Unprofessionelle Führung, chaotische Prozesse und fehlende Wertschätzung - Arbeitgeber nicht zu empfehlen
Gut am Arbeitgeber finde ich
Der Kühlschrank im Büro war stets gut gefüllt. Es gab donnerstags ein gemeinsames Mittagessen.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Anmerkung: Einige Passagen wurden nachträglich angepasst.
- Extrem unprofessionelles, respektloses und kindisches Vorgesetztenverhalten.
- Entscheidungen wirkten auf mich häufig spontan und wenig nachvollziehbar („aus dem Bauch heraus“), was bei mir den Eindruck von Unberechenbarkeit erzeugte.
- Im Kontakt mit einzelnen Entscheidungsträgern empfand ich den Umgangston teilweise als wenig wertschätzend, was ich als unangenehm empfunden habe und für mich ein unangenehmes Arbeitsklima erzeugt hat.
- Mangelnde Menschlichkeit und Empathie (z.B. bei psychischen Problemen oder Überlastung der eigenen Mitarbeiter).
- Fehlende Wertschätzung gegenüber langjährigen Mitarbeitern (z.B. Verweigerung von Handschlag/Abschiedsworten).
- Chaotische Prozesse und aus meiner Sicht unzureichend gelebtes Projektmanagement (z. B. Aufgabenverteilung über Skype trotz vorhandenem PM-Tool).
- Mangelhafte Organisation, die sich für mich u. a. in einer verspäteten Gehaltszahlung zeigte, die ich selbst anstoßen musste.
- Aus meiner Sicht starke Fokussierung auf studentische Arbeitskräfte und ‚Billig statt Qualität‘, was zu spürbarem Kompetenzverlust führte.
- Aus meiner Sicht stark marketingorientiertes Außenbild, das nicht immer zu meinen Eindrücken aus dem Arbeitsalltag passte (inkl. hoher Bedeutung von Online-Reputation).
Verbesserungsvorschläge
- Menschlichkeit und Empathie: Dringend ein Führungsseminar besuchen, um den Umgang mit Mitarbeitern zu professionalisieren und menschliche Kompetenzen (Empathie, Respekt, Anerkennung) zu entwickeln.
- Struktur und Prozesse: Eine vernünftige HR-Abteilung etablieren und Projektmanagement sowie verbindliche, transparente Prozesse einführen, um das derzeitige Chaos zu beenden.
- Werte und Qualität: Den Fokus von Kostenersparnis auf Qualität verlagern, das Fachwissen der Führungskraft modernisieren und sich an getroffene Abmachungen halten.
- Respekt: Persönliche und berufliche Grenzen der Mitarbeiter respektieren und Kündigungen auf professionelle, wertschätzende Weise durchführen.
Arbeitsatmosphäre
Die Atmosphäre ist von hoher Fluktuation und fehlender Wertschätzung geprägt. Das Motto ist "Quantität vor Qualität" und es wird vieles nur "hingerotzt". Trotz einiger Annehmlichkeiten (gut gefüllter Kühlschrank, gemeinsames Mittagessen am Donnerstag) überwiegt ein Gefühl von Chaos und Unprofessionalität.
Image
Die Darstellung auf der Website wirkte auf mich nicht immer konsistent mit der tatsächlichen Teamstruktur, wie ich sie intern erlebt habe. Dadurch wirkte das Unternehmen nach außen auf mich größer und kompetenter, als ich es intern erlebt habe. Das Außenbild des Unternehmens wirkte auf mich sehr stark marketinggetrieben und nicht immer deckungsgleich mit meinen Eindrücken aus dem Arbeitsalltag. Ich hatte außerdem den Eindruck, dass dem Online-Image und dem Umgang mit öffentlichen Bewertungen eine besonders große Bedeutung beigemessen wurde. In meiner Zeit dort hatte ich den Eindruck, dass fachliche Kompetenz und Qualität eher abgenommen haben. Die Fluktuation ist hoch, und die Führungsebene agiert zusätzlich unprofessionell und kindisch (Mitarbeiter werden auf sozialen Medien geblockt).
Work-Life-Balance
Die Work-Life-Balance habe ich als nicht immer respektiert erlebt. Urlaubstage waren auf Mindestniveau und Pausenzeiten werden nicht immer eingehalten. Aus meiner subjektiven Sicht hatte ich vereinzelt den Eindruck, dass eine hohe Erreichbarkeit als selbstverständlich angesehen wurde. Für mich persönlich war das stellenweise herausfordernd. Homeoffice wurde nach meinem Eindruck ungern gesehen.
Karriere/Weiterbildung
Karrieremöglichkeiten sind aufgrund der sehr kleinen Unternehmensgröße nach meinem Eindruck kaum vorhanden. Fachlich hätte ich mir in mehreren Bereichen (z. B. Tracking / technisches SEO) mehr Aktualität und operativen Bezug in der Führungsebene gewünscht. Der Fokus liegt auf billigen studentischen Arbeitskräften statt auf deren Weiterentwicklung.
