Solider Arbeitgeber für erste Berufserfahrungen im kaufmännischen Bereich
Gut am Arbeitgeber finde ich
Arbeitspakete im Bereich der Sachbearbeitung sind gut zusammengestellt und bieten sowohl genug Abwechslung als auch beständige Routine
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Die Nostalgie der 90er-Jahre ist zwar schön, sollte aber an einem zeitgemässen Arbeitsplatz nur noch beschränkt aufrechterhalten werden. Ich hoffe, dass ORS mit treffsicheren Digitalisierungsmassnahmen demnächst den Sprung in die 00er-Jahre wagt und erfolgreich meistert. Lohnanpassungen werden zukünftig unabdingbar sein, um Mitarbeitende langfristig zu binden.
Verbesserungsvorschläge
1. Lohnpolitik den inflationären Entwicklungen anpassen, um gutes Fachpersonal langfristig zu binden und zu motivieren
2. Digitalisierung an den Standorten etablieren
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre in der Administration empfand ich stets als angenehm und entschleunigend. Sie ist vorwiegend von Gelassenheit (zuweilen mit leichter Tendenz zur Trägheit) und Sorglosigkeit geprägt. Einzig die unkoordinierten Zeitabläufe zwischen den Arbeitsbereichen (Administration, Sozialberatung, Betreuung, Liegenschaften) sorgen immer wieder für temporär aufflammendes Chaos und erfordern seitens Mitarbeiter ein gewisses Mass an Improvisationsgeschick. Arbeitsbezogene Konflikte sind jedoch schnell lösbar und werden durch eine sehr lockere, praktische Haltung der Beteiligten angenehm unterstützt. Teamleitende stehen den Mitarbeitenden wohlwollend und unterstützend zur Seite.
Image
ORS war mit als Dienstleister für Gemeindemandate im Kanton Zürich bekannt und scheint bei den Gemeinden, welche die Asylfürsorge outsourcen, auf Anklang zu stossen.
Work-Life-Balance
Hier hätte ORS Schweiz AG beinahe die volle Punktzahl von mir bekommen. Einen Punktabzug gibt es dennoch für die vielen Deadlines, die es im Bereich der Administration zu beachten gibt. Die Arbeitsabläufe in der Administration sind so strukturiert, dass es für beinahe jeden Arbeitsablauf ein vorgegebenes Enddatum gibt. Die Ferien- und Freizeitplanung richtet sich daher oftmals nach den Deadlines im Arbeitsalltag.
Dennoch: wer ein gutes Mass an Organisationsvermögen mitbringt, wird in der Funktion als Sachbearbeiter Asylfürsorge sicherlich nie ein Burnout befürchten müssen. Die Arbeitspakete sind enorm gut zusammengeschnürt und aufeinander abgestimmt. Selbst bei einem etwas langsameren Arbeitstempo wird man die Arbeitslast gut bewältigen können, denn alles ist vorhersehbar und planbar.
Etwas stressiger wird es zu Zeiten der Quartals- und Semesterabschlüsse, in denen die Sachbearbeiter zusätzlich zu ihrem Tagesgeschäft damit beauftragt werden, Differenzen in der Finanzbuchhaltung ausfindig zu machen und diese vor Erstellung der Abschlüsse noch zu korrigieren. Diese 4 Monate im Kalenderjahr sind zwar anspruchsvoll, aber genauso planbar wie die anderen Arbeitstätigkeiten.
Karriere/Weiterbildung
Zwar verfügt ORS über ein breites Weiterbildungsangebot, welches durch die Abteilung People Development entwickelt und zur Verfügung gestellt wird; jedoch richten sich die Weiterbildungsangebote fast ausschliesslich nur an Mitarbeitende in der Betreuung.
Ich selbst habe an 3 Seminaren teilgenommen, viel über Migration erfahren, aber für meine Tätigkeit als fallführender Sachbearbeiter/Buchhalter war leider nie ein passendes Angebot dabei.
Ich wünschte, People Development würde demnächst mehr administrative Fachkurse für administratives Personal aufgleisen, die gegenwärtig vom Anbieter Sozialkonferenz Kanton Zürich angeboten werden und als externe Weiterbildung bei den Führungskräften beantragt werden können.
Gehalt/Benefits
Mein grösster Kritikpunkt an ORS betrifft die Lohnpolitik: Asylsuchende haben erst kürzlich eine Teuerung erhalten und erhalten seit kurzem mehr Grundbedarf, während die Mitarbeitenden von ORS - welche ihre Lebensunterhaltskosten alle selbst finanzieren müssen - seit Jahren keinen Teuerungsausgleich erhalten.
Dies wirft zurecht überall Fragen und eine gewisse Skepsis bei den Mitarbeitenden auf. Die ORS schafft es nicht, die Mitarbeiterlöhne an inflationäre Entwicklungen anzupassen, was zunehmend für Frust und sicherlich auch mehrere Abgänge sorgt.
