„Zwischen Kaffeemaschine und Komfortzone – Ideen sind willkommen, sofern sie nicht stören.“
Gut am Arbeitgeber finde ich
Rückblickend gab es bei Schaerer durchaus einige Aspekte, die ich als besonders positiv erlebt habe:
Ich war mit meinem Gehalt sehr zufrieden, erhielt pünktliche den Lohn sowie einen Bonus.
Meine Funktion bot mir viel Gestaltungsspielraum. Ich konnte meinen Verantwortungsbereich aktiv aufbauen, weiterentwickeln und dabei eigene Ideen einbringen, die in mehreren Fällen auch nachhaltig und wertschöpfend für das Unternehmen umgesetzt wurden.
Der tiefe Einblick in operative Prozesse war äußerst lehrreich, nicht nur, um funktionierende Abläufe besser zu verstehen, sondern auch, um zu erkennen, wie man gewisse Dinge nicht machen sollte. Auch das war wertvoll für meine persönliche Entwicklung.
Trotz bestehender struktureller Herausforderungen habe ich Schaerer als grundsätzlich offen für Veränderung erlebt. Was jedoch häufig fehlte, war eine klare Perspektive und Führungskräfte, die den Wandel auch proaktiv und richtungsweisend gestalten.
An sich bietet Schaerer eine solide Grundlage mit sehr viel Optimierungspotenzial.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Trotz rückblickend vieler positive Erfahrungen, gab es doch einiges an Aspekten bei Schaerer, die ich kritisch wahrgenommen habe.
Vor allem im Bereich der Führungskultur besteht aus meiner Sicht deutlicher Verbesserungsbedarf. Einige Führungskräfte agieren eher auf kumpelhafte Weise oder sind sich ihrer Rolle nicht ausreichend bewusst, die notwendige Professionalität und Führungskompetenz bleibt dabei oft auf der Strecke.
Das Unternehmen wirkte auf mich wie zwei getrennte Welten: Auf der einen Seite die Administration mit starkem internem Zusammenhalt, auf der anderen die operativen Bereiche mit kulturell geprägten Untergruppen. Jedoch in beiden Bereichen ohne übergreifendes Wir-Gefühl oder eine spürbare Identifikation mit dem Unternehmen als Ganzes.
Auch im Bereich der persönlichen Weiterentwicklung gab es für mich klare Schwächen. Strukturiert aufgebaute Weiterbildungsangebote, transparente Karrierepfade oder eine gezielte Talentförderung habe ich nicht wahrgenommen. Verantwortung wurde teils ohne ausreichende fachliche oder soziale Vorbereitung an Mitarbeitende übertragen, insbesondere im operativen Umfeld. Das führte nicht selten zu Überforderung oder Demotivation, gerade bei Nachwuchskräften.
Trotz dieser Kritik sehe ich Schaerer nicht grundsätzlich als schlechten Arbeitgeber.
Vielmehr liegt im Unternehmen aus meiner Sicht ein enormes Potenzial, das mit klarerer Struktur, einer gelebten Unternehmenskultur und einer zeitgemäßen Führungskultur besser ausgeschöpft werden könnte.
Verbesserungsvorschläge
Führungskultur:
# Klare Erwartungen an Führungsverhalten definieren (z. B. Richtlinien & Regeln die für alle gelten)
# Führungskompetenz gezielt entwickeln, nicht durch informelles „Socialising“ (z. B. durch individuelles Coaching oder Mentoring)
# Verantwortungsrollen nicht „überstülpen“, sondern gezielt vorbereiten und begleiten.
# Langjährige Führungspersonen aktiv einbinden mit dem Ziel die Routinen aufzubrechen und neue Perspektiven für die Unternehmensentwicklung zu öffnen. Mit der Option den Weg gemeinsam- oder diesen anderweitig alleine weiter zu gehen.
Weiterbildung & Entwicklung:
# Entwicklungspfade etablieren (z. B. interne Führungslaufbahn, Nachfolgeregelung etc.)
# Weiterbildungsangebote gezielt fördern (z. B. mittels externe Weiterbildungen)
# Generationenübergreifenden Wissenstransfer fördern (z. B. durch Tandemmodelle oder interne Schulungsformate)
Umweltstrategie glaubwürdig leben:
# Nachhaltige Entsorgungs- und Recyclingprozesse etablieren.
# Verbindliche Umweltstrategie formulieren, mit klaren Zielen, Zuständigkeiten und Zeitrahmen.
# Zulieferer stärker in die Pflicht nehmen (z. B. durch Anforderungen zur Verpackungsreduktion)
# Position eines:einer Umweltbeauftragten nachhaltig besetzen und Inputs wahrnehmen sowie umsetzen.
Unternehmenskultur:
# Gemeinsame Werte aktiv definieren und sichtbar leben = Was bedeutet „Schaerer-Spirit“ und was genau braucht es dafür?
# Führungskräfte sollen als positives Beispiel die Werte fördern, aber wo nötig auch das einhalten der Werte einfordern. Gemeinsame Leitlinien und Werte sollten nicht nur auf dem Papier stehen, sondern im Alltag spürbar sein.
