Karriere-Sackgasse mit Dauerstress
Arbeitsatmosphäre
Zu Beginn wirkt die Arbeitsatmosphäre noch angenehm und man startet grundsätzlich motiviert. Mit der Zeit kippt die Stimmung jedoch zunehmend und verbessert sich aus meiner Sicht auch nicht mehr nachhaltig. Bei Fehlern wird teilweise eher nach Verantwortlichen gesucht als gemeinsam nach Lösungen. Obwohl betont wird, dass kein Micromanagement betrieben werde, habe ich wiederholt Kontrollen über Teams oder direkt vor Ort erlebt. Neue Mitarbeitende werden meiner Erfahrung nach nicht immer auf Augenhöhe behandelt und insbesondere von gewissen Entwicklern spürt man teilweise eine herablassende Haltung. Der grösste Belastungsfaktor ist jedoch die aus meiner Sicht deutliche Unterbesetzung. Es entsteht der Eindruck, dass auf höheren Kaderstufen stark bei den Personalkosten gespart wird. Dadurch ist die Arbeitsmenge dauerhaft sehr hoch und Stress sowie Überstunden werden mit der Zeit praktisch zum Normalzustand.
Image
Das Image des Unternehmens habe ich sowohl intern als auch extern als sehr negativ wahrgenommen. Auch unter Mitarbeitenden wird deutlich kritisch über das Unternehmen und das eigene Produkt gesprochen. In mehreren späteren Vorstellungsgesprächen wurde ich von anderen Arbeitgebern auf meinen ehemaligen Arbeitgeber angesprochen und dessen Ruf war bereits bekannt ohne dass ich das Thema selbst angesprochen hatte.
Auch im Kontakt mit Kunden hatte ich häufig den Eindruck dass das Unternehmen einen sehr schlechten Ruf geniesst. Insgesamt deckte sich dieses externe Bild in vielen Punkten mit meinen eigenen Erfahrungen im Unternehmen.
Work-Life-Balance
Überstunden gehören leider regelmässig zum Arbeitsalltag. Aufgrund der hohen Arbeitslast konnten Pausen teilweise nicht zuverlässig eingehalten werden. Ferien waren ebenfalls nicht immer dann möglich wenn man sie gerne beziehen wollte. Familie, Privatleben und Arbeit miteinander zu vereinbaren ist dadurch schwierig. Selbst wichtige ausserordentliche private Termine lassen sich teilweise nur schwer wahrnehmen da die Arbeit und die personelle Situation wenig Spielraum lassen.
Karriere/Weiterbildung
Schulungen gibt es nur selten und wirklich relevante oder praxisnahe Weiterbildungen sind kaum vorhanden. Weiterbildungen werden teilweise zwar in Aussicht gestellt oder zugesprochen aber immer wieder verschoben bis das Thema irgendwann im Sand verläuft wenn man nicht ständig selbst nachhakt.
Auch die internen Aufstiegsmöglichkeiten habe ich als sehr begrenzt wahrgenommen. Der nächste Karriereschritt bedeutet häufig vor allem deutlich mehr Verantwortung und Arbeit bei nur geringer zusätzlicher Vergütung. Weiterführende Entwicklungsmöglichkeiten wirken dagegen sehr unwahrscheinlich und scheinen oft eine sehr lange Betriebszugehörigkeit vorauszusetzen. Dadurch verläuft die Karriere aus meiner Sicht insgesamt sehr schleppend.
Für die eigene langfristige fachliche Entwicklung empfand ich das Unternehmen daher eher als Sackgasse. Statt als Fachkraft mit Entwicklungspotenzial hatte ich zunehmend das Gefühl hauptsächlich als Ressource für die aktuelle Arbeitslast betrachtet zu werden.
Gehalt/Benefits
Es wird mit einem Unternehmenszielbonus geworben. Dieser wurde jedoch seit längerer Zeit nicht mehr erreicht wodurch dieser Benefit in der Praxis kaum ins Gewicht fällt. Das Gehalt fällt je nach Person unterschiedlich aus. Einige verdienen deutlich weniger als bei ihrem vorherigen Arbeitgeber während es für andere zunächst in Ordnung wirkt. Spätestens im Verhältnis zur tatsächlichen Arbeitsbelastung entsteht jedoch schnell der Eindruck dass die Vergütung nicht angemessen zur geleisteten Arbeit steht.
Lohnerhöhungen kommen nur selten vor und insbesondere nach einem Jahr sollte man nicht automatisch damit rechnen. Zusätzliche Benefits sind ebenfalls eher begrenzt. Vergütungen für Verpflegung oder den öffentlichen Verkehr gibt es beispielsweise nicht.
Kollegenzusammenhalt
Zu Beginn unterstützen sich die Kollegen grundsätzlich und helfen neuen Mitarbeitenden bei Fragen und Problemen. Mit der Zeit nimmt dieser Zusammenhalt jedoch spürbar ab. Es wird zunehmend hinter dem Rücken über andere Kollegen gesprochen und bei Problemen wird schnell mit dem Finger aufeinander gezeigt. Auch Leistungen werden untereinander verglichen wodurch schnell eine negative Dynamik entsteht. Wenn einzelne Mitarbeitende weniger Verantwortung übernehmen oder Aufgaben auf das Team abwälzen führt das teilweise zu einer Kettenreaktion bei der auch ursprünglich teamorientierte Kollegen zunehmend nur noch auf den eigenen Bereich achten. Dadurch leidet der Zusammenhalt im Team langfristig deutlich.
