Viele gute Ideen und ein modernes Arbeitsumfeld, bei denen die tatsächliche Umsetzung leider nicht immer mit dem vermitt
Gut am Arbeitgeber finde ich
Für mich hatte das Unternehmen viele der positiven Seiten, die man mit einem modernen Startup verbindet – und das war tatsächlich nicht nur Fassade. Die Arbeitsatmosphäre war grundsätzlich locker und es gab viele ungewöhnliche Benefits: Aufenthaltsräume mit Tischkicker, Dart und Nintendo Switch, regelmäßiges gemeinsames Spielen mit dem Chef, kostenlose Getränke, eigener Honig aus den Bienenstöcken auf dem Dach und sogar E-Ladesäulen auf dem Parkplatz. Vieles davon konnten auch während der Arbeitszeit genutzt werden. Das war für mich eine sehr angenehme und besondere Arbeitsumgebung.
Auch die Stimmung im Team habe ich überwiegend als gut empfunden. Es gab viele nette Kolleg*innen. Der oberste Chef machte auf mich persönlich einen sehr sympathischen und bodenständigen Eindruck.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Mit zunehmender Zeit entstand bei mir allerdings ein deutlicher Widerspruch zwischen der sehr lockeren Startup-Kultur und dem gleichzeitig zunehmenden Leistungs- und Zahlendruck. Es wurden Kennzahlen vorgegeben, die aus meiner Sicht teilweise sehr schwer erreichbar waren, weil sie von Faktoren abhingen, die man selbst zum Teil gar nicht beeinflussen konnte. Dadurch ging für mich ein Teil der anfänglich sehr lockeren Atmosphäre verloren.
Auch bei den Führungskräften hatte ich teilweise den Eindruck, dass die Besetzung der Positionen nicht immer ausschließlich nach fachlicher und und insbesondere persönlicher Eignung erfolgte. Besonders die starke Ausrichtung auf eine bestimmte Geschlechterverteilung hat bei mir diesen Eindruck entstehen lassen. Dabei möchte ich ausdrücklich betonen, dass ich damit keinesfalls die Intelligenz von diesen Frauen oder Frauen allgemein infrage stellen möchte. Es gab nicht wenige fachlich überzeugende und intelligente weibliche Führungskräfte – aber eben auch so einige, bei denen ich die Führungskompetenz und die charakteristische Eignung vermisst habe.
Enttäuschend empfand ich außerdem die Kommunikation rund um die wirtschaftliche Situation des Unternehmens. Es gab bereits zuvor Unsicherheit unter den Mitarbeitern, gleichzeitig wurde vermittelt, dass die Arbeitsplätze sicher seien. Wenige Wochen später wurden dann umfangreiche Personalmaßnahmen angekündigt (ca 2/3 der Belegschaft wurde entlassen). Ich kann nicht beurteilen, wann die Unternehmensleitung selbst von der Situation erfahren hat, weshalb ich hier ausdrücklich nur meine persönliche Wahrnehmung beschreiben möchte. Die Situation war für viele Mitarbeitende dennoch ein großer Schock. Positiv war, dass anschließend versucht wurde, faire Lösungen für die betroffenen Mitarbeitenden zu finden, unter anderem durch Abfindungsregelungen.
Verbesserungsvorschläge
Das Unternehmen hatte aus meiner Sicht viele gute und innovative Ansätze und eine Arbeitskultur, die sich positiv von klassischen Arbeitgebern abheben kann. Gerade die lockere Atmosphäre und die besonderen Benefits habe ich sehr geschätzt. Gleichzeitig gab es aus meiner Sicht deutliche Schwächen bei Leistungsdruck, Führung und insbesondere bei der Kommunikation in schwierigen Unternehmensphasen. Insgesamt war meine Erfahrung daher gemischt: Viele gute Ideen und ein modernes Arbeitsumfeld, bei denen die tatsächliche Umsetzung leider nicht immer mit dem vermittelten Bild übereinstimmte - daran sollte man arbeiten. Und bei der Auswahl der unteren Führungskräften (charakteristische Eignung) etwas genauer hinsehen.