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Jenaplan-Gymnasium 
Nürnberg
Bewertungen

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Anspruch vs. Realität

1,9
Nicht empfohlen
Ex-Angestellte/r oder Arbeiter/inHat bis 2023 für dieses Unternehmen in Nürnberg gearbeitet.

Gut am Arbeitgeber finde ich

Kleine Klassen, halbwegs gute IT-Ausstattung (v.a. das IT-Hilfe-Team, das immer erreichbar ist), ansprechendes Schulgebäude (im Inneren), schulpädagogischer Idealismus des Vorstandes (wobei es hier auch schon zu einem Burnout kam und vieles leider nur Schaumschlägerei ist)

Schlecht am Arbeitgeber finde ich

Das größte Problem war, dass es sich hier nicht um ein „echtes“ reformpädagogisches Gymnasium handelt – ganz anders als mir im Vorstellungsgespräch versucht wurde weißzumachen. Das Gebäude atmet mit seinen Wandbemalungen zwar durchaus einen idealistischen Bildungsgeist, aber die Realität in den Klassenzimmern ist eine andere: Letztlich ganz normaler Unterricht. Mehr wird von einem auch fast nicht verlangt. Ab einer bestimmten Stundenanzahl muss man zwar auch einen Nachmittagskurs machen, den man sich frei wählen kann, davon abgesehen gibt es aber wenig Reformpädagogisches oder das, was es gibt, funktioniert nicht.
Da wären zum einen die fehlenden Noten bis zur zehnten Klasse. Die sollen durch Kompetenzbeschreibungen ersetzt werden - per se eine gute Idee. Das setzt aber für jedes Fach ein entsprechendes praxistaugliches Kompetenzmodell voraus, was aber oft nicht vorhanden ist (stattdessen wird einfach auf den Lehrplan verwiesen). Hier wären also wichtige Absprachen vonnöten, die es leider schlicht nicht gibt. Zudem fehlt den Schülern durch die wegbrechenden Noten eine Form von Motivation. Die müsste man irgendwie ersetzen, z.B. durch einen stärker projektförmigen Unterricht, der die Schüler anspricht. All das passiert aber nicht. Und die Noten in der Oberstufe motivieren ebenfalls nicht, da sie nicht zählen.
Besonders dort, in der Sek. II., merkt man dann leider auch den fehlenden oder sehr schlechten Unterricht, den die Schüler bis dahin (häufig bei Quereinsteigern) hatten. Wenn Schüler/innen in der 12. Klasse im Geschichtsunterricht nicht wissen, was eine Kaserne ist, und mit nahezu keinerlei Vorwissen vor einem sitzen, dann kann man so jemanden auch nicht richtig auf das Abitur vorbereiten. Die Folge ist dann viel Frontalunterricht, was wiederum einen großen Kursteil abschreckt. Aber selbst wenn die Schüler regelmäßig kommen, sind die Klausuren – bei allen Lehrern – sehr schlecht, im Durchschnitt (!) nicht selten 3-4 Notenpunkte. Auch die Schüler fühlten sich schlecht auf das Abitur vorbereitet und übten z.T. scharfe Kritik, weshalb auch viele Schüler nach der 10. Klasse die Schule verlassen. (Zu den Kollegen s.u.).
Ein weiteres großes Problem war das organisatorische Chaos, das an der Schule herrscht. Erst hießt es, ich hätte in Geschichte in der 12. Klasse zwei Schülerinnen. Einen Tag später waren es sieben. Noch einen Tag später waren es zwölf. Eine korrekte Namensliste musste ich mir selbst machen. Unterrichtsausfälle, Exkursionen, spontane Vertretungen etc. wurden häufig nicht oder zu spät kommuniziert. Die Sekretärinnen waren nicht selten überfordert, was manchmal dazu führte, dass sie schlechte Laune hatten.
Ein weiteres größeres Problem ist, dass die Schüler häufig nicht für das Gymnasium geeignet sind. Das wirkt sich v.a. in den unteren Klassen aus, zieht sich aber (wie gesagt) bis in die Oberstufe. Das macht den Unterricht oft sehr schwer. Dazu kommt eine fundamentale Ambivalenz, denn einerseits möchte man „Auffangbecken“ für Schüler sein, die an staatlichen Schulen schlechte Erlebnisse hatten. Andererseits ist man ein Gymnasium, wo eigentlich der Leistungsgedanke im Vordergrund steht. Diese Dichotomie konnte bisher nicht aufgelöst werden; meistens dominierte eher die "Wohlfühlschule", hängt aber auch von der Einstellung des jeweiligen Lehrers dazu ab.
Insgesamt also leider viel pädagogisches Pathos, das kaum umgesetzt wird. Der hohe Durchzug von Lehrkräften und Schulleitungen kommt nicht von ungefähr.

Verbesserungsvorschläge

Wüsste nicht, wo ich da anfangen sollte... Der Vorstand müsste komplett getauscht werden und kritikfähig sein... Lehrkräfte sollten viel stärker zusammenarbeiten und Unterricht zusammen vorbereiten... Man müsste sich überlegen, wie man bei den Schülern Grundwissen und grundlegende Kompetenzen aufbaut... Quereinstiger müssten dringend nachqualifiziert werden... Es bräuchte ein Konzept, um die fehlende Motivation durch die fehlenden Noten auszugleichen... etc. pp.

Arbeitsatmosphäre

Ganz unterschiedlich: z. T. sehr nette Kollegen, z. T. aber auch absolute Katastrophen. Schüler sind überwiegend eher schwierig. Insgesamt war ich froh, als ich den Laden wieder verlassen habe.