Gehalt/Benefits
Ich selbst bin damals mit 2.500 € brutto eingestiegen, später waren es 3.334 €. Verglichen mit den öffentlich einsehbaren Durchschnittsgehältern für Online-Marketing-Manager (z. B. bei kununu) empfand ich das als eher niedrig. Es gibt kein Weihnachts- oder Urlaubsgeld. In meinem Fall kam es einmal zu einer Verzögerung bei der Gehaltszahlung, die erst nach meiner Rückmeldung korrigiert wurde.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Das Sozialbewusstsein habe ich als sehr gering erlebt. Kündigungen kurz vor Weihnachten und der Umgang mit Belastungssituationen haben diesen Eindruck bei mir verstärkt.
Kollegenzusammenhalt
Früher war der Teamaspekt und die Stimmung unter den Kolleg:innen aus meiner Wahrnehmung super. Leider wurde dieser Zusammenhalt durch die Entscheidungen und das Vorgesetztenverhalten des Chefs mehr oder weniger zerstört. Obwohl ich den aktuellen Zustand aufgrund der hohen Fluktuation nicht direkt beurteilen kann, ist laut Erzählungen ehemaliger Kollegen das Teamgefühl kein Vergleich mehr zu früher.
Umgang mit älteren Kollegen
In meiner Zeit im Unternehmen hatte ich den Eindruck, dass personelle Wechsel eher kurzfristig entschieden wurden und selten in offenen Gesprächen gemeinsam gelöst wurden. Dieser Eindruck wurde für mich unter anderem durch Kündigungen in schwierigen Situationen (z. B. während Krankheit oder kurz vor Weihnachten) verstärkt.
Vorgesetztenverhalten
Das Vorgesetztenverhalten war für mich das größte Problem. Entscheidungen wirkten auf mich häufig spontan und nicht ausreichend transparent begründet; langfristige Konsequenzen wurden aus meiner Sicht dabei nicht immer mitbedacht. Fachlich hätte ich mir in einigen Bereichen eine modernere, stärker am aktuellen Standard orientierte Herangehensweise gewünscht. Aus meiner Sicht zeigte sich zudem Bedarf an moderner Führung und professionellem Umgang mit Mitarbeitenden. Trotz des eigenen Anspruchs, ein „Chef mit Abstand“ zu sein, mischte er sich aus meiner Sicht unangemessen in private Angelegenheiten ein und überschritt persönliche Grenzen (z. B. in der Mittagspause vor dem gesamten Team). In Situationen, in denen Mitarbeitende psychisch belastet waren, habe ich wenig Empathie und Unterstützung erlebt. Die Wertschätzung gegenüber langjährigen Mitarbeitenden empfand ich als sehr gering. Das zeigte sich auch bei mir: Nach knapp drei Jahren wurde mir zum Abschied weder die Hand gegeben noch ein Wort gewidmet. Das empfand ich als sehr respektlos.
Arbeitsbedingungen
Die IT-Ausstattung war teilweise veraltet (PCs, auf denen Excel Minuten zum Laden brauchte). In meiner Zeit dort empfand ich das Projektmanagement als eher unstrukturiert, was die Zusammenarbeit manchmal erschwert hat.
Kommunikation
Die Kommunikation habe ich als sehr unstrukturiert und häufig unzureichend erlebt. Strategien, die mühsam ausgearbeitet wurden, werden über Nacht verworfen, weil der Chef spontan eine andere Meinung hat. Das Projektmanagement habe ich als unstrukturiert erlebt. Obwohl mit Monday grundsätzlich ein PM-Tool vorhanden war, wurde es nach meinem Eindruck nicht konsequent genutzt. Aufgaben und Absprachen liefen häufig weiterhin über Skype, was für mich die Zusammenarbeit unnötig unübersichtlich gemacht hat und nicht zeitgemäß wirkte. Die Nutzung von Skype als zentralem Kommunikationskanal empfand ich als nicht mehr zeitgemäß vor allem, weil dadurch die Nutzung des PM-Tools zusätzlich erschwert wurde. Ich hatte den Eindruck, dass bei Konflikten oder Schwierigkeiten nicht immer gemeinsam nach Lösungen gesucht wurde. Für mich wirkte der Umgang mit Problemen wenig lösungs-/dialogorientiert und eher kurzfristig.
Gleichberechtigung
Als ich 2021 als Werkstudent angefangen habe, lag mein Stundenlohn bei 10 €, was aus meiner Sicht niedrig war. Außerdem hatte die Agentur zu dieser Zeit vergleichsweise viele Werkstudent*innen im Verhältnis zur Gesamtgröße des Teams. Ich hatte den Eindruck, dass der Fokus stark auf Kosten lag und Kompetenz/Qualität dadurch oft in den Hintergrund geriet. Ich hatte den Eindruck, dass Fehler je nach Person unterschiedlich bewertet wurden: bei manchen wurde großzügiger reagiert als bei anderen.
Interessante Aufgaben
Aufgaben sind vorhanden, aber die Umsetzung leidet stark unter dem Fokus auf Kostenersparnis und "Quantität vor Qualität". Erfahrungswissen und spezialisierte Kompetenzen gingen durch den Austausch erfahrener Vollzeitkräfte gegen studentische Arbeitskräfte aus meiner Sicht teilweise verloren.