Kommunikation:
# Informationen zielgruppengerecht aufbereiten und zeitnahe kommunizieren (nicht nur TV-Screens).
# Abteilungsübergreifende Transparenz erhöhen, damit „die linke Hand weiß, was die rechte tut“.
# Kommunikationsprozesse klarer strukturieren (z. B. durch Shopfloor-Meeting an der Admin & Ops teilnehmen)
Arbeitsatmosphäre
Persönlich habe ich die Stimmung zuletzt als widersprüchlich erlebt.
Sie reicht von unterschwelliger Jobunsicherheit („Ich habe Angst, meinen Arbeitsplatz zu verlieren“) bis hin zu einer gewissen Gleichgültigkeit („Ich bin schon so lange dabei, mir kann ohnehin niemand etwas“). Diese beiden Haltungen prallen im Alltag immer wieder aufeinander, was sich spürbar auf das Arbeitsklima auswirkt.
Kommunikation
Die interne Kommunikation ist grundsätzlich ausreichend, je nach Thema aber ausbaufähig.
Über allgemeine Themen werden die Mitarbeitenden über TV-Screens oder E-Mails informiert, was gut funktioniert. Allerdings sind die Inhalte nicht immer zielgruppengerecht aufbereitet, sodass wichtige Informationen nicht bei allen verständlich ankommen.
Abteilungsübergreifend zeigt sich das Bild; dass die linke Hand oft nicht zu wissen scheint, was die rechte gerade plant, geschweige den umsetzt. Die Abstimmung zwischen den Bereichen ist durchaus verbesserungswürdig unabhängig ob Administration oder Operative Bereiche.
Kollegenzusammenhalt
Die Schaerer wirkt wie zwei getrennte Welten unter einem Dach.
Die administrativen – nennen wir sie augenzwinkernd die „Party-Hard“-Abteilungen – bilden eine eingeschworene, in sich geschlossene Gemeinschaft. Mitarbeitende aus den operativen Bereichen haben dort kaum Anschluss. Das zeigt sich auch daran, dass kaum jemand von den operativen Bereichen in die Administration wechselt. Fairerweise muss man sagen: Der Zusammenhalt innerhalb der Büros ist stark und Aperos nach Arbeitsende sind an sich Routine.
In den operativen Bereichen ergibt sich leider ein anderes Bild: Aufgrund der vielen kulturellen Hintergründe bilden sich kleinere Gruppen mit engem Zusammenhalt. Dies ist selbst in den einzelnen Montagebereichen spürbar. Ein übergreifendes "Wir-Gefühl" besteht nicht.
Eine einheitliche Unternehmenskultur oder Identifikation mit „wir sind Schaerer“ ist nicht spürbar und wird auch nicht gefördert.
Dies mag auch der Tatsache geschuldet sein, dass die Schaerer längere Zeit ein Deutsches "Mutterhaus" hatte und nun zu einem Französischen Grosskonzern gehört. Beiden Häusern ist- und war vermutlich die Kulturell Entwicklung nicht von belangen solange die Marge stimmt.
Work-Life-Balance
Ich bin der Meinung: Work-Life-Balance ist kein Anspruch, sondern eine persönliche Aufgabe.
Wer es nicht schafft, seine Zeit im Beruf und Privat aktiv und Wertschöpfend mit der nötigen Auszeit zu gestalten, läuft Gefahr, sich selbst aus dem Gleichgewicht zu bringen.
Bedeutet: ein Unternehmen kann dir keine Work-Life-Balance geben – du musst sie selbst für dich schaffen.
Aus meiner Sicht zeigt dies wie wichtig die eigene Verantwortung ist, um eine gesunde Balance zwischen Beruf und Privatleben zu finden und zu bewahren.
Daher neutrale 3 Sterne.
Vorgesetztenverhalten
Ergänzend zur Beschreibung der Arbeitsatmosphäre lässt sich das Führungsverhalten bei Schaerer treffend mit folgendem Zitat umschreiben: „Chef sein und Chef spielen sind zwei unterschiedliche Dinge.“
Nach meinem Empfinden treten viele Führungskräfte eher kumpelhaft auf und lassen dabei die nötige Ernsthaftigkeit und Professionalität in der Ausübung ihrer Führungsverantwortung vermissen.
