Von aussen glänzend, innen fehlt es an Menschlichkeit!
Gut am Arbeitgeber finde ich
Es gibt einige Benefits, die positiv herausstechen – besonders schön fand ich zum Beispiel, dass man am eigenen Geburtstag frei bekommt und sogar einen Gutschein erhalten würde.
Solche Gesten sind wertschätzend.
Aber: Mit Benefits allein kann man niemanden langfristig halten. Was im Alltag zählt, sind gute Strukturen, echte Wertschätzung, offene Kommunikation und ein respektvoller Umgang.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Die starke Hierarchie ist klar spürbar – wer weiter "oben" steht, hat mehr Mitspracherecht, während andere oft übergangen werden.
Die Kommunikation hat enorm viel Luft nach oben – genauso wie die Transparenz und das Miteinander. Es fehlt an einer offenen, ehrlichen Gesprächskultur und einer Haltung, die alle Mitarbeitenden ernst nimmt – unabhängig von ihrer Funktion.
Verbesserungsvorschläge
- Eine ehrliche Feedbackkultur entwickeln, in der Mitarbeitende gehört werden – nicht nur auf dem Papier.
- Kommunikation stärken: Regelmässige, offene Austauschrunden im Team, transparente Informationsweitergabe und echtes Interesse an Rückmeldungen.
- Weniger Hierarchie, mehr Augenhöhe: Mitarbeitende sollten sich ernst genommen fühlen – unabhängig von Position oder Dienstalter.
- Konsequentes Handeln bei Problemen, statt sie totzuschweigen oder auszusitzen.
- Und ganz grundsätzlich: Der Mensch – sowohl Bewohner als auch Mitarbeitende – sollte mehr im Mittelpunkt stehen.
Arbeitsatmosphäre
Die meisten Mitarbeitenden waren unglaublich herzlich und unterstützend. Alle Bewohner*innen waren liebevoll und dankbar im Umgang – sie waren meine einzige Motivation, bis zur Kündigung durchzuhalten.
Trotz schwieriger Umstände im Arbeitsalltag habe ich mich im Team von vielen Menschen getragen gefühlt, was mir geholfen hat, durchzuhalten. Leider war die allgemeine Atmosphäre im Betrieb oft angespannt und wenig wertschätzend – insbesondere auf struktureller oder führungstechnischer Ebene. Das hat es schwierig gemacht, langfristig motiviert und mit Freude zur Arbeit zu kommen.
Ich nehme viele schöne Begegnungen mit – besonders mit den Bewohnerinnen und den engagierten Kolleginnen, die Tag für Tag ihr Bestes geben.
Image
Bevor ich mich beworben habe, hatte ich weder Positives noch Negatives über das Heim gehört – das Image nach aussen war eher neutral.
Innerhalb des Teams merkt man jedoch schnell: Viele haben etwas zu erzählen, wenn man ihnen zuhört. Es gibt zahlreiche Punkte, die im Heim nicht gut laufen – sei es bei der Kommunikation, der Organisation oder im Umgang miteinander.
Leider werden diese Themen intern kaum ernst genommen oder offen angesprochen. Wer etwas sagt, hat oft das Gefühl, nicht gehört oder ignoriert zu werden. Und genau deshalb entsteht nach aussen auch kein klares Bild – weder ein gutes noch ein schlechtes. Die Probleme bleiben intern, ändern sich aber nicht.
Work-Life-Balance
Wie es in der Pflege leider oft der Fall ist, war auch hier die Work-Life-Balance deutlich belastet. Es kam regelmässig zu spontanen Krankmeldungen, und es waren meistens die gleichen Personen, die einspringen mussten. Überstunden wurden fleissig aufgebaut, doch ein Abbau war kaum möglich.
Seit der Einführung des Spätdienstes war ich fast ausschliesslich dafür eingeteilt – eine ausgewogene Verteilung fand nicht statt. Die Dienstpläne wirkten unausgewogen: Zwei Tage arbeiten, dann ein freier Tag, dann wieder ein einzelner Arbeitstag – wirkliche Erholung war so kaum möglich.
Solche Arbeitsbedingungen erschweren nicht nur die Regeneration, sondern wirken sich langfristig auch auf Motivation und Gesundheit aus. Hier wäre mehr Planungssicherheit, Fairness bei der Verteilung und ein bewussterer Umgang mit den Ressourcen der Mitarbeitenden dringend nötig.