Umgang mit älteren Kollegen
Diesen Punkt kann ich nur eingeschränkt beurteilen da die meisten neueren Mitarbeitenden eher jung sind. Langjährige Erfahrung im Unternehmen wird meiner Wahrnehmung nach nicht automatisch wertgeschätzt wenn das persönliche Verhältnis oder die Sympathie zu den Vorgesetzten fehlt. Gleichzeitig habe ich erlebt dass einzelne ältere oder langjährige Kollegen gegenüber jüngeren Mitarbeitenden teilweise sehr dominant auftreten und ihren Einfluss deutlich spüren lassen.
Vorgesetztenverhalten
Viele Entscheidungen der Teamleitung sind aus meiner Sicht nur schwer nachvollziehbar. Teilweise entsteht der Eindruck dass es an Führungserfahrung und Managementkompetenz fehlt. Micromanagement kommt regelmässig vor und konstruktive Kritik wird meiner Erfahrung nach nur begrenzt aufgenommen. Schwerwiegendere Fehlentscheidungen auf Führungsebene werden teilweise eher relativiert als offen aufgearbeitet.
Besonders problematisch empfand ich die spürbare Bevorzugung einzelner Mitarbeitender. Leistung und fachliche Kompetenz wirken dabei nicht immer ausschlaggebend während persönliche Sympathien teilweise einen grossen Einfluss haben. Auch die tägliche Stimmung einzelner Teamleiter kann sich deutlich darauf auswirken wie Mitarbeitende behandelt werden. Zusätzlich habe ich erlebt dass sich selbst Führungskräfte gegenüber anderen Mitarbeitenden negativ über Teammitglieder äussern was das Vertrauen in die Führung weiter schwächt.
Arbeitsbedingungen
Die Arbeitsbedingungen empfand ich insgesamt als deutlich verbesserungswürdig. Die Büroräume sind aus meiner Sicht wenig angenehm und eine Klimatisierung fehlt. An sehr heissen Tagen wird die Arbeit dadurch zusätzlich belastend. Selbst bei hohen Temperaturen waren weder zusätzliche freie Tage noch ausnahmsweise mehr Homeoffice vorgesehen.
Die Arbeitsplätze liegen teilweise sehr nah beieinander. Je nach Sitzplatz entsteht dadurch wenig Privatsphäre und bei einzelnen Plätzen hat man zusätzlich das Gefühl ständig von der Teamleitung beobachtet oder mitgehört zu werden.
Auch die technischen Arbeitsmittel könnten deutlich besser sein. Das Ticketsystem wirkt veraltet und wird den tatsächlichen Anforderungen nur bedingt gerecht. Generell hatte ich den Eindruck dass für die tägliche Arbeit zu wenig geeignete Tools und Ressourcen zur Verfügung stehen obwohl die Belastung entsprechend hoch ist. Gleichzeitig wirkt die Priorisierung von Investitionen aus Mitarbeitersicht teilweise schwer nachvollziehbar.
Positiv ist dass grundsätzlich bis zu drei Tage Homeoffice möglich sind. Je nach Einschätzung der Selbstständigkeit wird dies jedoch teilweise erst deutlich später als nach drei Monaten gew
Kommunikation
Entscheidungen sind aus meiner Sicht häufig nur schwer nachvollziehbar. Die Kommunikation zwischen den einzelnen Abteilungen funktioniert nur sehr eingeschränkt da viele Bereiche eher wie eigene Inseln agieren und nur ungern abteilungsübergreifend kommunizieren. Informationen die einen selbst betreffen muss man sich oft eigenständig beschaffen. Nicht selten wird man über relevante Themen nur unzureichend informiert oder vollständig im Dunkeln gelassen.
Gleichberechtigung
Eine wirkliche Gleichbehandlung habe ich nur bedingt wahrgenommen. Grundsätzlich hatte ich den Eindruck dass sowohl Männer als auch Frauen mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hatten. Auffällig war jedoch dass weibliche Mitarbeitende unter weiblicher Führung teilweise deutlich kritischer behandelt wurden während männliche Mitarbeitende eher bevorzugt wirkten. Insgesamt hatte ich den Eindruck dass persönliche Sympathien und das Verhältnis zu den Vorgesetzten einen grösseren Einfluss auf die Behandlung und die eigenen Aussichten hatten als Leistung oder Kompetenz.
Interessante Aufgaben
Die Arbeit ist aus meiner Sicht sehr eintönig und fühlt sich mit der Zeit teilweise wie Fliessbandarbeit an. Im Support landet ein grosser Teil der Probleme die durch Fehler oder Unklarheiten in der Entwicklung entstehen wobei der Support diese gegenüber den Kunden auffangen und vertreten muss. Gleichzeitig entsteht teilweise der Eindruck dass die Entwicklungsabteilung deutlich stärker wertgeschätzt wird als der Support.
Fachlich konnte ich nur begrenzt etwas dazulernen. Die angebotenen Schulungen empfand ich grösstenteils als wenig praxisnah und für den Arbeitsalltag nur eingeschränkt hilfreich. Insgesamt wird die Tätigkeit dadurch auf Dauer sehr monoton und zermürbend.
