Hohe Fluktuation, wenig Wertschätzung und schwache Führung
Verbesserungsvorschläge
Das Unternehmen sollte Kritik endlich ernst nehmen und Mitarbeitende nicht mit der Haltung behandeln, sie müssten allein deshalb dankbar sein, „bei ALDI arbeiten zu dürfen“. Mehr Wertschätzung, echtes Zuhören und ein respektvollerer Umgang wären dringend notwendig. Entscheidungen sollten transparenter getroffen werden und Feedback sollte nicht als Bedrohung, sondern als Chance zur Verbesserung verstanden werden.
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre ist insgesamt sehr belastend. Anerkennung oder Lob gibt es so gut wie nie – stattdessen wird hauptsächlich nur dann reagiert, wenn etwas schiefgelaufen ist. Führung erfolgt häufig über Druck und Verunsicherung, zusätzlich wird man ständig kontrolliert. Vertrauen in die Mitarbeitenden fehlt komplett. Außerdem sind viele Prozesse unausgereift, werden aber trotzdem zur Nutzung veröffentlicht, was zusätzlichen Stress, Unsicherheit und Frust verursacht. Eine wertschätzende oder motivierende Arbeitsumgebung sieht anders aus.
Kommunikation
Die Kommunikation ist insgesamt ausbaufähig. Zwar gibt es wöchentliche Jour-fixe im Team, jedoch werden Erfolge kaum bis gar nicht thematisiert oder gefeiert – es wird vielmehr vorausgesetzt, dass alles reibungslos läuft. Bei schwierigen oder unangenehmen Themen wird teilweise gar nicht oder erst sehr spät informiert. Statt transparenter Kommunikation heißt es dann häufig, die Aufgaben einfach ohne Nachfragen zu erledigen. Wichtige Informationen fehlen oft oder sind nur unvollständig verfügbar. Insgesamt ist die Kommunikation bei ALDI eher schwach und wenig wertschätzend.
Kollegenzusammenhalt
Der Zusammenhalt im direkten Team ist sehr gut – man unterstützt sich gegenseitig, hilft sich aus und kann sich aufeinander verlassen. Darüber hinaus ist der Umgang jedoch deutlich schwieriger. Zwischen einzelnen Bereichen wird sich häufig gegenseitig die Schuld zugeschoben, z. B. zwischen Expansion und Construction. Es läuft nicht mit allen Kollegen gegeneinander, aber leider kommt es doch sehr oft zu solchen Situationen. Insgesamt gibt es daher sowohl positive Teammomente als auch spürbare Konflikte zwischen verschiedenen Bereichen.
Work-Life-Balance
Die Work-Life-Balance ist insgesamt schwierig. Urlaub kann in der Regel problemlos genommen werden, solange eine Vertretung vorhanden ist – ich habe persönlich nie erlebt, dass Urlaub abgelehnt wurde. In stressigen Phasen liegen die Arbeitszeiten jedoch deutlich über 40 Stunden pro Woche. Es wird häufig erwartet, dass man ständig erreichbar ist, und Meetings finden teilweise auch abends oder sogar freitags spät statt. Am Wochenende und im Urlaub hat man in der Regel Ruhe, wenn man diese klar einfordert – dennoch gibt es Kolleg:innen, die auch im Urlaub arbeiten. Positiv ist das Angebot zum mobilen Arbeiten an zwei Tagen pro Woche sowie eine gewisse Flexibilität bei der Gestaltung des Arbeitstages. Trotzdem überwiegt insgesamt die Belastung.
Vorgesetztenverhalten
Während meiner Zeit bei ALDI hatte ich jedes Jahr eine neue Führungskraft – die Fluktuation auf dieser Ebene ist sehr hoch. Die direkten Vorgesetzten, die ich hatte, waren grundsätzlich in Ordnung, jedoch ist es extrem schwierig, sich ständig auf neue Personen einstellen zu müssen. Dadurch fehlt Kontinuität, Vertrauen kann kaum aufgebaut werden und eine persönliche Weiterentwicklung ist so gut wie unmöglich. Vernünftige Mitarbeitergespräche finden kaum statt, weil man gar nicht richtig „gesehen“ oder gekannt wird – Stichwort Talentpool.
Auf der nächsthöheren Führungsebene ist das Vorgesetztenverhalten deutlich schlechter. Entscheidungen sind oft nicht nachvollziehbar, Mitarbeitende werden kaum einbezogen und Führung findet häufig eher über Druck und Verunsicherung statt. Insgesamt ist das Vorgesetztenverhalten aus meiner Sicht schwach und wenig unterstützend.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben sind grundsätzlich sehr interessant und abwechslungsreich. Die Arbeit auf der Baustelle sowie der Austausch mit externen Stakeholdern haben mir viel Spaß gemacht. Wenn die Anzahl der Projekte zu hoch wird, kann man dies in der Regel offen ansprechen und meist wird dann auch reagiert. In den letzten Monaten war eine gerechte Aufgabeverteilung allerdings kaum noch möglich, da viele Kolleg:innen gekündigt haben und dadurch Personal fehlte.