Image

Dem eigenen Anspruch wird die Schule kaum gerecht. Vielen Lehrkräften war klar, dass die Schule "noch" nicht wirklich reformpädagogisch arbeitet. Die Schulleitung versucht alles, um es dem Ministerium recht zu machen statt die eigenen Ansprüche umzusetzen. Das Jenaplangymnasium hat in Nürnberg wohl auch das Image von "Wenn du es auf das staatliche Gymnasium nicht schaffst, kannst du immer noch auf das Jenaplan gehen..."

Work-Life-Balance

Ich kann hier nur für mich sprechen: Aufgrund der fehlenden Zusammenarbeit im Kollegium fällt für die Unterrichtsvorbereitung in der Oberstufe sehr viel Zeit an. Kommt aber darauf an, welchen Anspruch man an seinen Unterricht hat...

Karriere/Weiterbildung

In den wöchentlichen Lehrerkonferenzen soll von jedem einmal eine Unterrichtsmethode vorgestellt werden. Zu grundlegenden staatlichen Fortbildungen wird man zumindest als Fachleiter verpflichtet. Viel zu kurz kommt dabei aber das eigene Jenaplan-Konzept und die Weiterbildung für innovative pädagogische Konzepte. Was wirklich Neues habe ich an der Schule nicht gelernt.

Gehalt/Benefits

Muss individuell verhandelt werden. Ich war zufrieden. Ist natürlich kein Beamtengehalt, der volle Tarif (bei ausgebildeten Lehrern E13) wird aber auch nicht gezahlt. Ein Jobticket wurde vergütet, sonst gab es aber keine Sozialleistungen.

Umwelt-/Sozialbewusstsein

Die Schüler zeigen z.T. ein mangelndes Umweltbewusstsein, was aber in Kollegium und Schulleitung nicht als großes Problem gesehen wurde...

Kollegenzusammenhalt

Die Arbeit mit den Kolleginnen und Kollegen war extrem unterschiedlich. Von einer engen Freundschaft, die sich entwickelte, einerseits bis hin zu vollkommener Kritikunfähigkeit andererseits war vieles dabei. Das Problem war allerdings im Allgemeinen, dass das Kollegium kaum aus ausgebildeten Lehrkräften mit Staatsexamen bestand und daher viele Quereinsteiger dort tätig sind. Professionalität und qualitativ hochwertiegn Unterricht sucht man daher oft vergebens. Entsprechend gibt es einen großen Durchzug bei den Lehrkräften (und in der Schulleitung). Ein Vorteil sind theoretisch die vielen Sozialpädagogen. Allerdings gestaltete sich die Arbeit mit diesen oft sehr schwierig. Eine echte Kooperation war nicht wirklich möglich und Animositäten machten sich schnell breit. Meines Wissens nach hat ein Großteil der "Soz.-Päds" auch schon wieder gekündigt.
Ein (kleiner) Teil der Schüler hatte sehr elitäre-neoliberale Vorstellungen. Dem hätte man (in verschiedenen Fächern) begegnen müssen, was aber auch inhaltliche Absprachen und ggfs. entsprechende Projekte (z. B. zu den Themen Armut & Sozialstaat) vorausgesetzt hätte. Sowas war leider nicht einmal im Ansatz möglich.

Umgang mit älteren Kollegen

Ältere Lehrkräfte werden eingestellt und mit Respekt behandelt.

Vorgesetztenverhalten

Die Schulleiterin (die mittlerweile an einer anderen Schule wieder als ganz normale Lehrerin arbeitet) nahm sich zwar sehr viel (und oft auch spontan) Zeit für die Anliegen der Lehrkräfte. Es änderte sich letztlich aber nichts an den Problemen und man fühlte sich alleingelassen, z. B. mit schwierigen Schüler/innen. Der Vorstand des Trägervereins hielt bei Gelegenheit oft große idealistische Reden, die Realität sah dann aber ganz anders aus, oft wie an einem normalen Gymnasium. Kritik ggü. dem Vorstand durfte zudem explizit nicht geäußert werden - wodurch einer sinnvollen Schulentwicklung der Boden entzogen wurde. Zudem vergiftete der Vorstand das Schulklima durch Aussagen, man müsse sparen und daher wären die Sozialpädagogen die ersten, die gehen müssten. Daher und wegen des allgemeinen Chaos wechselt(e) die Schulleitung auch öfter.

Arbeitsbedingungen

Theoretisch sehr gut: Ein eigenes IT-Team, das bei PC-Problemen direkt hilft; gute Klassenzimmer-IT-Ausstattung; kleine Klassen; Fachleiter-Tätigkeit wird stundenmäßig angerechnet. Außerdem wurden meine Wünsche für den Stundenplan umgesetzt. Dagegen steht aber das organisatorische Chaos. Eine fundierte Einführung in das Jenaplan-Konzept wurde in der Stellenanzeige zudem zwar versprochen, aber nicht eingehalten. Dadurch war ich mit dem Schulkonzept nie hundertprozentig vertraut.

Kommunikation

Zum organisatorischen Chaos s.o. Die schlechte Kommunikation wurde vom Kollegium immer wieder beklagt, konnte von der Schulleitung aber nie gelöst werden.

Gleichberechtigung

Mir wurde von sexistischen Kommentaren seitens des Vorstandes (von einer betroffenen Kollegin) berichtet. Ich selbst habe keine Probleme bezüglich der Gleichbehandlung wahrnehmen können. Das Chaos macht in gewisser Weise alle gleich.

Interessante Aufgaben

"Interessante Aufgaben" gab es nicht wirklich. Unterricht ist eben Unterricht... An der Schulentwicklung wurde man nicht wirklich beteiligt (auch wenn es dafür eine Gruppe gab).

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