...am Schluss sind wir eh alle austauschbar.
Gut am Arbeitgeber finde ich
Gewisse Freiheiten wenn man es gut hat.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Eingespielte Teams sollten geschützt und nicht durch unnötige interne Wechsel destabilisiert werden. Stattdessen wurden aus meiner Sicht teilweise die falschen Personen unter besonderem Schutz gehalten. Kritische Themen wurden oft nicht offen angesprochen, auch nicht vom HR. Persönliche Nähe zwischen Vorgesetzten und einzelnen Mitarbeitenden führte zu Versetzungen, die Unruhe in den Zentren auslösten. Hinzu kamen wiederkehrende Ankündigungen von „Neuorganisationen“, die ein Klima der Unsicherheit schufen. Insgesamt entstand so eine sehr angespannte Atmosphäre, die teils auch in anderen Standorten spürbar war.
Verbesserungsvorschläge
Es wäre sinnvoll, verstärkt in Mitarbeitende zu investieren, die die Landessprache gut beherrschen. Dies gilt auch für Leitungspositionen. Der derzeitige organisatorische Ansatz im Aargau sollte grundlegend überprüft und bei Bedarf neu strukturiert werden. Drohungen sind keine nachhaltige Führungsmethode, denn Mitarbeitende sind weder blind noch uninformiert. Personen, die nachweislich für Konflikte sorgen, sollten zeitnah ermahnt oder ersetzt werden. Wenn jedoch wiederholt strukturelle Probleme innerhalb der "oberen" Organisation erkennbar sind, sollte man diese offen ansprechen, anstatt sie unter den Teppich zu kehren. Dies betrifft insbesondere das HR, das aus meiner Sicht weniger voreingenommen gegenüber einem bestimmten Geschlecht agieren sollte.
Arbeitsatmosphäre
Wahrscheinlich regionsabhängig. Ich kann nur für den Aargau sprechen: Hier war die Arbeitsatmosphäre im Grossen und Ganzen geprägt von hohem Druck und einer spürbaren Kontrollangst, insbesondere seitens Vorgesetzter. Ein professionelles, aber distanziertes Verhältnis zu ihnen war aus meiner Sicht notwendig, um nicht auszubrennen. Unter den Mitarbeitenden gab es ein stark unterschiedliches Arbeitspensum, einige leisteten deutlich mehr, andere weniger. Es kam auch zu Vorfällen, in denen Schutzbedürftige von einzelnen Mitarbeitenden unangemessen, teils herabwürdigend bezeichnet wurden (zBsp. als Primaten), sowohl mündlich als auch in Gruppen-Chats. In solchen Situationen empfiehlt es sich, Vorfälle zu dokumentieren (zBsp. Screenshots), um sie bei Bedarf belegen zu können.
Image
Intern ist das Image deutlich schlechter als es nach aussen vermittelt wird. Es gibt Themen, über die nur ungern gesprochen wird. Auch wenn dem Kanton gewisse Missstände bekannt sind, wird darüber weitgehend geschwiegen.
Work-Life-Balance
Je nach Pensum lässt sich eine gute Work-Life-Balance erreichen. Sie hängt jedoch stark von den Kolleginnen und Kollegen sowie von der jeweiligen Teamleitung ab. Einsatzpläne werden teilweise kurzfristig angepasst, was zum Teil auch auf individuelle Ansprüche einzelner Mitarbeitender zurückzuführen ist. Mitunter werden die finalen Pläne erst ein bis zwei Wochen vor dem Einsatz bekanntgegeben, was die private Planung erschwert.
Karriere/Weiterbildung
Wer solide Deutschkenntnisse mitbringt, hat grundsätzlich gute Chancen, sich beruflich zu entwickeln (zBsp. Stv oder Gruppenleiter). Nach meiner Wahrnehmung haben weibliche Mitarbeitende in manchen Situationen jedoch spürbar bessere Möglichkeiten aufzusteigen, teils auch durch persönliche Nähe zu Entscheidungsträgern im Aargau.
