehlinvestitionen liegt bei der Führung, nicht bei den Mitarbeitenden im jeweiligen Projekt.
In Talente investieren statt sie ziehen lassen — Weiterbildung allein reicht nicht, wenn parallel keine Perspektive aufgezeigt wird.
Einarbeitung professionalisieren. Confluence-Artikel ersetzen keine echte Einschulung.
Vorgesetzte sollten Kunden nur das zusagen, was intern realistisch geleistet werden kann.
Arbeitsatmosphäre
Anhaltende Verunsicherung, Angst vor der nächsten Welle. Niemand weiss, wer als Nächstes geht. Das blockiert den Arbeitsalltag spürbar und vergiftet die Stimmung.
Image
Nach aussen Markenversprechen, nach innen Realitätscheck. Der Ruf in der Branche hat in den letzten Jahren gelitten.
Work-Life-Balance
Hybrides Arbeiten ist grundsätzlich gut. Allerdings gab es Mitarbeitende, die im Homeoffice schlicht nicht mehr erreichbar waren — Anrufe blieben unbeantwortet. Das schiebt zusätzliche Last auf jene, die im Büro präsent sind.
Karriere/Weiterbildung
Weiterbildungen werden unterstützt. In Mitarbeitende mit klarem Potenzial wird darüber hinaus jedoch kaum investiert. Eine langfristige Perspektive ist bei laufendem Stellenabbau ohnehin schwer glaubhaft zu machen.
Gehalt/Benefits
Gehälter tendenziell etwas unter Branchendurchschnitt, Lohnverhandlungen erfahrungsgemäss schwierig. Auffälig grosse Unterschiede zwischen Mitarbeitenden in vergleichbaren Rollen. Es gibt eine erkennbare Gruppe von "Lieblingsmitarbeitenden", die spürbar bevorzugt behandelt wird.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Soziales Fingerspitzengefühl bei Personalentscheiden war kaum erkennbar — was meines Erachtens auch ein wesentlicher Treiber der hohen Fluktuation ist.
Kollegenzusammenhalt
Zusammenhalt existiert vor allem innerhalb einzelner Gruppierungen, solange die Chemie stimmt — und bis zur nächsten Kündigungswelle. Übergreifend eher zerklüftet.
Umgang mit älteren Kollegen
Langjährige und ältere Mitarbeitende wurden bei den Abbauwellen nicht geschont.
Vorgesetztenverhalten
Vorgesetzte treten oft allwissend auf und sagen Kunden Arbeiten zu, für die intern weder das Know-how noch die Kapazität vorhanden ist — andere Mitarbeitende schauen verständlicherweise nur für ihre eigenen Kunden. Es entsteht der Eindruck einer Führung, die wenig Bezug zum operativen Alltag hat.
Arbeitsbedingungen
Moderne Infrastruktur, gute und klimatisierte Büros. Hier gibt es nichts auszusetzen.
Kommunikation
Der eigentliche Knackpunkt. Informationen kommen zu spät, unvollständig oder gar nicht. Kündigungen wurden eher kaschiert als erklärt. Eine Strategie aus dem Ausland existiert vermutlich, kommuniziert wird sie an die Mitarbeitenden aber nicht. Im Entwicklerteam und mit dem Product Owner gibt es viele Meetings und Scrums — was als Nächstes kommt, bleibt für einen Teil der Belegschaft trotzdem ein Rätsel, während andere offensichtlich besser informiert sind. Das frühere Management hat nicht immer proaktiv, aber zumindest offen kommuniziert. Seit der Steuerung aus dem Ausland: katastrophal.
Gleichberechtigung
Als Frau in der IT erlebt man hier eher Witze und Kommentare zum Äusseren als ernsthafte Aufstiegsmöglichkeiten.
Interessante Aufgaben
Fachlich grundsätzlich interessant, allerdings deutlich eingeschränkt durch wegfallende Projekte und Investitionsstopps. Die Einarbeitung neuer Mitarbeitender erfolgt im Modus „ins kalte Wasser geworfen": Man geht davon aus, eine Confluence-Dokumentation reiche aus. Zeit für echte Übergabe haben die bestehenden Mitarbeitenden kaum — man muss sich Termine selbst zusammensuchen, um die Applikationen überhaupt kennenzulernen. Die Entwickler bekommt man dabei praktisch nie zu Gesicht, weil sie durchgehend im Homeoffice sind.