1 Bewertung von Mitarbeiter:innenkununu Prüfprozess
kununu Prüfprozess
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Der Bewerbungsprozess war professionell organisiert und das Onboarding gut vorbereitet. Auch das Arbeitsumfeld in der Zentrale habe ich grundsätzlich als angenehm erlebt. Besonders positiv hervorzuheben sind die herzlichen, hilfsbereiten und engagierten Kolleginnen und Kollegen, die sich mit großem Einsatz für ihre Arbeit einsetzen. Auch die Zusammenarbeit mit den gewerblichen Mitarbeitenden an den Standorten war für mich eine Bereicherung.
Die Vergütung und Sozialleistungen sind ebenfalls positiv zu bewerten, zumindest im kaufmännischen Bereich. Außerdem habe ich erlebt, dass Menschen mit Migrationshintergrund faire Chancen erhalten. Persönliche Diskriminierung aufgrund der Herkunft habe ich in meinem Arbeitsumfeld nicht wahrgenommen.
Es gibt durchaus gute Ansätze für eine moderne Unternehmenskultur, beispielsweise Feedbackgespräche, ein Growth Mindset und Instrumente zur Klärung von Verantwortlichkeiten. Auch die Dokumentation und das Reporting sind in einzelnen Bereichen, etwa Technik und Ressourcenverbrauch, gut ausgeprägt.
Ein besonderer Pluspunkt ist für mich die Arbeitssicherheit als wichtiges Thema. Wer bei Elis arbeitet, sollte sich bewusst Zeit nehmen, die gewerblichen Kolleginnen und Kollegen kennenzulernen, ihre Arbeit selbst zu verstehen und die Herausforderungen vor Ort ernst zu nehmen. Nur so lassen sich Prozesse sinnvoll und praxisnah verbessern.
Leider habe ich eine deutliche Diskrepanz zwischen den formulierten Werten und der tatsächlich gelebten Unternehmenskultur erlebt. Während Eigenverantwortung, Entwicklung und konstruktives Feedback als Ziele vermittelt werden, waren mein Arbeitsalltag und meine Erfahrungen mit der Führung teilweise von Mikromanagement, mangelnder Transparenz und einer ausgeprägten Schuldzuweisungskultur geprägt.
Der Bewerbungsprozess war mit sechs Gesprächen sehr zeitintensiv. Das anschließende Onboarding war zwar gut organisiert, bereitete jedoch eher auf einen angestrebten Soll-Zustand als auf die tatsächlichen Herausforderungen vor. Eine engere Begleitung durch einen erfahrenen Mentor in den ersten Wochen hätte geholfen, Erwartungen, Zuständigkeiten und konkrete Prioritäten besser zu verstehen.
Erwartungen und Prioritäten wurden aus meiner Sicht nicht immer klar und konsistent kommuniziert. Teilweise wurden Aufgaben und Entscheidungen im Nachhinein anders bewertet als zuvor besprochen. Gleichzeitig waren die eigenen Entscheidungsspielräume begrenzt. Das erschwerte eigenverantwortliches Arbeiten und führte dazu, dass Entscheidungen kritisiert wurden, obwohl die notwendigen Kompetenzen dafür zuvor nicht übertragen worden waren.
Hinzu kamen fehlende Transparenz und eine unzureichende Einbindung in Entscheidungen, die den eigenen Verantwortungsbereich unmittelbar betrafen. Teilweise wurden Themen direkt mit Mitarbeitenden meines Standorts besprochen, ohne mich einzubeziehen oder anschließend zu informieren.
Auch die Führung auf übergeordneter Ebene kam aus meiner Sicht zu kurz. Statt Zusammenhänge, Ursachen und Prioritäten gemeinsam zu betrachten, wurde häufig auf einzelne Details fokussiert. Themen wurden wiederholt diskutiert, obwohl sie bereits abgeschlossen waren. Das band Zeit und Kapazitäten, die an anderer Stelle dringend benötigt wurden.
Besonders kritisch sehe ich den Umgang mit Fehlern und Feedback. Statt Probleme systematisch zu analysieren und ihre Ursachen nachhaltig zu beseitigen, wurden Verantwortlichkeiten teilweise sehr schnell einzelnen Personen zugeschrieben. Dabei habe ich auch persönliche und abwertende Aussagen erlebt, teilweise im Beisein anderer Mitarbeitender.
