Solange der Umsatz stimmt, ist alles gut – bei Schwierigkeiten fehlt die Unterstützung
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre habe ich als stark umsatz- und leistungsorientiert erlebt. Anerkennung und Unterstützung waren nach meinem Eindruck hauptsächlich davon abhängig, wie viel Umsatz man erwirtschaftet. Dadurch entstand für mich dauerhaft ein hoher Druck.
Kommunikation
Die Kommunikation empfand ich nicht als offen und verlässlich. In guten Phasen wurde regelmäßig Kontakt gehalten. Sobald Schwierigkeiten auftraten oder die Umsätze zurückgingen, fühlte ich mich mit meinen Problemen weitgehend allein gelassen.
Kollegenzusammenhalt
Mit einzelnen Kollegen war der Austausch angenehm. Insgesamt hatte ich jedoch den Eindruck, dass das Vergütungssystem und die Struktur eher Konkurrenz und Abhängigkeiten fördern als einen nachhaltigen Zusammenhalt.
Work-Life-Balance
Als Selbstständiger kann man seine Arbeitszeiten grundsätzlich selbst einteilen. In der Praxis musste ich allerdings deutlich mehr arbeiten als ein Angestellter, um nach Abzug von Steuern, privater Krankenversicherung und weiteren Kosten ein vergleichbares Einkommen zu erreichen. Die vermeintliche zeitliche Freiheit wurde durch den hohen Umsatzdruck stark eingeschränkt.
Vorgesetztenverhalten
Solange ich Umsatz erwirtschaftete und damit auch den übergeordneten Ebenen in der Struktur Einnahmen brachte, wurde sich um mich gekümmert. In schwierigeren Phasen oder bei ausbleibendem Umsatz fühlte ich mich dagegen weitgehend im Stich gelassen. Gerade dann hätte ich mir echte Unterstützung und eine verlässliche Betreuung gewünscht.
Interessante Aufgaben
Für mich ist die Branche eines der schwierigsten die es gibt bzgl. Moral und Verantwortungsbewusstsein. Es ist ein Job als Versicherungsmakler, um dem es am ende des Tages um die Existenz eines Menschen geht.
Gleichberechtigung
Ich habe persönlich keine eindeutige Benachteiligung aufgrund des Geschlechts erlebt. Mein Gesamteindruck war allerdings, dass Umsatz und Position innerhalb der Struktur stärker zählen als andere Faktoren.
Umgang mit älteren Kollegen
Ältere Kollegen wurden nach meiner Wahrnehmung einbezogen und respektvoll behandelt.
Arbeitsbedingungen
Da die Tätigkeit selbstständig ausgeübt wird, trägt man viele Kosten und wirtschaftliche Risiken selbst. Die Kombination aus Eigenverantwortung, laufenden Ausgaben und Umsatzdruck empfand ich als belastend. Aus meiner Sicht wurde die Selbstständigkeit positiver dargestellt, als sie sich im Alltag tatsächlich angefühlt hat.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Ein besonders ausgeprägtes Umwelt- oder Sozialbewusstsein habe ich während meiner Zeit dort nicht wahrgenommen. Nach meinem Eindruck standen Vertrieb, Wachstum und Umsatz deutlich stärker im Mittelpunkt.
Gehalt/Benefits
Ein festes Gehalt gab es in meiner Tätigkeit nicht. Einnahmen mussten zunächst selbst erwirtschaftet werden, während Kosten für Steuern, Krankenversicherung, Mobilität und weitere berufliche Ausgaben selbst zu tragen waren. Aus meiner Sicht standen Arbeitsaufwand, finanzielles Risiko und tatsächlicher Verdienst häufig in keinem angemessenen Verhältnis.
Image
Mein persönliches Bild des Unternehmens hat sich während meiner Tätigkeit deutlich verschlechtert. Die Außendarstellung und meine tatsächlichen Erfahrungen im Arbeitsalltag lagen für mich weit auseinander.
Karriere/Weiterbildung
Es wurden Entwicklungs- und Verdienstmöglichkeiten dargestellt. Nach meiner Erfahrung waren diese jedoch stark vom eigenen Umsatz sowie vom Aufbau und der Funktionsweise der Vertriebsstruktur abhängig. Eine unabhängige, langfristige und fachlich fundierte Weiterbildung hätte ich mir stärker gewünscht.