Sinnvolle Tätigkeit in einem widersprüchlichen Unternehmen
Verbesserungsvorschläge
Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich die vielen positiven Bewertungen dieses Unternehmens leider nicht teilen. Nach fast 20 Jahren Berufserfahrung habe ich ein Arbeitsumfeld erlebt, das ich als wenig konsistent und für mich enttäuschend empfunden habe.
Rückblickend hatte ich bereits im Bewerbungsgespräch erste Zweifel. Auf meine Frage nach den Gründen des zweiten Standorts in Erfurt wurde sinngemäß erklärt, dass man für die hier angebotenen, „günstigen“ Konditionen in München keine Mitarbeitenden finden würde. Trotz der häufig kommunizierten „Wir-sind-eine-Familie“-Kultur hatte ich dadurch früh den Eindruck, dass es innerhalb des Unternehmens unterschiedliche Wahrnehmungen und Erwartungen zwischen den Standorten gibt, was sich für mich wie eine Art Zwei-Klassen-Denken oder auch Ost-West Denken anfühlte.
Im Gespräch zum Ende der Probezeit (zwei Wochen vor Ende der Probezeit) wurde mir dann die Kündigung ausgesprochen. Nach meinem bisherigen Berufsverständnis dienen solche Gespräche in erster Linie dazu, gemeinsam Entwicklungsmöglichkeiten, Erwartungen und nächste Schritte zu besprechen. Umso überraschender war diese Entscheidung für mich, da mir im vorherigen 3-Monatsgespräch noch rückgemeldet wurde, dass meine Einarbeitung gut verlaufe und kein Anlass zur Sorge bestehe.
Die Begründungen für die Trennung habe ich als wenig nachvollziehbar empfunden. Statt offen anzusprechen, dass es möglicherweise menschlich oder teamseitig nicht gepasst hat, wurden aus meiner Sicht eher formale und situative Punkte angeführt. So bezog sich die Kritik an meiner Arbeitsgeschwindigkeit auf Aufgabenbereiche, in die ich zu diesem Zeitpunkt noch relativ neu eingearbeitet war. Zudem wurde mein Auftreten im Arbeitsalltag thematisiert, wobei unter anderem meine wahrgenommene Außenwirkung in stressigen Situationen als negativ ausgelegt wurde. Diese Punkte erschienen mir insbesondere vor dem Hintergrund der kurzen Einarbeitungszeit und der zuvor positiven Rückmeldungen nicht schlüssig. Zudem wurde meine angeblich geringe Kompromissbereitschaft bei der Dienstplanung thematisiert. Dabei blieb aus meiner Sicht vor allem ein einzelner Fall im Gedächtnis, in dem ich aufgrund eines festen Arzttermins keine Schicht tauschen konnte, während andere Situationen, in denen ich Schichten und kleinere Aufgaben von Kolleginnen übernommen habe, offenbar nicht berücksichtigt wurden.
In diesem Zusammenhang habe ich zudem nachgefragt, wie bestimmte Verhaltensweisen oder vermeintlich ineffiziente Arbeitsschritte überhaupt so detailliert beurteilt werden konnten, da der Teamleiter räumlich nicht mit im Büro saß. Die Antwort, man bekomme „mehr mit, als man weiß“, empfand ich als irritierend und wenig transparent. Bei mir hinterließ dies den Eindruck einer sehr stark kontrollorientierten Arbeitsweise, die für mich nicht zu der zuvor kommunizierten offenen und vertrauensbasierten Unternehmenskultur passte.
Insgesamt habe ich das Unternehmen als stark zahlen- und leistungsgetrieben wahrgenommen, mit wenig Raum für individuelle Situationen oder unterstützende Maßnahmen. Das mag für manche gut funktionieren, für mich persönlich jedoch nicht. Bedauerlich finde ich dies vor allem deshalb, weil mir die eigentliche Tätigkeit Freude bereitet hat und ich sie als sinnvoll empfunden habe. Den einen Stern gibts lediglich für die guten Corporate Benefits.

