Würde ich nicht wieder als Arbeitgeber wählen, mein industriedenken ist meine Behinderung.
Gut am Arbeitgeber finde ich
Die Arbeitszeit, die Ferienzeit, die Gleitzeit kann frei bestimmt werden. Man muss nicht fragen, sondern nur informieren.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Diese regelmässigen Umstrukturierungen und der häufige Wechsel der Vorgesetzten, was eher einem "Ausprobieren" gleicht. Pleite gehen kann die SBB ja nicht. Dies verhindert völlig, dass sich ein Team/eine Abteilung formen kann, weil Schwächen erkannt und beseitigt werden können und dafür die Stärken freigeschaufelt und ausgebaut werden können. Jeder Vorgesetztenwechsel hat eine Systemänderung zur Folge, bestehendes wird eingerissen und neu aufgebaut, was kein echtes Vorankommen, keine Teambildung und keine Weiterentwicklung zulässt. Fachkräfte müssen sich immer wieder aufs Neue beweisen & behaupten, sich erklären, welche Rolle und welche Aufgaben man hat, was mit den Jahren müde macht.
Ein Industriebetrieb würde daran zugrunde gehen.
Verbesserungsvorschläge
Vorgesetzte, vor allem TL rekrutieren, die auch vom Fach sind, und diese darauf trainieren, sich auch ums Tagesgeschäft zu kümmern. Überprüfen, ob pot. Vorgesetzte auch kompetent in Personalführung und Problembehandlung sind. Zudem die starken Mitarbeiter fordern & fördern, die schwachen sozialverträglich entsorgen und die "nach oben Buckler" weniger beachten. Bitte schafft endlich dieses Homeoffice ab, besonders in Produktionsbetrieben. Es ist echt mühsam, wenn Büromitarbeiter nicht da sind, wenn man sie dringend braucht. Zudem ist Homeoffice unfair gegenüber den Produktionsmitarbeiter, was den Gaben zwischen Büro und Produktion nicht unbedingt schmäler macht.
Arbeitsatmosphäre
Schwierig. Wenn man nicht an den regelmässigen Kaffeekränzchen teilnimmt, sondern die Zeit als Arbeitszeit nutzt, wird man ausgegrenzt. Grossraumbüro ist sehr laut. Je nach dem, welche Personen gerade ihre Freizeit im Büro verbringen, ist Konzentration kaum möglich.
Image
Image ist gut, weshalb die SBB nie an Arbeitskräftemangel leiden wird. Der Fachkräftemangel ist ein anderes Thema.
Work-Life-Balance
Naja, es kommt darauf an, wie ernst man seine Arbeit nimmt. Wer Work-Life-Balance bis an die Grenzen ausreizen will, ist bei SBB gut aufgehoben, denn Überstunden sind nicht gerne gesehen und Urlaub muss jedes Jahr auf Null abgebaut werden. Arbeitnehmer, die gerne & viel arbeiten, passen nicht wirklich ins Bild.
Karriere/Weiterbildung
Nur für Mitarbeiter möglich, die mit den Vorgesetzten gut können und 100% auf Linie sind. Andere haben kaum eine Chance auf Weiterbildung, geschweige denn auf Karriere. Intelligenz, Erfahrung, Knowhow, Kompetenz spielt leider nicht die erste Rolle.
Gehalt/Benefits
Gehalt ist akzeptabel, jedoch nicht auf Niveau der Industrie. Benefits nutze ich nicht.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Umwelt- und Sozialbewusstsein nach aussen hin ist sicher vorhanden, jedoch wird intern nicht gerade an Ressourcen gespart, manchmal vergleichbar mit einer Wegwerfgesellschaft. Es werden Dinge entsorgt, nach der sich jede KMU die Finger lecken würde. Fachkräfte werden nicht genügend gepflegt, wie es in der Industrie der Fall ist, weil sie einfach durch neue Arbeitskräfte ersetzt werden können.
Kollegenzusammenhalt
Jeder ist sich selbst der Nächste. Arbeitskollegen sind keine Familie und keine Freunde, das muss man begreifen. Schon gar nicht dann, wenn sie eigene Interessen verfolgen oder von ihren Vorgesetzten aufgestachelt werden, bestimmte Kollegen zu meiden.
Umgang mit älteren Kollegen
Die Älteren werden von den Jungen gemieden, was jedoch ein gesellschaftliches Problem ist, wie überall im Leben.
Vorgesetztenverhalten
SBB und Vorgesetzte ist nicht zu vergleichen mit dem, wie man es aus der Industrie kennt. In der Industrie muss sich z.B. ein TL ums Tagesgeschäft kümmern (Termine, Kosten, Sachziele). Vorgesetzte haben selten die nötige Kompetenz, das Tagesgeschäft zu führen, weshalb das Tagesgeschäft von sog. Fachverantwortlichen, Coordinatoren oder sonst etwas geführt wird, die gut mit dem Chef stehen. Personalführung bleibt hier völlig auf der Strecke. Mitarbeiter mit eigener Meinung haben so gut wie keine Chance, Karriere zu machen, auch wenn sie intelligent sind, Erfahrung, Knowhow und Empathie besitzen bzw. absolut kompetent wären. Eigene Meinung ist nicht gefragt, wenn sie von der allgem. Meinung abweicht.
Arbeitsbedingungen
Klagen kann man nicht, die Arbeitsplätze sind gut ausgestattet. Jedoch sind die Grossraumbüros sehr laut, vor allem dann, wenn bestimmte Personen ihre Freizeit im Büre verbringen. Konzentriertes arbeiten ist dann kaum möglich. Weiteres Problem sind zu wenige Büroarbeitsplätze für zu viele Mitarbeiter, was dann als Desk-Sharing verkauft wird. Desk-Sharing ist für Mitarbeiter geeignet, die nicht standortbezogen arbeiten. Für Produktionsbetriebe absolut ungeeignet.
Kommunikation
Weitergabe von Informationen, welche für die pers. Arbeit wichtig sein könnten, werden durch direkte Vorgesetzte selten weitergegeben, schon gar nicht von Vorgesetzten anderer Abteilungen, auch wenn die eigene Arbeit darauf aufbaut. Reklamiert man dies, erntet man kein Einsehen, sondern nur Gespött mit unprofessionelles Verhalten. Auch werden Arbeitskollegen von ihren eigenen Vorgesetzten angewiesen, keine Informationen an bestimmte Personen weiter zu geben. Nennt sich dann One SBB.
Gleichberechtigung
Quotenregelung macht's möglich, Kompetenz ist weniger eine Bedingung.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben wären interessanter, würden Vorgesetzte die Aufgaben entspr. den Stärken der Mitarbeiter verteilen. Ingenieure z. B. werden zu wenig gefordert, müssen sich statt dessen auch um marginale Arbeiten kümmern, welche in der Industrie üblicherweise von gelernten Arbeitskräften erledigt werden.

