Ich empfehle es nicht
Gut am Arbeitgeber finde ich
Die Arbeit mit den Thema Essstörung und komorbiden psychischen Erkrankungen ist super spannend.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Im Grunde genommen, dass die Mitarbeitenden verbrannt werden.
Verbesserungsvorschläge
Mitarbeitende ernst nehmen und deren Feedback nicht direkt ablehnen, sondern vielleicht kurz drüber nachdenken. Außerdem mit der Zeit gehen, digitalisieren und Prozesse starten, die die Arbeit erleichtern (Dokumentation zB.: teilweise mussten Dinge doppelt dokumentiert werden, aber in unterschiedlicher Form).
Arbeitsatmosphäre
Im Team mega gut! Sehr unterstützend und wertschätzend. Durch die Leitungen wurde das allerdings nicht so gelebt. Da war das Motto eher: alles dafür tun, um die Mitarbeitenden kleinzuhalten und keine Initiativen Ideen möglich zu machen.
Kommunikation
Über ein wöchentliches Protokoll aus den Leitungssitzungen wurden in teilweise sehr forschem Ton die neuesten Entscheidungen kommuniziert. Transparenz dabei war eher unerwünscht. Verbesserungswünsche an diesem Kommunikationsweg wurden mit einem „nimm das nicht so ernst, wie wenig wertschätzend und freundlich das Protokoll geschrieben ist“. So kann man Eigenverantwortung natürlich auch gut von sich selbst wegschieben.
Kollegenzusammenhalt
Neben der Arbeit mit den Bewohnerinnen, die wirklich sehr spannend und wertvoll ist, war der Zusammenhalt und die gegenseitige Wertschätzung im Team das einzige, dass mich so lange bei Anad gehalten hat.
Work-Life-Balance
Die Dienste waren: Frühdienst (ab 7:45 bis i.d.R. 17/18 Uhr, weil chronisch zu wenige Leute anwesend waren), Spätdienst (von 10 bis 19 Uhr, wegen der Übergabe meistens aber länger), Abenddienst (14 - 22 Uhr, es wurde immer die Bereitschaft erwartet, länger zu bleiben, möglicherweise spontan über Nacht, sollte ein Nachtdienst ausfallen). Außerdem wurde gegen Ende meiner Zeit bei Anad erwartet, rein aus Kollegialität am Freitag bereit zu sein, einen Wochenenddienst zu übernehmen. War also eher eine work-work-balance. Hat man dann nämlich einen Nachtdienst übernommen, fehlt natürlich die Zeit tagsüber für die eigentlichen Aufgaben. Das musste dann aber trotzdem gemacht werden.
Vorgesetztenverhalten
Die Haltung der Leitungen hat sich sehr angefühlt wie ein „Leitungen gegen den Rest“. Rückmeldungen und Verbesserungsvorschläge, oder einfach nur das simple Ansprechen der Belastung durch die viel zu hohe Arbeitsbelastung wurde wegignoriert, höchstens vorgeschlagen, wie man sein Zeitmanagement verbessern kann. Zeit für die Bewohnerinnen gab es im Endeffekt immer weniger.
Interessante Aufgaben
Die Einzelfallarbeit mit den Bewohnerinnen war sehr spannend. Besonders wenn dann eine Bewohnerin mit Strategien gegen die Essstörung, Plänen und Träumen für die Zukunft und einer neuen Perspektive abseits der Essstörung ausgezogen ist, war es ein wundervoller Moment. Und die Zusammenarbeit in dem sehr professionellen Team war sehr bereichernd.
Gleichberechtigung
Die wenigen männlichen Kollegen dort haben eine besondere Stellung.
Umgang mit älteren Kollegen
Gibt es eher nicht, außer auf der Leitungsebene
Arbeitsbedingungen
Wenn man wie ein Esel mehrfach 10-14 Stunden manchmal ohne Pause (auch bei Klinikeinweisungen oder sonstigen Stressigen Tagen gilt, dass eine Pause aufgeschrieben werden muss, die nicht gemacht werden konnte) arbeiten möchte, einem Wertschätzung oder ein Privatleben nicht so wichtig ist, dann gefällts einem bestimmt.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Umwelt als Thema kam nicht vor. Sozialbewusstsein müsste durch die anderen Punkte klar werden. Faktisch ist es immer wichtig, dass das Image aufrechterhalten wird und die Betten belegt sind
Gehalt/Benefits
Wenn man eine Leitungsrolle übernehmen will, wird das nicht vergütet. Die Nachtdienstleitungen haben ihren Job neben der Bezugsbetreuung gemacht.
Gehalt ist ok, wenn man ausklammert, dass man nichts fürs spontane Einspringen bekommt. Egal, wie spontan man einen Dienst übernimmt oder spontan länger/ über Nacht bleibt.
Image
Der Ruf ist gut, verstehe ich auch, wenn sich alle den A*** aufreißen.
Karriere/Weiterbildung
Fortbildungen wurden mit bis zu 200 euro bezuschusst. In den letzten Monaten meiner Zeit dort hatte ich keine Zeit, mich um interessante Fortbildungen zu kümmern