Konstruktives Feedback, mit dem ich meine Arbeit gezielt hätte verbessern können, habe ich nicht durchgängig erhalten. Rückmeldungen bezogen sich teilweise auf Aussagen Dritter oder wurden in für mich inadäquater Form geäußert. Eine offene Feedbackkultur, in der auch Führungskräfte Rückmeldungen annehmen und ihr eigenes Verhalten reflektieren, habe ich in meinem Arbeitsumfeld vermisst.
Gleichzeitig wurden Erfolge und erreichte Fortschritte wenig sichtbar gemacht, während nicht erledigte Aufgaben und vermeintlich falsch gesetzte Prioritäten regelmäßig im Mittelpunkt standen. Die Gründe für Verzögerungen, konkurrierende Anforderungen oder fehlende Ressourcen wurden dabei nicht immer ausreichend berücksichtigt.
Die hohe Arbeitsbelastung im Management war aus meiner Sicht ein wesentlicher Faktor für viele der beschriebenen Probleme. Überlastung führte zu verzögerten Entscheidungen und Freigaben, widersprüchlichen Aussagen und fehlender Verbindlichkeit. Notwendige Arbeitsschritte, beispielsweise im Zusammenhang mit Investitionen, wurden dadurch teilweise ausgebremst. Für mich waren 70 Stunden pro Woche keine Seltenheit.
Auch die Digitalisierung ist aus meiner Sicht nicht ausreichend vorangeschritten. Excel wird selbst bei sehr großen Datenmengen intensiv als zentrales Arbeitsinstrument eingesetzt. Der damit verbundene manuelle Aufwand bindet erhebliche Kapazitäten und erschwert es, sich auf wertschöpfende Aufgaben und nachhaltige Verbesserungen zu konzentrieren.
Kritisch sehe ich außerdem die Arbeitsbedingungen in der Produktion. Körperlich schwere Tätigkeiten, Hitze, lange Schichten und zusätzliche Sonderschichten treffen auf eine Vergütung, die teilweise nur knapp über dem Mindestlohn liegt. Hier stellt sich für mich die Frage, wie langfristig gute Arbeitsbedingungen, Motivation und Mitarbeiterbindung sichergestellt werden sollen.
Auch der Umgang mit Krankheit und persönlichen Verpflichtungen könnte aus meiner Erfahrung mehr Verständnis und Verlässlichkeit zeigen. Vereinbarte Termine wurden teilweise kurzfristig verschoben, ohne ausreichend Rücksicht auf private Verpflichtungen zu nehmen. Krankheit, insbesondere in der Grippesaison, sollte zudem nicht als persönliche Schwäche betrachtet werden, sondern als normaler Bestandteil des Arbeitslebens.
Besonders enttäuschend war für mich der Umgang mit dem Ende meiner Beschäftigung. Eine strukturierte Übergabe und ein professionelles Offboarding habe ich nicht erlebt. Mein Zugang wurde ohne vorherige Information gesperrt, noch bevor eine Freistellung erfolgt war.
Ein wertschätzender Abschluss der Zusammenarbeit sieht für mich anders aus. Gerade in einer solchen Situation zeigt sich, ob die zuvor kommunizierten Werte auch dann gelten, wenn die Zusammenarbeit endet.
Elis hat engagierte Mitarbeitende, gute Ansätze und durchaus Potenzial, sich als moderner und attraktiver Arbeitgeber weiterzuentwickeln. Dafür braucht es aus meiner Sicht jedoch mehr als formulierte Unternehmenswerte.
Wichtig wären eine konsistente und transparente Führung, klar definierte Verantwortlichkeiten und realistische Prioritäten. Führungskräfte sollten sich stärker auf die wesentlichen Zusammenhänge konzentrieren, Entscheidungen ermöglichen und Mitarbeitende befähigen, statt sich in operative Einzelheiten einzumischen.
Ebenso wichtig wäre eine echte Fehler- und Feedbackkultur, in der Probleme systemisch analysiert werden, konstruktive Rückmeldungen in beide Richtungen möglich sind und Erfolge anerkannt werden. Die Arbeitsbelastung im Management muss realistisch gesteuert werden, damit Entscheidungen, Freigaben und zugesagte Maßnahmen auch tatsächlich erfolgen können.
Darüber hinaus sollte die Digitalisierung konsequent vorangetrieben werden. In der Produktion verdienen Arbeitsbedingungen, Vergütung und die langfristige Gesundheit der Mitarbeitenden besondere Aufmerksamkeit.