Wer Rückgrat zeigt, passt nicht ins System
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre war innerhalb des Teams zeitweise spürbar angespannt und von Unsicherheit geprägt. Entscheidungen und Führung erfolgten stark top-down, wodurch eher ein Klima der Vorsicht und Anpassung entstand als eines von Vertrauen oder offenem Austausch.
Viele Mitarbeitende überlegten sich genau, was sie sagen oder ansprechen können, ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen. Kritische Meinungen oder eigenständiges Denken wirkten nicht wirklich erwünscht. Dadurch entwickelte sich schleichend eine Kultur der Zurückhaltung statt echter Zusammenarbeit.
Eine gesunde Fehlerkultur, Offenheit oder souveräne Führung konnte ich in diesem Umfeld kaum wahrnehmen. Statt Motivation entstand bei vielen eher dauerhafter Druck und Anspannung.
Kommunikation
Kommunikation war in diesem Umfeld praktisch ein Fremdwort. Wichtige Informationen wurden entweder gar nicht, verspätet oder nur an ausgewählte Personen weitergegeben. Statt Klarheit herrschten häufig Spekulationen, Halbwissen und unnötige Unsicherheiten.
Innerhalb des Teams fehlte es an Transparenz, Struktur und professionellem Austausch. Entscheidungen wurden oft einfach vorausgesetzt, ohne Mitarbeitende sauber abzuholen oder nachvollziehbar zu informieren. Dadurch entstanden unnötige Reibungen und ein permanentes Gefühl von Orientierungslosigkeit.
Wer funktionierende Teamkommunikation, offene Abstimmung und klare Führung erwartet, dürfte hier schnell ernüchtert werden. Den Eindruck einer modernen Kommunikationskultur konnte ich zu keinem Zeitpunkt gewinnen.
Kollegenzusammenhalt
Der Kollegenzusammenhalt war extrem widersprüchlich. Es gab einzelne Mitarbeitende, die fachlich wie menschlich absolut top waren und trotz des Umfelds Professionalität gezeigt haben. Ohne diese Personen wäre die Situation kaum erträglich gewesen.
Gleichzeitig gab es jedoch auch ein stark ausgeprägtes opportunistisches Verhalten. Loyalität galt häufig nur solange sie dem eigenen Vorteil diente. Hinter vorgehaltener Hand wurde viel gespielt, weitergetragen und politisiert. Statt Teamgeist entstand oft der Eindruck, dass sich gewisse Personen lieber absichern oder profilieren wollten, anstatt ehrlich zusammenzuarbeiten.
Besonders spürbar war dabei eine gewisse „Spanien über alles“-Mentalität innerhalb einzelner Gruppen. Wer nicht in gewisse soziale oder kulturelle Muster passte, wurde schnell zum Aussenseiter oder bewusst auf Distanz gehalten. Professionelle Zusammenarbeit rückte dadurch teilweise in den Hintergrund, während persönliche Lagerbildung und Selbstdarstellung wichtiger erschienen als echter Zusammenhalt.
Work-Life-Balance
Work-Life-Balance existierte praktisch nur auf dem Papier. Erwartet wurde nicht effizientes Arbeiten, sondern maximale zeitliche Verfügbarkeit. Wer früh begann und produktiv arbeitete, galt wenig – entscheidend war vielmehr, möglichst lange online oder präsent zu sein.
Es entstand eine Kultur, in der späte Abende normalisiert und indirekt erwartet wurden. Permanente Erreichbarkeit wurde stillschweigend vorausgesetzt, während Grenzen zwischen Beruf und Privatleben zunehmend ignoriert wurden. Nachhaltigkeit oder Mitarbeitergesundheit spielten dabei aus meiner Sicht eine untergeordnete Rolle.
Besonders irritierend war die romantisierte Vorstellung eines „spanischen“ Arbeitsstils: lange Abende wurden eher glorifiziert als hinterfragt. Leistung wurde weniger an Resultaten als an Anwesenheit und Selbstdarstellung gemessen. Für Mitarbeitende mit Anspruch an Professionalität, Effizienz und ein gesundes Gleichgewicht ist dieses Umfeld nur schwer tragbar.
Vorgesetztenverhalten
Führung bedeutete hier vor allem Anpassung nach oben statt Verantwortung gegenüber Mitarbeitenden. Der direkte Vorgesetzte wirkte über weite Strecken wie eine verlängerter Arm der nächsthöheren Ebene – ohne eigenes Rückgrat oder erkennbare Führungsstärke.
