Wo früher Menschen zählten, zählen heute die Finanzen.
Gut am Arbeitgeber finde ich
Was ich nach wie vor sehr schätze, sind die engagierten Mitarbeitenden, die täglich mit viel Herzblut für die Jugendlichen da sind. Es gibt grossartige Menschen in dieser Institution, die sich trotz der schwierigen Veränderungen für das Wohl der Jugendlichen einsetzen.
Auch die ursprüngliche Idee und das Konzept der Institution finde ich nach wie vor wertvoll. Über viele Jahre wurde viel Gutes aufgebaut und den Jugendlichen wurden wertvolle Entwicklungsmöglichkeiten geboten.
Leider geht davon zunehmend vieles verloren. Umso mehr schätze ich die Mitarbeitenden, die versuchen, diese Werte weiterhin zu leben.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Seit dem Wechsel der Geschäftsleitung stehen wirtschaftliche Interessen zunehmend über dem eigentlichen sozialen Auftrag der Institution.
Aus einem Ausbildungsbetrieb für Jugendliche wird immer mehr ein geschützter Arbeitsmarkt. Von der Leitung Wohnen wurde uns offen kommuniziert, dass aufgrund der Sparmassnahmen vermehrt geschützte Arbeitsplätze geschaffen werden, da diese rund doppelt so hohe Einnahmen generieren wie Ausbildungsplätze für Jugendliche.
Auch die Studiobegleitung wird zunehmend reduziert, da diese Wohnform weniger Einnahmen bringt.
Es geht längst nicht mehr nur darum, Jugendlichen eine gute Ausbildung, Begleitung und Perspektive zu bieten. Stattdessen stehen Einsparungen, Wirtschaftlichkeit und die Generierung möglichst hoher Einnahmen im Vordergrund.
Besonders enttäuschend finde ich, dass dadurch die ursprünglichen Werte und der soziale Auftrag der Institution immer mehr verloren gehen.
Eine soziale Institution sollte in erster Linie für die Menschen da sein und nicht danach entscheiden, welche Menschen finanziell am meisten einbringen.
Verbesserungsvorschläge
Die Geschäftsleitung sollte sich wieder stärker auf den ursprünglichen sozialen Auftrag der Institution konzentrieren. Jugendliche, ihre Ausbildung und ihre persönliche Entwicklung sollten im Mittelpunkt stehen und nicht die Frage, welche Angebote finanziell am meisten einbringen.
Sparmassnahmen dürfen nicht auf Kosten der Betreuungsqualität, der Mitarbeitenden und der Jugendlichen umgesetzt werden.
Es braucht wieder mehr Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitenden, eine offene und ehrliche Kommunikation sowie den Einbezug des Personals bei wichtigen Entscheidungen.
Auch die Arbeitsbedingungen müssen dringend verbessert werden. Personalmangel, hohe Arbeitsbelastung und ständige Veränderungen führen dazu, dass engagierte Fachpersonen die Institution verlassen oder krank werden.
Die Geschäftsleitung sollte wieder mehr in die Qualität der Ausbildung, die Begleitung der Jugendlichen und die Zufriedenheit der Mitarbeitenden investieren.
*Eine soziale Institution sollte nicht nur wirtschaftlich funktionieren, sondern vor allem ihrem sozialen Auftrag gerecht werden.*
Arbeitsatmosphäre
Im Gesamtteam der Sozialpädagogik herrscht grosse Unzufriedenheit. Anliegen des Personals werden nicht gehört an Gesamtteamsitzungen fallen sogar Aussagen wie «Wem es nicht passt, ist frei zu gehen». Die hohe Belastung und der Personalmangel prägen den Alltag stark.
Kommunikation
Entscheidungen der Leitung werden wenig transparent vermittelt. Offiziell will man nicht hierarchisch arbeiten, im Alltag erlebe ich die Strukturen jedoch als so hierarchisch wie noch nie. Man muss sehr vorsichtig sein, was man anspricht, da kritische Äusserungen schnell negative Folgen haben können. Anliegen der Mitarbeitenden werden kaum gehört.
Kollegenzusammenhalt
Der Zusammenhalt im Gesammten-Team ist sehr gut. Man unterstützt sich gegenseitig und trägt die Mehrbelastung gemeinsam.
Work-Life-Balance
Kaum vorhanden. Man arbeitet oft viele Tage am Stück, man muss immer mal wieder einspringen und es bleibt wenig Zeit für Familie, Freunde und Hobbys. Trotz grossem Personalbedarf ist aktuell nur eine Stelle ausgeschrieben.
Vorgesetztenverhalten
Von der Leitung ist wenig Wertschätzung spürbar. Aktuell hat keine Wohngruppe mehr eine Gruppenleitung, und es ist nicht geplant, diese Stellen zu ersetzen. Zusätzliche Aufgaben wie Arbeitspläne werden auf die Mitarbeitenden verteilt auch hier geht es um Sparmassnahmen. Entscheidungen werden ohne Einbezug der Mitarbeitenden getroffen und sind oft nicht nachvollziehbar. Die Ziele wirken wenig realistisch, etwa der Wegfall der Bezugspersonen der mit unseren Jugendlichen im Alltag kaum umsetzbar ist. Kritik oder Konflikte offen anzusprechen, fällt schwer, da man schnell selbst in die Schusslinie gerät.
Interessante Aufgaben
Die Arbeit mit den Jugendlichen an sich ist sehr spannend und sinnstiftend. Die Leitung hat jedoch entschieden, dass es keine Bezugspersonen mehr geben soll und alle für alle zuständig sind. Damit wird Beziehungsarbeit indirekt verhindert, was bei kognitiv beeinträchtigten Jugendlichen in der Praxis kaum umsetzbar ist.
Arbeitsbedingungen
Die technische Ausstattung ist grundsätzlich vorhanden, jedoch funktionieren die Laptops immer wieder nicht zuverlässig. Es gibt ständig Veränderungen und Anpassungen. Aus Spargründen wurden auch Drucker entfernt.
Ansonsten ist die Ausstattung grundsätzlich in Ordnung.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt ist für den Kanton Zürich eher tief angesetzt.
Benefits:
Durch die aktuellen Sparmassnahmen wurden Mitarbeiterparkplätze gestrichen.
Es gibt noch Mitarbeiter-Rabatt