Gehalt/Benefits
Die Firma erhält Mandate von Gemeinden und Kantonen vor allem deshalb, weil sie vergleichsweise niedrige Angebote abgibt. Dies wirft die Frage auf, auf wessen Kosten diese Einsparungen letztlich gehen.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Weder-noch. Könnte besser sein, ist aber hier eine Kostenfrage.
Kollegenzusammenhalt
Zu Beginn war der Kollegenzusammenhalt sehr gut, später liess das gegenseitige Vertrauen jedoch spürbar nach. Dazu trug auch bei, dass teilweise zu viel über Privates getratscht wurde. Eine kompetente und faire Teamleitung kann hier einen grossen Unterschied machen.
Leider kam es im internen Chat einzelner Teams zu unsachlichen Kommentaren und auch zu persönlichen Beleidigungen. In solchen Fällen kann es auch hier hilfreich sein, Vorkommnisse zu dokumentieren (zBsp. Screenshots), um bei Bedarf auf eine klare Grundlage zurückgreifen zu können.
Umgang mit älteren Kollegen
Grundsätzlich ist der Umgang mit älteren Kolleginnen und Kollegen gut. Allerdings habe ich auch Seitenhiebe erlebt, die aus meiner Sicht unangebracht waren.
Vorgesetztenverhalten
In meinem Fall zeigte die direkte Führungskraft zunächst wenig Bereitschaft, meine Anliegen ernsthaft zu prüfen oder zu unterstützen. Erst als die Situation bereits eskaliert war, kam es zu einem gewissen Einlenken. In meinen Augen jedoch zu spät und eher als Reaktion auf den entstandenen Druck. Rückblickend hatte ich den Eindruck, dass dies auch dazu diente, einen Abgang zu forcieren/ beschleunigen. Meldungen oder Sorgen von Mitarbeitenden auf operativer Ebene wurden oft nicht ernst genommen, bis es zu Konflikte kam. Besonders enttäuschend war für mich, dass problematisches Verhalten anderer Mitarbeiter gegenüber Schutzbedürftigen teilweise nur sehr milde geahndet wurde, während ich selbst in einer vergleichsweise harmlosen Angelegenheit deutlich strenger behandelt wurde. Intrigen und persönliche Spannungen gab es auf mehreren Ebenen. Für mich ist es wichtig zu betonen, dass ich in diesen Situationen stets mit gutem Gewissen gehandelt habe.
Arbeitsbedingungen
Man arrangiert sich und macht in vielen Fällen das Beste aus den Gegebenheiten. Die Arbeitsweise ist oft pragmatisch, jedoch liegt der technische Standard deutlich hinter dem, was heute als modern gilt.
Kommunikation
Es finden regelmässig, teils täglich, Meetings statt. Der Austausch ist grundsätzlich in Ordnung, doch für mich persönlich wirkte er jedoch oft etwas dürftig. Widersprüche im Vorgehen kommen regelmässig vor und sorgen mitunter für Verwirrung, dies weil Mitarbeiter oft die eigene Meinung/ Interessen durchsetzen wollen. Bei dringenden Themen sind oftmals mehrere Anläufe nötig, bis seitens Vorgesetzter eine Entscheidung oder Unterstützung erfolgt. Mitunter wirkt die Kommunikation wie eine Einbahnstrasse. Kritische Vorfälle werden teilweise indirekt oder unter Vorwänden behandelt, anstatt sie offen anzusprechen, was in meinem Erleben mehrfach dazu führte, dass man sich plötzlich in einem Gespräch mit der Führung und dem HR wiederfindet.
Gleichberechtigung
Gleichberechtigung ist grundsätzlich gut umgesetzt. Aus meiner persönlichen Erfahrung haben es weibliche Mitarbeitende jedoch in einigen Situationen spürbar einfacher, sich durchzusetzen. Sie profitieren in Konfliktfällen oft von einem besonderen Schutz durch das HR, was bei männlichen Mitarbeitenden so nicht wahrnehmbar ist.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben wiederholen sich häufig, besonders in der Betreuung, sodass sich nach einer gewissen Zeit eine starke Routine einstellt und die Tage einander sehr ähneln. Abwechslung hängt stark von der jeweiligen Klientengruppe und den individuellen Situationen ab.