Für erste Berufserfahrungen im kaufmännischen Bereich oder als Anschlussstelle an den kaufmännischen Lehrabschluss ist der Sachbearbeiter-Lohn vielleicht noch gerechtfertigt.
In diesem Punkt besteht aus meiner Sicht dringender Handlungsbedarf.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Wie bereits zuvor erwähnt, ist Digitalisierung bei ORS noch ein Fremdwort. Entsprechend werden auch Unmengen an Papierrechnungen ausgedruckt, um anschliessend wieder eingescannt und dann entsorgt zu werden. Quartals- und Semesterabschlüsse, sowie Kassenabschlüsse werden noch gemäss "alter Schule" gedruckt, manuell sortiert und in Papierform verschickt.
Die hausinterne "Poststation" mit Frankiermaschine ist ausserdem so nostalgisch wie Grossmutters Apfelkuchen und mein Bürotelefon glich einem klobigen Nokia 3210 - meinem allerersten Mobiltelefon - was ich noch vor der Jahrtausendwende innehatte.
Kollegenzusammenhalt
Wie in jeder unfreiwillig zusammengewürfelten Arbeitsgruppe gibt es auch bei ORS die üblichen Sympathien, Antipathien und Cliquenbildungen untereinander. Man bemüht sich jedoch um einen respektvollen Umgang und Konflikte werden nicht offen ausgetragen.
Die Administration ist besonders für Arbeitspersönlichkeiten geeignet, die gerne selbständig arbeiten und nur beschränkt auf die Inputs von aussen angewiesen sind. Für Arbeitnehmer, welche ein hohes Mass an Teamarbeit schätzen, ist diese Funktion eher nicht geeignet.
Umgang mit älteren Kollegen
Ältere Kollegen werden geschätzt und oftmals mit anspruchsvollen Zusatzaufgaben betraut. Auf die Expertise und Erfahrung von älteren Berufskollegen wird gerne zurückgegriffen.
Vorgesetztenverhalten
Vorgesetztenverhalten ist in jedem Fall sehr subjektiv. In meinem Fall war ich sehr zufrieden mit meiner Führung, die sehr viel Eigenverantwortung von den Mitarbeitern forderte, gleichzeitig genug Präsenz zeigte, um proaktiv an kniffligen Fällen mitzuwirken.
Im Gegensatz zu anderen Arbeitgebern, für die ich bisher arbeiten durfte, kann man bei ORS sagen, dass die Führungskräfte auch operativ sehr stark sind. Sie delegieren nicht nur, sondern können auch mitanpacken.
Arbeitsbedingungen
Mit der Infrastruktur und dem Stand der Digitalisierung kann sich ORS wahrlich nicht rühmen: die ORS ist schlicht und einfach nicht digitalisiert. Dass wir Mitarbeitende mit Laptops arbeiten und ein Druckgerät zur Verfügung haben, ist das einzige, was man bei ORS als "digital" bezeichnen könnte.
Auch die Büroräumlichkeiten sind sehr zweckmässig, aber nicht ungemütlich. Man sitzt im Grossraumbüro relativ nahe zusammen, was sicherlich nicht jedermanns Sache ist. Dennoch bietet die Infrastruktur auch Möglichkeiten für intensiveren Austausch und Zwischengespräche.
Kaffee und Wasser stehen den Mitarbeitenden uneingeschränkt zur Verfügung.
Auch 1 Tag Homeoffice pro Woche ist den Mitarbeitenden - trotz nicht vorhandener Digitalisierung - erlaubt.
Kommunikation
In meinem Arbeitsbereich war die Kommunikation stets transparent und erfolgte vorzeitig. Neue Beschlüsse wurden ausnahmslos vor der Umsetzung angekündigt, Erwartungen an das Team in der Administration wurden in regelmässig stattfindenden Teamsitzungen kommuniziert.
Gleichberechtigung
Mir ist während meiner Anstellung nichts aufgefallen, was eine Gleichberechtigung behindert hätte.
Interessante Aufgaben
Ein Sachbearbeiter-Job ist immer in gewissem Masse monoton und besteht vorwiegend aus Routinetätigkeiten. Dies ist auch bei ORS in der Administration nicht anders. Dennoch sind die Aufgaben in der Sachbearbeitung auf eher anspruchsvollem Niveau und gehen weit über den unbedachten Mausklick hinaus.
Sachbearbeiter müssen ein Verständnis für buchhalterische Operationen entwickeln, um ihre Arbeitsaufgaben erfolgreich zu meistern. Es sind Grundkenntnisse im Asylwesen erforderlich, um die Erfassung von spezifischen Leistungen zu verstehen oder Prozesse eigenständig abzuwickeln.