Unterstützung, Fairness oder konstruktive Kommunikation suchte man insbesondere in schwierigen Situationen vergeblich. Stattdessen entstand ein Klima aus subtiler Einschüchterung, fehlender Präsenz und fragwürdigem Umgang mit Mitarbeitenden. Probleme wurden nicht gelöst, sondern ausgesessen oder weitergegeben.
Besonders enttäuschend war die Diskrepanz zwischen dem professionellen Selbstbild und dem tatsächlichen Verhalten im Alltag. Wertschätzung schien stark davon abzuhängen, wie kritiklos man sich anpasst. Für moderne Führungskultur, Integrität und menschliche Reife besteht aus meiner Sicht erheblicher Nachholbedarf.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben und Projekte hätten grundsätzlich grosses Potenzial gehabt und teilweise wirklich spannend sein können. Leider wurde dies durch die allgemeine Arbeitskultur massiv abgeschwächt. Eigeninitiative, Selbstverantwortung und professionelles Mitdenken waren bei gewissen Mitarbeitenden kaum vorhanden.
Statt lösungsorientiert und selbstständig zu arbeiten, musste vieles permanent nachkontrolliert, erklärt oder mehrfach angestossen werden. Teilweise entstand der Eindruck, dass man erwachsene Fachkräfte wie Kleinkinder durch den Alltag begleiten musste. Das bremste nicht nur Projekte, sondern zog auch motivierte Mitarbeitende unnötig herunter.
Wer effizient, strukturiert und mit Eigenverantwortung arbeiten möchte, dürfte an dieser Dynamik langfristig wenig Freude haben.
Arbeitsbedingungen
Die Arbeitsbedingungen waren stark an eine sehr lockere und teilweise unprofessionelle Arbeitskultur angepasst. Pünktlichkeit, Verbindlichkeit und konzentriertes Arbeiten schienen oft optional zu sein. Zu spät zu Meetings zu erscheinen – oder teilweise gar nicht – wurde erstaunlich selbstverständlich toleriert.
Auch während Besprechungen fehlte häufig jegliche Professionalität. Nebenbei vapen, offensichtlich nicht zuhören und anschliessend grundlegende Fragen erneut stellen gehörte teilweise zum Alltag. Statt effizienter Zusammenarbeit entstand dadurch oft der Eindruck von Desinteresse und fehlendem Respekt gegenüber der Zeit anderer Mitarbeitender.
Wer ein strukturiertes, professionelles und verbindliches Arbeitsumfeld erwartet, dürfte hier schnell frustriert sein. Zwischen modern-lockerer Kultur und fehlender Professionalität wurde aus meiner Sicht regelmässig die Grenze überschritten.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Kurz und einfach, gar nicht vorhanden.
Gehalt/Benefits
Diese waren soweit OK.
Image
Intern herrschte teilweise eine fast schon überhebliche Selbstwahrnehmung, als würde man zur absoluten Elite des Marktes gehören. Nach aussen zeigte sich jedoch oft ein deutlich weniger beeindruckendes Bild. Zwischen Eigenbild und tatsächlicher Professionalität lag aus meiner Sicht eine bemerkenswerte Diskrepanz.
Viel Selbstinszenierung, wenig Selbstreflexion. Kritische Stimmen wurden eher als Störung wahrgenommen statt als Chance zur Verbesserung. Gerade dadurch wirkte das Auftreten nach innen teilweise fast peinlich arrogant, während die Realität diesem Anspruch nicht annähernd gerecht wurde.
Karriere/Weiterbildung
Karriere- und Weiterbildungsmöglichkeiten wirkten alles andere als transparent oder leistungsorientiert. Förderung schien primär jenen vorbehalten zu sein, die sich politisch geschickt verhielten, permanent Zustimmung signalisierten und sich dem gewünschten Umfeld möglichst kritiklos anpassten.
Fachliche Leistung, Eigeninitiative oder ehrliches Engagement standen dabei oftmals nicht im Vordergrund. Stattdessen entstand der Eindruck, dass Loyalität gegenüber bestimmten Personen wichtiger war als Kompetenz oder tatsächlicher Mehrwert. Wer Rückgrat zeigte oder kritisch dachte, hatte deutlich schlechtere Karten.
Eine faire und nachhaltige Entwicklungskultur konnte ich nicht erkennen. Weiterbildung wirkte weniger wie eine Investition in Mitarbeitende, sondern eher wie ein Privileg für einen ausgewählten inneren Kreis.

