Work-Life-Balance nur fürs Marketing – Sparen auf Kosten von Kindern
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Das nach aussen beworbene Konzept von Work-Life-Balance existiert faktisch nur für Kunden. Für Mitarbeitende gilt es nicht. Wer selbst Familie hat, wird hier schnell feststellen, dass Flexibilität primär erwartet, aber nicht gewährt wird.
Gravierend ist die Essenssituation. Es handelt sich nicht um vereinzelte Fehlplanungen, sondern um ein wiederkehrendes Muster von bewusst knapper Kalkulation. Drei Äpfel und zwei Packungen Knäckebrot für 18 Kinder sind kein Ausnahmefall. Kinder und Mitarbeitende bezahlen für Mahlzeiten, die dann nicht ausreichen. Das ist weder professionell noch verantwortungsvoll.
Als pädagogische Fachperson steht man regelmässig vor der Situation, einem Kind erklären zu müssen, dass es nichts mehr gibt – obwohl es nur ein kleines Stück Mango und zwei Reiswaffeln hatte. Das ist fachlich und menschlich nicht vertretbar
Arbeitsatmosphäre
Die Krippenleitung ist konstant präsent und greift operativ in nahezu jede Entscheidung ein. Pädagogische Fachpersonen haben faktisch keine Entscheidungsfreiheit. Das führt systematisch dazu, dass Motivation, Eigeninitiative und Verantwortungsgefühl bei Fachpersonen und Lernenden kontinuierlich abnehmen. Projekte werden selten umgesetzt – und letztlich leiden die Kinder darunter.
Durch die ständigen Planänderungen und das Abdecken mehrerer Kindergärten entstehen regelmässig personelle Engpässe. Situationen, in denen man alleine mit 13 Kindern – teilweise zusätzlich mit 2–3 Babys – arbeitet, sind keine Ausnahme. Lernende werden auch mal mit bis zu 12 Kindern alleine auf der Gruppe gelassen. Auf Bedenken reagiert die Leitung mit Aussagen wie „die schafft das schon“. Ob sich Mitarbeitende dabei unwohl fühlen, spielt keine Rolle.
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Wenn ein Arbeitgeber über längere Zeit hinweg zahlreiche negative Bewertungen erhält, sollte das als strukturelles Signal verstanden werden – nicht als Einzelfallproblem. Die wiederkehrenden Kritikpunkte decken sich inhaltlich stark und lassen sich nicht pauschal auf „unzufriedene Mitarbeitende“ oder „Missverständnisse“ mit Kunden reduzieren.
Work-Life-Balance
Eine echte Work-Life-Balance existiert nicht. Flexibilität wird einseitig eingefordert, ohne Rücksicht auf das Privatleben der Mitarbeitenden.
Sitzungen der Geschäftsleitung werden kurzfristig abgesagt, gleichzeitig erwartet die Krippenleitung, dass man am selben Tag am späteren Nachmittag – nach Arbeitszeit – erneut erscheint. Selbst wenn die eigenen Kinder krank zu Hause sind, wird implizit erwartet, dass man „eine Lösung findet“ und sie notfalls mitbringt. Dieses Beispiel zeigt deutlich, welchen Stellenwert das Privat- und Familienleben hat.
. Der Dienstplan wird häufig erst 2–4 Tage vor Monatsbeginn verschickt. Zusätzlich kann es vorkommen das laufende Dienstpläne mitten im Monat komplett angepasst werden– Frühdienst wird zu Spätdienst oder Mittelschicht. Eigene Termine und organisierte Kinderbetreuung müssen kurzfristig umgestellt werden.
Positiv sind die Früh- und Spätdienste mit 30 Minuten Pause, da man dadurch zumindest einen halben Tag für sich nutzen kann. Gleichzeitig gibt es jedoch viele Dienste mit 1 bis 1,5 Stunden Pause, was die Arbeitstage unnötig verlängert. Je nach Standort fehlt zudem ein Pausenraum.
Kollegenzusammenhalt
Das Team an sich ist engagiert und unterstützend. Man sitzt im selben Boot und versucht im Alltag gemeinsam das Beste für die Kinder herauszuholen. Der Zusammenhalt unter den pädagogischen Mitarbeitenden ist eine der wenigen stabilen Ressourcen im Betrieb.
Aufgrund des generellen Arbeitsklimas kommt es jedoch zu einem konstanten Wechsel im pädagogischen Team. Die hohe Fluktuation wirkt sich langfristig negativ auf Stabilität, Beziehungsaufbau und Kontinuität aus – und damit direkt auf die Kinder.
Vorgesetztenverhalten
Während meiner Anstellung wurde von Mitarbeitenden erwartet, auch bei ansteckenden Erkrankungen wie Magen-Darm oder starkem Fieber zur Arbeit zu erscheinen. Krankmeldungen wurden kritisch hinterfragt oder führten zu spürbarem Druck. Eine klare Stellvertretungsregelung oder präventive Personalplanung war nicht ausreichend vorhanden.
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Arbeitsbedingungen
Praktisch kein Budget steht für Spiele, Bastelmaterial oder andere Fördermittel zur Verfügung. Mitarbeitende besorgen daher häufig selbst Materialien, um den Kindern ein angemessenes Angebot zu ermöglichen.