Dennoch wird man trotz der spannenden Arbeit ständig kontrolliert und es wird einem wenig Vertrauen entgegengebracht, was die Freude an den Aufgaben teilweise schmälert.
Gleichberechtigung
Die Gleichberechtigung ist aus meiner Sicht deutlich verbesserungswürdig. Frauen werden grundsätzlich schlechter bezahlt als Männer und in Führungspositionen sind fast ausschließlich Männer vertreten – mit Ausnahme einer weiblichen Teamleiterin im Backoffice. Insgesamt wirkt es so, als hätten Frauen deutlich geringere Aufstiegschancen. Zudem wird viel hinter dem Rücken gesprochen, was kein faires und respektvolles Arbeitsumfeld schafft. Wiedereingliederungen nach Auszeiten werden oft nur sehr widerwillig oder gar nicht ermöglicht. Wer nicht „ins Bild passt“, wird eher losgeworden als unterstützt – das erklärt auch die ständigen Wechsel auf meiner direkten Führungsebene, wo offenkundig ebenfalls „die Nase nicht gepasst“ hat.
Umgang mit älteren Kollegen
Der Umgang mit älteren Kolleg:innen ist grundsätzlich positiv. Langjährige Mitarbeitende werden wertgeschätzt, Jubiläen werden gewürdigt und auch der Übergang in den Ruhestand wird respektvoll begleitet. Allerdings scheint diese Wertschätzung vor allem für diejenigen zu gelten, die noch die „alten Verträge“ haben. Neue Mitarbeitende profitieren davon teilweise deutlich weniger. Insgesamt werden ältere Kolleg:innen aber im Großen und Ganzen anerkannt und respektiert.
Arbeitsbedingungen
Die Arbeitsbedingungen sind grundsätzlich solide. Es gibt moderne Großraumbüros mit Shared-Desk-Konzept, die Arbeitsplätze sind mit zwei Bildschirmen ausgestattet und die Einrichtung ist hochwertig – hier wurde sichtbar investiert, unter anderem in teure Vitra-Möbel. Im Kontrast dazu steht allerdings die Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitenden: Für Sommerfeste gibt es nur ein sehr kleines Budget pro Person, eine Weihnachtsfeier findet nur statt, wenn Teams sie privat organisieren – finanzielle Unterstützung gibt es dafür keine. Die Mitarbeiterwertschätzung ist dadurch leider kaum spürbar.
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Umwelt-/Sozialbewusstsein
Beim Umwelt- und Sozialbewusstsein gibt es aus meiner Sicht kaum nennenswerte Ansätze. Auf Umwelt- und Klimaschutz wird wenig sichtbar geachtet und Themen wie Nachhaltigkeit oder fairer Handel spielen im Arbeitsalltag praktisch keine Rolle. Hier wäre deutlich mehr Engagement wünschenswert.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt kommt zwar pünktlich, liegt aber insgesamt in keinem guten Verhältnis zur Verantwortung und Arbeitsbelastung. Es gibt ein festes Jahresgehalt, mit dem alles abgegolten ist – zusätzliches Urlaubs- oder Weihnachtsgeld existiert nicht. Frauen werden deutlich schlechter bezahlt als Männer, und Mitarbeitende mit älteren Verträgen sind finanziell wesentlich besser gestellt. Während früher offenbar großzügiger bezahlt wurde, wirkt es heute so, als wäre das Portemonnaie fest verschlossen. Insgesamt sind Bezahlung und Sozialleistungen enttäuschend.
Image
Das Image ist aus meiner Sicht sehr schlecht. Intern stöhnen die meisten Mitarbeitenden über ihre Arbeitssituation, viele schauen sich aktiv nach neuen Jobs um – was auch die hohe Fluktuation erklärt. Besonders schade ist es, dass ein so großes und eigentlich starkes Unternehmen wie ALDI seine Immobilienverwaltung so schlecht organisiert und präsentiert. Zwischen dem äußeren Markenauftritt und der tatsächlichen Realität liegen leider Welten.
Karriere/Weiterbildung
Die Karriere- und Weiterbildungsmöglichkeiten sind eingeschränkt. Zwar soll offiziell jede:r Mitarbeiter:in einmal im Jahr eine Schulung besuchen, in der Praxis ist die Förderung jedoch stark abhängig von der jeweiligen Führungskraft. Da ich in den letzten Jahren ständig wechselnde Vorgesetzte hatte, gab es für mich kaum eine realistische Chance, in den Talentpool aufgenommen oder gezielt gefördert zu werden – schlicht weil mich niemand ausreichend kannte. Transparente Kriterien für beruflichen Aufstieg sind nicht erkennbar. Es gibt zwar Werkstudent:innen, die teilweise gut eingebunden werden, aber insgesamt fehlt eine klare, verlässliche Struktur für Weiterentwicklung und Karriereplanung.