Einige Führungspositionen wirken zudem schwer nachvollziehbar besetzt, insbesondere dort wo klare Defizite in Sozialkompetenz und Führungsfähigkeit erkennbar sind.
Das Ergebnis: Mitarbeitende werden kaum gefördert, gleichzeitig aber zunehmend gefordert, häufig durch Vorgesetzte mit begrenztem fachlichem- und sozialem Verständnis.
Langjährige Führungspersonen tragen zudem nur selten aktiv zur Weiterentwicklung des Unternehmens bei. Vielmehr entsteht der Eindruck, dass man sich auf früheren Erfolgen ausruht, anstatt neue Impulse zu setzen.
Interessante Aufgaben
Ich hatte vielfältige Möglichkeiten, meinen Zuständigkeitsbereich aktiv mitzugestalten und eigene Ideen einzubringen. Besonders durch meine Funktion war ich eng in verschiedene Prozesse eingebunden – unter anderem in der Montage, der Logistik und im Dokumentenmanagement.
Dieser bereichsübergreifende Einblick war nicht nur abwechslungsreich, sondern auch ausgesprochen lehrreich. Ich konnte wertvolle Praxiserfahrungen sammeln, konkrete Lösungen entwickeln und hatte regelmässig die Chance, Abläufe aktiv mitzugestalten und Verbesserungen anzustossen.
Gleichberechtigung
Bei aller vorgängigen Kritik, bin ich bei dem Thema davon Überzeugung, dass Gleichberechtigung bei Schaerer nicht nur ein Schlagwort ist, sondern tatsächlich gelebt wird.
(abgesehen von der Lohngleichheit)
Von den sechs Mitgliedern der Geschäftsleitung sind drei Frauen, Sie verantworten zentrale Positionen wie CFO, COO und Head of HR. Das ist ein deutliches Zeichen für weibliche Führung auf höchster Unternehmensebene.
Auch insgesamt zeigt sich eine ausgewogene Geschlechterverteilung im Unternehmen. Nach meinem Eindruck liegt der Frauenanteil bei über 40 %, viele davon in qualifizierten! Fach- und Führungspositionen.
Besonders hervorzuheben ist der hohe Anteil an Frauen in traditionell männerdominierten Bereichen wie der Logistik. Hier übernehmen zahlreiche Mitarbeiterinnen wichtige Aufgaben und leisten einen bedeutenden Beitrag zum operativen Erfolg des Unternehmens.
Umgang mit älteren Kollegen
Der Umgang mit älteren Mitarbeitenden bei Schaerer ist nach meiner Wahrnehmung von gegenseitigem Respekt und Wertschätzung geprägt. Sie bringen ihr Fachwissen aktiv ein und sind ein fester Bestandteil des täglichen Arbeitsalltags.
Allerdings zeigt sich – insbesondere bei langjährigen Führungskräften – mitunter eine gewisse Tendenz zur „Komfortzone“. Statt neue Impulse zu setzen oder aktiv zur Weiterentwicklung des Unternehmens beizutragen, berufen sich einige auf vergangene Erfolge. Dadurch verlieren sie, zumindest für mich den Respekt, den sie sich ursprünglich mit der Zeit verdient haben.
Trotzdem funktioniert der generationenübergreifende Austausch in vielen Bereichen gut. Besonders in den operativen Teams profitieren jüngere Kolleginnen und Kollegen spürbar vom Erfahrungsschatz der älteren.
Arbeitsbedingungen
Vorweg: Das Problem mit zu heißen Räumen im Sommer und zu kalten im Winter kenne ich auch aus anderen Unternehmen – das ist kein exklusives Schaerer-Thema.
Der Unterschied liegt jedoch im Umgang mit dem Thema. Bei Schaerer wird zwar jede Saison (Sommer/Winter) darüber gesprochen, konkrete Maßnahmen zur Verbesserung bleiben allerdings klar aus.
Es ist zur Gewohnheit geworden, dass in den Winter Monaten, Mitarbeitende in der Montage dick eingepackt in Daunenjacken arbeiten. Der repräsentative Eindruck gegenüber Gästen und Kunden hat dabei keine Relevanz.
Ergänzung: den Mitarbeitenden in den Operativen Bereichen wird keine Arbeitskleidung zu Verfügung gestellt. Administrative Bereiche die Kundenkontakt haben, werden mit Schaerer Bekleidung ausgestattet.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Zwar wird auf der Unternehmenswebsite ausführlich auf die „zentralen Elemente der Umweltpolitik“ eingegangen – vermutlich auch aus Marketinggründen –, doch aus meiner Sicht bleibt die praktische Umsetzung dieser Grundsätze deutlich hinter zeitgemässen Erwartungen zurück.