Gehalt/Benefits
Ja, der Lohn ist gut – und das ist sicher ein Grund, warum man damit viele anlocken kann. Aber wer nicht auf das Geld angewiesen ist, geht oft schnell wieder, denn ein guter Lohn allein reicht nicht aus, um langfristig zu bleiben.
Struktur, Organisation und vor allem Kommunikation müssen ebenso stimmen. Wenn das Gesamtpaket nicht passt, hilft auch das beste Gehalt nichts – denn ein wertschätzendes und funktionierendes Arbeitsumfeld ist auf Dauer wichtiger als die Zahl auf dem Lohnzettel.
Kollegenzusammenhalt
Zu Beginn wurde ich sehr offen und herzlich vom Team aufgenommen, was mir den Einstieg erleichtert hat. Mit der Zeit wurde jedoch die starke Hierarchie im Betrieb deutlich spürbar – besonders, wenn man neu ist. Man musste gut aufpassen, was man wem sagt. Am sichersten war es, den Mund zu halten und erst einmal zu beobachten, wem man vertrauen kann.
Es gab Mitarbeitende, die ein sehr enges Verhältnis zur Stationsleitung pflegten – auch im privaten Bereich. Leider führte das dazu, dass vieles sofort weitergetragen und „verpetzt“ wurde, anstatt offen angesprochen zu werden.
Trotzdem erlebte ich von den Mitarbeitenden ohne besondere Position bis zum Schluss viel Freundlichkeit, Verständnis für meine Kündigung und echtes Interesse an mir als Mensch. Einige haben sich sogar persönlich von mir verabschiedet und mir eine kleine Aufmerksamkeit geschenkt – das hat mich sehr berührt.
Vorgesetztenverhalten
Zu Beginn war der Umgang vonseiten der Leitung übertrieben freundlich – fast schon aufgesetzt. Die starke Hierarchie war schnell spürbar, ebenso wie persönliche Sympathien: Es war deutlich, wen die Leitung mochte – und wen nicht.
Nach meiner Kündigung änderte sich das Verhalten mir gegenüber schlagartig. Ich wurde ignoriert, meine Meinung hatte plötzlich keinen Wert mehr. Es kam kein einfaches "Hallo, wie geht’s?" mehr – ich war zwar noch anwesend, aber innerlich bereits abgeschrieben. Als ich das am letzten Arbeitstag ansprach, wurde es natürlich abgestritten.
Für mich war dieses Verhalten alles andere als professionell – es wirkte sehr persönlich und hatte leider etwas von Kindergarten. In einer Leitungsfunktion wünsche ich mir ein reiferes, sachlicheres Verhalten – auch gegenüber Personen, die den Betrieb verlassen.
Kommunikation
Die Kommunikation im Team war insgesamt schwierig und ausbaufähig. Oft wurde nebeneinander statt miteinander gearbeitet. Informationen wurden nicht zuverlässig weitergegeben oder dokumentiert, sodass man nach freien Tagen häufig nicht mehr auf dem aktuellen Stand war.
Besonders auffällig war dies nach meiner Kündigung: Obwohl ich weiterhin anwesend war, wurde ich kaum noch einbezogen. Meine beruflichen Erfahrungen und eingebrachten Ideen wurden ignoriert – es schien, als könne nicht akzeptiert werden, dass auch andere etwas wissen, vielleicht sogar mehr oder anders.
Statt offener Gespräche wurde leider häufig hinter dem Rücken gesprochen, was das Arbeitsklima zusätzlich belastete. An der Kommunikationskultur muss dringend gearbeitet werden – sowohl inhaltlich als auch zwischenmenschlich. Nur so kann ein respektvoller, transparenter und effizienter Arbeitsalltag gelingen.
Interessante Aufgaben
Wenn man die Langzeitpflege liebt, wird es eigentlich nie langweilig – es gibt immer etwas zu tun, und wer möchte, findet stets eine sinnvolle Aufgabe. Gerade die Nähe zu den Bewohner*innen macht die Arbeit besonders wertvoll.
Leider entwickelte sich der Alltag zunehmend in eine eher akut-orientierte Richtung, was mit dem Grundgedanken der Langzeitpflege nicht mehr viel zu tun hatte. Das lag unter anderem daran, dass viele Mitarbeitende eine andere Denkweise und Haltung hatten.
Was ich besonders traurig fand: Der Bewohner stand nur bei wenigen wirklich im Mittelpunkt. Für mich ist das jedoch der zentrale Kern in der Langzeitpflege. Deshalb bin ich letztlich auch froh, nicht mehr Teil dieses Teams zu sein.