Derzeit ist keine Umwelt- oder Sicherheitsbeauftragte Person im Unternehmen tätig. Die letzten Stelleninhaber:innen haben beide das Unternehmen nach kurzer Zeit wieder verlassen.
Eine übergeordnete Strategie zur Erfüllung umweltrelevanter Normen sowie gesetzlicher Anforderungen ist nicht erkennbar oder wurde den Mitarbeitenden nicht kommuniziert.
Auch externe Partner und Zulieferer werden nicht aktiv in die Verantwortung genommen, z. B. hinsichtlich der Reduktion von Verpackungsmaterial.
Stattdessen werden temporäre Mitarbeitende eingesetzt, die nahezu ausschließlich damit beschäftigt sind, die überfüllten Kartoncontainer stündlich zu leeren. Meiner Meinung nach, eine absolut ineffiziente und keineswegs nachhaltige Lösung.
Angesichts der Zugehörigkeit zu einem Grosskonzern ist es umso erstaunlicher, dass im Jahr 2025 keine klare Umweltstrategie und strukturierter Verbesserungsplan erkennbar ist.
Gehalt/Benefits
Mit meinem Gehalt war ich durchweg sehr zufrieden, rückblickend gibt es in diesem Punkt absolut nichts zu beanstanden. Aus finanzieller Sicht hätte es sich gelohnt, dem Unternehmen weiterhin treu zu bleiben. Die Lohnzahlungen erfolgten stets pünktlich und absolut zuverlässig.
Neben den 13 Monatsgehältern wurde zusätzlich ein Bonus ausbezahlt, was ich angesichts der positiven Geschäftsentwicklung der vergangenen Jahre als angemessene und wertschätzende Geste gegenüber den Mitarbeitenden empfinde.
Besonders erwähnenswert ist, dass ich selbst nach Einreichung meiner Kündigung – im letzten Monat meiner Kündigungsfrist – noch eine Gehaltserhöhung erhalten habe, analog zu den verbleibenden Mitarbeitenden.
Das habe ich als ehrliche Anerkennung meiner Leistung wahrgenommen. Dafür: Danke.
Image
Das Image der Schaerer AG ist vielschichtig und von teils widersprüchlichen Eindrücken geprägt.
Nach aussen gibt sich das Unternehmen modern, strukturiert und innovativ, gestützt durch Zertifizierungen und Patenten, einer starken Markenpositionierung im Kaffeemaschinensegment und eine aktive Kommunikationsstrategie.
Intern zeigt sich jedoch ein anderes Bild: Strukturelle Herausforderungen, fehlende strategische Ausrichtungen in wichtigen Bereichen, sowie eine teils veraltete Führungskultur stehen im Kontrast zum professionellen Aussenauftritt.
Dennoch gibt es positive Aspekte, die das Image prägen; etwa die faire Vergütung, der hohe Frauenanteil in der Belegschaft (inklusive Geschäftsleitung), sowie die Möglichkeit, sich in seinem Verantwortungsbereich aktiv einzubringen und mitzugestalten. Sofern man dies möchte.
Insgesamt wirkt Schaerer auf mich, wie ein Unternehmen mit solidem Fundament und großem Potenzial, das jedoch intern noch nicht vollständig mit dem modernen Image Schritt hält, das es nach außen vermittelt.
Subjektive Meinung!
Karriere/Weiterbildung
In der Berufswelt gilt für mich ein grundlegendes Prinzip: Wer Eigeninitiative zeigt und Verantwortung übernimmt, schafft sich Chancen zur Weiterentwicklung und kann seinen Aufgabenbereich aktiv mitgestalten.
Bei Schaerer sind solche Möglichkeiten grundsätzlich vorhanden, unterscheiden sich jedoch stark nach Abteilung und Führungskraft.
Strukturiert aufgebaute Weiterbildungsprogramme oder klar definierte Entwicklungspfade sind mir persönlich nicht bekannt. Zwar existiert ein übergeordnetes Angebot zur Förderung von Führungskompetenzen, doch nach meinem Eindruck (bzw. aus dem Hörensagen!) dient dieses eher dem Networking als einer tiefgehenden fachlichen oder persönlichen Weiterentwicklung.
In einigen Fällen, insbesondere in der Montage, werden Mitarbeitende in verantwortungsvolle Rollen platziert (z. B. OPS-K.) , ohne dass eine gezielte Vorbereitung in fachlicher oder sozialer Hinsicht erfolgt. Das kann meiner Meinung nach, langfristig zu Überforderung und Frustration führen.
Bei langjährigen Führungskräften zeigt sich wenig Veränderungsbereitschaft oder aktives Engagement in der Förderung vorhandenes Potenzial, so meine Wahrnehmung.